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BUND zum Weltwassertag 2013: Wasserversorgung nicht privatisieren

Red. Politik & Wirtschaft [ - Uhr]

Anlässlich des für den 22.03.2013 von der UNESCO ausgerufenen Weltwassertages hat der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) die Bundesregierung aufgefordert, sich gegen Bestrebungen zur Privatisierung der öffentlichen Wasserversorgung zu wehren.

Noch sei es möglich, die geplante EU-Richtlinie zur europaweiten Ausschreibung kommunaler Wasserwerke zu stoppen, sagte der BUND-Wasserexperte Sebastian Schönauer. Geschehe dies nicht, öffne sich für internationale Wasserkonzerne ein Einfallstor mit unabsehbaren Konsequenzen.

Privatisierungen in europäischen Staaten wie Frankreich, Großbritannien, Portugal und zum Teil auch in Deutschland zeigten, dass die Verbraucher mit extrem steigenden Preisen und einer schlechteren Wasserqualität zu rechnen hätten.

„Der Zugang zu sauberem und bezahlbarem Wasser ist ein Menschenrecht. Wasser ist keine Ware wie andere. Eine Privatisierung der Wasserversorgung nützt primär den Profitinteressen großer Konzerne und nicht den Verbrauchern. Die Bundesregierung muss dafür sorgen, dass die Wasserversorgung aus der sogenannten Konzessionsrichtlinie der EU herausgenommen wird“, sagte Schönauer.

In Deutschland könnten vom Privatisierungszwang in der Wasserbranche etwa 250 Stadtwerke betroffen sein. Die Privatisierung des Wassers durch international agierende Großunternehmen führe zu teils horrenden Preissteigerungen und verschlechtere aufgrund fehlender Investitionen oft die Qualität des Wassers. Dies gelte vor allem für Ballungsräume, auf die sich das Interesse der großen Wasserkonzerne richte.

„Die Privatisierung der Wasserversorgung führt in die ökologische und versorgungspolitische Sackgasse. Steigt der Preis für Wasser, können es sich am Ende nur noch Besserverdienende leisten. Deshalb gehört die Wasserversorgung in öffentliche Hand“, sagte Schönauer.

Die Wasserressourcen in Deutschland seien auch durch Pläne von Energiekonzernen zum sogenannten „Fracking“ gefährdet, sagte der BUND-Experte. Wenn zur Gasförderung ein giftiger Wasser-Chemikalien-Mix in tiefliegende Schiefergesteine gepresst werde, könne es zur Verschmutzung des Grundwassers und von Flüssen und Seen kommen, warnte Schönauer.

Neben dem „Fracking“ sei in Deutschland die industrielle Landwirtschaft mit ihren hohen Pestizid- und Nitrateinträgen eine Hauptgefahr für die Wasserversorgung. „Zu den Folgeschäden der Massentierhaltung gehören die Überdüngung der Felder und die Verschmutzung der Gewässer“, sagte Schönauer.

Jedes Kilo Stickstoffdünger zu viel verursache bei der Wasseraufbereitung Zusatzkosten von etwa fünf Euro. Insgesamt koste die so verursachte Gewässerbelastung die Wasserkunden jährlich 7,5 Milliarden Euro.

5 Kommentare zu “BUND zum Weltwassertag 2013: Wasserversorgung nicht privatisieren”
  1. Am Sonntag ist Wahltag!

    Dr. Krings, „unser“ Mann in Berlin – ein Schwank aus seiner Tätigkeit im Bundestag:

    Antrag der Abgeordneten Britta Haßelmann, Kerstin Andreae, Nicole Maisch, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: „Keine Privatisierung der Wasserversorgung durch die Hintertür“

    http://www.bundestag.de/bundestag/plenum/abstimmung/liste/2013/20130228_wasser1.pdf

    Dr. Krings war gegen diese Ablehnung und stimmte deshalb mit: NEIN und votierte auf diesem Weg für eine Privatisierung.

    Wie erklärt sich ein solches Abstimmungsverhalten, obwohl die CDU angeblich gegen eine Privatisierung ist,

    http://www.hannover_2012.cdu.de/sites/default/files/media/121205-sonstige-beschluesse.pdf

    siehe auch hier:

    http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/17/123/1712394.pdf

    Über sowas kann man nur noch den Kopf schütteln. Geht es noch um uns Bürger oder nur noch um Parteien-Hick-Hack?

    Sowas soll man wählen???

  2. Nachtrag.

    Ein hochinteressanter, informativer Film zum Thema:

    Water Makes Money – Wie private Konzerne aus Wasser Geld machen

    http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=dLaVwYjfejw#!

  3. Ein Ausschnitt eines Artikels, der es auf den Punkt bringt und zeigt wie Konzerne sich Trinkwasser mit dem besten Marketing-Trick aller Zeiten „zu eigen“ machen und Millionen scheffeln:

    „Volle Flaschen, trockene Brunnen

    Die Erfolgsstory des Flaschenwassers kommt meistens nur den Herstellern zu Gute. Werden Wasserrechte an private Firmen verkauft, bleibt die Versorgung der mittellosen Bevölkerung oft auf der Strecke – in Europa, aber vor allem auch in Ländern, in denen es traditionell an Wasser mangelt.

    Immer wieder werden Fälle bekannt, in denen ganze Dörfer sprichwörtlich auf dem Trockenen sitzen, nachdem Firmen die Nutzungsrechte an lokalen Wasservorkommen erworben haben und die Quellen leersaugen.

    Im südindischen Plachimida pumpte Coca Cola jahrelang jeden Tag hundertausende Liter Trinkwasser ab, um es in Flaschen abzutransportieren. Die Brunnen der umgebenden Dörfer trockneten aus. Nach langen gerichtlichen Auseinandersetzungen musste Coca Cola den Betrieb einstellen. Aus Pakistan ist ein ähnlicher Fall bekannt, verantwortlich hier war der Großkonzern Nestlé.

    Während so einerseits lokale Wasservorkommen zu einem kostbaren Gut werden, investieren Unternehmen große Summen, um Menschen aus ärmeren Bevölkerungsschichten zum Kauf von Flaschenwasser zu animieren.

    Wie die Einführung eines neuen Mineralwassers in einem Land des Südens funktioniert, hat Nestlé vor einigen Jahren mit seiner Marke Pure Life eindrucksvoll demonstriert.
    Um auch Menschen mit kleinem Einkommen anzusprechen veranstaltet der Konzern neben der konventionellen Werbung Gesundheitsseminare, in denen z.B. Krankenschwestern über die negativen Folgen des Konsums von Leitungswasser aufklären.

    Dazu der Wasseraktivist Jens Loewe: „Mit ihrem Wasser versprechen Unternehmen wie Nestlé und Danone Gesundheit und langes Leben – aber in den meisten Fällen ist Leitungswasser genauso gut, zumal wenn die Leute es abkochen.“

    Und Maude Barlow, ehemalige UN-Chefberaterin angesichts der Tatsache, dass mehr Kinder an einer schlechten Trinkwasserversorgung sterben als an AIDS, Kriegen oder Tropenkrankheiten: „Wenn ein Unternehmen wie Nestle kommt und sagt ‚Pure Life’ ist die Antwort und mit dieser Marke der Bevölkerung ihr eigenes Grundwasser für viel Geld verkauft und behauptet, dass ihr Brunnenwasser nicht trinkbar ist, dann ist das mehr als verantwortungslos – das ist ein krimineller Akt.“

    Heute ist Pure Life das zweiterfolgreichste Flaschenwasser der Welt – nach Aqua von Danone. Weitere internationale Konzerne, die den weltweiten Markt für Mineral- und Tafelwasser beherrschen sind Coca Cola, Pepsi und Unilever.

    Die Konzerne haben sich für oft sehr wenig Geld Wasserrechte für große Gebiete und lange Zeiträume gesichert. Das Geschäft mit dem Wasser ist lukrativ:

    Anlageberater empfehlen mittlerweile Investitionen in Flaschenwasser. In Ländern wie China, Thailand, Indonesien, Mexiko oder Brasilien liegen die Zuwachsraten beim Absatz über Jahre zwischen 6 und 12 % pro Jahr.

    Doch solange noch immer viele Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben ist es wesentlich wichtiger, die öffentliche Wasserversorgung auszubauen als für die meisten Menschen kaum finanzierbares Flaschenwasser zu bewerben, das auch noch ein Müllproblem mit sich bringt.“

    Nachzulesen:

    http://reset.org/knowledge/flaschenwasser-%E2%80%93-der-beste-marketingtrick-unserer-zeit

  4. Dass über Wasserprivatisierung überhaupt diskutiert wird …. !

    Hier noch ein sehr, sehr guter Beitrag zum Thema:

    http://www.youtube.com/watch?v=GGof_erYfVE

    Zitat aus dem Film: „… wenn man sich vor Augen führt, worum es eigentlich geht. Wasser! Kommt irgendjemand auf diesem Planeten ohne sauberes Wasser aus? Ist Wasser ein Luxusgut, das man sich eben leisten können muss und auf das man verzichten kann, wenn man knapp bei Kasse ist? […]“

    „71 Staaten haben, wenn es um Wasser als Menschenrecht geht, offenbar eine andere Meinung als der normale Mensch auf der Straße. 71 von 193 Staaten sind nicht Nichts. Sie sind ein deutliches Zeichen für das, was man Irrsinn nennt. Wenn man sich vor Augen führt, dass ein einziger Tropfen Öl das gesamte Wasser eines riesigen Stausees ungenießbar machen kann, wird einem das Verhältnis der geistigen Vergiftung klar, wenn 71 Staaten beim Thema „Sauberes Wasser ist ein Menschenrecht“ offensichtlich eine gegenteilige Meinung vertreten. […]“

    Und dann das etwas resignierte Resümee:
    „Der Demokratie in Europa steht das Wasser bis zum Hals. Was ist die Bilanz dieses Textes? Vergesst ihn. Spart Euch Sprüche wie „Man müsste echt mal auf die Straße gehen, oder Gründe eine Partei…. Wichtig ist, dass wir alle das bleiben, was wir am besten können: passiv. Irgendwer wird sich schon um unsere Rechte kümmern, irgendwer wird für uns auf die Straße gehen, irgendwer wird sich stellvertretend für uns organisieren. WIR …. können das nicht. Wie auch? Dafür müssten wir ja ver…. internetzt sein. Also, das sehe ich nicht“.

  5. Geheimpläne der EU zur Wasserversorgung. Dazu dieser Monitor-Beitrag vom 14.03.2013:

    http://www.youtube.com/watch?v=duoaJMtdZIc

    Ein frustrierender Beitrag über die Strippenzieher in Berlin und Brüssel.

    Besonderer „Dank“ an die CDU und FDP, die für diese Richtlinie sind, einen entsprechenden Gegenantrag trotz vorheriger Übereinstimmung mit den Grünen abgelehnt haben, und uns an die Konzerne ausliefern!

    Politikern kann es bei ihrem Einkommen ja egal sein, wie viel Wasser kostet. Verlogener kann man nicht handeln!

    Wie schön, dass ein Sprecher der Bundesregierung gegenüber Monitor mitteilte, dass man die Pläne der EU zur Marktöffnung auch weiterhin richtig finde.

    Man nehme aber die Bedenken vieler Bürgerinnen und Bürger im Zusammenhang mit möglichen Auswirkungen auf den Wasserbereich „sehr ernst“.

    Wie bitte?

    Ein weiterer Beweis, dass die Bürger NICHT ernst genommen werden, sonst hätte Frau Merkel NIEMALS so handeln dürfen!

    Dagegen reden und dafür handeln (Abstimmung Bundestag und Zustimmung Merkel Richtung EU).

    Ist das die Art und Weise, wie unsere Interessen in Berlin und Brüssel vertreten werden?

    Dazu immer dieses unerträgliche Gelaber von „Bedenken ernst nehmen“ und ähnlicher Worthülsen, die als Beruhigungspillen an das vermeintlich dumme Volk verteilt werden, das sich ja auch nach wie vor brav abwatschen, belügen, entmündigen und obendrauf auch noch abkassieren und abzocken lässt.

    Dieser Vorgang zeigt sehr deutlich wie anmaßend und überhaupt nicht im Sinne der Bürger, die sie wählten (!), „unsere Volksvertreter“ mit dem Mandat, das die Wähler ihnen vertrauensvoll erteilten, umgehen!

    Diese Herrschaften scheinen alle zu vergessen, dass sie nichts ohne den Bürger, der sie wählte und von deren Steuern sie Monat für Monat bezahlt werden, wären.

    Zahlen Lobbyisten so gut? Offensichtlich.

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