Die multimediale Mit-Mach-Zeitung für Mönchengladbach & Umland ... wirtschaftlich und politisch unabhängig ... aber nicht unpolitisch ...

Überall

Hauptredaktion [ - Uhr]

Guten Abend, meine Damen und Herren, mein Name ist Frank Überall – ich heiße wirklich so – und ich komme aus Köln.

Ich habe als Politikwissenschaftler auch noch über den Kölner Klüngel promoviert.

In der Tat bin ich etwas später gekommen, weil – in dieser Funktion spreche ich auch heute zu Ihnen – ich bin Bundesvorsitzender des Deutschen Journalistenverbandes.

In dieser Funktion ist man häufig zu aktuellen Themen gefragt, was mich heute noch zur Aktuellen Stunde geführt hatte.

Vor etwa einer Stunde war ich noch auf Sendung im Studio.

Bitte um Verständnis. Aber ich habe ja Glück gehabt und bin gut durch gekommen.

Ein Thema das uns im Moment sehr intensiv beschäftigt, ist das Thema Pressefreiheit.

Ich bin gebeten worden, das auch heute in den Mittelpunkt meines Vortrags zu stellen.

Pressefreiheit nicht mehr selbstverständlich?

Denn. Das was wir als Journalistinnen und Journalisten machen, scheint irgendwie nicht mehr ganz selbstverständlich zu sein.

Wir stellen das fest in vielen Ländern der Welt.

Nicht nur, wenn Herr Trump mal wieder twittert und die Medien als „Feinde des Volkes“ bezeichnet.

Wir stellen das auch fest, beispielsweise in der Türkei.

Ich war selbst vor einigen Jahren als Experte für die Europäische Kommission in Ankara und habe dort an einem Projekt mitwirken dürfen. Es ging um Medien.

Ich habe eine Aufbruchstimmung – auch unter Erdogan – im Rahmen dieses Projekts im Hinblick auf die europäische Einigung und den möglichen Beitritt der Türkei zur Europäischen Union feststellen dürfen.

Ausgerechnet!

Wo überhaupt erstmals Pressestellen bei Staatsanwaltschaften und Gerichten eingerichtet wurden.

Das kannte man gar nicht.

Wir stellen aber jetzt fest wie dort alles wieder zurückgedreht wird.

Wie dort Medien massiv eingeschränkt werden, geschlossen werden und die Journalistinnen und Journalisten tatsächlich einen gefährlichen Job dort haben.

Und die Einschläge kommen näher.

In Polen, in Ungarn oder teilweise sogar in Österreich.

Wo ein FPÖ-Politiker in einer ähnlichen Sendung wie dem heute-Journal oder den Tagesthemen ein Interview gegeben hat, kritisch befragt wurde und ultimativ gefordert hat diesen Moderator, der seit vielen Jahren sehr anerkennend auf dem Sender tätig ist, abzusetzen.

Und das Pendent, was wir hier Rundfunkrat nennen, hat sich dem gleich angeschlossen, weil der Vorsitzende dieses Kontrollgremiums eben auch ein FPÖ-Mitglied ist.

Das hat dann nicht mehr viel mit Pressefreiheit zu tun und das ist auch geeignet denjenigen in die Hände zu spielen, die Medien als abhängig sehen und nicht mehr als unabhängig.

Fehler der Presse

Es ist tatsächlich so, dass – ich habe eben gehört  von Fehlern, die in Mönchengladbach möglicherweise irgendwann mal gemacht wurden – unser Berufsstand Fehler gemacht hat.

Das fängt dabei an, dass wir Inhalte in Tageszeitungen oft her geschenkt haben.

Nur um Reichweite zu generieren haben wir alles ins Internet gestellt, weil es sich irgendwie irgendwann irgendwo rechnen würde.

Nein! Tut es nicht.

Das sollte unsere große Herausforderung sein.

Wie bekommen wir die Menschen die dafür – für die Arbeit – die wir leisten, auch zu bezahlen?

Um professionelle Produkte überhaupt auch unterscheiden zu können von denen, die nur unterhalten oder interessengeleitet entweder informieren oder auch desinformieren wollen.

Das ist das eine.

Das andere ist aber auch dass wir als Propheten quasi immer auf den Berg gestiegen und gesendet haben, aber nahezu niemals etwas empfangen haben.

Ja, es gab so etwas wie Leserbriefe, Zuschauer-/Zuhörerpost.

Aber: Einen allzu großen Bereich hat das noch nicht eingenommen.

Heute sind wir plötzlich in einer Situation, wo wir unseren Beruf erklären müssen.

Das ist in anderen Berufen schon längst so.

Der Metzger wird auch gefragt: Ist das Biofleisch? Wo ist das Tier aufgewachsen?

Wir sind mittlerweile sehr kritisch eigentlich nahezu allen Produkten.

Aber: Im Bereich des Journalismus war es einfach für uns üblich, dass wir uns damit nicht groß auseinandersetzen mussten.

Das ist heute glücklicherweise anders.

Das ist aber auch noch nicht bei allen angekommen.

Journalismus im Fokus

Wenn man heute so auf die Beliebtheitsskala der Berufe guckt … viele wollen auch heute noch „was mit Medien“ machen …

Ist also ein sehr beliebter Beruf bei denen, für die ihn machen wollen, die sich dazu im wahrsten Sinne des Wortes berufen fühlen.

Aber er ist es nicht unbedingt irgendwo in einer Liga mit den Bankern wenn es darum geht welches Ansehen hat man in der Öffentlichkeit.

Das ist nicht so toll.

Deswegen ist auch anknüpfungsfähig was diejenigen provozieren die uns als – historisch belastet – als Lügenpresse bezeichnen.

Oder die uns auch gern als Systempresse bezeichnen.

Den Begriff muss man sich auch mal auf der Zunge zergehen lassen.

Weil die Strategen vom radikalen, vom rechten Rand, die diesen Begriff im Munde führen, denen geht es tatsächlich ums System.

Und jetzt gibt es auf der einfachen Ebene die Behauptung dass Angela Merkel oder hier in Nordrhein-Westfalen Amin Laschet oder bei mir in Köln Henriette Reker angeblich alle sagen würden was wir zu berichten hätte.

Ich mache das jetzt schon seit 30 Jahren. Das ist einfach Unsinn.

Das ist gar nicht das, was mit dem Begriff des Systems tatsächlich gemeint ist. Diejenigen die uns als Systempresse verspotten haben ein Problem mit dem demokratischen System.

Die wollen gar kein demokratisches System.

Da muss man sagen ja, dabei haben sie in uns auch die richtigen Gegner.

Denn freier Journalismus, unabhängiger professioneller Journalismus braucht die Demokratie.

Wie „frei“ ist Journalismus wirklich?

Die Anspielung auf den Klüngel, oder die Schwierigkeiten die sich ergeben können, zum Beispiel auch auf kommunaler Ebene.

Das kann man als roten Faden in den USA beobachten wo festgestellt wurde, in dem Moment wo die Medienvielfalt abnimmt, in einer Kommune und wo es möglicherweise gar keine freien Medien mehr gibt, die regional wie lokal berichten, nimmt die Korruption zu.

Das sind wissenschaftliche Studien.

Und es ist ja auch logisch: In dem Moment wo nicht mehr kritisch nachgefragt werden, nicht mehr recherchiert werden kann, berichtet werden kann, ja auch eingeordnet, ja auch kommentiert werden kann, lähmt sich automatisch der öffentliche Diskurs.

Denn es sind immer noch die Massenmedien, die das Band dessen knüpfen, über was wir in der Kneipe vielleicht bei einem kleinen Getränk, auf dem Marktplatz, vor der Kirche oder wo auch immer diskutieren.

Die sozialen Netzwerke sind als Ergänzung dazugekommen.

Ja, aber es sind immer noch die Massenmedien, die die Themen mit setzen und die vor allem auch die recherchierten Hintergründe liefern.

Besser ohne Journalismus?

Und da muss man vorsichtig sein. dass manche Strategien hingehen und sagen auch:

Och, am liebsten würden wir die Medien umgehen.

Es ist ja auch so schön wenn man in Unternehmen, in Behörden, in den Parteien etwas ganz Modernes einrichtet: sogenannte Newsrooms.

In Rheinland-Pfalz beispielsweise hat die Landesregierung das gemacht und das auch gleichzeitig mit dem Hinweis versehen dass man ja schließlich über Tageszeitungen kaum noch jemand erreichen würde.

Deswegen müsste man jetzt rund um die Uhr auch die sozialen Netzwerke bespielen.

Das ist ohnehin schon eine Unverschämtheit, weil Tageszeitungen im ländlichen Bereich eine ganz große Rolle für viele Menschen spielen.

Noch nie. Noch nie hatte die Tageszeitung eine solche Reichweite.

Auch wenn sie im Moment auch nicht viel verdienen mit dem was sie im Internet veranstalten, so sind sie dort auch meist rund um die Uhr tatsächlich aktuell dabei.

Also steckt hinter dieser Newsroom-Idee, also dieser PR-Idee – steckte muss man sagen, man hat sich mittlerweile auch korrigierte in Rheinland-Pfalz – ein ganz klares Ziel, die Medien zu umgehen und direkt mit den Bürgerinnen und Bürgern ausschließlich zu kommunizieren.

Und keine kritischen Fragen mehr zuzulassen.

In Bremen bei der Polizei gab es im Fall einer Razzia auf Anfrage von Medienvertretern keine Ausflüchte mehr.

Keine Drehgenehmigung, keine Auskünfte keine O-Töne usw.

Und gerade, die war Razzia zu Ende – es gab immer noch keine Beantwortung von Medienanfragen – konnte man dann im Netz ein Video beobachten unter dem Motto „Polizei interviewt Polizei“.

Die einzigen Bilder, die es von dieser Razzia gibt, sind die Polizei selbst gedreht und zur Verfügung gestellt. Alle Sender haben sich daraus bedienen müssen, weil es nichts anders gab.

Und die ersten O-Töne kamen halt von der Polizei-Pressestelle.

Diese Entwicklungen erleben wir immer häufiger.

Und jetzt komme ich auch auf das Thema, weswegen ich in der Aktuellen Stunde war:

Der Fall Monsanto/Bayer

Es hatte sich gestern angefangen in Frankreich zu entwickeln.

Ich stellte fest dass die Firma Monsanto die von Bayer gekauft worden ist, wohl Listen angelegt hat über Journalisten. Aber auch über Wissenschaftler und Politiker, wo dann vermerkt wurde, wer denn besonders kritisch ist.

Natürlich muss der Zweck dahinter gewesen sein, mit diesen Kolleginnen und Kollegen dann möglicherweise nicht mehr so enge Bande zu knüpfen, also auch nicht mehr ganz so offen zu kommunizieren.

Ich hatte das Gefühl, dass das möglicherweise nicht nur in Frankreich der Fall ist.

Dort hat die Staatsanwaltschaft schon offiziell Ermittlungen eingeleitet. Das ist gestern bekannt geworden.

Und tatsächlich: im Laufe des Tages gab es dann die Bestätigung.

Eine PR-Firma, die es für Monsanto, also letzten Endes für Bayer gemacht hat, die hat das in Deutschland gemacht.

Das gilt also auch für deutsche Journalistinnen und Journalisten, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Politikerinnen und Politiker.

Nur noch „genehme“ Journalisten?

Nochmal: Das Ziel kann nur sein „quasi eine gelenkte Medienarbeit“. Nur noch mit denen zu sprechen die genehm sind.

Und kritische Nachfragen nicht mehr möglich zu machen.

Quasi – das ist für eine Aktiengesellschaft besonders charmant –  Insider und Outsider einzuteilen.

Ich denke das sind Stellen wo wir uns als Gesellschaft auch fragen müssen: Was wollen wir eigentlich?

Wenn sogar Behörden oder Parteien versuchen, Journalismus zu umgehen.

Dann bekommen wir irgendwelche wie in manchen Kommunen in den USA, wo es keinen Wettbewerb mehr im Journalismus gibt, wo es unter Umständen gar keinen lokalen Journalismus mehr gibt.

Wo Gesellschaft über den Rohstoff „Information“ nicht mehr diskutieren kann.

Wo es diesen Rohstoff einfach nicht mehr gibt.

Wir sind darauf angewiesen, dass wir es also zum Beispiel auch in den kommunalen Behörden mit Menschen zu tun zu haben, die uns nicht ignorieren, die uns nicht austricksen.

Die anständig – um das schöne alte Wort mal zu benutzen –  die anständig mit uns umgehen.

Die wissen was Kommunikation in der Öffentlichkeit, mit der Öffentlichkeit bedeutet. In guten wie in schlechten Zeiten.

Auch bei Bauprojekten soll es – habe ich mal gehört – hin uns wieder mal eine Krise geben.

Und dann muss man darüber offen kommunizieren, denn irgendwann durch irgendwen wird es  ohnehin bekannt.

Ich habe viel über Kommunen berichtet und – wie gesagt, ich komme aus Köln, das ist nochmal speziell – aber auch über viele andere Kommunen.

Ich stelle immer wieder fest dass man an Menschen gerät, die mit Medien nicht so richtig was anfangen können.

Gerade auch in den Verwaltungen.

Wenn man eine Presseanfrage stellt, wird die Antwort nicht direkt geliefert.

Einen Tag später kommt dann eine Pressemitteilung an alle.

Das ist nicht besonders freundlich!

Oder was ich auch schon erlebt habe: Man stellt an ein Unternehmen eine Presseanfrage.

Das erste, was man bekommt ist Post von einem Presserechtsanwalt der einen erst mal bedroht, dass man in diese Richtung gar nicht weiter denken sollte.

Das sind die Stellen, dass sind Beispiele, die in meinem bescheidenen Berufsleben vorkamen.

Es es war zu 100 Prozent wirklich in jedem Fall so, dass jemand, der aggressiv vorgeht, hat was zu verbergen hatte.

Immer! Bisher immer!

Vielleicht stoße ich irgendwann auf jemand, wo das mal anders ist.

Ist aber in der Regel ist das nicht der Fall.

Solche Menschen haben etwas zu verbergen das heißt. Wer nichts zu verbergen hat. Der. Kann doch anständig mit uns zusammenarbeiten.

Ja der wird sich über den einen oder anderen Artikel oder Bericht mal ärgern.

Vor allem auch über den einen oder anderen Kommentar.

Aber wenn wir als Journalistinnen und Journalisten – das tun die allermeisten in unserem Beruf – unsere auch ethischen Berufsregeln ernst nehmen, dann hat man von uns auch nichts Nachhaltiges zu befürchten.

Dann wird man feststellen dass wir immer auf der Suche nach der Wahrheit sind.

Wir haben die Wahrheit auch nicht gepachtet.

Wir versuchen, uns recherchierend, berichtend möglichst nahe der Wahrheit zu nähern.

Und dafür brauchen wir vor allem auch in den Funktionen Menschen, auch im Rathaus Menschen, die uns an den Stellen wo wir Fragen haben, die Welt erklären.

Die uns nicht austricksen. Die uns offen gegenübertreten und die uns stellvertretend für die Öffentlichkeit anständig informieren.

—–

Mir wurde gesagt, Herr Dr. Bonin, dass sie so jemand sind. Dass Sie immer ernsthaft und anständig mit den Medien umgehen.

Dass Sie deshalb auch verdient heute die entsprechende Auszeichnung erhalten.

Herzlichen Glückwunsch. Alles Gute auch im Namen meiner Kolleginnen und Kollegen und auf weiterhin gute Zusammenarbeit.

 

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