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BUND warnt vor „tickenden Zeitbomben in den Tagebauen“

[1]Schadstoffe in Kraftwerksreststoff­deponien: Bergbehörde und RWE Power verweigern Auskunft. Fonds für Ewigkeitsschäden durch Braunkohle­nutzung überfällig. Der nordrhein-westfälische Landesverband des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) warnt vor „tickenden Zeitbomben“ im Rheinischen Braunkohlenrevier.

Auf den Aschedeponien der Braunkohlenkraftwerke würden Millionen Tonnen zum Teil hochgefährlicher Abfälle gelagert, ohne dass deren Langzeitsicherheit gewährleistet sei. Gleichzeitig kritisiert der Umweltverband die „Geheimniskrämerei“ der zuständigen Bergbehörde. Diese hatte nach Rücksprache mit RWE Power dem BUND die Auskunft zu den abgelagerten Abfallmengen und –arten verweigert.

[2]„Die Bezirksregierung Arnsberg ließ unter Verweis auf die Wahrung von Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen wesentliche Fragen unserer Anfrage nach dem Umweltinformationsgesetz unbeantwortet“, kritisiert BUND-Geschäftsleiter Dirk Jansen:

„Damit wird die Öffentlichkeit über die wahren Gefahren der Kraftwerksreststoff-Deponien getäuscht.“

Bei dem Betrieb von Braunkohlenkraftwerken fallen erhebliche Mengen Abfälle an, die einer für die Umwelt schadlosen Entsorgung zugeführt werden müssen.

Den größten Anteil daran haben die Kraftwerksaschen, also die mineralischen Bestandteile der Kohle, die nicht verbrannt werden können.

Im Rheinischen Revier schwankt der Aschegehalt je nach Tagebau, Flözlage, Flöztiefe und Verunreinigungen in der Kohle zwischen 1,5 % und 8,0 %.

Diese Aschen sind keineswegs harmlos: Neben verschiedenen Schwermetallen wie z.B. Quecksilber sowie Kupfer, Cadmium, Chrom, Zink, Blei, Nickel, Thallium und Arsen kommen darin auch die radioaktiven Substanzen der Uran-235-, der Thorium-232- und der Kalium-40-Reihe in aufkonzentrierter Form vor.

Früher wurden die Kraftwerksreststoffe einfach mit dem Abraum in die offenen Tagebaugruben verkippt.

Die Lage dieser „tickenden Zeitbomben“ ist heute weitgehend unbekannt

Seit den 1980er Jahren werden die Aschen auf den Deponien Inden, Fortuna/Garsdorf, Vereinigte Ville und Garzweiler entsorgt.

Trotz ihres Schadstoffinventars werden die Kraftwerksaschen dabei als „nicht gefährlich“ eingestuft, weshalb an die Deponien geringe Umweltanforderungen gestellt werden.

[3]„Jährlich werden so allein mehrere Tonnen giftiger Schwermetalle abgelagert, ohne dass die Langzeitsicherheit gewährleistet ist“, sagt der Braunkohlenexperte Jansen.

„Mit der Einstellung der Sümpfungsmaßnahmen nach Tagebauende gelangen Teile der Deponien unweigerlich in den Strom des wiederansteigenden Grundwassers. Dass dann keine Giftstoffe ausgewaschen werden, kann heute niemand garantieren.“

Trotzdem habe die Bezirksregierung Arnsberg bislang von RWE Power lediglich Sicherheitsleistungen in Höhe von etwa 50 Millionen Euro verlangt.

Der BUND hält diese angesichts der langandauernden Risiken für viel zu gering, zumal für die Altlasten in den Tagebauen überhaupt keine Regelung existiere.

Auch angesichts der weiteren von RWE Power AG verursachten Folgekosten für Mensch und Umwelt (z.B. durch Kippenversauerung, Grundwasserabsenkung, Bergsenkungen, Restseen, …) ist es nach BUND-Auffassung längst überfällig, von RWE Power eine Sicherheit in Form eines Ewigkeitslasten-Fonds einzufordern.

„Es ist nicht nachvollziehbar, warum im Bereich des Steinkohlenbergbaus ein solcher existiert, nicht aber für das Rheinische Braunkohlenrevier“, so Jansen.

Die Bewältigung der Folgen des Braunkohlenbergbaus werde die nachfolgenden Generationen noch lange nach Tagebauende beschäftigen. Es sei an der Zeit, den Verursacher dafür in die Pflicht zu nehmen.

Detaillierte Hintergrundinformationen finden Sie hier [4] und im BZMG-SPECIAL: „Braunkohle-Tagebau“ [5].

 

1 Kommentar (Öffnen | Schließen)

1 Kommentar Empfänger "BUND warnt vor „tickenden Zeitbomben in den Tagebauen“"

#1 Kommentar von Klaus Heimbucher am 18. August 2014 @ 13:41

Das Problem an der Sache ist, wenn die vollen Kosten der Braunkohleverstromung zum Tragen kommen würden, könnte RWE den Laden dicht machen.

Das ist weder von den umliegenden Gemeinden, die von den Tagebauen und den Kraftwerken (noch) profitieren, noch von der Landesregierung politisch gewollt.

Der drohende Abbau von Kapazitäten bei mangelnder Rentabilität wurde ja schon mal leise ins Kalkül gezogen.