Die multimediale Mit-Mach-Zeitung für Mönchengladbach & Umland ... wirtschaftlich und politisch unabhängig ... aber nicht unpolitisch ...

Neue Methangasanlage am Stadtrand von Mönchengladbach?

Red. Politik & Wirtschaft [ - Uhr]

Ein Landwirt aus Wegberg-Gripekoven plant eine Methangasanlage an der Stadtgrenze zu Mönchengladbach, die in der endgültigen Ausbaustufe doppelt so groß werden soll, wie die seinerzeit durch die NEW in Wanlo geplante, nämlich 4 MW.

Bis vor kurzem war die ruhige, beschauliche Welt im ländlichen Wegberger Ortsteil Gripekoven noch in Ordnung.

Seit einigen Tagen ist damit Schluss. Genauer, seit bekannt wurde, dass ein Landwirt dort, sozusagen „mittendrin“ mit Unterstützung der Gelsenwasser AG eine Methangasanlage bauen will.

Und das trotz der Insovenz eines Teilhabers an der Methangas-Anlage in Schwalmtal-Eicken (51%ige Beteiligung NVV/NEW) und der politischen Entscheidung gegen eine derartige Anlage in Wanlo (die eigens dafür gegründete Gesellschaft wurde zwischenzeitlich liquidiert).

Die Bezeichnung Methangas-Anlage (statt Bio-Gas-Anlage) deshalb, weil die Vorsilbe „Bio“ nichts mit der landläufigen Meinung oder Vorstellung von Biologischen Produkten zu tun hat, sondern lediglich bedeutet, dass infolge eines biologischen Prozesses Methangas gewonnen wird, das im Übrigen 25 mal schädlicher ist, als das Treibhausgas CO2.

Zunächst soll eine 2,5 MW-Anlage errichtet werden, was auch schon eine beträchtliche Größe ist. Mehr als die in Mönchengladbach-Wanlo seinerzeit geplante, die auch dort auf vehemente Ablehnung getroffen war und nie gebaut wurde.

Einzelheiten auch hierzu finden Sie in dieser Themenreihe: http://www.bz-mg.de/category/themenreihen/methangas-anlage-wanlo

In nicht allzu ferner Zukunft soll die Anlage in Wegberg-Gripekoven, das auf der Grenze zu Mönchengladbach liegt, dann auf 4 MW ausgebaut werden.

Befremdend ist, dass sich aktuell offensichtlich noch niemand, weder der Landwirt, noch die Wegberger Verwaltung, dafür interessiert hat, dass das Baugebiet der Methangasanlage in einem Wasser- und Naturschutzgebiet liegt.

Auch in der Nachbarstadt Mönchengladbach dürfte man diesbezüglich hellhörig werden, weil das Grundstück in Nachbarschaft des Wasserschutzgebietes (Gatzweiler) liegt.

In solchen Gebieten werden industrielle Anlagen, wenn überhaupt, nur in absoluten Ausnahmefällen und mit extrem strengen Auflagen genehmigt.

Am 06.11.2012 wurde in Wegberg im Ausschuss für Städtebau, Umwelt und Verkehr ein Antrag auf Änderung des Flächennutzungsplanes und Aufstellung eines Bebauungsplanes mit dem Ziel gestellt, dass der Landwirt Franz-Willi Caspers in Gripekoven auf seinem Grundstück eine Methangasanlage errichten darf.

Als völlig unrealistisch ist die die Annahme im Antrag einzustufen,  dass für die Anlieferung der Biomasse und Abtransport der Gärreste lediglich insgesamt ca. 1.000 Fuhren pro Jahr erforderlich sein sollen.

Dass 23.500 Tonnen Mais, 16.000 Tonnen Gülle und 6.000 Tonnen Festmist mit nur 1.000 Fuhren transportiert werden, ist nicht nur unglaubwürdig, sondern schon operativ schlicht unmöglich.

Die Anzahl der Fahrten dürfte in der ersten Ausbaustufe der Anlage bei rd. 3.000 jeweils für Anlieferung und Abfuhr der Gärreste liegen, abhängig vom Fassungsvermögen der Schlepper und Volumen der Güllefahrzeuge.

Diese Zahl erhöht sich selbstverständlich, wenn es zu einem weiteren Ausbau der Methangasanlage käme.

Gerade was den Verkehr anbelangt ist von Bedeutung woher Mais und Gülle angeliefert werden, damit eine Routenplanung überhaupt möglich ist, aus der dann ersichtlich wird, welche Ortslagen und Stadtteile in welchem Umfang betroffen und mit zusätzlichem Verkehr belastet sein werden.

Wie in der Kurzbeschreibung des Vorhabens ausgeführt wird, soll die Biomasse (Mais und Gülle) aus einem Umkreis von 25 km nach Wegberg-Gripekoven geliefert werden, was auf entsprechende Verkehre schließen lässt, die nicht nur diese Ortslage, sondern auch viele weitere, u.a. auch in Mönchengladbach, belasten werden.

Bisher wird zur Anlieferung der Biomasse sowie dem Abtransport der Gärreste lediglich erläutert, dass diese über Wirtschaftswege und die L 127 erfolgen sollen.

Was diese Verkehre in kleineren Ortschaften mit engen Straßen und auf Wirtschaftswegen bedeuten, ist an einem Beispiel aus Wanlo zu sehen, wo nur drei Maistransporter ausreichten, um den gesamten Ort in ein Verkehrschaos zu stürzen. Von dem ohrenbetäubenden Lärm einmal ganz abgesehen.

Eine für einen Antrag diesen Umfanges, verbunden mit verkehrlichen  Auswirkungen bei Realisierung des Projektes weit über Gripekoven hinaus, äußerst knappe und unzureichende Aussage zu den Transporten, die bei Methangasanlagen immer eines der größten Probleme darstellen.

Dabei stellt sich vor allem die Frage, wie z.B. mit Gegenverkehren und den leer zurückfahrenden Mais- und Güllefahrzeugen umgegangen werden soll. Da die Wirtschaftswege selten breiter als drei Meter sind, dürften diese maximal geeignet sein, wie eine Einbahnstraße, nur in einer Richtung befahren zu werden. Alles andere ist schlicht unmöglich.

Keine Berücksichtigung fanden bisher auch die Kosten, die für  die Instandhaltung der für solche Schwerverkehre nicht ausgelegten Wirtschaftswege,  die im Lauf von 20 Jahren (solange gelten die Subventionszusagen) erheblich sein können und darüber hinaus für den Bau von Ausweichbuchten entstehen werden.

Insofern ist die Feststellung in der Beratungsvorlage zu „Kosten und Finanzierung“, dass durch diesen Beschluss keine Kosten entstehen nur bedingt richtig.

Was die Verfahrenskosten für die Änderung des Flächennutzungsplanes und Aufstellung des Bebauungsplanes anbelangt, entstehen der Stadt Wegberg keine Kosten, da diese generell der Antragsteller zu tragen hat.

Wie es mit Folgekosten aussieht, die durch den Betrieb der Methangasanlage z.B. bei der Infrastruktur entstehen, bleibt hier (noch?) unberücksichtigt.

In der Sitzung des Ausschusses für Städtebau, Umwelt und Verkehr am 06.11.2011 haben die Mitglieder nicht darüber abgestimmt, ob die Änderung des Flächennutzungsplanes eingeleitet werden soll. Wie es hieß, gebe es noch zu viele offene Fragen.

Am 18.12.2012 soll nun der Rat der Stadt Wegberg entscheiden. Ob bis dahin die Fragen hinreichend sach- und fachgerecht beantwortet sein werden, muss im Hinblick auf die Erfahrungen mit den Planungen zur Methangasanlage in Wanlo angezweifelt werden.

Ein Kommentar zu “Neue Methangasanlage am Stadtrand von Mönchengladbach?”
  1. Ab sofort online: die Interessengemeinschaft PRO Wasser&Umwelt GRIPEKOVEN http://www.pro-gripekoven.de

Sie müssen angemeldet sein, um kommentieren zu können.