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Symbolik nicht erkannt • Stadt pflanzt Weinrebe an falschem Ort!

Thomas Milika [ - Uhr]

Seit geraumer Zeit verfolge ich mit Interesse die Entwicklungen rund um das große Thema „Braunkohle im rheinischen Revier“. Als Bürger der Stadt Mönchengladbach und als indirekt von den Folgen des Tagebaus Garzweiler II Betroffener.

Eine eng befreundete Familie wohnt in einem der letzten Dörfer, die noch wegen dem Tagebau Garzweiler zwangsumgesiedelt werden.

So las ich am 28.09.2016 in der Rheinischen Post online (Lokalteil Erkelenz), dass die vier Planungsbüros, welche sich um die Zukunft und die Gestaltung u.a. des Tagebaus Garzweiler II kümmern sollen, den vier beteiligten Kommunen (Titz, Jüchen, Mönchengladbach und Erkelenz) symbolisch eine Pflanze haben zukommen lassen, um damit quasi den Startschuss zum „Aufbruch“ zur Neugestaltung der Umgebung des Tagebaus zu geben.

Der Stadt Erkelenz hat diese Pflanze, eine Weinrebe, medienwirksam bereits am 27.09.2016 gepflanzt.

Hier der dazu gehörige Link: http://m.rp-online.de/nrw/staedte/erkelenz/entwicklung-am-tagebaurand-befruchten-aid-1.6290959

Zuvor hatten sich die vier Planungsbüros auf dem Rittergut Wildenrath getroffen.

Die Planungsexperten aus vier Fachbüros schmiedeten zusammen mit Tagebaurandgemeinden Ideen für morgen und übermorgen (vgl. Pressemitteilung der Stadt Mönchengladbach https://www.moenchengladbach.de/aktuell-aktiv/newsroom/news/drehbuch-fuer-tagebauregion-erhaelt-erste-konturen/), welche in vielen Zeitungsmedien abgedruckt wurde.

Auf Nachfrage bei der Stadt Mönchengladbach, für welche Pflanze sie sich entschieden hat und wann/wo dies gepflanzt wurde oder noch gepflanzt wird, bekam ich vom Bürgerservice der Stadt am 10.10.2016 die Information, dass die Stadt sich für eine Weinrebe „weiße Traube“ entschieden hätte und diese am 06.10.2016 im Innenhof des Rathauses Abtei gepflanzt worden sei.

Ich war bei einem vor Ort Besuch erschüttert, denn dort – in der hintersten Ecke des Innenhofes (direkt neben dem Raucheraschenbecher) – eine Pflanze zu platzieren, die eigentlich für die Befruchtung des Tagebaurandes gedacht war, ist für mich nicht nachvollziehbar.

Noch nicht einmal ein Schild, was auf den Hintergrund hinweist, findet man dort.

Meiner Meinung nach gehört diese Pflanze dorthin, wo die unmittelbaren Folgen des Tagebaus direkt spürbar sind bzw. dort wo die Betroffenen leben und das ist für die Stadt Mönchengladbach, das Dorf Wanlo als Grubenranddorf.

Man könnte als interessierter Beobachter das Gefühl haben, dass die Stadt Mönchengladbach nicht auch nur im Ansatz verstanden hat um was es bei dieser Pflanze geht.

Es geht darum den Tagebaurand zu befruchten und fit für die Zukunft nach der Braunkohle zu machen.

Es geht darum den Anwohnern von Wanlo, die durch die Nähe zum Tagebau Garzweiler II bereits unter enormen Einschränkungen zu leiden haben und deren Lage sich mit dem in wenigen Jahren bevorstehenden Vorbeizug des Tagebaus sich sicher nicht verbessern wird.

Mit einer Pflanzung genau dort, in Wanlo, hätten die Verantwortlichen der Stadt zeigen können, dass sie um die Probleme wissen, aber auch zusammen mit den Anwohnern dafür sorgen wollen, dass der Ort jetzt aber vor allem aber in der Zukunft lebenswert bleibt.

Diese Chance hat die Stadt Mönchengladbach nun kläglich vergeben.

Ob es überhaupt eine Mitteilung dieser symbolischen Pflanzenübergabe gegeben hätte, wenn man nicht nachgefragt hätte, bleibt zumindest fraglich. Es handelt sich zwar nur um eine symbolische Geste, aber manchmal sind Symbole einfach wichtig, denn sie vermitteln ein Gefühl.

Hier wäre es ein Gefühl des Aufbruchs gewesen und des nicht vergessen werdens.

Aber vielleicht korrigiert die Stadt Mönchengladbach ja ihre Entscheidung noch und findet zusammen mit den Anwohnern von Wanlo einen geeigneteren Standort für die Weinrebe, als den Innenhof des Rathauses.

Die Stadt Erkelenz und die Gemeinde Titz haben mit ihrer Standortwahl den Sinn der Aktion verstanden (Erkelenz = in Kaulhausen / Titz in Dackweiler – beides direkt vom Tagebau betroffene Grubenranddörfer/-weiler).

Hätte die Stadt Mönchengladbach das nicht auch besser hinbekommen können?

Anscheinend nicht, denn in der heutigen Ausgabe der Rheinischen Post (Lokalteil Mönchengladbach) liest man:

„Das Thema Braunkohle beschäftige die ganze Stadt, deswegen solle die Rebe an exponierter Stelle stehen – wir haben den Innenhof das Rathauses gewählt“, sagte Dirk Rütten (Pressesprecher der Stadt MG).

Natürlich ist die Stadt Mönchengladbach in vielerlei Hinsicht von den Folgen, insbesondere von denen für die Zukunft betroffen (und dabei würde man sich mehr Engagement seitens der Stadt wünschen), aber der Innenhof des Rathauses Abtei ist weder direkt, noch indirekt von den Auswirkungen und Folgen des Tagebaus betroffen.

Die Bewohner von Wanlo und vieler anderer Grubenranddörfer spüren hingegen diese Beeinträchtigungen mehr als deutlich und zwar jeden Tag.

Aber vielleicht irre ich mich auch und das Rathaus steht bereits am Abgrund.

Dann wäre der gewählte Platz genau der Richtige.

Nein, dieser Platz steht nicht für Symbolik, dies ist ein Platz zum vergessen.

Man würde sich viel mehr solcher symbolischen Aktionen wünschen, gerade für die direkt betroffenen Anwohner und die noch zwangsumzusiedelnden Einwohner dieser betroffenen Dörfer.

 

3 Kommentare zu “
Symbolik nicht erkannt • Stadt pflanzt Weinrebe an falschem Ort!”
  1. Das Rathaus scheint die „befruchtende“ Weinrebe nötig zu haben. Warum sonst wurde sie dort verbuddelt?

    Vielleicht hilft die dort, statt gegen Grob- und Feinstaub wie am Tagebaurand möglich gewesen und diesen begrünend, auf andere Weise „befruchtend“.

    Da nun schon die für den Tagebaurand bestimmte Pflanze ihre Heimat im Rathaus gefunden hat, könnte man die Keinschwanzesel direkt dazu stellen.

    Die Interpretation der somit aufeinander treffenden Symbolik wäre dann der Kreativität der Bürger überlassen.

    @ Silvia Guthermuth

    Sie schreiben:

    „Die Idee, dass innerhalb der Gemeinden an den zukünftigen Schutzwällen entlang bereits mittelfristig Grünstreifen – auch zur Nutzung – angelegt werden könnten, hat mir sehr gut gefallen.“

    RWE auch.

    Die Aktion mit dem Workshop wurde wunderbar medienwirksam verbrezelt.

    RWE, die nur das allerbeste für die Betroffenen wollen und in weiser Voraussicht agieren, das macht sich gut.

    Tatsache ist, dass RWE 10 Jahre bevor der Braunkohleabbau beginnt für entsprechende Schutzmaßnahmen, bis hin zur Begrünung, sorgen MUSS.

    Für die spätere Renaturierung ist das genauso wichtig und für RWE von Vorteil.

    Dank zukünftigem Riesensee, statt Zukippen und Renaturierung des ehemaligen Tagebaues, sparen die sowieso schon zig Millionen. In Inden sollen das 500 Mio. Euro Einsparung an Verfüllungskosten sein.

    http://www.taz.de/!276575/

    Zum Beispiel Inden sehr interessanter, aufschlussreicher Bericht aus dem Juramagazin. Ähnlich wird es auch bei Garzweiler laufen:

    „Am 12. September hat RWE gegenüber Landesregierung eine Erklärung abgegeben, in der der Konzern ein wirtschaftliches Engagement in der Tagebauregion Inden nach dem Ende der Braunkohleförderung verspricht.

    Leider ist diese Erklärung völlig unverbindlich formuliert.“ Zitat Ende

    http://www.juramagazin.de/204494.html

    Da ist so eine Veranstaltung durchaus drin, die RWE immer noch aus der Portokasse zahlt. Statt bei RWE, die dafür wirklich fähige Fachleute haben, wird eben outsourcend und werbewirksam mit Planungsbüros geworkshopt.

  2. Eines muss man den politisch handelnden Personen der Stadt Mönchengladbach ja lassen: Sie handeln konsequent.

    Umwelt schützen und der Stadt ein grünes Wohnumfeld schenken, liegt den Gladbacher Politikentscheidern offenbar ganz und gar nicht.

    Natur und Umwelt vernichten ist dagegen momentan total angesagt.

    Die Weinrebe wurde sicherlich mit voller Absicht an einem für ihr Wachstum völlig ungeeigneten Ort angepflanzt.

    Wenn man denn schon die Rebe im Stadtzentrum und nicht bei Wanlo anpflanzen will, sollte man sich daran erinnern, dass am Südhang der Abtei Gladbach früher ein Weingarten existierte mit schöner Südhanglage. Da gehört der Weinstock hin.

    Wie sieht das grüne Bild der Stadt Mönchengladbach denn momentan aus? Überall werden die lebenswichtigen Bäume gefällt.

    Bei Neubauten wie an der Steinmetzstraße wird einfach keine Grünpflanzung vorgeschrieben.

    Die Ackerflächen an den Rändern der Stadt werden mit Gewerbegebieten zubetoniert und das Motto , das die städtischen Politikgrößen zusammenhält , heißt „Wachsen, wachsen, wachsen“ um jeden Preis bis zum bitteren Ende.

    Dem Klimawandel mit der Schaffung von viel neuem städtischen Grün zu begegnen, ist in den Köpfen unserer politischen „Elite“ noch nicht angekommen.

    Kompensationsflächen für zerstörte Naturbereiche werden nicht in MG geschaffen sondern bei Weeze am Niederrhein eingekauft.

    Andere Städte in Deutschland sind bei der Schaffung zentraler Grünbereiche heute schon Lichtjahre weiter.

    Die Stadt Mönchengladbach ist momentan leider dabei, sich selber zu zerstören.

  3. Am 07.09.16 fand die Veranstaltung „Schulterblick“ in Wanlo statt.

    Die 4 Tagebaurandgemeinden Mönchengladbach, Erkelenz, Titz und Jüchen, die sich im Rahmen eines informellen Planungsverbandes mit der Ausweitung des Tagebaus und der Zeit danach als Betroffene beschäftigen, boten BürgerInnen und PolitikerInnen an, die ersten Ergebnisse der ausgewählten Planungsbüros im Rahmen von Werkstattarbeit zu besichtigen und sich mit den Planern direkt darüber zu unterhalten.

    Die Idee, dass innerhalb der Gemeinden an den zukünftigen Schutzwällen entlang bereits mittelfristig Grünstreifen – auch zur Nutzung – angelegt werden könnten, hat mir sehr gut gefallen.

    Ich hatte sowohl die Gelegenheit mir das von den Planern zeigen zu lassen als auch mit Mitarbeitern des Mönchengladbacher Umweltamtes darüber zu sprechen.

    Dass nach Abschluss der Planungen die Ingenieurbüros den betroffenen Kommunen jeweils eine Pflanze schenkten, die bereits den 1. Grundstein für die Begrünung darstellen, finde ich eine tolle Aktion, die ich persönlich wertschätze.

    Was nun dazu führte, dass die Weinrebe, die die Stadt Mönchengladbach wie auf den Bildern sichtbar und beschrieben im Rathaus-Innenhof ihren Platz fand, weiß ich nicht.

    Ich weiß aber, dass unser Umweltamt in Sachen Tagebau sehr kompetent und engagiert ist und deshalb unterstelle ich mal, dass von dort die Geste, des Weinreben-Geschenks für unseren von Tagebau betroffenen Stadtteil Wanlo mit Sicherheit die Pflanzung vor Ort propagiert würde.

    Was spricht dagegen, zeitnah in Wanlo der Bestimmung entsprechend einen neuen Platz für die Weinrebe zu suchen?

    Da wir gerade vom Tagebau und seinen zukünftigen Auswirkungen auf unsere Stadt sprechen, möchte ich alle zu einer interessanten Veranstaltung am 27.10.16, 19 h, in die vhs Mönchengladbach einladen. Die attac-Ortsgruppe Mönchengladbach und die vhs bieten in Kooperation eine Vortrags- und Diskussionsrunde unter der Überschrift „Verheizte Heimat – zerstörte Landschaft – ruiniertes Klima“ an.

    Details gibt es unter https://www.facebook.com/events/1633118306982586/

    Gegebenenfalls kann hier auch wegen einem möglichen „Umsiedlungstermin nach Wanlo“ für die ‚verirrte‘ Weinrebe mit einer ebenfalls anwesenden Mitarbeiterin des Umweltamtes gesprochen werden 😉

    Herzliche Grüße

    Silvia Gutermuth

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