Stadtschützenfest mit Fitness-Parade und 35.000 frohen Gästen – König backt keine kleine Brötchen

Red. Brauchtum [08.09.2010 - 20:34 Uhr]

SSF2010-002_Foto_M-KatzSo sportlich waren Gladbachs Schützen noch nie: Beim Stadtschützenfest zeigten sie vor 35.000 Zuschauern Fitness und Ausdauer. Der fröhliche Aufzug mit 2600 Schützen und Musikanten wurde mit einer öffentlichen Turnübung eröffnet.

Der Bruderrat der Bruderschaften in Mönchengladbach und Korschenbroich hatte die Schützen-Fitness-Initiative ausgerufen: „Ohne Bauch geht´s auch“.

So richtig ins Schwitzen kamen die mehr oder weniger beleibten Marschierer bei der Parade. Denn vor dem neuen Bezirkskönig Michael Keinath (46) aus Herrenshoff wollte keiner schlapp machen.

Seine Majestät (von Beruf Bäckermeister, über den die Freunde sagen: „Er backt keine kleinen Brötchen.“) dankte mit Beifall und strahlte. Ihm gefiel die prächtige Parade bestens und er genoß es sichtlich, gefeiert zu werden.

Noch am Vortag hatte Michael Keinath gezögert, ob er überhaupt beim Vogelschuß mitschießen soll. Der Familienvater ist 2007 an Krebs erkrankt. Jetzt stehen neue Untersuchungen an, von deren Ergebnissen es abhängt, ob ein weiterer operativer Eingriff nötig ist.

Michael Keinath entschied sich erst nach einem Gespräch mit Bezirksbundesmeister Horst Thoren, beim Bezirkskönigsschießen anzutreten. Der Schützenchef hatte ihm Mut gemacht und gesagt: „Wenn das dein größter Wunsch ist – komm!“

SSF2010-001_Foto_M-KatzMit Michael Keinath schossen zehn Kandidaten, darunter eine Königin (Hardterbroich), auf den Vogel. Keinaths Traum erfüllte sich mit dem 126. Schuß. Da fiel der arg zerrupfte Holzadler von der Stange. Und der neue Bezirkskönig konnte jubeln.

Mit ihm freuten sich die beiden Schützen, die vor ihm auf den Vogel geschossen hatten. Sie sind seine Minister: Jochen Bensberg (51) von der Sankt-Josef-Bruderschaft Geistenbeck und Klaus Vieten (50) von der Sankt-Rochus-Bruderschaft Broich-Peel.

Gekrönt wurde der neue König am Festsonntag im Gladbacher Münster. Bezirkspräses Pfarrer Johannes van der Vorst segnete das wertvolle Drei-Königs-Silber der Bruderschaften und hängte es Michael Keinath um. In seiner Predigt zum Leitwort des großen Bruderschaftsfestes („Freut euch des Lebens!“) rief van der Vorst dazu auf, die Schätze der Freundschaft zu heben.

SSF2010-003_Foto_M-KatzEbenfalls wurden Bezirksprinz und Bezirksschülerprinz mit den Rittern gekrönt. Das sind: Bezirksschülerprinz Tim Mühlenberg, von der St. Sebastianus und St. Vitus Bruderschaft Obergeburth Waldhausen.

Seine Ritter sind Peter Vieten, von der St. Rochus Schützenbruderschaft Broich-Peel und Dominik Schmitz, von der St. Antonius-Sebastianus Bruderschaft Wanlo. Bezirksprinz ist Marc Winkens, von der St. Konrad Schützenbruderschaft Ohler-Ohlerfeld.

Mit Johannes van der Vorst zelebrierten Regionaldekan Ulrich Clancett und Hausherr Propst Dr. Albert Damblon die feierliche Krönungsmesse, die musikalisch von der Big Band Sankt Barbara Neuwerk und vom Männergesangverein Holt gestaltet wurde.

Zu Ehren der neuen Majestät paradierten am Alten Markt die vereinigten Bruderschaften und Vereine, die mit 38 Abordnungen vertreten waren. Im Regiment, kommandiert von Generalfeldsmarschall Klaus Schnock, zogen sechs Kompanien auf, denen zwölf Tambourkorps und Musikkapellen den Marsch bliesen.

Mannstark zogen insbesondere vier Bruderschaften auf: St. Hubertus Wickrathhahn, St. Helena Rheindahlen und St. Josef Geistenbeck. Insgesamt 2600 Schützen und Musikanten formierten sich zum Regiment und marschierten durch die Stadt: An der Spitze die Generalität des Bezirksverbandes, schließlich die historische Truppe, die in Trachten und Festgewändern aus der Zeit Jan van Werths an den kaiserlichen Reitergeneral und Odenkirchen Burggrafen erinnerte.

Den Jan van Werth gab hoch zu Ross Volksbankchef Lothar Erbers, seinen Schwiegersohn und Odenkirchener Schützenkönig (aus dem Jahre 1663) spielte MdL Michael Schoeren, die Werth-Tochter Lambertine GEM-Chefin Gabi Teufel.

Im frohen Gefolge waren Professor Gunter Konrad, von der NVV Friedhelm Kirchhartz und Rainer Hellekes, die frühere Oberbürgermeisterin Monika Bartsch, Hartmut Wnuck von der Stadtsparkasse, Karikaturist Nik Ebert, Brauchtumsfreund Hans-Peter Jansen und Bürgermeisterin Renate Zimmermanns.

Die Marscherlaubnis gab rheinisch-fröhlich Oberbürgermeister Norbert Bude, der als Vorreiter im grünen (Geistenbecker) Schützenrock das Regiment begleitet hatte und die Parade im schwarzen OB-Rock abnahm.

In seiner Festbilanz (herrliches Feier-Wetter, tolle Stimmung und beste Musik) sagt der Bruderrat allen Dank, die zum Erfolg des großen Bruderschaftstreffens beigetragen haben. Schützenchef Horst Thoren lobte vor allem die „fleißigen Musikanten“, die den paradierenden Schützen den Marsch geblasen oder beim Treffpunkt Kapuzinerplatz für Stimmung gesorgt haben.

Begeisterung löste vor allem der Auftritt der britischen Musiker der „Band of the Welsh Guards“ aus, die am Rathaus Abtei und bei der Serenade gespielt hatten und mit der Europa-Hymne den Zapfenstreich beendeten.

Die Musiker, vom britischen Verbindungsoffizier Alistair Clark nach Gladbach geholt und von Bruderratsfreund Klaus Cörstges bestens betreut, erlebten ihr erstes Schützenfest und tranken nach dem offiziellen Teil mit den Bruderschaften niederrheinisches Alt als Dankeschönbier. Dazu spielten die niederrheinischen Mundartbarden von Hätzblatt „Drenk doch ene mött“.

In den allgemeinen und herzlichen Dank einbezogen hat der Bruderrat das Citymanagement, das zum Stadtschützenfest Late-Night-Shopping bot, Stadtverwaltung und Polizei, MGMG und GEM, die Sponsoren, Festwirt Rolf Jansen und Marktausrichter Horst Römgens. „Unser Stadtschützenfest ist eine Gemeinschaftsleistung.

Da ist der kleinste Jungschütze mit wichtig für Stimmung und Erfolg“, sagt der Bruderrat lobt einen kleinen Marschierer ganz besonders: Ruben Lappessen (9) aus Hardterbroich gehörte zu den Vorturnern der „Grünen Jäger“ bei der Turnübung am alten Markt und machte auch schon als „junges Gesicht“ auf dem Plakat zum Stadtschützenfest eine gute Figur.

Fotos von Marlene Katz zeigen 1. die „Neuen“ nach dem Vogelschuß. Neuer Bezirkskönig ist Michael Keinath aus Herrenshoff (Mitte) mit seinen Ministern Jochen Bensberg aus Geistenbeck (2. v.r.) und Klaus Vieten aus Broich-Peel (2. v.l.) Eingerahmt von Bezirksbundesmeister Horst Thoren (links) und Oberbürgermeister Norbert Bude (rechts).

2. Bezirksschülerprinz ist Tim Mühlenberg (2.v.l.), von der St. Sebastianus und St. Vitus Bruderschaft Obergeburth Waldhausen. Seine Ritter sind Peter Vieten (2.v.r.), von der St. Rochus Schützenbruderschaft Broich-Peel und Dominik Schmitz (l.), von der St. Antonius-Sebastianus Bruderschaft Wanlo. Bezirksprinz ist Marc Winkens (r.), von der St. Konrad Schützenbruderschaft Ohler-Ohlerfeld.

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