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Odenkirchen, Buchholz, Hardt – wo liegt der Unterschied?

Red. Natur, Umwelt & Energie [ - Uhr]

„Windenergieanlagen!“ Inzwischen ein Reizwort für Mönchenglad­bacher Bürger. Zunächst in Buchholz und Hardt, nun auch in Oden­kirchen. Widerstand formiert sich.

Nach einer Studie von TNS Infratest aus Juli 2011 unterstützen 94% der Deutschen den verstärkten Ausbau der Erneuerbaren Energien. Soweit Umfragen, soweit die Theorie.

Nach einer Informationsveranstaltung in Mennrath (Buchholz), wo demnächst nach den Vorstellungen der NEW ganz in der Nähe (betroffen wären auch Baum, Hilderath und Griesbarth) zwei Windenergieanlagen entstehen sollen, erklärte Markus Palic, Geschäftsführer der NEW Re, zur Haltung der betroffenen Bürger: „Erneuerbare Energien ja, aber bitte nicht bei mir.“

Woran liegt der Widerstand?

Die Betroffenen wollen keine Windenergieanlagen direkt vor der Haustür.

Der häufigste Einwand, dass eine solche Aussage übertrieben sei, kann nicht aufrecht erhalten werden, wenn deutlich wird, dass die Abstände bei den zur Debatte stehenden Anlagen bei 500 bzw. 750 Meter zur Wohnbebauung liegen sollen.

Wer will das wirklich?

Ablehnungsgründe sind außerdem: Wertverlust von Immobilien, Verschandelung der Landschaft, bei der es sich hin und wieder auch um Naturschutzgebiete handelt, Angst vor Schlagschatten und Geräuschen, Störungen nachts (Lichtemissionen) durch die Signallampen, Infraschall bis hin zu Bedenken, dass Vögel und Fledermäuse Schaden nehmen könnten. Die Reihenfolge ist, je nach Betroffenheit, austauschbar.

In Odenkirchen, Buchholz, Hardt geht es also mehr oder weniger um dieselben Akzeptanz-Probleme hinsichtlich der Wahl der Anlagenstandorte, und doch gibt es, zumindest in politischer Hinsicht, einen Unterschied, der die betroffenen Bürger in Buchholz und Hardt sehr irritiert.

Kaum wurde öffentlich, dass die Gemeinde Jüchen in Erwägung zieht an der Stadtgrenze zu Mönchengladbach nahe Odenkirchen Windenergieanlagen (Standort 1) zu bauen, wurde die CDU, vertreten durch Bürgermeisterin Renate Zimmermanns und die Vorstandsvorsitzende des CDU-Ortsverbandes Odenkirchen, Petra Heinen-Dauber, aktiv.

Nach einem Gespräch mit Bürgermeister Harald Zillikens in Jüchen, lud die CDU für den 12.06.2013 zu einer Bürgerversammlung zum Thema ein, bei der auch Vertreter der NEW und ein Mitarbeiter der Stadtverwaltung anwesend waren.

NEW-seitig wurden die Belastungen relativiert, was nicht wundert, will doch die NEW, wie bereits 2011 angekündigt, in Erneuerbare Energien investieren. Dabei sollen 75% auf Windkraft und 25% auf Solaranlagen entfallen.

Auch das Zielgebiet der NEW wurde schon 2011 bekannt gegeben: Mönchengladbach, Jüchen, Korschenbroich, Grevenbroich, teilweise der Kreis als auch die Stadt Viersen und der Kreis Heinsberg.

NEW-Vorstand Rainer Hellekes erklärte damals außerdem, dass die Bemühungen dahin gehen müssten, die Wertschöpfung aus regenerativer Energie in der Stadt zu lassen.

Nach einem Bericht der örtlichen Presse wurden die Bezirksvertreter West in 2012 von den Ausführungen des NEW-Chefs und den Plänen für Buchholz und Hardt überrascht.

CDU-Sprecher Rainer Kühn erklärte damals: „Wir haben uns vor Jahren darauf geeinigt, dass wir neben Hardt (Anm. d. Red: Piperlohhof) und Wanlo keine weiteren Windvorrangflächen ausweisen wollen.“

Im Gegensatz zu Odenkirchen sieht die CDU aktuell für Buchholz und Hardt offensichtlich keinen Handlungsbedarf.

CDU-Ratsherr und -Sprecher im Planungs- und Bauausschuss Hans WilhelmReiners erklärte gegenüber der RP und auf Facebook: “Es gilt der Ratsbeschluss von 2003, dass es Vorrangzonen in Hardt und in Wanlo gibt. Solange wir keinen Antrag vorliegen haben, wo Windräder an anderen Standorten errichtet werden sollen, fällen wir keine Entscheidung.“

Dass die NEW ihr Engagement in Buchholz und Hardt durchaus ernst meint, erwähnt Reiners mit keiner Silbe. Allein die Tatsache, dass die NEW dort im September 2012 zu einer Informationsveranstaltung einlud, belegt dies. Außerdem wurden vorab mehr als 4.000 Flyer verteilt.

Ein Emissionsgutachten soll in Auftrag gegeben worden sein, Ergebnisse aber bisher nicht vorliegen. Auch dies ein Indiz pro statt kontra des Engagementwillens der NEW in Buchholz und Hardt.

Es dürfte also nur noch eine Frage der Zeit sein, dass der Stadtverwaltung Mönchengladbach ein entsprechender Antrag zur Errichtung der Windenergieanlagen und demzufolge Änderung des Flächennutzungsplanes „in’s Haus flattern“ wird.

Jüchen hatte eine Potenzialanalyse in Auftrag gegeben. In der Beratungsvorlage vom 07.03.2013 heißt es dazu: „Die Ergebnisse liegen nunmehr vor. Es wurden insgesamt sieben Bereiche im Gemeindegebiet Jüchen identifiziert, die für eine Nutzung durch Windenergieanlagen potenziell geeignet sind.“

Mit derselben Vorlage wird vereinbart (Zitat):

„Der Ausschuss für Planung, Gemeindeentwicklung nimmt die Potenzialanalyse zur Kenntnis und beauftragt die Verwaltung, die erforderlichen planerischen Schritte für die in der Potenzialanalyse bezeichneten Flächen […] vorzubereiten und gleichzeitig ein Geschäftsmodell „Bürgerwindpark“ zu erarbeiten.“ (Zitat Ende)

Das Planverfahren zu den Windvorrangzonen wurde in Jüchen noch nicht soweit vorangetrieben, dass schon eine frühzeitige Beteiligung der verschiedenen Behörden (nicht nur die Stadt Mönchengladbach) und der „Träger öffentlicher Belange“ (TÖB) erforderlich ist.

Zum aktuellen Stand der Dinge kann man durchaus sagen, dass sowohl Buchholz und Hardt als auch Odenkirchen „gleichauf“ sind.

Weder in Mönchengladbach, noch in Jüchen wurde bisher das Verfahren für die Änderung des jeweiligen Flächennutzungsplanes durch die Verwaltungen eingeleitet, was auch eine formale Beteiligung der Bürger in beiden Fällen zur Folge haben würde.

Das Planverfahren in Jüchen hat aktuell noch nicht den Stand der „frühzeitigen Beteiligung der Behörden und Träger öffentlicher Belange“ erreicht.

Das bedeutet, dass aktuell weder Politik noch Verwaltung, noch Bürger, auch nicht die betroffenen, etwas unternehmen können.

Ähnlich ist die Situation in Buchholz und Hardt.

Während sich zu den Planungen der NEW in Mönchengladbach die Politik, auch die CDU, mehr als bedeckt hält, wurde besonders die CDU im Falle der in Jüchen geplanten Anlagen, die Odenkirchen belasten würden, sofort aktiv und lud zu der bereits erwähnten Bürgerversammlung ein.

Erstaunlicher Weise wurde Giesenkirchen nur kurz in einer Pressemitteilung der SPD (Gersmann) und Schelsen bisher gar nicht thematisiert.

Klar dürfte sein, dass auch Giesenkirchens Süden (Standort 1) und durchaus auch Schelsen (Standort 3) zu den belasteten Gebieten durch die in Jüchen in Planung befindlichen Windenergieanlagen zählen könnten. Hier ist es bemerkenswert ruhig – zumindest noch …

Wer sich die Frage stellt, wie überhaupt Flächen ausgewählt und abgegrenzt werden kann dies relativ einfach nachvollziehen: Ist die Windhöffigkeit (Windernte) für einen in Frage kommenden Bereich festgestellt, wählt man ein Wunschgebiet, aus dem vermutlich der geringste Widerstand zu erwarten ist.

Dann nehme man einen Zirkel, stellt ihn auf den Mindestabstand ein und schlägt Kreisbögen von der möglichweise betroffenen Bebauung und schon stehen die Flächengrenzen fest, auf die man Windräder stellen könnte.

Ergibt sich, dass die Fläche groß genug ist, bleibt nur noch zu prüfen, ob sich zwei Windräder gegenseitig „stören“ würden. So entstehen unförmige Flächengebilde und der erste (Planungs-)Schritt ist getan.

Wer die Eigentümer der sich innerhalb dieser Planungszonen befindlichen Grundstücke sind, spielt eine eher untergeordnete Rolle, denn mit Geld lässt sich einiges „regeln“, ob über Pacht oder Ankauf der benötigten Flächen.

An den Standorten sowohl in Mönchengladbach als auch Jüchen wären Mönchengladbacher Bürger in gleicher Weise betroffen, wenn die Abstandsflächen zur Wohnbebauung, wie bisher zu vernehmen ist, 750 Meter betragen sollten.

In Buchholz und Hardt wird die Entfernung für einige Betroffene sogar unterschritten und nur 500 Meter betragen.

Stellt sich also reflexartig die Frage:

Warum engagiert sich die CDU in Odenkirchen so intensiv, während von ihr, außer den erwähnten Kommentaren von Kühn und Reiners zu Buchholz und Hardt, nur eines zu den anderen betroffenen Stadtteilen herrscht: Funkstille?

Gleichermaßen reflexartig ergibt sich die Antwort:

In dem vermeintlich durch die Jüchener Windräder betroffenen Gebiet auf der Kamphausener Höhe, haben Personen des „öffentlichen Lebens“ gebaut, von denen nicht wenige als der CDU nahestehend angesehen werden können.

Dass die Odenkirchener SPD rsp. die „RyO“-SPD-Vorsitzende Barbara Gersmann sich Anfang Mai nur in einer wenig konkreten Erklärung zu den Planungen der Gemeinde äußerte, könnte parteiinterne oder auch ähnliche Gründe haben …


3 Kommentare zu “Odenkirchen, Buchholz, Hardt – wo liegt der Unterschied?”
  1. Lesen Sie dazu auch diesen Artikel von BZMG-Leser Karsten Simon vom 04.07.2013:

    http://www.bz-mg.de/aus-dem-umland-nrw-und-darueber-hinaus/juechen/odenkirchen-buchholz-hardt-wertschopfung.html

  2. Warum sich die CDU in Odenkirchen engagiert?

    Populismus, Buhlen um den Wähler, sicher auch ein Zeichen an die für die CDU wichtigen Leute, die auf der Kamphausener Höhe ihr Haus haben.

    Alles andere ist egal.

    Die, die es in Buchholz und Hardt trifft sind zu wenige. In Odenkirchen gibt es rd. 20.000 Einwohner. Vielleicht die Hälfte Wähler. Da lohnt es sich schon den emsigen Politiker zu geben, dem Recht und Ordnung über alles gehen.

    Außerdem gilt auch hier: wenn zwei dasselbe (in diesem Fall statt „tun“) trifft, ist es noch lange nicht dasselbe.

    Witzig an der Sache: Dem Bürger wird immer erklärt, wenn er sich wehrt, dass er gegen alles ist.

    Wie ist das hier mit der CDU? Die sind doch nun auch dagegen.

    Noch dazu bei etwas, wo Politiker gerne den Spruch bringen: Strom kommt nicht einfach aus der Steckdose. Wer keine Atomkraft und Kohle will, muss eben auch zu Alternativen und gewissen Einschränkungen bereit sein.

    Das ist nicht von der Hand zu weisen. Ist das nur in Ordnung, weil der Verursacher die Gemeinde Jüchen ist?

    Kann man da leichter mit dem erhobenen Finger kommen als in der eigenen Stadt?

    Irgendwie verlogen.

  3. Diesen sehr gut recherchierten und aussagekräftigen Artikel kann kaum etwas hinzugefügt werden.

    Es mag für das Planungsamt eine schnelle Angelegenheit sein, Karten zu schieben und einen Zirkelschlag zu ziehen. Dabei sind dem Planungsamt unseren Erachtens allerdings gravierende Planungsfehler unterlaufen.

    1. es sind von vornherein, ohne Begründung Flächen ausgeschlossen worden.

    2. Nichtbeachtung des Wind Energie Erlass NRW, denn lt. WEE sind unvorbelastete Landschaftsschutz- und Naherholungsgebiete zu schonen!
    Quelle Windenergie Erlass NRW: Link WEE http://www.umwelt.nrw.de/klima/pdf/windenergie_erlass.pdf
    Nichtbeachtung fand u.a. folgende Flächen:
    4.3 Flächennutzungsplan, 4.3.1, 4.3.2 , 8.2.1.5 Landschaftsschutzgebiete, 8.2.3 Denkmalschutz

    Wir, die BI “ Windkraft mit Abstand“ (www.windkraft-mg.de) stehen für Erneuerbare Energie und Technik, im Einklang mit Mensch, Tier und Natur und einem humanen Abstand zur Wohnbebauung, wie er bis 2010 in NRW auf Empfehlung der Ärztekammer auch angewendet wurde, nämlich dem 10-fachen der Anlagenhöhe. Die Weltgesundheitsorganisation sowie Wissenschaftler setzen sich ebenfalls dafür ein und in vielen Ländern wird es bereits umgesetzt.

    Wir haben bislang ~ 4.700 Unterschriften von Bürgern erhalten, die sich auch für einen humanen Abstand der WKA zur Wohnbebauung von ~ 1.500 Meter aussprechen.

    Bei einigen Politiker findet das Gehör, andere ignorieren es einfach!

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