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Führende Politiker vertreiben das Arbeitslosenzentrum ohne zusagen, wohin • Mitglieder des Vereins machen sich große Sorgen

Herbert Baumann [ - Uhr]

[03.06.2017] In dieser Woche diskutiert die Bezirksvertretung Nord (07.06.2017) über den „Rahmenplan Abteiberg“. Für dieses dicke Plan-Papier für die Innenstadt brauchte die Stadtverwaltung viel Zeit.

Auf Seite 90 (von rund 130) ist zu lesen, dass das Grundstück, auf dem das Arbeitslosenzentrum (ALZ) steht, 2018 der „attraktiven“ Wohnbebauung zugeführt werden soll.

Die akute Angst um den Fortbestand einer Einrichtung, die jährlich vielen Menschen hilft, beherrschte dann auch die jüngste Mitgliederversammlung des ALZ.

Also doch: CDU, SPD und FDP wollen das attraktive Grundstück Lüpertzender Straße 69 vergolden – und damit das ALZ vertreiben.

Wohin – darüber sind weder die ratsuchenden Menschen noch die Verantwortlichen des ALZ informiert.

Vereinsvorsitzender Karl Boland kritisierte denn auch die Vorgehensweise: Solange nicht klar ist, wie die Zukunft des Zentrums aussieht, dürften solche Beschlüsse wie die in der BV-Nord nicht gefasst werden.

Neues Konzept für die Katz?

Mehr noch: Laut Stadtratsbeschluss soll das ALZ ein integriertes Handlungskonzept (Quartierskonzept) erstellen.

Inhalt: Wie kann das Zentrum, das jährlich rund 3.000 Menschen, darunter viele Langzeitarbeitslose, berät und betreut, zukunftsfähig gemacht werden?

Beispiel: Sollen die drei bewährten Angebote des ALZ (Beratung, Begegnung, Mittagstisch) mit denen anderer Vereine etwa der Alten-, Familienhilfe in Stadtmitte unter einem Dach an der Lüpertzender Straße oder an anderer Stelle präsentiert werden?

Das „Cityhaus“ Lüpertzender Straße müsste dann wohl um- bzw. ausgebaut werden.

Mit derartigen Konzepten betraute Fachleute haben dem ALZ bereits signalisiert, dass solche Papiere gar nicht vom Verein erstellt werden könnten, dies sei „hoheitliche Aufgabe“ der Stadt.

Hinzu komme, dass kein Institut so etwas für 20.000 Euro mache.

Genau diese Summe soll das ALZ von der Stadt bekommen, wenn es das Konzept bis Mitte 2018 vorlegen sollte.

Karl Sasserath, Leiter der Einrichtung, sagte, man werde jetzt zwei seriöse Institute um einen Kostenvoranschlag für ein Quartierskonzept bitten.

Die Kosten dürften um ein Vielfaches höher sein als die genannte Summe.

Diese wird die Stadt auf keinen Fall erhöhen.

Das sagte Stadt-Sozialdezernentin Dörte Schall (SPD).

Neue Räume, aber wer zahlt?

Als würde das noch nicht reichen, informierte Sasserath über einen Brief der Stadtentwicklungsgesellschaft EWMG.

Sie schreibt, dass die Stadttochter für das ALZ eine „geeignete Räumlichkeit“ an der Fliethstraße/Telekom-Gebäude gefunden habe.

Nun muss man wissen, dass sich das ALZ nicht gegen eine Verlagerung an eine andere, geeignete wie citynahe Adresse wehrt … wenn denn die Voraussetzungen stimmen.

Für das stadteigene Haus Lüpertzender Straße 69 zahlt der ALZ-Verein seit Jahrzehnten weder Miete noch Nebenkosten.

Das wurde damals so mit Stadt und Politik vereinbart.

Dieser geldwerte Vorteil addiert sich jährlich auf rund 30.000 Euro.

„Dafür sind wir dankbar, denn nur so können wir den vielen Ratsuchenden helfen“, erklärte Sasserath.

Der Vorstand des ALZ betonte: Solange nicht klar sei, wer Miete/Nebenkosten in einem neuen Gebäude zahlt, könne und werde das ALZ nicht umziehen.

Denn der Trägerverein des Zentrums ist finanziell nicht in der Lage, diese Kosten zu übernehmen.

Das wurde in der Jahresrechnung (Gesamtbudget rund 300.000 Euro) deutlich.

Wieder einmal machte der laufende Betrieb Miese – trotz sparsamster Haushaltsführung.

Rund 12.000 Euro fehlen, „auch 2017 müssen wir leider mit einem Defizit rechnen“, erklärte Karl Boland den Mitgliedern.

Die entlasteten den Vorstand für 2016 nachdem die Kassenprüfer keine Beanstandungen hattem.

Sorgen bereitet den beiden ALZ-Beratern Karl Sasserath und Julian Strzalla die weitere Zunahme der Hartz-IV-Empfänger.

In Gladbach sind es mittlerweile mehr als 40.000 Personen.

Die neuesten Gladbacher Arbeitslosenzahlen waren laut Sasserath atypisch – sie stiegen im Gegensatz zu den Bundeszahlen.

Auffällig auch: Mehr EU-Europäer (Polen, Bulgaren, Spanier, Portugiesen) kommen ins ALZ, nachdem sie den Job verloren haben.

„Und die Meisten sind mit Familie hier“.

„Werbt neue Mitglieder!“

Um die Finanzsituation der Erwerbslosenberatungsstelle zu verbessern, soll der Förderverein reaktiviert werden.

Bolands flammender Appell in der abendlichen Schwüle an die Versammlung: „Werbt neue Mitglieder, gewinnt weitere Sponsoren und gewinnt Menschen, die mit uns für das ALZ kämpfen.“

 www.arbeitslosenzentrum-mg.de

 

Visualisierungen: Stadt Mönchengladbach | Bearbeitung: BZMG

3 Kommentare zu “
Führende Politiker vertreiben das Arbeitslosenzentrum ohne zusagen, wohin • Mitglieder des Vereins machen sich große Sorgen”
  1. „Die neuesten Gladbacher Arbeitslosenzahlen waren laut Sasserath atypisch – sie stiegen im Gegensatz zu den Bundeszahlen.“

    So läuft das doch seit Jahrzehnten in Gladbach.

    Aber: Jetzt hat diese Stadt Dr. Bonin und die wachsende Stadt!

    Jetzt geht’s los – Arbeitsplätze werden geschaffen!

    Ach, stopp. Habe was verwechselt.

    Erst wird gebaut und noch mehr städtische Grundstücke vertickt – Arbeitsplätze kommen vielleicht später. Oder auch nicht.

    Hauptsache wohlhabende kaufen die neugebauten Wohnungen und Häuser in exklusiven Lagen. So kommen wenigsten gut situierte Neubürger in diese Stadt. So der Boninplan. OB, Wirtschaftsförderung (Dr. Schückhaus) und „Masterplaner“ unterstützen das begeistert.

    Weil das mit den gewünschten reichen Neubürgern so ist, muss das ALZ weg. Ist das so schwer zu verstehen?

    Dieses Grundstück ist zu wertvoll nur für Arbeitslose.

    Meine Güte ist das alles mies und ekelhaft!

  2. SPD – nix mit sozial – RICHTIG!

    Wie immer. Soziales Palaver. Nicht nur beim ALZ.

    Donnerstag bewiesen die Spezialdemokraten wieder, was die sind: Lügner und Betrüger.

    SPD wie immer: Links blinken, rechts fahren. Wieder Betrug am Wähler und Volk.

    Ganz im Sinne Schröders, dem Genossen der Bosse, der die Grundlagen für sehr viel Leid und Elend schuf.

    Grundgesetz Artikel 90 wurde mit Hilfe dieser angeblich „sozialen“ Partei geändert.

    Autobahnprivatisierung und Privatsierung von Schulen sind jetzt dank der SPD-Volksverräter endlich möglich.

    Genauso sind die SPDler, angeführt von Felix Heinrichs, in dieser Stadt.

    Deshalb interessiert die das ALZ auch nicht die Bohne.

    Besuch Nahles im ALZ war nur pseudosoziales Wahlkampfpalaver für die NRW-Landtagswahl.

  3. Also doch: CDU, SPD und FDP wollen das attraktive Grundstück Lüpertzender Straße 69 vergolden – und damit das ALZ vertreiben.

    Logisch.

    Die wollten nie aufs vergolden verzichten. War bequem nix zu sagen.

    Spart Zeit, schont Nerven, gibt keine negative Presse.Totschweigen.

    Denen gehen die Leute vom und im ALZ am Popo vorbei.

    Leute kapiert doch: FDP und CDU – von denen ist nix zu erwarten.

    SPD wie immer.

    Nix mit Sozial.

    Alles nur Palaver bei den Genossen.

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