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„GroKo“ will Wohnen im Biotop möglich machen • Grüne lehnen Baugebiet im Ahrener Feld ab

Im Außenbereich von Giesenkirchen soll nach dem Willen von CDU und SPD ein neues großes, vermeintlich „citynahes“ Wohngebiet entstehen. Das Vorhaben ist indes umstritten.

Während die „Groko“ mit ihrer Mehrheit in der Bezirksvertretung Ost im Gebiet Ahrenerfeld lieber heute als morgen ein Baugebiet ausweisen will, wehren sich Grüne und engagierte Bürger gegen die aus ihrer Sicht verfehlten Baugebietspläne.

Wesentliches Anliegen der Bürger ist der Schutz der alten Obstwiese, einem besonderen Biotop zwischen Waater Straße und Stichstraße Mülforter Straße.

Wertvoll macht dieses Biotop eine hohe Artenvielfalt – so tummelten sich unter anderem Fledermäuse, Steinkäuze, Amphibien und Libellen auf dem Areal.

„Auf Drängen der Groko dort ein Baugebiet ausweisen zu wollen und damit eine schleichende Biotopzerstörung in Kauf zu nehmen, geht gar nicht“, findet Hajo Siemes, Sprecher der Grünen in der BV Ost.

Ob die Baugebietsbefürworter aus der BV Ost diese Sachlage beeindruckt, bleibt dahingestellt.

Hajo Siemes weist aber auf die ökologischen Aspekte hin: „Dort am Rande des Stadtbezirks existiert ein Freilandbiotop, in dem viele Vogelarten zuhause sind und ihre Nistplätze haben. Unter anderen wird hier vom NABU seit über zwanzig Jahren ein Steinkauz-Nistplatz gepflegt, der in jedem Jahr mit drei bis fünf Jungvögel belegt ist.“

Der Steinkauz wird in vielen europäischen Ländern als bedrohte Tierart gelistet.

Ebenfalls sind in den Schuppen und kleinen Hütten auf der alten Obstwiese mehrere Arten von Fledermäusen beheimatet.

Die Zerstörung deren natürlichen Lebensraums durch den Menschen stellt bekanntlich die größte Gefahr für die Existenz dieser vom Aussterben bedrohten Insektenfresser dar.

Dabei sind freie Bauplätze in Giesenkirchen beileibe keine Mangelware: In der Prioritätenliste Stufe 1 und 2 des Abschlussdokuments „Dialog Giesenkirchen“ werden unter anderem die Gebiete Grundschule Friesenstraße, Parkplatz Kruchenstraße; Aschenplatz Lorenz-Görtz Straße und das Neubaugebiet Meerkamp bis zur Nesselroderstraße aufgeführt, die sich eher im Innenbereich von Giesenkirchen befinden und zur Deckung des Wohnungsbaubedarfs ausreichen würden.

Zum Ahrener Feld heißt es in der Entwicklungsempfehlung hingegen, dass die Fläche erst nach der Aktivierung anderer, besser integrierter Standorte entwickelt werden soll, sofern dann weiterhin eine Nachfrage nach Wohnbauland in Giesenkirchen bestehe.

Wie Siemes betont, soll sich (auf der Grundlage des Abschlussdokument „Dialog Giesenkirchen“) die weitere Siedlungsflächenentwicklung in Giesenkirchen vielmehr an besonderen Leitlinien orientieren.

Danach ist der für Giesenkirchen so bedeutenden Freiraums durch eine Präferierung der Innenentwicklung vor der Außenentwicklung geschützt.

Weiter sollten heute mindergenutzte oder in der vorliegenden Form nicht mehr benötigte Flächen wieder genutzt werden, um diese brachliegenden Potenziale zu aktiveren. Schließlich sollen kleinere Flächenpotenziale schrittweise entwickelt werden, um sich stets an neue Anforderungen des Wohnungsmarktes anpassen zu können und vor dem Hintergrund nicht klar bezifferbarer Potenziale im Bestand nicht eine Entwicklung im Übermaß zu betreiben.

Im Plangebiet gibt es neben der ökologisch wertvollen Obstwiese viele Kleingärten und Kleintiergehege für Gänse, Enten, Hühner sowie Ziegen und Pferde.

„Hier ist ein Rückzugsgebiet für Mensch und Tier entstanden, das nun der Bebauung zum Opfer fallen soll“, stellt Siemes fest.

Zusätzlich würden durch die geplante Wohnbebauung auch landwirtschaftlich genutzte Flächen verschwinden.

„Dabei wird immer wieder der Verlust von Ackerflächen und der Flächenverbrauch aufgrund von Bebauung von den Landwirten beklagt“, so Siemes weiter.

Für ihn ist klar: „Hier an dieser Stelle ein neues Wohngebiet zu planen, muss aus den obengenannten Gründen aber auch auf Grund der getroffenen Aussagen im „Dialog Giesenkirchen“ entschieden abgelehnt werden.“

3 Kommentare (Öffnen | Schließen)

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„GroKo“ will Wohnen im Biotop möglich machen • Grüne lehnen Baugebiet im Ahrener Feld ab"

#1 Kommentar von Stadtfilzer am 9. November 2015 @ 20:57

Die GroKo! Man kann es bald nicht mehr ertragen. Jeden Tag eine neue, dämliche und vor allem unausgegorene (Klüngel-) Idee dieser Truppe.

Außer eine Mehrheit haben die nichts, aber auch gar nichts zu bieten.

Schlegelmilch und Heinrichs werden dieser Stadt noch den Rest geben. Wo auch nur noch ein Fleckchen Natur ist, muss unbedingt was gebaut werden!

Ob für Gewerbegebiete (Mackenstein), Wohngebiete oder Windrädchen für die NEW (die man Bürgern vor die Türen setzen will) – nichts in Wald und Flur ist vor dieser Chaotentruppe sicher.

Nichts scheint für die unmöglich. Die haben tatsächlich nur eine Idee: mehr wachsen, wachsen, wachsen! Grenzenloses Wachstum – wohin das auch immer führen mag.

A la Pipi Langstrumpf wird sich die Welt zurecht gedacht, widewidewie sie der GroKo und den Zahlenjongleuren und Einflüsterern im Hintergrund gefällt.

Ob das sinnvoll ist oder nicht. Jemand hat denen die Wachstumsnummer gesteckt, das wird jetzt durchgezogen.

Dazu ständig Innovationen wie aktuell die 1001-Nacht-Story (Four Seasons) mit dubiosen Typen, die das angeblich wuppen, auf dass das Ex-JHQ (ebenfalls mit Naturschutzgebiet) nur schnellstmöglich verscherbelt wird. Wer immer dann daran verdienen mag.

Gerade hörte diese Lieberberg-RaR-Schmonzette auf, geht das Theater noch um einiges gesteigert von vorne los. Medial selbstverständlich vom CDU-Sprachorgan angetrieben und befeuert.

Die reden sich dann auch noch ein, dass sie progressiv sind und zum Wohl und Vorteil dieser Stadt ihre Flausen und Pseudo-Wissen ausagieren.

Alles basierend auf nicht kalkulierten und belegbaren Zahlen, die mehr Wünschen als Denken entsprechen.

Aktuell dazu: die Abzocke über die Müllgebühren und diesen „Kompetenzzentrum Sauberkeit“-Nonsens, wo mehr mit Worthülsen als fundierten Fakten eine neue, teure städtische Tochter aus der Taufe gehoben wird, die nur dazu da ist, die Bürger außen vor und dumm sterben zu lassen und wieder einige Leute mehr noch besser zu versorgen.

Nur beim Zahlen, zahlen und nochmal zahlen sind die Bürger dabei. Ob die das wollen oder nicht. Egal wie groß der Blödsinn ist. Angeblich sollen wir auch was dafür bekommen.

Und die Bürger scheinen (zumindest noch) alles mehr oder weniger klaglos über sich ergehen zu lassen.

Giesenkirchen? War da nicht schon mal was in dieser Art?

Giesenkirchen 2015.

Kann sich der Rest der SPD (der glückliche Heinrichs müsste das auch noch so grade hinkriegen), der aktuell in irgendeiner Weise mit dieser GroKo zu tun hat (was sagen darf?) vielleicht noch erinnern?

Bei einem Artikel, den ich dazu fand steht in einem Kommentar etwas, das ausgezeichnet auch zu dieser GroKo passt, die einer Heimsuchung gleich über die Stadt gekommen ist, Zitat Kommentator „Interessiert“:

„Der Brief offenbart mal wieder in seiner Gänze, wie sich die CDU in MG sieht: “Die Stadt sind wir!”

Hier nachzulesen:

[1]

Treffender kann man es auch aktuell nicht ausdrücken, „CDU“ ist nur durch „GroKo“ auszutauschen:

„ …, wie sich die GroKo in MG sieht: ‚Die Stadt sind wir!‘ “

Die SPD hat offensichtlich GAR NICHTS dazu gelernt oder auch nur annähernd verstanden.

#2 Kommentar von Provinz-Posse am 13. November 2015 @ 13:22

@Stadtfilzer,

Ihrem Kommentar kann ich nur zustimmen, dem ist im Grunde nichts mehr hinzuzufügen.

Allerdings scheinen Sie noch eine Person bei den “Hochleistungspolitikern“ vergessen zu haben, nämlich „Ihro Hoheit“ Frank Boss, den ungekrönte König von Giesenkirchen.

Er gehört, wie man so schön sagt „in den selben Sack“ wie Schlegelmilch und Heinrichs, mit diesen dreien ist der Sack aber noch nicht voll.

Dazu irgendwann später mehr, denn meine Themenliste zur GroKo ist noch nicht mal halb voll. Das Beste kommt noch. Scheibchenweise.

Hier stellt sich nur die Frage, warum hinterfragen die anderen Ratsherren, Bürgerschaftsvertreter, Parteimitglieder und die Jugend Organisationen das nicht.

Sowie unser OB, der bevor er selbst eine eigene Entscheidung trifft, am Ende seiner seine Amtszeit angekommen sein wird.

Das erinnert mich an ein Buch, das ich jedem nur empfehlen kann „Untergang der Lemminge“, einfach mal googlen!

#3 Kommentar von medienanalystin am 13. November 2015 @ 19:44

Das sehe ich auch so wie die Kommentatoren hier.

Falls es aus dem Blickfeld und Gedächtnis von GroKo und allen diesen zum Klüngel dazu gehörenden Leuten geraten sein sollte, zur Erinnerung:

Flächenverbrauch soll mindestens reduziert, besser vermieden werden. Das ist sowohl auf Landes- wie auf Bundesebene schon lange ein Thema und Forderung.

Eines, das leider ungehört verhallt, weil Geld für alle Beteiligten lockt. Schon holen die wieder zum Kahlschlag in der noch vorhandenen Natur aus.

Zum Flächenfraß gibt es von Bund und Ländern viele Informationen und Empfehlungen:

Beispiele:

Allianz für die Fläche

„Flächenverbrauch ist häufig mit dem unumkehrbaren Verlust von Landschaftsräumen verbunden. Er beeinträchtigt landwirtschaftliche Produktionsmöglichkeiten, wirkt sich nachteilig auf Biotop-, Landschafts- und Naturschutz aus, verringert Erholungs-, Ruhe- und Frischluftbereiche und trägt durch ausufernde Siedlungsstrukturen zum Klimawandel bei. Die Landesregierung will daher die Fläche, die jeden Tag neu bebaut wird, bis 2020 auf 5 Hektar reduzieren.“

„Ziel der Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung ist es, die tägliche Inanspruchnahme neuer Siedlungs- und Verkehrsflächen bis zum Jahr 2020 auf durchschnittlich 30 Hektar pro Tag bundesweit zu reduzieren.“

„In Nordrhein Westfalen gehen im langjährigen Mittel täglich rund 10 Hektar wertvolle Natur- und Freifläche verloren.“

Wird Mönchengladbach hier dabei sein?:

Eine Maßnahme, die aus dem Trägerkreis entwickelt wurde ist das Projekt „Meilenstein – Zertifikat für flächensparende Kommunen in Nordrhein-Westfalen“.

Das bezweifle ich.

Das machen andere Städte:

„So hat die Gemeinde Hellenthal ein Anreizprogramm „Junge Menschen in alten Häusern“ eingeführt.

Die Stadt Dormagen hat an einem Pilotprojekt zum Aufbau eines Geoinformationssystems (GIS) als Webdienst zur strategischen Innenentwicklungsplanung teilgenommen.

In der Stadt Münster gilt das Gebot Innen- vor Außenentwicklung. Mit Hilfe eines Anreizprogramms werden hier die Sanierungen von Altbauten gefördert.

Die Stadt Porta-Westfalica nimmt an einem Projekt zur Ermittlung von Brachflächen teil.

Die Stadt Emsdetten hat sich dem Grundsatz einer nachhaltigen Flächenentwicklung unterworfen, nach dem Flächen im Innenbereich mit erster Priorität entwickelt werden sollen. Sie besitzt eine Erhebung über die vorhandenen Reserveflächen für Wohnen und Gewerbe.

Die Stadt Recklinghausen besitzt u. a. zum Schutz und zur Aufwertung ihres Freiraums ein Entwicklungskonzept.“

[2]

Schockierend ist der Bodenverbrauchszähler:

Jeden Tag werden in NRW ca. 10 Hektar Boden (das sind 100.000 m2) in Siedlungs- und Verkehrsflächen umgewandelt.

Verbrauchszähler – auf den Link klicken:

[3]

„Mehr als die Hälfte der deutschen Fläche wird landwirtschaftlich genutzt. Dieser Anteil sinkt langsam, während der für Siedlungen und Verkehr stetig steigt. Ziel einer nachhaltigen Flächennutzung ist daher, den Flächenverbrauch durch Siedlungen und Verkehr zu senken und gleichzeitig vorhandene Flächen optimal zu nutzen und ökologisch aufzuwerten.“

[4]

Von dem allen hat die GroKo wohl noch nichts mitbekommen.