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Gewerbegebiet Trabrennbahn – so einfach geht’s wohl doch nicht!

Red. Politik & Wirtschaft [ - Uhr]

entchenIn der Bezirksvertretung Ost stand am 02.02.2012 ein Bericht zur „Entwicklung eines kommunalen Gewerbegebietes auf der Fläche der heutigen Trabrennbahn“ auf der Tagesordnung.

Die Mittel dafür in Höhe von 400.000,00 Euro waren in den Doppelhaushalt 2010/2011 eingestellt worden.

Mit einem zwar legalen aber trotzdem etwas fragwürdigen „Trick“ waren diese Gelder in das Jahr 2012 „geschoben“ worden.

Den für die gewerbliche Nutzung erforderlichen Bebauungsplan und die Änderung des Flächennutzungsplanes wird ein externes Planungsbüro (3D Architekten und Stadtplaner, Aachen) erstellen, da der Fachbereich Stadtentwicklung und Planung aus personellen Gründen diese Aufgaben kurz- und mittelfristig nicht übernehmen kann.

In diesem Zusammenhang stellt sich natürlich die Frage, ob es bereits einen Interessenten oder Investor gibt. Warum sonst die Eile?

Wie zu vernehmen war, gab es seitens der zuständigen Fachbereiche „Stadtentwicklung und Planung“ und „Umweltschutz und Entsorgung“ mit WFMG, EWMG und NEW AG Gespräche, um die „grundsätzliche Machbarkeit des Planvorhabens“ auszuloten.

Zu berücksichtigen ist eine ansehnliche Zahl von Themenbereichen:

  • Verkehr
  • Entwässerung
  • Bodenbeschaffenheit
  • Altlastensituation
  • Artenschutz
  • Emissionsschutz
  • Rückbaukosten für die aufstehenden Gebäude
  • Wirtschaftlichkeit des Planvorhabens

Im Ergebnis stellte sich heraus, dass für alle diese Bereiche teils komplexe und zeitintensive Gutachten zu erstellen sind.

So müsste bei gewerblicher Nutzung sowohl der Verkehrsknoten Flughafenstraße/Krefelder Straße als auch die Flughafenstraße ausgebaut werden.

Vermutlich ergeben sich auch Maßnahmen im Kreuzungsbereich Krefelder Straße/L 390.

Allein zum Thema „Entwässerung“ sind Hochwassergefahrenkarten für den Bereich Niers und Trietbach zu erstellen, deren Ergebnisse bis Ende 2012 vorliegen sollen.

Erst nach Vorliegen dieser Ergebnisse zum Thema „Niederschlagsentwässerung“, wird der Niersverband Anfang 2013 seine Stellungnahme abgeben können.

Im Rahmen der Hochwasser-Risikomanagement-Richtlinien werden die Überflutungsflächen der Niers dann von der Bezirksregierung Düsseldorf in Zusammenarbeit mit dem Niersverband ermittelt und die Hochwassergefahren und -risikokarten erarbeitet.

Diese Ergebnisse hofft man bis Ende 2013 zu erhalten.

Zu den Altlasten berichtete Frau Pfennings vom Fachbereich Umweltschutz und Entsorgung, dass sich auf dem Areal drei Altlastflächen befinden; auf dem Gelände der Trabrennbahn selbst, sowie weitere je im Nord-Osten und im Nord-Westen.

Zum Artenschutz führte sie aus, dass bei der Begehung durch die Untere Landschaftsbehörde zwar eine Saatkrähenkolonie ausgeschlossen werden konnte, sich allerdings im Nord-Westen Schwalbennester befinden, wobei es sich u.a. auch um die besonders geschützten Rauchschwalben handeln soll.

In den Sommermonaten halten sich hier Fledermäuse auf und nordöstlich befindet sich ein Greifvogelhorst. Es soll sich um Mäusebussarde handeln.

Brut- und Raststätten dieser Tiere dürfen nicht beschädigt oder zerstört werden.

Außerdem unterliegt der Mäusebussard dem allgemeinen Schutz der EU-Vogelschutzrichtlinie. Er ist als streng geschützte Art gelistet.

Bei einer Nutzungsänderung in ein Gewerbegebiet entstünde außerdem ein „erhöhtes ökologisches Defizit“. Dies würde bedeuten, dass entweder 60.895 qm Ausgleichsflächen zu schaffen sind oder alternativ eine Zahlung von rd. 800.000 Euro fällig würde.

Geleistet werden muss diese von demjenigen, der den Eingriff vornimmt.

Logischerweise stellt sich bei dieser Summe die Frage, wer in diesem Fall den Eingriff letztendlich vornimmt? Der angeblich bereits vorhandene Interessent/Investor oder die Stadt Mönchengladbach.

Sollte letzteres der Fall sein, wird man gespannt sein dürfen, wie diese Kosten bei einem einmal zu erbringenden Kaufpreis berücksichtigt werden.

Auch, was den Boden anbelangt, ist noch lange nicht alles so einfach, wie es manchem erscheinen mag.

Nicht nur Schuttaufschüttungen, die nach dem zweiten Weltkrieg dort und auch auf dem Flughafengelände erfolgten, könnten Probleme bereiten, sondern auch Torflinsen, die die Tragfähigkeit des Bodens beeinträchtigen.

Näheres dazu erhofft man sich von dem zu erstellenden Bodengutachten.

Alles in allem ein erhebliches Paket an Gutachten, das es abzuarbeiten gilt, um, wie es Dr. Schückhaus ausdrückte, „flughafenaffines Gewerbe wegen der Nähe zum Flughafen“ ansiedeln zu können. Er betonte ausdrücklich, dass es sich nicht um Interessenten aus dem Bereich Logistik handele.

Derzeit nimmt die EWMG durch die Vermietung von Flächen für den wöchentlichen Trödelmarkt jährlich fast 100.000 Euro ein.

Dieser Vertrag soll nach Angaben von Dr. Schückhaus jederzeit quartalsmäßig kündbar sein.

Horst-Peter Vennen, Vorsitzender des Planungs- und Bauausschusses und Aufsichtsratsvorsitzender der EWMG, teilte mit, dass der jetzige Betreiber der Trabrennbahn nie eine Zusage erhalten habe, diese langfristig betreiben zu können.

3 Kommentare zu “Gewerbegebiet Trabrennbahn – so einfach geht’s wohl doch nicht!”
  1. Das riecht streng nach Gladbacher Klüngel. Ätzend.

  2. @ schmitzbackes

    Das mit dem „gerüchteweise“ hat was.

    Gerücht kommt von riechen.

    Wenn es ganz schlimm riecht, dann stinkts.

    Wäre interessant zu wissen, wo das Gerücht her kommt.

  3. Zitat: „… flughafenaffines Gewerbe wegen der Nähe zum Flughafen …“

    Wenn man das so liest, kommt einem geradezu das Grausen über soviel geballte Inkompetenz.

    Da gibt es schon jetzt Erkenntnisse über mögliche K.O-Kriterien für ein Gewerbegebiet und ein Herr Schückhaus stellt sich Hin und spricht von „flughafenaffinem Gewerbe“.

    Von welchem Flughafen spricht Herr Schückhaus eigentlich? Was will er den auf diesem Gelände ansiedeln? Ne Würstchenbude vielleicht?

    Ich vermute, hier wird den Politikern wieder eimerweise Sand in die Augen geschüttet. Merken die eigentlich überhaupt nichts?

    Wenn die es nicht schon längst wissen, dann müssen sie sich doch einfach nur mal umhören, die Ohren spitzen und das Gehirn einschalten.

    Für mich jedenfalls war es gar nicht schwer, gerüchteweise zu erfahren, dass ein Herr Schmidt das Gelände für sage und schreibe einen Euro pro Quadratmeter kaufen und darauf eine oder mehrere Hallen bauen will.

    Zufällig ist dieser Herr Schmidt Inhaber eines Großhandels in Mönchengladbach, Präsident der hiesigen IHK, in dieser Funktion, aber auch persönlich irgendwie mit der Gladbacher Wirtschaftförderung verbandelt, deren Chef übrigens Herr Schückhaus ist.

    Alles Zufälle?

    Da braucht man nur mal zu googeln, liebe Politiker!

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