Ärger über die St. Martinslaternen

Red. Odenkirchen [ - Uhr]

140px-Wappen_odenkirchen3Mit seinem ersten St. Martinszug machte das City-Management Rheydt der Traditionsveranstaltung des Heimatvereins Odenkirchen das Publikum streitig. Der Heimatverein tobt, in Rheydt sieht man die Terminkollision gelassen.

Werner Scholz vom Heimatverein Odenkirchen ist stinksauer. Seit fast 30 Jahren veranstaltet der Heimatverein Odenkirchen seinen St. Martinsumzug – mit einem Martinsmarkt vorab. Am Sonntag, 07. November 2010, war es wieder soweit.

Nun hatte das Rheydter City-Management die Idee, um ihren verkaufsoffenen Sonntag aufzuwerten, einen St. Martinsumzug – mit Martinsmarkt vorab – zu veranstalten. „Die sind uns in die Quere gekommen“, wirft Werner Scholz dem Rheydter CityManagement vor, und poltert: „Das ist ein Witz.“ Die Nachbarorte im Süden Mönchengladbachs hatten ihren „Ärger der Laternen“.

Der Hauptgrund für die Verstimmung: Die Rheydter setzten ihren Martinsumzug ohne Absprache auf den Veranstaltungsplan. „Das ist für uns sehr ärgerlich“, sagt Werner Scholz vom Heimatverein Odenkirchen – aus zwei Gründen. Zum einen wechselten bereits zahlreiche Aussteller, die in den vergangenen Jahren noch beim Odenkirchener Martinsmarkt (Okuhom) dabei waren, nach Rheydt.

Zum anderen war ein ähnliches Szenario für den Martinsumzug befürchtet worden – nämlich eine Abwanderung zahlreicher Besucher. Den Aussteller-Engpass konnten die Odenkirchener noch mit Mühe ausgleichen. Bei den Zuschauern sollten  mit Werbemaßnahmen in Jüchen neue Besucher angelockt werden.

In Rheydt sah man die Sache entspannt. „Es gab doch schon öfter zeitgleiche Veranstaltungen in Mönchengladbach“, meint Peter Homann vom City-Management. Genauere Absprachen mit anderen Ortsteilen seien deshalb nicht notwendig. Ohnehin wolle man nicht am Traditionsfest in Odenkirchen rütteln.

Der Grund für den Termin sei vielmehr als Aufwertung des verkaufsoffenen Sonntags zu verstehen. „Die Menschen kommen doch nur zum Bummeln, wenn das Ambiente stimmt“, sagt Peter Homann. Deshalb habe man einen Familientag aufbauen wollen, und in St. Martin einen gebührenden Anlass gefunden.

Rein politisch ist die Sache „sauber“ abgelaufen. Anfang des Jahres habe es, so Werner Scholz, in der Bezirksvertretung Süd eine Abstimmung gegeben. Und da stimmten die Odenkirchener, die nicht an die Terminkollision gedacht hatten, zu. In den vergangenen Monaten gab es reichlich Wirbel, mittlerweile konzentrieren sich beide Seiten auf ihre eigenen Veranstaltungen.

Einen Vorteil hatte der „doppelte St. Martin“. Es gab für zwei frierende Bettler jeweils einen wärmenden Mantel.

3 Kommentare zu “Ärger über die St. Martinslaternen”
  1. Danke Mine. Genauso ist das.

    Ist in Ordnung wenn das City-Management an Geld verdienen denkt. Aber so?

    Ist schon heftig. Alles dreht sich nur noch um Geld. Die Kinder sollen schon mal sehen wo es lang geht und wozu sie da sind. Hauptsache der Umsatz stimmt und die Kleinen werden samt Laterne im Gedrängel hin und her geschoben. Waren nur für die Stimmung zuständig. So als wandelnde Laterne.

    Bald ist Weihnachten, dann sind auch wieder die Kiddys dran und dann ab in die Versenkung bis zum nächsten Event.

    Der Blumenkorso war auch so ein Ding. Ging mittags gerade so lange das genug Zeit zum einkaufen übrig war.

  2. Selbst vor dem Martinszug macht der Rummel um Kommerz nicht mehr halt.

    Ich lese: „Die Menschen kommen doch nur zum Bummeln, wenn das Ambiente stimmt“, sagt Peter Homann.

    Natürlich, das stimmt. Daß jedoch Kinder mit Martinslaternen für Ambiente sorgen sollen, das doch nur die Kauflust steigern soll, finde ich nicht nur traurig. Es ist beschämend und ein Armutszeugnis für unsere Gesellschaft.

    Wenn ich den Grund lese, schüttle ich den Kopf: „Deshalb habe man einen Familientag aufbauen wollen, und in St. Martin einen gebührenden Anlass gefunden.“

    Ein Familientag im Kaufhaus in der City? In drängelnden Menschenmassen?

    Ich bin früher als Kind von Tür zu Tür mit meinen Freunden gezogen, habe Martinslieder gesungen, wir wurden mit Äpfeln, Nüssen und auch mal mit einer Nascherei beschenkt. Meine Kinder hieltens ebenso, bekamen Schokolade und hatten ihren Spass.

    Was haben die Kinder von einem Martinszug, werden hinterher von ihren Eltern womöglich noch in die Kaufhäuser und verqualmten Bistros geschleift?

    In Odenkirchen macht das Sinn, in einem kleinen Stadtteil mit Martinsmarkt. Da können Erwachsene den Markt besuchen, während die Kinder an Marktständen und in den umliegenden Häusern singen – aber in Rheydt soll der Martinsumzug doch nur Besuchermassen in die City locken.

    So eine Kommerzialisierung ist nicht familienfreundlich, sie ist kinderfeindlich.

    Das gilt im übrigen auch für verkaufsoffene Sonntage, die auch gerne von Politikern und Geschäftsleuten als Familienevent gepriesen werden. Welches Kind verbringt schon gerne seine Freizeit in Schuhgeschäften und Boutiquen?

    Spielt Sonntags mit euren Kinder Mensch-ärger-dich-nicht, Monopoly oder macht einen Ausflug mit dem Rad oder fahrt zu einem Park oder schaut euch was schönes mit den Kindern an.

    Beschämend, dass sich Politiker, die angeblich für Familienfreundlichkeit stehen, auch noch vor den Rummel-Karren spannen lassen und so was genehmigen.

  3. Das ist sehr egoistisch von der Rheydtern. Dies zum Thema „Eine Stadt“. So wird das nie was.

Ihr Kommentar