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Unser Dorf soll jesseniger werden

Glossi [ - Uhr]

Hallo Leute, heute scheuchte mich meine Freundin in die Stadt. Samt Einkaufsliste, was noch so alles für den Urlaub benötigt wird. Da half kein Zetern, keine noch so wichtigen anderen Arbeiten. Nicht mal das Wetter war auf meiner Seite.

Strahlender Sonnenschein bei angenehmen Temperaturen. Also fügte ich mich in mein Schicksal. Wie alle Jahre wieder zur Urlaubszeit. Einkaufen ist einfach nicht mein Ding. Aber, bloß keinen Ärger mit dem weiblichen Geschlecht.

Schon einigermaßen genervt vom Shopping hatte ich noch den Punkt Urlaubslektüre abzuarbeiten. Also auf zur Mayerschen.

Nun würde ich auch endlich, wenn auch reichlich spät (aber wann gehe ich schon mal einkaufen!), mit eigenen Augen das heftig umstrittene, von CDU, SPD und FDP seinerzeit als ach so wichtig und unverzichtbare Objekt „Mayersche“ sehen.

Von einer „deutlichen Steigerung der Attraktivität des Einzelhandels in der Rheydter Innenstadt“ schwadronierte damals Ratsherr Elsen (SPD), obwohl zu diesem Zeitpunkt noch nicht feststand wie das Gebäude überhaupt einmal aussehen würde.

Grüne und FDP hatten damals einen Gestaltungswettbewerb für das Areal gefordert, was auch die SPD-Fraktion in der BV Süd für gut befand.

Sogar die Jusos hatten sich seinerzeit geäußert, dass sie in dem Projekt einen wichtigen Fortschritt für die Rheydter Innenstadt sehen.

Robert Peters, der damalige Vorsitzende der Mönchengladbacher Jusos, hatte vollmundig erklärt: „Ein Umzug der Mayerschen Buchhandlung in das ehemalige Gebäude von Hemden Möller wäre ein wichtiger Schritt für die Innenstadt in Rheydt. Sollte der Umzug am Ende wegen der vielen Verzögerungen doch nicht zustande kommen, wäre das ein schlechtes Signal an Investoren und würde kein gutes Licht auf die Gestaltungskraft der Ampel werfen“.

So stand ich nun vor dem Wunderwerk, das nur mal eben die Innenstadt von Rheydt retten sollte: optisch, städtebaulich, attraktivitätsmäßig.

Eine Allerwelts-Glasfront mit ein bisschen Farbe. Sogar Tchibo ist mit umgezogen. Richtig, es sollte ja mal ein Lese-Cafe geben.

So viel Aufstand und Palaver für so wenig? Über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten – aber das, das kann doch nicht der erste Platz eines Wettbewerbs sein.

War es aber! Zufällig, rein zufällig war die Gewinnerin eine Jessen-Firma.

Wie grausam müssen die Entwürfe der nicht zum Zuge gekommenen Mitbewerber gewesen sein!

So richtig entsetzt war ich dann aber, als ich einen Blick in Richtung des damals viel zitierten Angstraumes werfen wollte.

Die Außenwand dieses Gebäudes, das aus einem Wettbewerb hervorgegangen sein soll, ist so ziemlich das hässlichste, was man einem angeblichen Siegergebäude antun kann.

Hat da jemand gemogelt oder ist das Geld ausgegangen? War keine Zeit mehr für eine architektonisch ansprechendere Fassade?

All die hochtrabenden Äußerungen von Ulrich Elsen (SPD), Barbara Gersmann (SPD), Henning Haupts (SPD), den Jusos und natürlich von der CDU.

Gersmann hatte sich in einer Pressemitteilung: „darüber gefreut“ (sie freut sich schon mal öfters), dass „neben der öffentlich finanzierten Umsetzung des Innenstadtkonzepts auch an dieser Stelle durch private Initiative ein Beitrag für die Entwicklung von Rheydt geleistet wird.“

SPD-Ratsherr Henning Haupts, Mitglied im Planungs- und Bauausschuss meinte sogar: „Angesichts der gegebenen Bebauung wird hier ein vertretbarer Kompromiss zwischen dem Bedarf des Investors und den Anforderungen der Allgemeinheit gefunden”.

Hehre Worte die Großes erwarten ließen.

Verschwiegen oder vielleicht auch „nur“ geflissentlich übersehen, haben Gersmann und Haupts damals , dass mal wieder ein Stück städtischen Eigentums in bevorzugter Innenstadtlage verhökert wurde.

Nicht minder vehement die CDU, die damals sogar von Unverständnis der Rheydter Bürger (mich hat übrigens keiner gefragt!) des Rheydter City Managements, der Pfarre St. Marien Rheydt und nicht zuletzt der CDU schwadronierten, weil: „Die Bürger und alle Beteiligten sehen in dem Projekt einen wichtigen Baustein für die Weiterentwicklung der Innenstadt Rheydt in Verknüpfung mit dem für Rheydt angestoßenen Konzept „Soziale Stadt“.“

Hallo, geht’s noch?

Ein Scheitern (leider kam es nicht dazu…) war von der CDU erklärt worden „… wäre für die Rheydter Innenstadt ein schwerer Schlag und würde bedeuten, dass dieses Objekt voraussichtlich wieder für Jahre brach liegen würde, ohne einer sinnvollen und für die Rheydter Innenstadt produktiven Nutzung zugeführt zu werden.“

Der Weltuntergang nahte!

Und jetzt das! Welch ein Ergebnis!

Ein typischer Jessen-Kasten.

Auch hier ist es den Bücker-Brüdern gelungen, was sie immer wieder vollmundig verkünden, nämlich, dass sie das Gladbacher Stadtbild „prägen“. Was mit Qualität und Attraktivität überhaupt nichts zu tun hat!

Das Beispiel Mayersche macht mir das auf bedenkliche Weise wieder einmal klar.

Die „Brache“, die es gar nicht gab, hat mir besser gefallen als dieser, teils nur angepinselte Kasten, der nicht nur nach Billigbauweise aussieht.

Dieses „Siegergebäude“ ist für die Rheydter Innenstadt die GAV (die größte anzunehmende Verschandelung) schlechthin.

Ein GAU war es nicht, denn dann wäre es „ein plötzliches, unvorhergesehenes, zeitlich und örtlich bestimmbares, unfreiwilliges und von außen einwirkendes Ereignis, bei dem eine Person einen Schaden erleidet“ (wikipedia) gewesen.

Dieser Kasten war ein „geplantes, vorhersehbares und örtlich bestimmbares, freiwilliges und von innen einwirkendes Ereignis, bei dem die Allgemeinheit einen Schaden erleidet“.

Und mitten drin, die besagten Politiker, die gütigerweise in einer geheim tagenden Jury ihren „hohen“ Sachverstand einbringen durften.

Da wurde von einer Aufwertung des „kleinen Marienplatzes“ gefaselt, von „Angsträumen“, die es nicht mehr geben würde usw. usw.

Dabei wurde der „kleine Marienplatz“ noch kleiner und die Angsträume sind geblieben. Mit einem Unterschied gegenüber früher: sie wurden mit einer weißen Wand „verschönert“.

Mir muss das Ganze ja nicht gefallen … also schnell „weg da, weg da, weg,“ wie van Veen einst sang.

Bücher kann man auch woanders kaufen oder neuerdings online in der Stadtbibliothek leihen. Der Reader ist sowieso viel leichter und weniger sperrig als Bücher im Urlaubsgepäck.

Meiner Freundin konnte ich das locker klar machen – wenn auch nur dank der Tatsache, dass sie dadurch zwei paar Schuhe mehr einpacken konnte.

Schöne Urlaubstage allerseits!

Das wollt’ ich nur mal gesagt haben.

Euer Glossi

4 Kommentare zu “Unser Dorf soll jesseniger werden”
  1. Die Mayersche ist in diesen viel zu kleinen Räumlichkeiten täglich leerer als sie jemals an alter Stelle war.

    Es fehlen aus Platzgründen ansprechende Rückzugsmöglichkeiten zum Probelesen. Ein archtektonisch ansprechender Neubau mit ausreichend durchdachtem Konzept und Platzangebot wäre eine gute Chance gewesen.

    Sollte Karstadt eines Tages wegbrechen, schwebt die Achse im Freien und wir werden in einer menschenleeren Rheydter City scaten können.

    Es gibt leider kaum einen städteplanerischen Fehler, den unsere MG – Politiker als eitle Gernegrößen nach entsprechend geschickt platzierter Einflüsterung auslassen.

    Man bräuchte als ausgewiesener städteplanerischer Dilletant keinen teuer eingekauften Masterplan, wenn man nur den eigenen Verstand oder wenigstens den sachkundiger Bürger einsetzten würde.

    Die Zeiten selbstherrlicher Sonnenkönige sollten vorbei sein. Jeder interessierte Bürger sollte sich mal eine Ratsitzung anzuhören, um sich ein eigenes Bild davon zu machen.

    Ich hab es bisher 4 mal ertragen.

    Gehen wir wählen und motivieren möglichst viele bisherigen Nichtwähler, das auch zu tun …

  2. Kleiner Marienplatz – großer Murks!

  3. Sehr gut geschriebener Text, den man sich nur anschließen kann!

    @ M. Angenendt

    Was mit den Politikern dieser Stadt los ist, kann man vielleicht so erklären: Viele Politiker trauen sich nichts zu sagen und DIESER EINE, warum auch immer gewährt wohl den Erbauern freie Hand.

    Warum dies so ist, kann man sich beim Betrachten vieler anderer Artikel wohl selbst erklären.

  4. Hässlich mit echter Hinterhofatmosphäre. Sowas mitten in einem Stadtzentrum.

    Das ist mal wieder so richtig daneben gegangen. Verschlimmbessert sozusagen.

    Hauptsache die Jessen-Kasse klingelt.

    Was ist mit den Politikern dieser Stadt los, dass die sowas befürwortet haben!

    Der kleine Marienplatz hätte mit weniger Aufwand schöner gestaltet werden können.

    Logo, dann hätte Jessen aber nix davon gehabt.

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