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„Der vorbildhafte Neuaufbau von Rheydt“ • Bürgerschaftliches Engagement nötig • Grüne sind dabei

Hauptredaktion [ - Uhr]

Der Vortrag „Der vorbildhafte Neuaufbau von Mönchengladbach-Rheydt“ im Äbtesaal des LVR-Kulturzentrums Abtei Brauweiler war trotz hoher Temperaturen und der Sommerferien sehr gut besucht. (Im Bild die „Delegation“ aus Mönchengladbach)

Großen Anteil daran hatte eine Delegation aus Mönchengladbach, die zum Teil den Original-Vortrag von Dr. Elke Janßen-Schnabel bereits im Ratssaal Rheydt gehört hatte, nun aber die Gelegenheit zur Vertiefung und zum Dialog nutzen wollte.

So war man mit Bahn und Bus aus Rheydt gestartet und bekam zusammen mit anderen Interessierten Einblicke in die Arbeit der Landesoberrätin, die für den Denkmalbereich und Städtebau zuständig ist.

Ursprungsidee herausstellen

Der vorbildhafte Neuaufbau von Rheydt, das zu 80 Prozent im Zweiten Weltkrieg zerstört worden war, wurde anschaulich dargestellt und ließ die angereisten Zuhörer, die den Vortrag noch nicht kannten, bisweilen staunen.

Die gute Zusammenarbeit mit der Stadtplanung der Stadt Mönchengladbach wurde von Elke Janßen-Schnabel betont: Der von dem Architekten Alfons Leitl entwickelte Stadtraum soll durch die Ausweisung eines Denkmalbereiches künftig als stadtplanerisches Mittel dienen, große Teile des Rheydter Zentrums nicht nur zu erhalten, sondern vor allem Schritt für Schritt wieder in seiner Ursprungsidee positiv herauszuschälen.

Die Stadt Kassel sei ein gutes Beispiel für einen sorgsamen Umgang mit der oft verpönten Architektur der 1950er Jahre, so Janßen-Schnabel, auf die Frage eines Zuhörers, wie man aber den Wohnraum, um den es ja überwiegend gehe, für Menschen attraktiv machen könne.

Überhaupt bekam der Vortrag durch die anschließende Fragerunde Bodenhaftung, in dem die angereisten Rheydterinnen und Rheydter die Themen Hauseigentümer und Mieterklientel, Verkehrsproblematik und Leerstände und Umgang mit öffentlichem Raum in die Diskussion einbrachten.

Denkmalschutzbereich sollte Sanierungsgebiet werden

So schilderte Karl Sasserath, Fraktionsvorsitzender der Mönchengladbacher Grünen, den schlechten baulichen Zustand zahlreicher Wohngebäude, die, weil zum Leitl-Plan zugehörig, von der Behörde als schützenwert eingestuft würden.

Sasserath verwies auf die Notwendigkeit, den Denkmalschutz umgehend in einer vom Rat beschlossenen Satzung zu verankern. Parallel dazu sollte der Denkmalschutzbereich auch als Sanierungsgebiet ausgewiesen werden.

Auf dieser Grundlage sei es der Stadt möglich, für das Gebiet Mittel aus der Städtebauförderung des Bundes, die einen Fördersatz bis zu 90 Prozent vorsehe, zu erhalten. Von einem solchen Konzept profitierten das Handwerk, die Mieter und die Eigentümer gleichermaßen.

„Die Politik hat die Aufgabe, das Leitl-Ensemble insbesondere durch die Herstellung von Barrierefreiheit und die energetische Nachrüstung für das 21. Jahrhundert fit zu machen“, formuliert Karl Sasserath als Ziel.

Masterplan ist gefordert

Die Stadterneuerung in der Rheydter Innenstadt mit dem Schwerpunkt einer Sanierung des Leitl-Ensembles sei eine besondere Herausforderung, die in den Masterplan zu integrieren sei.

Neben dem Neubau sei es genauso wichtig, einen gleichberechtigten Schwerpunkt auf den Immobilienerhalt zu legen, wurde von Sasserath im Zusammenhang mit dringend notwendigen Investitionen im Rheydter Zentrum erwähnt.

Anja Schurtzmann, Sprecherin der Grünen in der Bezirksvertretung Süd: „Nach Kenntnis der Historie müsste man sich auch für den Erhalt des Rheydter Bahnhofsgebäudes einsetzen, der ebenfalls in Skelettbauweise entstand.“

Den mehr oder weniger offen ausgesprochenen Sorgen der angereisten Zuhörerschaft zur Zukunft der Rheydter Innenstadt entgegnete Dr. Andrea Pufke, Landeskonservatorin beim LVR, die die Veranstaltung souverän moderierte, der Denkmalschutz sei nicht als „Denkmalschutz-Polizei“ zu verstehen, die man im Notfall anrufen könne, um Eigentümer zum adäquaten Erhalt der Bausubstanz zu zwingen.

Die Rechtslage sei eine andere…

Vielmehr sei bürgerschaftliches Engagement und die Herstellung der Öffentlichkeit für einen positiven Umgang mit unserer Geschichte und deren Zeugnissen von Nöten. Und dass es dieses Engagement und Interesse in Rheydt gebe, zeige ja die die erfreuliche Besucherzahl in der Abtei zu Brauweiler.

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