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„InklusiVisionsNight“ am 4. Mai im Paritätischen Zentrum • Menschen mit und ohne Behinderung in fünf Bands auf der Bühne vereint • Neues Format für den „Tag der Begegnung“ ab 2019 mit konkreten örtlichen Themen?

Bernhard Wilms [ - Uhr]

Am Freitag 4. Mai um 19:00 Uhr öffnen sich die Pforten des Paritätischen Zentrums auf der Friedhofstraße 39 für ein inklusives Musikfestival der besonderen Art.

Bei der InklusiVisionsNight setzen Bands, die Menschen mit und ohne Behinderung auf der Bühne vereinen, gemeinsam mit einer jungen Gladbacher Formation mit interkultureller Besetzung Zeichen für Inklusion und gleichberechtigte Teilhabe für alle.

Damit leisten sie einen aktiven Beitrag zu den bundesweiten Aktionen rund um den Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung am 5. Mai

Zehn Jahre lang war Christopher Micha von der Kontakt- und Beratungsstelle (KoKoBe) im Paritätischen an der Friedhofstraße Motor, Planer und Organisator vor Ort.

Er hielt die Fäden in der Hand und die Kontakte zu den Vereinen und Verbänden, die sich in steigender Zahl an den Veranstaltungen vor dem ehemaligen Stadttheater an der Hindenburgstraße, auf dem Rheydter Marktplatz und dem Harmonieplatz präsentieren konnten.

Geprägt waren diese Veranstaltungen durch Auftritte von Menschen mit und ohne Behinderungen, zahlreichen Musikbeiträgen und moderierten Gesprächen auf den Bühnen.

Unterstützt wurde Micha bei dieser Herkulesaufgabe, die meist mindestens eine Planungszeit von einem dreiviertel Jahr erforderte, am „Tag der Begegnung“ und an den Vortagen, von engagierten Kollegen des Paritätischen.

Im Laufe der Jahre ergab es sich, dass aus dem „Protesttag“ mehr und mehr ein Fest wurde, bei dem die Menschen mit unterschiedlichsten Behinderungen und deren Helfer, Betreuer und Verbands- und Vereinsmitglieder weitgehend „unter sich“ blieben.

Die Präsenz von Kommunalpolitikern ebbte mehr und mehr ab, je kritischer die Fragestellungen zu konkreten Problemen in unserer Stadt wurden. Grußworte von Oberbürgermeistern waren kaum mehr als Absichtserklärungen.

Das alles lag keineswegs am Engagement von Christopher Micha und seinen vielen Mitstreitern aus den Organisationen und erst recht nicht an den Menschen mit Behinderungen, für die dieses Event in jedem Jahr ein besonderes Highlight war.

Es scheint eher dem „Zeitgeist“, aber auch der von den Organisatoren nur schwer beeinflussbaren Terminierungen und Verfügbarkeit geeigneter öffentlicher Plätze und den damit verbundenen Nutzungs- und Randbedingungen geschuldet zu sein, dass der „Protesttag“ in diesem Jahr so nicht mehr stattfindet.

Ganz ohne den Hinweis auf diesen europaweit stattfindenden Tag wollte man es jedoch in Mönchengladbach nicht belassen.

Marko Jansen, Geschäftsführer des Paritätischen Mönchengladbach: „Wir sind froh, dass auch in diesem Jahr Mönchengladbach bei den bundesweiten Aktionen rund um den 5. Mai beteiligt ist. 20 Jahre haben wir den traditionellen Aktionstag ‘Zeit für Begegnung‘ – mit großem Jubiläum 2017 – ausgerichtet. Nun möchten wir mit dem Festival in diesem Jahr beim gemeinsamen Einsatz für die Gleichstellung und Teilhabe von Menschen mit Behinderung in Mönchengladbach etwas Neues starten.“

Das Festivalformat, das an diesem Abend Premiere feiert, stellt die mitwirkenden Musiker/-innen und ihr Publikum in den Mittelpunkt des Geschehens.

Die beteiligten Organisationen, zu denen neben dem Paritätischen Mönchengladbach die LVR-Förderschule, der Verein Daheim – Lebensgemeinschaft für Menschen mit Autismus, die 1. Community – ehemalige Heimkinder NRW und das Forum für Menschen mit und ohne Sehbehinderung gehören, bieten im Foyer des Paritätischen Zentrums Informationen rund um ihre Arbeit vor Ort und über den Protesttag.

„Das Line-Up mit dem schlagfertigen “Trommelwerk” der LVR-Förderschule Mönchengladbach als Opener, den spielfreudigen Bandprojekten “Zwischenlandung“ und „PariTexas“, den lokal verwurzelten und gleichzeitig weltoffenen Youngsters der „Dof Fall Band“ sowie dem erstklassigen Worldmusic-Trio „Tango Loco“ als Headliner verspricht ein spannendes Konzerterlebnis von großer stilistischer Bandbreite zu werden.“ so Jansen weiter.

Durch das Programm führt die erfahrene Protesttag-Moderatorin Meike Trapmann.

Festivaltickets gibt es zum Preis von 5,00 EUR im Paritätischen Zentrum; eine Abendkasse gibt es nicht.

Auf Grund der Örtlichkeit ist die Teilnehmerzahl auf 150 begrenzt.

Weitere Infos erhalten Sie bei der PariSozial Mönchengladbach, Friedhofstr. 39, 41236 Mönchengladbach,
Tel.: 02166 / 92 39 59 und
bei Facebook: www.facebook.com/PariSozialMG

Es ist ein lobens- und bemerkenswerter Versuch des Paritätischen, ein anderes „Format“ auszuprobieren, um auf die Belange von Menschen mit Behinderungen aufmerksam zu machen und so den „Protesttag“ nicht sang- und klanglos von der Mönchengladbacher Bildfläche verschwinden zu lassen.

Gleichwohl besteht die Gefahr, dass man allein schon aus den organisatorischen Gegebenheiten heraus erneut „unter sich“ bleibt.

Dabei gäbe es aus Sicht der Menschen mit unterschiedlichsten Behinderungen und Ausprägungen – nach Angaben aus dem Inklusionsbericht 2017 immerhin 30% der Mönchengladbacher Bevölkerung – genügend „Protest-Ansätze“:

  • Weigerung von Verwaltung und Politik, das Amt für Grundsicherung in freigewordene, barrierefrei erreichbare Räume umziehen zu lassen
  • Herausnahme des so genannten „Bergab-Bus-Verkehrs“ aus der Hindenburgstraße
  • Weigerung von Verwaltung und Politik, das Rathaus Abtei barrierefrei herrichten zu lassen

Einen ersten gemeinsamen „Protest-Ansatz“ überhaupt in Mönchengladbach gab es beim Thema „Grundsicherungsamt“, bei dem sich erstmals über 20 Organisationen für diese Maßnahme aussprachen, die lediglich den „organisatorischen“ Willen hätte erfordert und keine zusätzlichen Kosten verursacht hätten.

Ob die intervenierenden Organisation jemals eine Antwort auf ihre Schreiben erhalten haben, ist nicht bekannt.

Scheinbar stattdessen versuchte Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners (CDU) am Tag der Begegnung am 05.05.2017, dem 20. Jubiläums des „Tages der Begegnung“, durch Hinweise auf andere Themen das Thema „Nicht-Verlagerung des Grundsicherungsamtes“ zu umgehen.

Seine Bitte an die Betroffenen um Unterstützung mit Anregungen und Kritik, war kaum mehr als eine Floskel. Ebenso wie seine Aussage: „… die wird auch ernst genommen. Das kann ich an dieser Stelle versprechen.“ (Zitat Ende).

Solche Versprechen geben Politiker gerne öffentlichkeitswirksam ab. Wenn es jedoch konkret wird, geraten diese in Vergessenheit.

Seine Aufforderung „Barrieren in den Köpfen abzubauen“ bezog er werniger auf sich selbst, sondern richtete sich an seine Zuhörer auf dem Rheydter Marktplatz, von denen die meisten solchern Aufforderungen wohl kaum bedurft hätten.

Mittlerweile werden in vielen Parteien in Mönchengladbach die Belange von Menschen mit Behinderungen nicht nur ignoriert, sondern offensiv negiert.

Sollte es ab dem Jahr 2019 in Mönchengladbach ein neues „Format“ für den europäischen Protesttag geben, dann wäre anzuraten, konkrete Missstände in Mönchengladbach offensiv zu thematisieren und den Festcharakter in den Hintergrund zu rücken, ohne ihn gänzlich zu vernachlässigen.

Dass dies nicht einfach sein wird, darf nicht verschwiegen werden, sind doch viele möglicherweise protestfähige und -willige Organisationen von finanziellen Zuwendungen der Stadt abhängig.

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