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„MG zieht an“: pelzfrei! • Wie lässt sich Echtpelz von Kunstpelz unterscheiden?

Red. Natur, Umwelt & Energie [ - Uhr]

Am 11. und 12. April 2019 fand an der FHN (Hochschule Niederrhein) zum wiederholten Male die größte deutsche textile Nachwuchsmesse „MG zieht an“ statt.

Die Hochschule Niederrhein ging beim Thema „Pelze in der Mode“ mit gutem Beispiel voran und verzichtete auf Echtpelz und zeigte mit ihrer „Messe-Modenschau“ damit Flagge für den Tierschutz.

Noch vor kurzem wurde die letzte Pelztierfarm in Deutschland geschlossen; BZMG berichtete.

Laut Umfragen lehnt die Mehrheit der Verbraucherinnen und Verbraucher Echtpelz inzwischen ab.

Allerdings wird es ihnen schwer gemacht, ihren Anspruch beim Einkauf umzusetzen.

Echtpelz ist häufig nur mangelhaft deklariert, insbesondere wenn es sich um Pelzbesatz handelt.

Die „Fur Free Alliance“, eine internationale Koalition von 40 Tierschutzorganisationen, legte 2017 hierzu einen ausführlichen Bericht vor.

Auch am Preis lässt sich der Unterschied schwer erkennen.

Echtfellbesatz wird heutzutage mit extrem geringen Produktionskosten hergestellt, daher gibt der Preis wenig Aufschluss über die Art und Herkunft des Materials.

Glücklicherweise gibt es einige Tricks, um Echtpelz relativ sicher von Kunstpelz zu unterscheiden:

  • Unterste Schicht unter die Lupe nehmen: Bei Echtpelz ist Leder unter den Haaren. Bei Kunstpelz sieht man eine gewebte Textilschicht.
  • Pusten: Echtpelz bewegt sich schon bei einem leichten Lufthauch. Kunstpelz reagiert nicht so sehr auf das Pusten, die einzelnen Fasern bleiben eher ruhig.
  • Struktur der Haare betrachten: Echtpelz hat meist flauschige Unterwolle und längere Grannenhaare, Kunstpelz ist eher einheitlich.

Schließlich gibt es noch den Riechtest: Man zündet einzelne Fasern an; Echtpelz riecht nach verbranntem Haar, Kunstpelz hingegen nach Plastik. Dieser Test ist natürlich für den Alltagsgebrauch wenig geeignet.

Beim Shoppen möchte man aus verschiedenen Gründen die anvisierten Kleidungsstücke meistens ungern direkt anzünden.

Trotz stetig wachsenden Bewusstseins für das Tierwohl gibt es aber weiterhin noch Pelz-Verfechter.

Von ihnen hört man häufig das Argument des kontrollierten Abschusses.

„Es gibt ohnehin eine Überpopulation an bestimmten Wildtieren wie Füchsen, die durch Jagd reguliert werden müsste. Felle aus diesem sog. kontrollierten Abschuss sind ohne Tierquälerei gewonnen, darum kann „Mann“ bzw. „Frau“ sie ruhigen Gewissens tragen. Dies ist schließlich auch viel umweltfreundlicher als Kunstpelz aus Plastik“, lautet das Credo.

Diese Annahme ist jedoch gleich mehrfach falsch.

Zunächst ist es fraglich, ob es eine Überpopulation beispielsweise an Füchsen überhaupt gibt.

Füchse, so wie die meisten anderen Beutegreifer, stehen am Ende der Nahrungskette, die Anzahl von Füchsen ist also abhängig von der Anzahl der Beutetiere.

Die Natur reguliert sich hier selbst und braucht keine Jäger.

Wildtiere, die zu Pelz verarbeitet werden, sterben weder schnell noch schmerzlos per Schrotflinte.

Der Schrot würde nämlich den Pelz beschädigen und unbrauchbar machen.

Für die Pelzmode bestimmte Wildtiere werden in Fallen gefangen und verenden meistens qualvoll nach einem langen, unsagbar schmerzhaften Todeskampf.

Und schließlich stammen nur etwa 15% aller Felle für die Pelzindustrie aus dem so genannten „Wildfang“.

Die überwiegende Mehrzahl kommt aus Farmhaltung.

Wie qualvoll Tiere auf derartigen Farmen leben und sterben dürfte mittlerweile hinlänglich bekannt sein.

Oft wird behauptet, Echtpelz sei umweltfreundlicher weil biologisch abbaubar.

Bei diesem Argument ist Skepsis angebracht.

Durch aufwendige Gerbungsprozesse wird ein eigentlich natürliches Produkt mit schwer umwelt- und gesundheitsgefährlichen Giften so behandelt, dass es praktisch unbegrenzt haltbar wird.

Somit ist ein behandelter Pelz nicht mehr ohne weiteres biologisch abbaubar – und enthält darüber hinaus Rückstände der haltbar machenden Gifte.

Auch ist es nicht ratsam, gebrauchte Pelze zu tragen: Mit dem Tragen gibt die Trägerin, ob sie will oder nicht, ein Statement ab – und zwar pro Pelz.

Darum raten Kritiker vom Erwerb und Tragen auch von gebrauchtem Pelz ab.

Wer ganz sicher gehen möchte, nicht versehentlich echten Pelz zu kaufen, findet durch das „Fur Free Retailer Program“ eine Liste sämtlicher Modemarken, die sich bereits klar gegen Pelz in ihren Kollektionen ausgesprochen haben.

Wenn schon Pelz, dann Kunstpelz.

„Am schönsten und nachhaltigsten aber bleibt pelzfreie Mode“, sagen nicht nur im Tierschutz engagierte Studenten der Hochschule Niederrhein.

https://www.pelz-war-leben.info/

https://www.peta.de/hintergrundwissen-pelz

https://www.tierschutzbund.de/information/hintergrund/artenschutz/pelz/

https://www.vier-pfoten.de/kampagnen-themen/themen/pelz-industrie/echtpelz-oder-kunstpelz

https://www.instyle.de/fashion/fake-fur-besser-als-echt-pelz

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