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Methangas-Anlage: Was wäre, wenn …

biogasanlage-juweltop… in Wanlo, Beckrath oder Hochneukirch geschehen würde, was unlängst in Köln-Roggen­dorf geschah? Dort platzte am 06.09.2010 um 7.30 Uhr der Tank eines Gülletransporters aus den Niederlanden mit Ziel Pulheim.

20 Tonnen Schweinegülle ergossen sich über Fahrzeuge und Häuserfassaden, die damit reichlich bespritzt wurden. Sozusagen eine echte „Schweinerei“.

Eine höchst anrüchige Sache, obwohl die Gülle vor dem Transport über die Grenze auf 70 °C erhitzt worden war. Dass dies geschah, war sozusagen Glück im Unglück. Denn ohne diese Prozedur wäre die Gefahr für das Grundwasser enorm gewesen.

Wer sehen möchte, was ein solcher Unfall verursacht, kann dies über den nachstehenden Link:

http://www.bild.de/BILD/video/clip/regional/koeln/2010/09/06/guelle-explosion.html [1]

Noch spektakulärer war ein Unfall im März diesen Jahres in Großkayna/Sachsen-Anhalt. Dort liefen 14 Mio. Liter Gärreste aus zwei Behältern und kontaminierten eine Fläche von zwei bis drei Quadratkilometern.

Das entspricht der Größe von ca. 300 bis 400 Fußballfeldern. Ausgelöst wurde dieses Desaster durch einen technischen Defekt. Vermutet wurde eine Verpuffung oder Explosion durch die die beiden Behälter aufgerissen wurden.

Ein Großeinsatz der Feuerwehr konnte trotzdem nicht verhindern, dass zwei Bäche verunreinigt wurden. In der Folge war auch in Teichen in Merseburg ein Fischsterben zu verzeichnen. Grund waren vermutlich die hohen Nährstoffkonzentrationen.

Für die Umwelt sind insbesondere die Stickstoffverbindungen aus den Gärresten problematisch. In das Grundwasser können Ammonium, Nitrat und andere Inhaltsstoffe einsickern.

Auch Unfälle in Methangasanlagen sind leider keine Seltenheit.

Die „KAS – Kommission für Anlagensicherheit beim Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit“, führt in ihrem Merkblatt über die „Sicherheit von Biogasanlagen“ vom Juni 2009 aus, dass es sich trotz der positiv belegten Bezeichnung „Bio“ um ein Gas mit gefährlichen Eigenschaften handelt.

Methan ist ein brennbares, hochentzündliches Gas, das im Gemisch mit Luft eine explosionsfähige Atmosphäre bilden kann.

Beim Einsatz von Gülle ist erfahrungsgemäß verstärkt mit der Bildung von Schwefelwasserstoff zu rechnen. Auch dieses ein brennbares, hochentzündliches Gas. Schon geringe Mengen verursachen den typischen Geruch nach faulen Eiern.

Tückisch: ab einem bestimmten Wert (ab ca. 100 ppm) wird der Geruchssinn betäubt, so dass höhere, gefährlichere Konzentrationen nicht mehr wahrgenommen werden. Ab ca. 5.000 ppm tritt eine tödliche Wirkung schon nach wenigen Sekunden ein.

Bei den weiteren „Biogas“- Komponenten Kohlendioxid und Stickstoff handelt es sich um erstickend wirkende Gase.

Die Gefahren, die sich demzufolge hauptsächlich ergeben sind:

Keineswegs Vertrauen erweckt die Tatsache, dass bei 80% (!) der von Sachverständigen geprüften “Biogasanlagen” bedeutsame Mängel festgestellt wurden. Wobei einer der häufigsten Schwachpunkte im Bereich des Gasexplosionsschutzes lag.

Mehr zu dieser Thematik enthält das KAS-Merkblatt „Sicherheit in Biogasanlagen“, das hier als PDF zur Verfügung steht: http://www.sfk-taa.de/publikationen/kas/KAS_12.pdf [2].

Über die Suchfunktion findet man unter dem Stichwort „Explosion“ weitere interessante Details.

3 Kommentare (Öffnen | Schließen)

3 Kommentare Empfänger "Methangas-Anlage: Was wäre, wenn …"

#1 Kommentar von Gertrud am 22. September 2010 @ 13:51

Da würde mich jetzt mal sehr interessieren, was ein Gülletransporter aus den Niederlanden in Köln macht, dazu noch in einem Wohngebiet.

Für wen und für welchen Zweck war die Ladung bestimmt?

#2 Kommentar von Fighter1 am 22. September 2010 @ 17:21

………glaubt man Denen, die immer alles „schön reden“, kann so etwas in keinem Fall in Wanlo passieren! Alles passiert immer anderswo!

#3 Kommentar von Gandalf am 22. September 2010 @ 23:35

@ Gertrud

Ja, in der Tat eine gut Frage. Auch in Wanlo tauchen Fahrzeuge aus den Niederlanden auf, die dort Gülle auf den Feldern ausbringen.

Früher waren die Viehzüchter froh, wenn sie den Landwirten nicht zu viel zahlen mussten, damit diese ihnen die Gülle abnahmen. Mit steigenden Rohölpreisen hat sich das geändert. Die bedeuten nämlich steigende Preise für Stickstoff und Mineraldünger.

Und nun ist es umgekehrt. Die Landwirte zahlen den Viehzüchtern für die Gülle.

2009 sollen die Niederlande rd. 700.000 Tonnen Gülle exportiert haben. Fast 80% davon gingen nach Deutschland. Überwiegend in die grenznahen Regionen in Nordrhein-Westfalen.

Will ein Landwirt mit Gülle von unseren Nachbarn düngen, wendet er sich an die Landwirtschaftskammer. Die berechnet den Düngerbedarf für seinen Acker und legt ein Kontingent fest. Der Landwirt kann damit beim Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz eine Importgenehmigung beantragen.

Vor der Einfuhr muss die Gülle erhitzt werden, damit sie keimfrei ist. Sie darf aus seuchenrechtlichen Gründen nicht von Betrieben mit Klauentierhaltung stammen.

So kommt die Gülle nach Deutschland. Weil sie billiger ist als Mineraldünger. Und so besteht die Möglichkeit, dass auf ihrem Weg zum Acker passiert was in Köln-Roggendorf passierte.

Das bedeutet aber nicht, dass sich etwas derartiges nicht auch beim Gülletransport zu einer Methangasanlage ereignen kann. Je länger der Transportweg, umso größer die Chance, dass auch etwas geschieht.

Und wenn man von der Fehlerquote bei den Methangasanlagen liest, kann man nur sagen, dass auch da nichts ausgeschlossen werden kann. Im Gegenteil. Vieles ist möglich.

Würden Gärrestemengen wie in Großkayna z.B. in Wanlo auslaufen, wäre schon wesentlich weniger nötig, um zu bewirken, dass diese auf die Autobahn laufen. Die würde dann wieder gesperrt und der Verkehr würde obendrein auch noch durch Wanlo rollen.

Welche Möglichkeiten es da sonst noch gibt, darüber denkt man besser gar nicht erst nach. Eine kleine Internet-Recherche zeigt, was da überall los ist! Unfälle in Methangasanlagen sind an der Tagesordnung.

Da kann ich nur Fighter 1 zustimmen. Alle werden unisono erklären, dass so etwas in Wanlo nicht passieren kann. Das passiert immer nur woanders!

Besser, das Teil wird gar nicht erst gebaut. Ist sowieso nur ein Subventionsgrab, in dem Steuergelder beerdigt werden, für die die Bürger löhnen müssen und NVV/RWE Profit machen. Umweltfreundlich sind Methangasanlagen auf NawaRo-Basis nach dem auch in Wanlo geplanten Muster mitnichten.

Da bringt auch alles Schönrechnen der CO2-Werte nichts. Jeder gefahrene Kilometer ist nun mal gefahren und das Treibhausgas CO2 freigesetzt. Da hilft auch alles Kompensationsgefasel nichts.