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Umweltinstitut: Energiewende zugunsten der Stromkonzerne – Schwarz-Gelb würgt erfolgreichen Ausbau des Solarstroms ab

Hauptredaktion [ - Uhr]

logo-umweltinstitutKnapp ein Jahr nach Fukushima und der Ankündigung der Bundes­regierung, die Energiewende möglichst schnell zu vollziehen, stoppen Rösler und Röttgen den langjährigen und erfolgreichen Ausbau der dezentralen klimafreundlichen und nachhaltigen Solarenergie.

Die plötzliche und drastische Kürzung der Einspeisevergütung für Photovoltaik durch die schwarz-gelbe Koalition zusammen mit einer unsinnigen Deckelung des Ausbaus der Photovoltaik auf nahezu Null fällt hinter die eigenen Zielvorgaben weit zurück. Damit wird einer Energieversorgung zu 100 Prozent aus Erneuerbaren die Basis entzogen.

„Einerseits wird beklagt, dass der Ausbau der Netze für den Stromtransport von Nord nach Süd viel zu schleppend vorangeht, andererseits verhindert man, dass der Süden eigene Solaranlagen zur Stromerzeugung aufbaut. Gleichzeitig werden die umstrittenen, teuren Offshore-Windanlagen, die von den großen Konzernen gebaut werden, großzügig gefördert,“ bemängelt Antje Wagner, Energiereferentin im Umweltinstitut München.

„Die Photovoltaikanlagen, die überwiegend in Süddeutschland installiert sind, tragen jetzt schon mit fünf Prozent zu Deutschlands Stromversorgung bei.“ Ein Abwürgen dieses Ausbaubooms sei nicht nur ein Schlag gegen die Solarbranche, sondern auch gegen die engagierten Bürgerinnen und Bürger, die in diese Technologie investieren und damit eine dezentrale Energieversorgung voranbringen.

Karin Wurzbacher, Physikerin im Umweltinstitut München, kritisiert: „Es sollen wieder einmal die großen Konzerne profitieren. Der gesellschaftlich konsensfähige Strom aus Photovoltaik wird beschnitten. Denn: Solarstrom verhagelt den Konzernen die Preise, weil er gerade in der Mittagsspitze zur deutlichen Strompreissenkung beiträgt.“

Das Interesse der Stromkonzerne ist es, ihren Atom- und Kohlestrom weitgehend ungehindert ins Netz bringen zu können. Der gesetzlich vorgeschriebene Vorrang der Einspeisung von Erneuerbaren war nur geduldet, solange die eingespeisten Mengen gering waren.

„Es ist unglaublich, dass Deutschland nach wie vor Atom- und Kohlestrom subventioniert und eine Förderung der wirklich nachhaltigen Sonnenenergie drastisch kürzt und deckelt. So wird die Energiewende nicht gelingen“, meint Antje Wagner. Sie fordert die Regierung auf, den „Ausstieg aus der Energiewende“ nicht zu vollziehen, den Atomausstieg zu beschleunigen und den Ausbau der Erneuerbaren aktiv und engagiert voranzutreiben.

Der bayerische Ministerpräsident Seehofer hat die Gefahr für die Sonnenenergie, die besonders in Bayern reichlich genutzt werden könnte, erkannt. Das Umweltinstitut München fordert ihn auf, seine Haltung durchzusetzen und die Energiewende zu retten.

[PM]

4 Kommentare zu “Umweltinstitut: Energiewende zugunsten der Stromkonzerne – Schwarz-Gelb würgt erfolgreichen Ausbau des Solarstroms ab”
  1. Alles was hier steht, kann man nur bestätigen.

    Wer sich zu dem Thema kurz und knapp und mit einer anderenGrundlage/Herangehensweise informieren will, wird hier fündig:

    http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,684054,00.html

    Sehr zu empfehlen ist der wirklich ausgezeichnete Film „Die vierte Revolution“ des Dokumentarfilmers Carl Fechner, den er über „Crowdfunding“ finanzierte. Trailer dazu:

    http://www.energyautonomy.org/index.php?article_id=29&clang=0

    Sehr witzig Fatih Birol, der die üblichen Energie-Konzern-Sprüche, die auch Politiker leider noch immer verbreiten, im Munde führt: Wir brauchen AKWs und Kohle als Brückentechnologie. Wir brauchen noch 20 neue AKWs!

    Welcher Unsinn!

    Was daran interessierte Kreise um keinen Preis wollen, ist, dass uns allen klar ist, dass wir unabhängig sein können. Unabhängig von den Energiekonzernen.

    Demokratisierung der Energieversorgung. Das ist das große, sinnvolle Thema, das auch noch Arbeitsplätze schafft.

    Wir brauchen diese Revolution statt die Dinosaurierpolitik a la Rösler, der nur die bekannte FDP-Interessen-Politik betreibt und eines Röttgen, der sich ebenfalls vor den Karren spannen lässt. Eben Lobbyisten-Politik.

    Schwarz-Gelb hat sich mit dieser Entscheidung disqualifiziert und verhindert technischen Fortschritt, Weiterentwicklung der Technik auf einem Zukunftsmarkt, der für ein Exportland wie dem unseren von großer Bedeutung ist und vor allem: bezahlbare, ja, in nicht all zu ferner Zukunft kostenlose Energie für alle. Genau das soll so lange wie möglich verhindert werden.

    Was sind das für Politiker, die nur um des eigenen Profits für diesen Planeten und seine Bewohner überlebenswichtige Entscheidungen und Fortschritt verhindern wollen, letztendlich aber „nur“ verzögern werden.

    Hoffentlich erinnern sich die Wähler, wenn es wieder so weit ist seine Stimme „abzugeben“.

    Aus der Sonne mit denen und Glückauf!

  2. Die Energiekonzerne und ihre Lobbyisten schaffen es prima aller Welt die Energiewende als Teufelszeug zu verkaufen und verdienen sich dabei eine goldene Nase.

    Deutschland wurde in vier Energiesektoren aufgeteilt, die Netze auf „Druck“ (lach!) des Kartellamtes und der EU ausgelagert – an eigene Unternehmen versteht sich. Was soll das alles?

    Die Politik hat den Energiekonzernen zu großer Macht und Einfluss verholfen und lässt sich von diesen auch noch gängeln. Lohnt sich vermutlich. Die FDP zeigt es grade wieder. Oder sind die so dumm alles zu glauben was die Konzerne erzählen?

    Für den Atommist, den die mit Hilfe der Politik veranstaltet haben steht der Bürger grade.

    Der darf für Endlagerung (ungelöstes Problem) und letztendlich über welche Umwege auch immer (Energierechnung) für den Rückbau dieses Wahnsinnes zahlen. Denn wir zahlen doch immer für den Unsinn, den sich Konzerne und Politik einfallen lassen.

    Und dann erzählen die, dass sie keine (verdeckte) Subventionen bekommen würden. Für wie dumm halten die uns?

    Die großen Vier haben die Energiewende verschlafen und wollen nun mit Gewalt alles verhindern, was ihnen noch mehr an Einfluss und Geld nehmen könnte. Die träumen lieber von Off-shore-Kraftwerken und Desertec. Da braucht man Leitungen und für die bekommt man Geld für die Durchleitung des Stromes und hat die Verbraucher weiterhin schön in der Abhängigkeit.

    Die Energiekonzerne wollen keine Energiewende, die es ermöglicht selbst Strom von Sonne und Wind zu erzeugen und somit immer unabhängiger von ihnen zu werden.

    Politik? Die wird das auch so sehen, denn selbst erzeugte Energie bringt keine Mehrwertsteuer und Gebühren. Politik und Energiekonzerne – eine unheilige Allianz.

    Politik vergisst, dass das Geld, das nicht für Energie drauf ginge in den so schmerzlich fehlenden Inlandskonsum fließen würde. Die Mehrwertsteuer käme nur auf anderem Weg in die Kasse des Staates.

    Und: Die Branche der Erneuerbaren Energien schafft Jobs. Mehr als je angenommen. 2010 waren dort 340.000 beschäftigt!

    Investitionen in Erneuerbare 2009 in Deutschland: 17,67 Mrd. Das war ein neuer Höchststand.

    Mehr Infos hier:

    http://www.erneuerbare-energien.de/files/pdfs/allgemein/application/pdf/ee_beschaeftigung_2009_bf.pdf

    Wo ist also das Problem? Vielleicht haben die aus der Branche der Erneuerbaren Energien zu wenig gespendet?

    Sieht ganz danach aus.

  3. Manchmal muss man sich schon fragen, wie weit es die Lobbyisten im Verein mit der Politik eigentlich noch zu treiben gedenken…

    Gerade in dem Moment, in dem durch diverse politische Umstände auch der Ölpreis wieder massiv steigt (was natürlich auch dem Umstand geschuldet ist, dass Öl – ganz und gar überraschend – immer weniger zu werden scheint und damit „natürlich“ teurer werden muss), beschließen diese „dem Volk verpflichteten“ Minister Rösler und Röttgen, den staatlichen Ausstieg aus gerade DEM Bereich, der es ermöglichen würde, den absehbaren Engpässen entgegenzuwirken – der Solarbranche, und damit erweisen sie sich ein weiteres Mal als willige (oder willenlose?) Werkzeuge in der Hand der alten Energiekonzerne.

    Unerträglich auch die Tatsache, dass immer wieder suggeriert wird, dass die Energiewende die Strompreise nach oben schießen lasse. Dass dafür ganz andere Gründe bestehen, nämlich dass diese Preissteigerungen vor allem aufgrund von „Geschenken“ an die größten energieverbrauchenden Industriezweige zustande kommen, die dann von uns allen kompensiert werden müssen, steht mittlerweile wohl außer Frage.

    Auch der immer wieder formulierte Vorwurf, dass man die Erneuerbaren ja nicht ewig fördern könne, mutet merkwürdig an, wenn man weiß, dass sich Kohle und Atom seit Jahrzehnten stetiger Zuwendungen erfreuen dürfen und die sehr erheblichen, damit verbundenen Folgekosten (vor allem bei der Nutzung von Atomstrom: Endlagersuche, Entsorgung, etc.) für alle Ewigkeit vom Steuerzahler getragen werden.

    Noch einmal zum Öl: Ganz im Gegensatz zu diesem Energieträger ist Sonnenenergie unendlich vorhanden und wir könnten schon viel weiter sein.

    Natürlich haben die „fab 4“ der Energiewirtschaft nicht das geringste Interesse am dezentralen Ausbau dieser Technologie, würden ihnen doch dadurch Gewinne und Profite entgehen. Bei allem Verständnis, am Hungertuch werden DIE bestimmt nie nagen, und es wird Zeit, dass endlich Verantwortung übernommen wird: Für unsere Zukunft, für die Zukunft unserer Kinder und unseres Planeten.

    Und diese Minister, von denen einer doch die Energiewende mit beschlossen hatte, stehen uns nun buchstäblich in der Sonne … Weg da!

  4. Dieser Lobbyismus ist unerträglich. Meint Herr Rösler, dass es der FDP hilft, wenn sie von den Stromkonzernen unterstützt wird (Spenden)? Offensichtlich ist dem so.

    Dem Bürger wird weiterhin mit Dinosauriertechnologie (verdeckte Subventionen für Braunkohle und AKWs in Milliardenhöhe, Umweltzerstörung, Endlagerproblematik etc.) und Geschenken an die Großindustrie (Erlass Durchleitungskosten) kräftig in die Tasche gegriffen und dann auch noch frech behauptet, dass der grüne Strom die Energierechnung belasten würde.

    Netzausbau? Daran haben die Konzerne überhaupt kein Interesse.

    Vielleicht wird die Solarbranche sich irgendwann ähnliche Gedanken zum Ausbau eigener Netze machen wie die Windenergiebranche. Und das auch noch mit Erdkabeln:

    http://www.focus.de/immobilien/energiesparen/windenergie-windenergiebranche-will-netzausbau-selbst-loesen_aid_720392.html

    Unerträglich und unter Aspekten des Klimaschutzes eine Unverschämtheit, was sich die Herren Rösler und Röttgen erlaubt haben. Betrug am Bürger und nachfolgenden Generationen.

    Aber was stört Politiker schon Nachhaltigkeit und Generationengerechtigkeit!

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