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Paul von Lettow-Vorbeck: Kriegsverbrecher, Mörder, Rassist, Antisemit • „Müssen wir wirklich nach so jemanden heute noch eine Straße benennen?

Diese Frage stellt Mario Bocks, Mönchengladbacher Ratsmitglied von DIE LINKE, und zitiert aus Schriften von Paul Lettow-Vorbeck:

„Wie oft sind wir geschritten

Auf schmalem Negerpfad….

Mit Trägern und Askari

heia, heia Safari!“

(Paul von Lettow-Vorbeck – aus seinem antisemitischen und völkischen Schundroman „Heia Safari“)

„Die Askari sind Urjuden“ (Paul von Lettow-Vorbeck)

Bocks führt in einer Pressemitteilung weiter aus:

» Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) sprach am 08.07.2015 in der „ZEIT“ erstmals von einem Genozid, also Völkermord, an den Herero und Nama im damaligen Vernichtungskrieg (1904 – 1908) in Deutsch-Südwestafrika (heute Namibia).

„An den heutigen Maßstäben des Völkerrechts gemessen war die Niederschlagung des Herero-Aufstands ein Völkermord. Der Krieg der Deutschen sei ein „Rassekrieg“ gewesen“, so die Aussage des Bundestagspräsidenten.

Für diesen Aufstand, der insgesamt 700.000 Todesopfer kostete, ließ sich Lettow-Vorbeck 1904 gezielt nach Deutsch-Südwest schicken.

Neben dem Generalleutnant Lothar von Trotha war Lettow-Vorbeck einer der Hauptverantwortlichen in diesem Völkermorddrama.

Sie beide waren an ca. 75.000 Morden an Hereros und Namas beteiligt.

Für diesen Feldzug galt die auch später bei den Nazis angewandte Taktik der „verbrannten Erde“.

Nicht nur Gefangene wurden dabei kaltblütig erschossen, sondern auch eigene verwundete Soldaten.

Neben dem britischen Historiker Illiffe bestätigte auch der deutsche Historiker Helmut Bley, der für die Stadt Hannover ein Gutachten zu Lettow-Vorbeck erstellte, diese Grausamkeiten.

Die Askari (dienten den Deutschen teilweise als Söldner), von Lettow-Vorbeck „Verlogen“ und „Urjuden“ genannt, nannten Lettow-Vorbeck „Herr, der unser Leichentuch schneidert.“

Auch der Deutschlandfunk berichtete erst im letzten Jahr (05.04.2015) ausführlich, dass Lettow-Vorbeck nachweislich für nachfolgende Kriegsverbrechen verantwortlich war: Einsatz von Dumm-Dumm Geschossen, Vergiftung von Wasserbrunnen, Tötung von Deserteuren durch Strangulation, Tötung eigener verwunderter Soldaten, Folter und Mord an verletzten Gefangenen.

Ebenso kam es zu Vergewaltigungen.

Weiter ordnete er Strafexpeditionen gegen bestimmte Dörfer an, welche keine Lebensmittel liefern konnten.

Dabei wurden, wie der Deutschlandfunk berichtete, summarisch Afrikanerinnen und Afrikaner ermordet und die Dörfer ausgeplündert.

Das Motto des Kaisers „Kein Pardon wird gegeben“ fand in ihm einen glühenden Fanatiker.

Angesichts dieser erschreckenden und auch der teilweisen neuen Erkenntnisse über den Kriegsverbrecher hat die Linkspartei nach langer Diskussion nun beschlossen, dem Anwohnerwillen der in der Lettow-Vorbeck-Straße wohnenden Menschen nach Beibehaltung des Straßennamens nicht zu folgen.

„Es ist zwar verständlich, dass die Anwohner (56:6 gegen die Umbenennung) über einige Ämtergänge bei einer Umbenennung verärgert  wären, aber hier muss man auch das Ansehen der Stadt und vor allem die verbrecherische Vita des Namensgebers der Straße sehen.

Wir haben hier in der Stadt ein Bündnis gegen Extremismus und Rassismus und dann kann es einfach nicht sein, dass wir trotz des heutigen Kenntnisstandes über diese Person es weiter zulassen, eine Straße nach diesem Mörder, Antisemiten und Rassisten zu benennen.

Es gibt in der gesamten Bundesrepublik nur noch acht Städte, die eine Lettow-Vorbeck-Straße haben und Mönchengladbach gehört natürlich wieder mal dazu.

Gerade erst hat die Stadt Hannover mit allen Fraktionen zusammen diesen Fauxpas behoben.

Ich denke mal, dass dürften wir angesichts der Schwere der Verbrechen des Straßennamensgebers auch in Mönchengladbach hinbekommen,“ begründet Ratsherr Mario Bocks den Wunsch der Linksfraktion nach Umbenennung der Straße. «

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Paul von Lettow-Vorbeck: Kriegsverbrecher, Mörder, Rassist, Antisemit • „Müssen wir wirklich nach so jemanden heute noch eine Straße benennen?"

#1 Kommentar von Pluto am 14. Juli 2015 @ 10:47

Nach diesem Artikel sollten die Bewohner der Straße ihre getroffene Entscheidung noch einmal überdenken, auch wenn es kleine Unannehmlichkeiten mit sich bringt.

Als Alternative schlage ich ihnen vor, die umliegenden Straßen nach weiteren Schlächtern und Massenmördern der deutschen Geschichte zu benennen.

Dann würden sie in einer neuen Attraktion unserer schönen Stadt leben. Dem sogenannten Plattmacher- oder Totmacherviertel.

Ob ihnen das lieber wäre? Ich hoffe, liebe Bewohner der Lettow-Vorbeck-Straße, ihr habt verstanden worum es hier geht. Der Kölner würde hier sagen:“Arsch hu, zäng ussenander“.

#2 Kommentar von Karsten Simon am 14. Juli 2015 @ 12:12

Ich wünsche mir, dass die Stadträte in Bünde, Cuxhaven, Delmenhorst, Halle (Westfalen), Kaiserslautern, Radolfzell, Völklingen und hoffentlich auch in Mönchengladbach ”Arsch zu, Zäng ussenander” genau anders herum verstehen und Zivilcourage gegen den kurzlebigen, modernistischen Zeitgeist zeigen.

#3 Kommentar von Torben Schultz am 14. Juli 2015 @ 13:08

@Karsten Simon:

Sie sehen die Erkenntnisse über Paul von Lettow-Vorbeck und die daraus resultierende Beschreibung als Mörder, Antisemiten und Rassisten als „kurzlebigen, modernistischen Zeitgeist“ an? Habe ich das richtig verstanden?

#4 Kommentar von Pluto am 14. Juli 2015 @ 13:23

Wenn ich sie richtig verstehe, ist Auseinandersetzung mit unseliger deutscher Geschichte eine Sache modernistischen Zeitgeistes. Mein lieber Mann, das ist ja ganz starker Tobak. Jetzt stehen sie bei mir aber in der ganz rechten Ecke.

#5 Kommentar von Karsten Simon am 14. Juli 2015 @ 14:20

@ Torben Schultz:

Ja.

Um aber Ihrer nächsten inquisitorischen Frage zu entgehen, antworte ich lieber etwas frei mit Fritz Teufel

„Nein, wenn’s denn dem Wohl der Stadt dient.“

Vielleicht entsteht hier ja jetzt eine ideologiefreie Diskussion unter Geschichtskennern, die unsere Stadt voranbringen wollen.

#6 Kommentar von Torben Schultz am 14. Juli 2015 @ 15:07

@Karsten Simon:

Ich habe keine inquisitorische Frage gestellt, ich habe nur gefragt ob ich sie richtig verstanden habe. Fand ich den netteren Weg als gleich „los zu poltern“.

Aber für mich stellt sich nun gleich die nächste Frage und die ist meines Erachtens nicht mit Fritz Teufel schon beantwortet:

Wie würden sie dazu stehen, wenn wir eine Adolf-Hitler-Straße hätten. Wären sie dann auch gegen eine Umbenennung? Ist die heutige Sichtweise des Holocaust auch nur dem „kurzlebigen, modernistischen Zeitgeist“ geschuldet?

Wenn sie das bei einer Hitler-Straße anders sehen, dann frage ich mich wo sie die Grenze ziehen, wann ist Völkermord nur Zeitgeist?

Wenn sie allerdings auch eine Hitler-Straße nicht umbenennen würden kommt es zu ner ganz anderen Diskussion. Ich gehe schon davon aus, dass sie Demokrat sind und sich nicht einen neuen Führer wünschen.

Somit würden sie vermutlich auch heute keine Straßen neu nach solchen Personen benennen. Allerdings wollen sie wohl solche Fehler als „Mahnung“ behalten. Wäre für mich die einzige Erklärung.

Sowas funktioniert aber meines Erachtens nicht bei Straßen. Ja, wir können ein KZ Erhalten um daraus eine Gedenkstätte zu machen.
Wir können gewisse Denkmähler erhalten um sie zu ergänzen und so zum Nachdenken anzuregen.

Aber ein Straßenname ist einfach nur ein „Aushängeschild“. Es ist zwangsläufig eine Ehrung für die Namensgeber. Es steht frei im Raum ohne erklärung und selbst kleine erklärende Hinweise schaffen nicht den Raum für eine Auseinandersetzung.

Schlimmer noch, der Straßenname steht auf Briefen etc. – der Name Reist um die Welt und überall wo er gelesen wird, wird er nur als Ehrung für den Namensgeber verstanden.

Deswegen meine ich müssen solche Namen aus dem Stadtbild getilgt werden.

Nicht um Geschichte zu löschen, aber Straßennamen sind das falsche Medium um Geschichtsaufarbeitung zu betreiben.

Und vermutlich wäre es am Besten Straßen gar nicht mehr nach Personen zu benennen. Es kann immer später noch was unangenehmes über eine Person raus kommen. Nur andererseits weiß ich auch, dass Städte und Flüsse, Obst und Gemüse schnell erschöpft sind und dann eben doch auf Personen zurückgegriffen wird.

#7 Kommentar von Karsten Simon am 14. Juli 2015 @ 16:09

Ach, Herr Schultz, wissen Sie, viele hier kennen mich als entschiedenen Windkraftgegner.

Beim Thema erlebe ich bisweilen die reflexhafte Gegenfrage: „wollen Sie etwa ein Atomkraftwerk in Ihrem Garten?“

Da zucke ich jedes Mal zusammen. Ich spüre förmlich den Totschläger.

Ihre Adolf-Hitler-Straße ist auch so einer.

Gerade von Ihnen hatte ich Niveauvolleres erwartet. Deshalb höre ich ab jetzt hier nur noch zu.

#8 Kommentar von Torben Schultz am 14. Juli 2015 @ 16:50

@Karsten Simon

Natürlich kenne auch ich sie als FDP nahen Windkraftgegner, und sowohl die Liberalen als auch als die „BI-Windkraft mit Abstand“ rechne ich zum demokratischen Lager.

Deswegen habe ich auch betont, dass ich sie für einen Demokrat halte. Ich habe sie nicht mal andeutungsweise in die Rechte Ecke gerückt.

Aber wenn sie nun meine Frage nach der Grenzziehung bei Völkermord gleich als „Totschläger“ werten, dann muss ich davon ausgehen, dass es ihnen wirklich um die Person Paul von Lettow-Vorbeck geht, dass sie diesen für eine Ehrbare Person halten oder zumindest für so Respektabel, dass er als Straßenname weiter für diese Stadt stehen kann.

Und da kann ich – Niveau hin oder her – auch nicht weiter Diskutieren, denn in der PM sind die Fakten genannt warum ich und DIE LINKE ihn für einen Kriegsverbrecher, Mörder, Antisemiten und Rassisten halten.

#9 Kommentar von Kerstin Königs am 14. Juli 2015 @ 17:25

Herr Simon, das kann doch nicht wirklich Ihre Meinung sein!

Was verstehen Sie in diesem Zusammenhang unter, Ihre Aussage:

„Vielleicht entsteht hier ja jetzt eine ideologiefreie Diskussion unter Geschichtskennern, die unsere Stadt voranbringen wollen.“

Wie sollte angesichts dieser Gräueltaten eine „Diskussion unter Geschichtskennern“ stattfinden können!

Da gibt es nichts mehr zu diskutieren. Wer ein Kenner der Geschichte, also der wirklichen ist, wie sie sich in Bezug auf Lettow-Vorbeck herausgestellt hat, hat keinen Diskussionsbedarf mehr, sondern kann nur betroffen schweigen.

Schrecklich genug was geschehen ist.

Bitte nicht die Ausrede, dass andere (auch pauschal Länder) ebenfalls ähnliche Gräueltaten begangen haben. Unrecht bleibt Unrecht, egal wer es begangen hat.

In diesem Fall eine Person, der deshalb nicht mehr die Ehre zuteil werden darf, nach ihr eine Straße zu benennen.

#10 Kommentar von D. Pardon am 15. Juli 2015 @ 11:43

Andere Überlegung: Statt eine Straße umzubenennen könnte man ja auch eine Schrifttafel durch Historiker aufstellen lassen mit entspr. Hinweisen zum Namensgeber.

#11 Kommentar von Torben Schultz am 15. Juli 2015 @ 12:25

@D. Pardon:

Ich bin darauf schon eingegangen, ich denke sowas kann (wenn gut gemacht) bei Denkmälern funktionieren. So wird ja nun im Haus der Erinnerung dieses schändliche „Deutschland muss leben auch wenn wir sterben müssen“ ergänzt. Ist zumindest geplant.

Aber ein Straßenname steht eben nicht nur auf dem Schild wo dann die Tafel ran kommt. Der steht auf Karten, im Internet, in Navigationsgeräten, auf Briefen, auf dem Perso, … der „reist um die Welt“ und das ganz ohne die Erklärung.

Da schreiben „sie“ mal ein Hotel in Namibia an und die lesen „Lettow-Vorbeck-Straße XY, Mönchengladbach“. Wie muss sowas ankommen?

Ich denke deswegen muss die Straße umbenannt werden.