(Stadt)Archiv im Koffer: Archivpädagogen gehen auf die Schulen zu und besuchen den Unterricht

Red. Odenkirchen [ - Uhr]

Das Stadtarchiv hat als Ort der Geschichte nicht nur die Aufgabe, historische Entwicklungen zu dokumentieren und zu bewahren, sondern tritt auch als Vermittler an die Öffentlichkeit heran. Eine Zielgruppe der archivischen Bildungsarbeit sind Schüler.

Ziel der archivpädagogischen Arbeit in Zusammenarbeit mit den Schulen ist es, den Schülern das Arbeitszeug an die Hand zu geben, um im Sinne des erforschenden Lernens, historische Entwicklungen und Zusammenhänge anhand von Quellen zu erarbeiten und sich ein eigenes Bild historischer Lebenswirklichkeit zu machen.

Bisher war es in Mönchengladbach üblich, Schulklassen ins Archiv einzuladen, um ihnen die Benutzung und Möglichkeiten des Archivs zu zeigen.

In einem kleinen Arbeitsraum kann unterrichtsbegleitend mit Originalquellen gearbeitet werden. Der Raum für solche Arbeiten ist jedoch beschränkt.

Hinzu kommt, dass in den Schulen oft die Zeit für eine Exkursion fehlt. Trotzdem ist es wichtig zu wissen, woher wir überhaupt unsere Geschichte kennen.

Wie kommt Geschichte in die Geschichtsbücher? Diese Überlegungen und der Wunsch sich vermehrt an die Klassenstufen zu wenden, in denen Lokalgeschichte tatsächlich auch Teil des Lehrplans ist, erfordern ein Umdenken in der praktischen Umsetzung der archivpädagogischen Arbeit.

Kurz gesagt, können die Schüler nicht ins Archiv kommen, muss das Archiv in die Schule gehen. Als alternative Möglichkeit neben den bisher bekannten Angeboten wurde ein „Archiv im Koffer“ eingerichtet, das mit unterschiedlichen Modulen bestückt werden und von den Schulen angefordert werden kann.

Da sich dieses Angebot vor allem an jüngere Schüler wendet, sollte, da sich ein nachhaltiger Erinnerungseffekt einstellen soll, ein gewisser Erlebniseffekt mit dem Koffer verbunden sein.

Dazu gehört, dass schon der Koffer selber den Eindruck von „historisch“ vermittelt. Auch inhaltlich sollte ein gewisser „Mitmacheffekt“ möglich sein.

Zunächst werden zwei Module angeboten: 1. Warum kennen wir unsere Geschichte? Was ist ein Archiv?

Anhand einer Zeitlinie wird eingeordnet, wie kurz unsere dokumentierte Geschichte ist, aber auch versucht, die Epochen der Geschichte grob einzuordnen.

Die Aufgaben und Arbeit eines Archivs werden dargestellt. Anhand verschiedener Quellengattungen aus verschiedenen Jahrhunderten, von der Urkunde bis zur Computerdiskette, wird gezeigt, welche Vielfalt an Material im Archiv zu erwarten ist.

Die Aufgaben der Archivare, das Bewerten, Verzeichnen, aber auch die konservatorische Behandlung des Archivguts werden dargestellt. Nutzungsmöglichkeiten aber auch Beschränkungen werden erklärt.

2. Scriptorium – die Geschichte des Schreibens

Verschiedene Beschreibstoffe werden vorgestellt und ihre Herstellung erläutert. Dabei kommen auch die jeweiligen Vor- und Nachteile des Materials zur Sprache.

Anhand von Materialproben (Papyrus, Pergament, Papier, Recyclingpapier) können die Schüler die Unterschiede sehen und ertasten.

Die Herstellung von Eisen-Gallus-Tinte wird erklärt, unterschiedliche Schreibwerkzeuge, vom Gänsekiel bis zum Füllfederhalter werden gezeigt. Wahlweise können die Schüler das Schreiben mit diesen Schreibwerkzeugen ausprobieren.

Vorgestellt wird die Entwicklung der Schrift von der Römischen Inschrift über die Mittelalterliche Urkunde bis zur „Sütterlin“-Schreibschrift.

In Schreib- und Leseübungen können die Schüler nacherleben, wie ihre Urgroßeltern schreiben lernten. Dabei können auch historische Schreib- und Beschreibstoffe verwendet werden, vom Gänsekiel bis zum Stylos, vom Papyrus bis zur Schiefertafel.

Weiter Themen können auf Anfrage bearbeitet werden, dabei wird individuell mit Quellen (teilweise Reproduktionen) aus dem Stadtarchiv gearbeitet.

Ansprechpartner im Stadtarchiv ist Ilona Gerhards: Telefon 02161/25-3250; Mail: ilona.gerhards@moenchengladbach.de.

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