Die multimediale Mit-Mach-Zeitung für Mönchengladbach & Umland ... wirtschaftlich und politisch unabhängig ... aber nicht unpolitisch ...


Reisebericht: Kurzurlaub in der Bretagne im September [mit Videos]

Susanne Jud [ - Uhr]

[18.09.2018] Wer jemals in der Bretagne seinen Urlaub verbracht hat, kennt das besondere Schauspiel von Ebbe und Flut.

Im September 2018 gab es eine besonders große Springflut in der Bucht des Mont Saint Michel an der Smaragdküste Frankreichs.

Dieses beeindruckende Schauspiel, bei der der Meereskoeffizient 111 betrug, lockte bei strahlendem Sonnenschein und 24 Grad unzählige Urlauber in die Bucht.

Die Veränderung des Tidenhubs wird als Gezeiten- oder Meeres-Koeffizient bezeichnet. Es ist der Höhenunterschied zwischen niedrigstem und darauf folgendem höchsten Wasserstand. „Normal“ ist ein Koeffizient zwischen 30 und 60, je nach Mondposition.

Das Phänomen „Grande marée“ gibt es im Frühjahr und Herbst je einmal.


Während bei Ebbe die Fischerboote auf der Seite liegend auf das Wasser warten und man kilometerweit Richtung Meer laufen kann, fahren die Austernzuchten mit Traktoren in ihre Meeresparks und seltsame Boote auf Rädern ernten Muscheln.

Wir haben Glück und ergattern in der Bucht von Cancale ein schönes Zimmer mit Blick auf das türkis schimmernde Meer.

Im Hintergrund, weit weg, liegt er: der Mont Saint Michel. Benediktinermönche errichteten einst das Kloster im Meer.

Während man in den neunziger Jahren auf einer Zubringerstraße bis auf einen Parkplatz fahren konnte, der bei Flut zum Teil unter Wasser lag, ist das Gelände heute renaturiert, so dass es nur noch einen Weg für Fußgänger und Busse gibt.

Der Berg soll wieder ganz vom Wasser umspült werden.

Wir fahren am Meer entlang nach Osten, immer der „Route de la Baie“ folgend, und sehen Strandsegler, mindestens 50, die in langer Prozession einer vorgegebenen Strecke parallel zum Meer folgen, um vor uns, um orangene Hütchen herum, die Wende üben.


Am “Maison de la Baie“ in le -Vivier-sur-Mer kann man im Muschelhafen Informationen für Touristen einholen oder gleich eine Tour auf einem von einem Traktor gezogenen Ausflugsanhänger zu den Muschelbänken buchen.

Zimmer mit Frühstück gibt es auf dieser Route alle paar Meter.

Wir folgen dem Verlauf der Bucht und erreichen den gewaltigen Mont Saint Michel, der bereits in der Normandie liegt, obwohl die Bretonen ihn als eine ihrer Sehenswürdigkeiten betrachten.

Ein paarmal schon habe ich ihn besichtigt, das tun wir heute nicht, denn das Phänomen der Springflut lockt in diesem Jahr bei Traumwetter unzählige Schaulustige herbei.

Wir genießen den Blick aus den Poldern auf den „Mont“ und machen hier Pause im Schatten eines großen Baums. Was für eine Kulisse! Kurz darauf halten wir hinter dem Besucherparkplatz an, um Souvenirs zu kaufen.

Es gibt Spezialitäten aus Normandie und Bretagne, vor allem Cidre (Apfelwein) und Andouille (spezielle Wurst, die bei Franzosen sehr beliebt ist).

Es gibt aber auch feinen Essig aus Birnen oder auch aus Cidre sowie Seife und Honig. Vor allem aber: Erfrischungsgetränke.

Darüber freuen wir uns, denn es ist ein echter Sommertag.

Zurück geht es etwas schneller, nicht so dicht am Meer entlang.

Kurz vor Cancale erreichen wir die „Ferme Marine“, eine „Meeresfarm“, wo gerade pünktlich eine deutsche Führung stattfindet.

Wir erfahren dort viel über die Austernzucht.

Zum Beispiel, dass Austern Zwitter sind, die ihr Geschlecht in den verschiedenen Phasen in der Jugend mehrfach wechseln.

Auch lernen wir, dass Austern sogar in die Schule gehen.

Sie lernen dort, das Meerwasser zu halten, denn sonst wäre ein Transport der Delikatessen gar nicht möglich. Bis zu 10 Tage nach der Ernte kann man sie noch verzehren.

Natürlich gibt es im Anschluss an die Führung eine Verkostung – frischer geht es nicht!

Auf dem Gelände der „Ferme Marine“ gibt es eine wunderschöne Muschelausstellung, in der man gut und gerne 2 Stunden verbringen kann, beeindruckend. Muscheln und Schnecken aus aller Welt und zum Teil gigantisch groß.

„Am Anfang war das Meer“ lese ich an der Wand.

In Frankreich darf jeder für seinen eigenen privaten Bedarf Muscheln an den öffentlichen Stränden „pflücken“, Regeln für das beliebte „Pêche-à-pied“ kann man überall nachlesen.

Da gibt es Moules (Miesmuscheln), Palourdes (Venusmuscheln) und Amandes (Meermandeln), aber auch Krabben.

Wir entscheiden uns heute für ein Fischrestaurant der besonderen Art.

Auf der linken Seite brennt ein Holzfeuer, wo ganze Fische und auch Fleisch gegrillt werden. Auf der rechten Seite wartet mein Paradies: Meeresfrüchte.

Hier kann man Meeresfrüchteplateaus zum Mitnehmen ordern oder ganz einfach den Teller nach Geschmack zum Verzehr im Restaurant zusammenstellen lassen.

Nach der Bestellung erhält man einen „Pieper“, der anzeigt, wann die zubereiteten Speisen an der jeweiligen Theke abgeholt werden können.

Mittags hätte man hinter dem Haus in der Sonne sitzen können, idyllisch und natürlich mit Blick auf die Bucht mit dem Mont Saint Michel.

Zum Abendessen sitzen wir lieber drinnen, gemütlich und warm.

Der Fisch des Tages ist heute Steinbutt. ich entscheide mich für „Langoustines“, zu Deutsch „Kaisergranat“, Palourdes und Amandes. Austern gab es ja schon…

Trotz der vielen Springflut-Touristen findet man in dieser Ecke noch die himmlische Ruhe, und das vor gewaltiger Kulisse.

Am Abend hat die Springflut die Marktstände von Cancale geflutet. Morgen, bei Ebbe, gibt es hier wieder Austern.

Ca. 800 km liegen hier noch zwischen Mönchengladbach und uns.

Die werden wir am nächsten Tag in einer Tour bewältigen, den französischen Autobahnen sei Dank!

Bisher keine Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um kommentieren zu können.