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Neubau Zentralbibliothek: Oda Walendy ist entrüstet [Vis-á-vis-Interview]

[1]Teile von Verwaltung und Politik wollen den Standort der Zentralbibliothek an der Blücherstraße aufgeben und an der Hindenburgstraße einen Neubau [2]errichten. Oda Walendy, Urenkelin von Carl Brandts, ist entrüstet.

Die Bindung der Stadt an die Schenkung des Grundstückes durch die Mönchenglad­bacher Industriellenfamilie Brandts soll offensichtlich ignoriert oder gar negiert werden.

Grund genug, mit der in Mönchengladbach lebenden Oda Walendy, über ihre Meinung zu diesem Vorhaben und über die Art und Weise zu sprechen, wie mit der Schenkung umgegangen wird.

Oda Walendy verlangt, dass der Schenkung ihres Urgroßvaters Rechnung getragen wird und lässt erkennen, dass sie auch eine juristische Auseinandersetzung nicht scheuen werde. Gleichwohl dies nur eine „ultima ratio“ wäre, wenn Politik und Verwaltung sich uneinsichtigt zeigen würden.

Bezeichnend ist, dass Walendy erst durch die Presse erfahren hat, dass die Zentralbibliothek an der Blücherstraße aufgegeben werden soll.

Weder die Verwaltung, beispielsweise in Person von OB Norbert Bude (SPD) oder Kulturdezernent Dr. Fischer (CDU), noch einen Neubau favorisierende Politiker von SPD, Grünen und FDP haben bislang mit den Nachfahren von Carl Brandts Kontakt zu diesem Thema aufgenommen.

Oda Walendy mit klaren Worten:

[audio:13-03-04-interview-walendy.mp3][ca. 8 Min]

BZMG:

Frau Walendy, recht herzlichen Dank für Ihre Einladung, dass wir hier sein dürfen, und mit Ihnen ein Thema ansprechen dürfen, das in Mönchengladbach teilweise an oberster Stelle steht, nämlich die Frage der Stadtbibliothek, der Zentralbibliothek Blücherstraße und die Ansätze, dass man einen Neubau haben will.

Sie sind die Urenkelin von Carl Brandts. Sehen Sie sich als Sachwalterin?

Oda Walendy:

Ja, ich sehe mich insofern als Sachwalterin, als es ein Erbe zu bewahren gibt.

Es ist seinerzeit in Treu und Glauben eine Schenkung vorgenommen worden, die von der Stadt auch mehrmals bestätigt wurde. Nicht nur einmal.

Es kann nicht sein, dass man ein solches Versprechen einfach in der Luft zerreißt, weil man aus tagespolitischen Gründen, aus nicht erklärlichen Gründen, einfach irgendetwas Neues, anderes haben will, das mit Sicherheit schlechter und kleiner wird.

BZMG:

Carl Brandts hat in Mönchengladbach einen Namen. Nun sind Sie ein Teil der Familie, eine Nachkomme. Für die, die Carl Brandts nicht kennen, was können Sie über ihn und seine Familie sagen?

Oda Walendy:

Die Familie Brandts ist seit dem Mittelalter nachweisbar in Mönchengladbach ansässig, hat im Laufe der Jahrhunderte Ratsherren gestellt und auch Bürgermeister.

Es gab drei Brüder, die Bedeutung erlangten, indem sie die Industriealisierung, durch Import englischer Textilmaschinen, in Mönchengladbach voran getrieben haben. Das war in einem Zeitraum von 1850/1870.

Diese Brüder hießen Carl, dessen Sohn (Reinold) die Bibliothek gespendet hat, Franz Brandts, der den Volksverein gegründet hat und Emil.

Jeder dieser Drei hatte eigene Firmen und Fabriken. Alle Drei haben auch viel für die Öffentlichkeit getan, was man am Volksverein und der Bibliothek heute noch sehen kann.

BZMG:

Aus welcher Motivation heraus?

Oda Walendy:

Sie waren tief christlich verankert und haben wirklich aus tiefchristlicher, religiöser Überzeugung gehandelt. Man muss sich rückerinnern, dass damals die Gründung des Volksvereins auch eine Antwort auf Karl Marx war. Marx und der Kommunismus grassierten, und diese Drei haben gesagt: das kann so nicht richtig sein. Man kann zum Wohl der Allgemeinheit und des Volkes, die Dinge auch anders anfassen und zwar, indem man sie auf christliche Füße stellt bzw. umsetzt, was das Christentum verlangt, und genau das haben sie gemacht.

BZMG:

Wie muss man sich die Familie Carl Brandts vorstellen? Die unmittelbare Familie.

Oda Walendy:

Sie sind zu Geld gekommen und haben ein großes Haus am damaligen Kaiserplatz gebaut. Carl Brandts war zeitlebens nur mit einer Ehefrau verheiratet und hatte mit dieser 16 Kinder. Zwölf Söhne und vier Töchter. Von diesen zwölf Söhnen sind allerdings vier in die USA ausgewandert. Die Familie ist heute weltweit verstreut. In Mönchengladbach leben die wenigsten, die noch den Namen „Brandts“ tragen.

Die Firma „Stempel Brandts“ ist nicht mit uns verwandt.

BZMG:

Wann haben Sie erstmals von dem Neubau erfahren? Dem Neubau an sich und dem geplanten Wegzug der Bibliothek von der Blücherstraße?

Oda Walendy:

Ich habe davon aus der Zeitung erfahren. Ich bin auch Mitglied im Förderverein (Anm. der Redaktion: „Lust am Lesen e.v.“, Verein zur Förderung der Arbeit der Stadtbibliothek Mönchengladbach). Eine Änderung war vom Förderverein auch immer gewünscht oder angestrebt, das ist schon klar. Aber so konkret wie das aktuell gehandelt wird, davon habe ich aus der Zeitung erfahren.

Ich bin strikt dagegen, weil man damit nicht nur die Bibliothek auslöscht, sondern auch die sehr positive Geschichte der Stadt Mönchengladbach löschen wird, und ich finde, dazu hat niemand ein Recht.

BZMG:

Welche Änderungen wollte der Förderverein oder haben Sie aus dem Förderverein vernommen?

Oda Walendy:

Im Förderverein ist natürlich auch Herr Weyer Mitglied, der Leiter der Bibliothek (Anm.der Redaktion: Fachbereichsleiter der Bibliothek und Archiv). Es wurde immer darüber gesprochen, dass eine Veränderung vonstatten gehen muss. Wie die vonstatten gehen müsse, ist nicht konkretisiert worden. Aber ausschließlich ein Neubau, davon war nie die Rede.

BZMG:

Wer sind die Mitglieder des Fördervereines?

Oda Walendy:

Der Förderverein ist nicht sehr groß. Mitglied ist z.B. Frau Stephan, die Mitglied der FDP ist und ihr Vater, ein ehemaliger Studienrat, ist Vorsitzender.

BZMG:

Gestiftet wurde ein Grundstück plus aufstehendem Haus. Das Haus wurde im Krieg zerstört und anschließend hat die Stadt diese Bibliothek darauf gebaut. Jetzt gibt es sowohl in der Verwaltung als auch in der Politik Bestrebungen zu erklären, dass das Grundstück als solches nicht mehr zur Stiftung gehöre und demnach die Stiftung nicht mehr die Wirkung hat, von der Sie eben gesprochen haben.

Oda Walendy:

Das ist ein ganz großer Irrtum. Die Sache gehört zusammen und gegen anderes ist in jeglicher Weise anzugehen, auch in juristischer Form. Das wird sich klären.

Ich bin gegen eine Auflösung. Der Stifterwunsch ist schriftlich festgehalten und von Oberbürgermeister Maubach (vor Jahrzehnten) nochmal bestätigt, wie der Stifter (Reinold Brandts) es gewünscht hat, und zu Ehren der Familie Carl Brandts erhalten bleibt.

Man kann solche Versprechen, die niedergelegt sind, nicht einfach vernichten. Einfach, weil die nächste Generation andere Gedanken hat.

Ein Versprechen ist ein Versprechen, und das muss man auch halten, selbst wenn sich Gesetzeslagen geändert hätten, was ich bezweifle, dann ist das immer noch ein moralisches Versprechen.

Wie kann ich ansonsten in Zukunft neue Stifter finden, wenn vor Augen geführt wird, wie mit den Dingen umgegangen wird?

Das ist ein Verhunzen von Vermögen. Ein Vermögen, das diese Leute, die diesen Neubau wollen, gar nicht geschaffen haben.

BZMG:

Was wollen Sie konkret in der nächsten Zeit tun?

Oda Walendy:

Bevor eine Sache böse endet und Juristen eingeschaltet werden, möchte ich gerne einen offenen Brief schreiben und meinen Standpunkt darlegen. Dann kann jeder die Dinge noch einmal überdenken, bevor juristisch gefochten wird.

BZMG:

Hat es Gespräche seitens der Verwaltung oder seitens Politikern mit Ihnen gegeben?

Oda Walendy:

Nein. Das war offensichtlich von der Verwaltungsseite nicht erwünscht oder vonnöten.

BZMG:

Danke für das Gespräch.

Oda Walendy:

Gerne.

 

3 Kommentare (Öffnen | Schließen)

3 Kommentare Empfänger "Neubau Zentralbibliothek: Oda Walendy ist entrüstet [Vis-á-vis-Interview]"

#1 Kommentar von Bernhard Wilms am 4. März 2013 @ 17:46

Es ist schon sehr bedenklich, wie in Mönchengladbach mit den Vermächtnissen verdienter Bürger umgegangen wird, die ihrer Stadt etwas Bleibendes hinterlassen.

Da gibt es einen Förderverein Stadtbibliothek, in dem Oda Walendy, eine Nachkommin der Familie Brandts, Mitglied ist.

Und es gibt eine FDP-Politikerin Natascha Stephan, die neben ihrem Vater, der Vorsitzender des Fördervereins ist, diesem Verein ebenfalls angehörtund niemand sieht sich veranlasst, mit Frau Walendy über die geplante Aufgabe des Bibliotheksstandortes an der Blücherstraße auch nur zu sprechen.

Da gibt es einen Verwaltungsmitarbeiter Guido Weyer, der ebenfalls Mitglied dieses Fördervereins ist und seit Jahren versucht, einen Bibliotheksneubau zu initiieren und entsprechend politisch zu lancieren. Auch er hat es in Kenntnis der Schenkungsproblematik nicht für nötig gehalten, Frau Walendy über den aktuellen Sachverhalt zu informieren.

Und es gibt die drei Ampelfraktionen, die – gemessen an ihrem Verhalten im Kulturausschuss – allenfalls in Teilen „uninformiert“ waren.

Dass Dezernent Dr. Fischer auf die Frage von Erich Oberem nach der Schenkung so reagierte, wie er reagierte, nämlich scheinbar unwissend, deutet darauf hin, dass er sehr wohl informiert war, jedoch nicht spontan antworten wollte, weil es innerhalb der Verwaltung „keine abgestimmte Meinung“ zum Neubau gibt, wie Stadtdirektor Bernd Kuckels in der Sitzung des Finanzausschusses bestätigte.

Soetwas nennt man „Kultur“!

Außerdem gibt es FDP-Ratsfrau Nicole Finger, die am 22.03.2012 in der RP zitiert wird:

„Als glühender Verfechter einer Neubau-Lösung trat im Ampel-Bündnis vor allem die FDP auf. Ihr Ratsmitglied Nicole Finger wehrte sich vehement gegen den Vorwurf der CDU, die Liberalen versuchten bei Bildungsbürgern zu punkten, weil die Umfragewerte für die FDP im Keller seien. Die Bücherei an der Blücherstraße sei ein Schätzchen, das allzu versteckt liege.

„Eine Bibliothek gehört dahin, wo die Menschen sind und wo sie die Einrichtung auch finden können. Deshalb sind wir zu diesem finanziellen Kraftakt bereit“, sagte Finger.“

[3]

… und niemand stellt ihr die Frage, wie denn wohl die 2005 von Guido Weyer im Imagefilm anläßlich des 100-jährigen Bestehens der Stadtbibliothek genannten „täglich über 1.600 Besucher“ diese ach so „versteckte“ Bibliothek finden:

[4]

Frau Fingers Äußerungen zählen zur Kategorie „Schlechtreden“, die man gerne denen vorwirft, die sich kritisch mit Entwicklungen in Mönchengladbach auseinandersetzen.

Und auch genau an dieser Stelle gilt es kritisch zu sein.

Denn dieses weitläufige Grundstück in idealer Lage zählt zu den „Filetstücken“ in der Gladbacher Innenstadt, das sich schon längst im Fadenkreuz von Architekten, Stadtentwicklern und Bauunternehmen befindet.

Warum also dieses „Schlechtreden“? Etwa mit System?

#2 Kommentar von medienanalystin am 5. März 2013 @ 18:04

Was hier mit der Schenkung passieren soll ist eine Unverschämtheit.

Nur weil sich einige eine neue Bibliothek in den Kopf gesetzt haben, wird der Wunsch des Schenkenden/Stifters mit Füßen getreten. Hauptsache das Grundstück bringt Geld.

Politiker werden von den Bürgern gewählt und sollen den Bürgerwillen umsetzen.

Welche Bürger stimmen zu, dass Geschenke von großem Wert an sie (um nichts anderes handelt es sich hier) mal eben verkauft werden, weil einige sich ein Denkmal in Form einer neuen Bibliothek setzen wollen?

Beschämend!

In der örtlichen Presse wird entsprechend spekuliert: [5]

Gibt es schon Interessenten für das begehrte Grundstück?

Mönchengladbach ist und bleibt eine Klüngelstadt!

#3 Kommentar von Ypsilon am 6. März 2013 @ 17:05

Einfach unmöglich was hier passieren soll.

Ausgerechnet die Grünen, die sich für den Erhalt des Pahlkebades einsetzten, wollen nun die Bibliothek platt machen, weil vielleicht 1.000 qm Fläche fehlen, die problemlos angebaut werden könnten.

Die alte Bibliothek hat 3.834 qm, die neue soll 4.700 qm haben. Für diese lächerlichen 866 qm mehr dieses Theater und solcher Aufwand?

Wo ist der Unterschied zum Pahlkebad?

Ausgerechnet die Grünen, die sich auf ihrer Hompage unter der Rubrik „Bürgerwillen“ so äußern:

„Grüne machen sich für Bürgerstiftung in Mönchengladbach stark“

wollen den Willen des Stifters des Geländes der Stadtbibliothek (das Gebäude wurde im zweiten Weltkrieg zerstört, deshalb steht seit 1964 die „neue“ Bibliothek darauf) ignorieren und das Topgrundstück in allerbester Lage für eine keinesfalls bessere Bibliothek an anderer Stelle opfern, damit ein Betonzweckbau errichtet werden kann. Man sehe sich mal das immer gern genannte Beispiel „Mediothek“ in Krefeld an!

Die Bücherei an der Blücherstraße mag alt, leider nicht gut gepflegt und instand gehalten worden sein – aber sie hat Charme und Ausstrahlung.

Warum sehen die Grünen nicht das die Bibliothek umgebende Grün, das übrigens alter Baumbestand (nicht erhaltenswert?) ist, der dann ebenfalls von einem Investor platt gemacht würde?

Wird der neue Bibliotheks-Wunschbau auch einen weitläufigen Garten und Terrasse haben wie die von ihnen ungeliebte „alte“ Bibliothek? Vermutlich nicht.

Unbegreiflich!