Sicherheitsexperten tagten in Mönchengladbach – Herausforderung „schmutzige Bombe“
Red. Wickrath [14.07.2010 - 14:17 Uhr]
Unter Schutzmasken und mit schweren Sauerstoffflaschen auf dem Rücken kamen die Männer des Technischen Hilfswerks Mönchengladbach um ihren neuen Chef Thorsten Saal mächtig ins Schwitzen.
Die Lehrvorführung „Bergung eines Verletzten unter radioaktiver oder chemischer Bedrohung“ im Polizeipräsidium war einer der Höhepunkte eines ganztägigen Seminars der Kreisgruppe Niederrhein des Reservistenverbandes.
Sie führt seit Jahrzehnten Behörden, Organisationen und Verbände mit Sicherheitsaufgaben zu Informationsveranstaltungen zusammen – „ein Vorbild in NRW“, lobte der scheidende Innenminister Ingo Wolff in seinem an Organisator Oberstleutnant d.R. Hermann-Josef Lüpertz übermittelten Grußwort.
Die rund 100 Experten, darunter Ordnungsdezernent Peter Holzenleuchter, besprachen diesmal die Ergebnisse der Krisenmanagement-Übung „Lükex“.
Die Herausforderung: ein Terroranschlag mit einer „schmutzigen Bombe“. „Terroristen versuchen bereits seit Jahren, an Atomwaffen heranzukommen – zum Glück bislang vergeblich.
Der Bau einer sogenannten schmutzigen Bombe ist einfacher und damit leider wahrscheinlicher: Ein Sprengsatz wird zusätzlich mit gestohlenem radioaktiven Material bestückt“, erläuterte Lüpertz.
Die Explosion sei mit der einer Nuklearwaffe zwar nicht annähernd vergleichbar. Sie würde aber Ängste und Chaos auslösen und die Rettungskräfte vor neue Herausforderungen stellen.
„Wann passiert denn das schon? Und wenn, ist es doch immer bei den anderen – in New York, London, Madrid oder Tokio“, beschrieb Mönchengladbachs Feuerwehrchef Jörg Lampe für die Arbeitsgemeinschaft der Leiter der Berufsfeuerwehren in NRW das Problem der politischen Bremser.
Trotzdem sei in Nordrhein-Westfalen viel Positives zur Vorsorge geschehen. Lampe und Branddirektor Dirk Schattka stellten unter anderem mobile Dekontaminationsplätze vor – eine Art Waschstraße für Verletzte, die zugleich verstrahlt, verseucht oder vergiftet sind. Damit kann schnelle Hilfe auch bei Chemieunfällen geleistet werden.
Der Reservistenverband sei sich bewußt, mit seiner Arbeit auf dem schmalen Grat zwischen Panikmache und Krisenvorsorge zu wandeln, betonte Lüpertz. Einerseits dürfe die Bevölkerung nicht unnötig beunruhigt werden.
Doch andererseits müßten Feuerwehren, Hilfs- und Rettungsdienste auf solche Bedrohungen vorbereitet sein, um Menschenleben retten zu können.
Die beruhigende Botschaft des Seminars: Hinter den Kulissen geschieht einiges, um Terrorgefahren durch atomare, biologische und chemische Kampfstoffe wirksam begegnen zu können: In Mönchengladbach referierten zum Beispiel diesmal Experten des erst 2004 gegründeten Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe und Fachleute des Bundeskriminalamtes (BKA) für die nuklearspezifische Gefahrenabwehr.
Diese BKA-Gruppe war zum Beispiel 2006 in Hamburg im Einsatz, wo ein durch Polonium 210 verstrahlter russischer Spion unterwegs war.
Indirektes Lob kam von der Bundeswehr: „Die Fähigkeiten in NRW sind so massiv hochgefahren worden, daß wir nicht mit massiven Kräften ansetzen mußten“, sagte Oberstleutnant Achim Gottschalk vom Landeskommando Düsseldorf mit Blick auf „Lükex“.
Ein weiterer Fortschritt: Bei den Katastrophenschutzübungen werden inzwischen nicht nur staatliche Stellen, sondern auch Altenheime, Discounter, Firmen oder Banken eingebunden. Denn auch sie müssen bei Pandemien, Stromausfällen oder Chemieunfällen vorbereitet sein.































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Hein schrieb am 15.07.2010 um 08:48 Uhr:
Leider werden die Bürger nur unzureichend auf die Herausforderung “Schmutzige Bombe” oder andere terroristische Anschläge vorbereitet. Man kann sich sicherlich nicht allen vorstellbaren Szenarien stellen, Gedanken sollte sich aber jeder machen.