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„Hier steh’ ich. Ich kann nicht anders“ – Von Plakaten, Peinlichkeiten und Fauxpas’ im Mönchengladbacher Landtagswahlkampf [Faktencheck mit O-Tönen]

Glossi [ - Uhr]

12-05-09-glossi-nrwMoin Leute!
Wie schrieb der Vorsitzende des CDU-Kreisverbandes, Dr. Günter Krings, am 10.03.2012 in einer „offenen Mail“ an die Parteien, die „100%ig im demokratischen Spektrum stehen“, nach Ansicht der CDU also SPD, B90/Die Grünen und FDP:

„Die Mönchengladbacher Bürger haben Verständnis dafür, dass auch Wahlplakate notwendig sind. Wir sollten die Geduld unserer Mitbürger jedoch nicht überstrapazieren. Daher versprechen wir als CDU Mönchengladbach: …Wir wollen daneben die Zahl der Plakate deutlich reduzieren. Wir hoffen darauf, dass Sie sich an diesem Vorschlag beteiligen und freuen uns darauf, von Ihnen zu hören.“

Entweder hat sich die CDU Mönchengladbach an ihr Versprechen nicht gehalten, oder ihrem Landtagskandidaten für den Mönchengladbacher Süden, Michael Schroeren, ist vollkommen egal, was „sein“ Vorsitzender für die gesamte Partei verspricht.

Daran, dass Schroeren sein „eigenes Ding“ macht, und sich „für nix zu schade“ ist, wenn es um seine persönlichen Vorteile und seine Landtagskandidatur geht, ist durchgängig feststellbar und bleibt selbst seinen „besten Freunden“ nicht verborgen.

Geäußert wird ein „Das ist nur noch peinlich!“ nur „im Vertrauen“ und hinter „vorgehaltener Hand“.

12-05-09-glossi-DSC05047Als einziger Landtagskandidat weit und breit ließ er neben den so genannten „Wesselmann-Tafeln“ des CDU-Spitzenkandidaten Norbert Röttgen eine eben solche auch mit seinem Konterfei und dem Sinnspruch „Mit Herz und Verstand“ aufstellen.

Diese Art von Personalityshow nehmen viele Bürger nur noch mit einem Kopfschütteln zur Kenntnis. Ein weiteres „Highlight“ setzte Schroeren bei der CDU-Wahlveranstaltung auf dem Rheydter Marktplatz.

12-05-09-glossi-Dsc05026Dort verdeckte sein Plakat zwei Drittel des Plakates des Gastes und Hauptredners Norbert Röttgen. Ob der das überhaupt wahrgenommen hat, und ihn gestört hätte, ist bei dieser „Aktion“ vollkommen zweitrangig.

Nicht zweitrangig hingegen sind die Kosten.

Eine „Wesselmann-Tafel“ kostet einschließlich Druck, Aufstellen usw. für 10 Tage ca. 450 EURO. Geschätzte 50 „Schroeren-Tafeln“ im Wahlkreis 49 (Süd) kosteten demnach ca. 22.500 EURO.

Berücksichtigt man, dass der gesamte Etat des diesjährigen CDU-Landtagswahl­kampfes für Mönchengladbach 40.000 EURO umfasste, wie CDU-Schatzmeister Dieter Breymann auf dem CDU-Parteitag in der letzten Woche erklärte, und die Tatsache, dass Norbert Post offensichtlich auf solche übertriebene Wahlwerbung in seinem Wahlkreis verzichtete, stellt sich die Frage, wer die Tafeln finanziert hat.

Sollte Schroeren dafür Spenden akquiriert haben, müsste er dies zumindest innerhalb der CDU nachweisen.

Sollte er die Kosten „aus eigener Tasche“ finanzieren, würde Schroeren ca. 19% seiner Jahreseinkünfte als MdL (ca. 120.000 EURO) nur für seine Wahlkampf-Werbe-Tafeln aufwenden, die verloren sind, wenn er nicht wieder direkt gewählt wird.

Angesichts der Tatsache, dass es Schroeren bei seinem Wahlkampf mittelbar auch um etwa 750.000 EURO Einkünfte aus seiner mehrfach eindringlich angekündigten 5-jährigen Landtagszugehörigkeit geht, eine durchaus nachvollziehbare und bei Erfolg rentable Risikobereitschaft.

Wie sehr Schroeren den Schwerpunkt auf seine Person setzt, zeigte er auch, als er im „Profil“ einer örtlichen Zeitung mit einem Vergleich zu Napoleon und dem Wunsch „professionell Theater spielen zu können“ kokettierte.

napoleon-pferdEinen gewissen Hang zum „Theater spielen“ und eine große Affinität zu Napoleon, gerne auch „auf hohem Roß“, kann man Schroeren nicht absprechen, wenn man seine inszenierten Auftritte beispielsweise im Karneval und bei Schützenveranstaltungen rekapituliert.

Mal spielt er dann auch noch Friedrich den „Großen“ und mal Personen aus dem Mittelalter.

Wenn Luther seinerzeit sagte: „Hier steh’ ich. Ich kann nicht anders“, war das eher Ausdruck seiner inneren Verzweiflung.

glossi-for-mdlDa ich diesmal nicht angetreten bin, konnte ich „inkognito“ unterwegs sein und die eine oder andere „Wahlveranstaltung“ mit erleben.

Und jetzt, quasi vor dem Ende dieses Turbo-Wahlkampfes habe ich mich an dieses Luther-Zitat und an die eine oder andere durchaus als peinlich anzusehende Begebenheit erinnert.

So erschien CDU-Kandidat Schroeren, der sich im Geneickener Bahnhof auf einer CDU-Veranstaltung befand, nach einer zeitgleich in einem weiteren Raum öffentlich stattfindenden Wahlveranstaltung der Grünen mit der NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann und begrüßte „Frau Minister“ in etwas so: „Es ist schön, dass ich Sie in meinem Wahlkreis begrüßen darf. Meine Beliebtheit sehen Sie daran, dass ich in meinem Wahlkreis zweimal mehr Erst- als Zweitstimmen erhalten habe.“

Danach wünschte Schroeren Sylvia Löhrmann noch einen schönen Aufenthalt in Mönchengladbach und „entschwand“.

Über Schroerens denkwürdigen „Auftritt“ in Wanlo zum Thema „Braunkohletagebau“ haben meine Kollegen von der Redaktion Politik & Wirtschaft schon berichtet.

Davon werden die, die es mit ihren eigenen Augen und Ohren erlebten, wahrscheinlich noch amüsiert ihren Enkeln erzählen.

Es gab auch noch ein Fernsehduell, an dessen Ende die vier Direktkandidaten der beiden größten Mönchengladbacher Parteien, also von SPD und CDU, diesen Satz vervollständigen mussten:

„Wählen Sie mich, weil …“

Schroerens Vervollständigung: „… ich nach wie vor MEINE Interessen und die Interessen der Stadt für Mönchengladbach umsetzen will.“

Und damit man mir’s auch glaubt, hier der O-Ton:

[audio:12-05-10-waehlen-sie-mich.mp3][ca. 1 Min.]

„Konsequenterweise“ vervollständigte Michael Schroeren auch auf der CDU-Veranstal­tung am 09.05.2012 auf dem Rheydter Marktplatz den Satz von Moderator Hans- Wilhelm Reiners „Am Sonntag um 20 Uhr (in aller offensichtlich schon „kultivierten“ Unbescheidenheit) so: „… haben Sie mich erneut zum Landtagsabgeordneten in Mönchengladbach gewählt.“

Und auch hier der O-Ton:

[audio:12-05-09-cdu-schroeren.mp3][ca. 1 Min.]

„Demut ist eine Zier – doch einträglicher ist es ohne ihr!“ … oder so ähnlich. 🙂

Das wollt’ ich nur mal gesagt haben…

Euer Glossi

Übrigens: Ursprünglich wollte auch ich einen Vergleich zwischen den Landtagswahlen 2010 und 2012 ziehen. Das hab’ ich dann aber gelassen, weil ich ähnliche Peinlichkeiten aus 2010 hätte wiederholen müssen.

Erinnert Ihr Euch daran?

… oder daran?

… oder daran?

4 Kommentare zu “„Hier steh’ ich. Ich kann nicht anders“ – Von Plakaten, Peinlichkeiten und Fauxpas’ im Mönchengladbacher Landtagswahlkampf [Faktencheck mit O-Tönen]”
  1. Wahlkreis Süd…….. Plakatflut von Herr Schroeren.

    Die Rechnung der Kosten ist schonmal interessant.

    Ich hab da nur ein Problem 🙂

    Wo ich hinschau…. Schroerenlächeln.

    Ich fahr nach Wickrath…. Herr Schroeren
    Ich schau in die Zeitung… Herr Schroeren
    Ich geh zu Veranstaltungen… Herr Schroeren

    Zum Abendessen hab ich mich gar nicht getraut, die Fischbüchse aufzumachen…. Weiss man was einen anlächelt?

    Zitat: „Wählen Sie mich, weil …“

    Schroerens Vervollständigung: „… ich nach wie vor MEINE Interessen und die Interessen der Stadt für Mönchengladbach umsetzen will.“ Zitat Ende

    Seine Interessen….. darum ja auch sein Ja zur Diätenerhöhung.

    Zitat: „Es ist schön, dass ich Sie in meinem Wahlkreis begrüßen darf. Meine Beliebtheit sehen Sie daran, dass ich in meinem Wahlkreis zweimal mehr Erst- als Zweitstimmen erhalten habe.“ Zitat Ende

    Wie kann man eigentlich so selbstverliebt sein?

    Bescheidenheit kann manchmal auch ein Mittel zum Zweck sein.

    Zitat: „Am Sonntag um 20 Uhr (in aller offensichtlich schon “kultivierten” Unbescheidenheit) so: „… haben Sie mich erneut zum Landtagsabgeordneten in Mönchengladbach gewählt.“ Zitat Ende

    Wunschdenken, Überheblichkeit, Arroganz?

    @ M.P. Heinen

    Man kann alles so und auch SO sehen.

    Ich bestreite, aus Unkenntnis, die von ihnen genannten Fakten nicht.

    Wobei mich eine Offenlegung der Finanzierung interessieren würde. Als Bürger, als Wähler, als Steuerzahler.

    Allerdings muss ich mal versuchen, ihnen die Augen zu öffnen. Mal einfach weg mit dem Blick von Statistiken und hin ins Leben.

    Siehe hierzu: http://de.wikipedia.org/wiki/Glosse Stichwort Journalistische Glosse

    Glossy schreibt, nicht wegen der Anonymität, sondern als Autor einer Glosse.

    Es geht eigentlich und das sollten sie mit nochmaligem Lesen, (vielleicht) verstehen, nicht ausschliesslich um Plakate, es geht um das Erscheinungsbild eines Landtagskandidaten.

    Wie, so frage ich sie, kann es angehen, dass sich jemand wieder in den Landtag wählen lassen will, aber sich nicht zu einem Konzept äußern?

    Wie, so frage ich sie, kann es angehen, dass sich jemand wieder in den Landtag wählen lassen will, aber bewusst die eventuell potentiellen Wähler verar…..?

    Versprechungen, heisse Luft, alles im Wissen, nach der Wahl zu kassieren und dem Bürger keine Ergebnisse zu geben. Muss er ja auch nicht.

    Ergebnisse zähle ich nach nach Konzepten, ohne Konzept habe ich mit allem Recht und kann ja nichts falsch machen. Ich biete ja keinen Vergleich.

    Wozu auch, er wohnt nicht mal im Wahlkreis.

    Ich frage mich WARUM?

    Kennt man ihn zu gut in seinem Lebensumfeld?

    Ein Schelm der Arges dabei denkt.

    Schicker Anzug, nettes Lächeln…… das alles macht einen Politiker, nicht zwingend einen Menschen.

    Über Ronald Reagan wurde mal ein Satz gebildet: „Ein drittklassiger Schauspieler der einen zweitklassigen Präsidenten erstklassig spielt“

    Irgendwie, wie auch immer und warum, fällt mich die Gleichnis ein.

    Ach ja…… @ M. P. Heinen 🙂

    Ich schreibe unter Pseudonym…… schon lange 🙂

    Sollte Ihnen diese Anonymität nicht gefallen, gebe ich der Redaktion BZ-MG die Erlaubnis, meinen Namen etc. Ihnen zur Verfügung zu stellen.

    Nur so, damit Verschwörungstheorien (Zitat: Wenn ich allerdings an die Entwicklungen rund um den Wir-in-NRW Blog denke (dort hieß der Autor Theobald Tiger), bekommt man schon ein komisches Gefühl bei dieser Sache. Zitat Ende) ausgeschlossen werden können.

    Ein netter Gruß aus dem gelben Wanlo

  2. Über Süd kann ich nichts sagen, doch im Wahlkreis Nord empfinde ich den Plakate-Wahlkampf insgesamt als bürgerfreundlich und deutlich weniger bürgernervend.

    Nach meiner Meinung verleiten wenige Plakate sowieso eher zum interessierten Hinschauen als eine Massenflut.

    Plakate an Laternenpfählen rutschen oft tiefer (störend), größere Plakatständer nehmen auf Bürgersteigen oft unnötig Platz weg.

    Alles in allem meine ich: einige wenige großflächige Plakate sind bürgerfreundliche, weil weniger störende, eye-catcher.

  3. @ M.P.Heinen

    Richtig, die SPD hatte ihre hässlichen Klare-Kante-Plakate, die vermutlich noch in irgendeinem Keller vor sich hingestaubt hatten, direkt nach der Auflösung des Landtages platziert.

    Allerdings VOR dem Aufruf von Herrn Dr. Krings. Danach war (danke an alle und speziell Dr. Krings für diese Idee!) erst mal Ruhe.

    Sie können es drehen und wenden wie Sie wollen, M & M (Michael & Macht’s) ist omnipräsent und es nervt. Warum?

    Weil er nach den Wahlen auf Nimmerwiedersehen von der Bildfläche des Wahlkreises Süd verschwindet als wäre er ein Phantom gewesen. Vorher nix, nachher nix.

    Man hört ihn nicht, sieht ihn nicht – aber wir bezahlen ihn doch!

    Wozu ist dieser Mann im Galdbacher Süden Kandidat? Er wohnt/lebt in MG-Nord. Was hat er für „seinen“ südlichen Wahlkreis getan?

    Wenn mir etwas entgangenen sein sollte, bitte mitteilen.

    Jetzt verfolgt er einen regelrecht auf Schritt und Tritt. Schroeren überall. Auf Plakaten und Anzeigen versteht sich. Als Rheydter frage ich mich: was will der Mann – außer meiner Wahlstimme? Wofür steht er? Was hat er zu sagen?

    Etwa solches Geschwafel wie am Mittwoch auf dem Rheydter Marktplatz im Vorprogramm für Norbert Röttgen und Bundeskanzlerin Merkel?

    Norbert Post ist mindestens in Neuwerk sehr aktiv. Schroeren im Süden?

    Herr Erwin Rüttgers wurde seinerzeit sehr unfein ausgebootet. Der wäre was für Süd gewesen!

    Vermutlich erinnern Sie sich noch an die eigenartige Wahl, bei der auch die Junge Union nicht unbeteiligt war. Der offene Kreisvorstand der JU hatte damals Schroeren für Süd nominiert. Die Mitglieder der JU wurden per Brief gebeten, sich diesem Votum anzuschließen und Schroeren zu unterstützen.

    Aktuell jedenfalls kaum ein Printmedium in der Stadt ohne mindestens DIN A4-Anzeige mit Schroerens Konterfei. In Farbe versteht sich. Es besteht auch kein Zweifel, dass das richtig kostet. Richtig ist auch, dass das für Schroeren Investitionen in die Zukunft sind oder eine gute Geldanlage mit Superrendite.

    Glaubwürdig ist er jedenfalls nicht und nur was für absolut treue, unverwüstliche, schmerzfreie Hardcore-Stammwähler, die einfach immer CDU wählen. Aus Tradition oder sonst was.

    Die Performance, die er am Mittwoch am Rheydter Markt abgeliefert hat war so ziemlich das Übelste, was ich bisher erlebte. Wofür steht er überhaupt außer Brauchtum und Klüngel?

  4. Da ja Faktencheck drüber steht:

    1. CDU Forderung keine Plakate vor Ostern
    CDU=100% erfüllt-> SPD=Plakate einen Tag nach Auflösung des Landtags

    2. Laternenplakate
    2010=1000 Plakate-> 2012=600 Plakate (-40%)

    3. Wesselmänner
    Anzahl= unverändert ggü. 2010, lediglich neue Standorte (Richtig, nur die CDU macht Kandidaten Wesselmänner. Jede andere Partei könnte auch welche machen und dafür auf Laternenplakate verzichten, die weitaus mehr stören. CDU verzichtet dafür im Gegegnsatz zur SPD gänzlich auf s.g. Dreieckständer)

    4. Überdecktes Röttgen-Plakat bei Merkel Besuch
    Schroeren-Plakat stand neben dem Röttgen Plakat. Erst als Bürger, die Merkel und Röttgen sehen wollten, darum baten, das Schroeren Plakat auf Seite zu stellen, um besser sehen zu können, wurde es verstellt.

    Zum Rest des Kommentars: Dass der Arme Glossi dafür herhalten muss, da keiner Bereit ist, seinen Namen zu solch einen Kommentar zu veröffentlichen, sagt ja alles. Wenn ich allerdings an die Entwicklungen rund um den Wir-in-NRW Blog denke (dort hieß der Autor Theobald Tiger), bekommt man schon ein komisches Gefühl bei dieser Sache.

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