Viel Lärm um nichts, leider nicht von Shakespeare: „Der Gast“ im TiN am 25.03.2011

Red. Theater [ - Uhr]

logo-vsbEigentlich hatte man ja nach der ganzen Werbung (fast Propaganda), die da gemacht wurde, einmal eine Komödie mit Tiefgang erwartet, die dieses Sujet doch wohl hergegeben hätte, …

… obwohl es doch in vielen Varianten, als Film, Buch, Roman, Soap, etc., zur Genüge Verbreitung und Beachtung gefunden hat. Zwar nicht, wie in dieser Geschichte mit einem über 50-jährigen Arbeitslosen, sondern meist über Jugendliche.

Der Inhalt beschreibt das Dilemma eines Mannes, der bereits mit 52 Jahren arbeitslos ist und trotz verzweifelter Versuche keinen Arbeitsplatz findet. Er flüchtet sich in eine Welt mit elektrischer Eisenbahn und Fisch im Glas.

Es kommt zu einem Vorstellungsgespräch, bei dem ihm eine Stelle angeboten, und ein Besuch zum Essen bei ihm durch den Arbeitgeber angekündigt wird. Natürlich geht er darauf ein, obwohl seine Frau nicht kochen kann.

Ein Mitbewohner des Mietshauses (U-Boot?) hat inzwischen in seiner Wohnung einen Wasserschaden beseitigt und bekommt die Notlage mit. Er verspricht, durch Rat und Tat zu helfen.

Hier geht dann natürlich alles schief. Moderne Bilder werden an die Wände gehängt, ein teures Essen vorbereitet, der Arbeitslose durch den Mitbewohner für das kommende Gespräch geschult (Neudeutsch gecoacht).

Der Mann, der dann mit Blumen erscheint, wird für einen Boten gehalten, da der Wagen eines Blumenladens vor der Tür steht, obwohl es der zukünftige Arbeitgeber ist, der einen flexiblen Kriecher, nach oben buckelnd und nach unten tretend, sucht und ihn hier zu finden scheint.

Das ganze moderne Zeug gefällt ihm natürlich nicht. Natürlich ist die Blumenhändlerin auch noch seine Frau, deren Wagen er zufällig benutzt hat. Außerdem stellt sich der hilfsbereite Nachbar auch noch als Arbeitsloser seit fünf Jahren im Fach des Personalberaters heraus.

Ein Thema also, das heute, wo der Mensch doch schon in frühem Alter – grob gesagt ab Vierzig – kein zum Arbeiten mehr zu verwendendes Vehikel ist, viele Mitmenschen bis in die Wurzeln ihres Lebens trifft!

Hiervon war in „Der Gast“, der doch eben dieses Thema beschreiben will, so gut wie nichts zu verspüren.

Komödie? Gesellschaftssatire? Ich finde das Ganze etwas mühsam konstruiert.

Natürlich hatte man sich aller Mittel der Slapstick-Komödie bedient, typisierte Figuren, überdrehten Bewegungsablauf, ständiges Schreien; manchmal wirklich nicht zum Aushalten!

Wo blieb hier die Resignation des Alternden, die wirkliche Erwartung eines neuen Arbeitsplatzes, das Mitfühlen der Frau? Durch Fußkratzen an den Genitalien des Mannes?

Die Schauspieler taten mir herzlich leid. Ihr unzweifelhaft vorhandenes Können konnten sie hier nicht beweisen.

Eva Spott, Daniel Minetti, Felix Banholzer gaben ihr Bestes. Nur dem wunderbaren Schauspieler Joachim Henschke war es vergönnt, ein paar Momente der Ruhe zu vermitteln.

Aber so ist es nun einmal, gute Filmregisseure müssen nicht unbedingt auf dem Theater gut arbeiten können, das Metier ist einfach zu verschieden und muß jeweils erarbeitet werden. Bühnenbild und Kostüme entsprachen dem Stück.
Schade.

Herbert Rommerskirchen

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