Reservisten-Kreisgruppe Niederrhein stemmt Dreifach-Veranstaltung mit 17.000 Besuchern
Red. Wickrath [07.07.2010 - 18:33 Uhr]
Ein Gastbeitrag von Helmut Michelis, Düsseldorf:
Reservistenmusiker als Stars im Fußballstadion
Einen starken Auftritt hatte unsere Kreisgruppe am 19. Juni 2010 in Mönchengladbach.
Gleich drei Großveranstaltungen gestalteten wir tatkräftig mit oder organisierten sie selbst: das traditionelle NATO-Musikfest, den öffentlichen „Blaulichttag“ und den 27. Internationalen Mönchengladbacher Militärwettkampf (IMM).
Premiere vor großem Publikum hatte abends im Stadion von Borussia Mönchengladbach unser Reservistenmusikzug „Niederrhein“.
Die Musiker unter Stabführung von Oberfeldwebel d.R. Klaus Schafferhans traten im Vorprogramm und beim Finale mit viel Schwung und Schneid auf – die 12.000 Zuschauer klatschten begeistert Beifall.
Die Macher: Der IMM wird seit seiner Gründung 1984 fast ausschließlich von freiwilligen Reservisten organisiert, die über die jetzt bedrohte Wehrpflicht zu ihrem ehrenamtlichen Engagement gekommen sind.
„Meine Familie findet das klasse, weil der IMM in Mönchengladbach stattfindet und ihr Papa mittendrin ist“, sagt Michael Wagner aus dem Ortsteil Rheindahlen.
Der Obergefreite der Reserve und Vater von drei Töchtern begründet seinen ungewöhnlichen Einsatz in Uniform frei nach dem Motto von US-Präsident John F. Kennedy.
Wagner: „Ich kann nicht immer nur fordern. Ich muss mich auch fragen: Was kann ich für mein Land tun? Was kann ich zurückgeben?“
Also zog Michael Wagner, Fachkraft für Transport- und Lagerwirtschaft, wieder für neun Tage die Tarndruck-Uniform an, um gemeinsam mit 14 Kameraden die internationale Veranstaltung vorzubereiten.
Die Reservisten sehen sich als Brückenbauer über die Grenzen und freuten sich, die inzwischen als „Nato-Olympiade“ hoch gelobte Veranstaltung vorbereiten zu dürfen.
Preise hatten diesmal unter anderem Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen und Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg gestiftet.
Traditionell hatte Mönchengladbachs Oberbürgermeister Norbert Bude die Schirmherrschaft über den IMM übernommen. Bude ist wie Wagner Obergefreiter der Reserve und schaute natürlich wieder interessiert beim Wettkampf vorbei.
In der Bundeswehr-Liegenschaft am Rheindahlener Kreisel ging es vor den Veranstaltungen im Bienenstock zu: Die Aufnahme von 60 Mannschaften musste vorbereitet werden, deren Verpflegung, die Wettkampfaufgaben, die Auswertung, die Preisvergabe und ein Besucherprogramm für die Weitangereisten.
„Wann landen die Griechen am Düsseldorfer Flughafen?“, fragt Hauptfeldwebel d.R. Uwe Mertens, der das kleine Team führt. Oberfeldwebel d.R. Hans-Günter Müller, bereits seit dem ersten IMM 1984 alljährlich mit von der Partie, bereitet unterdessen am Nebentisch die Karten und Wegeskizzen vor, nach denen die Teams marschieren müssen.
Oberstleutnant d.R. Roland Beeten, ebenfalls Mitglied der Kreisgruppe, war einer der Verbindungsoffiziere zu den ausländischen Militärkapellen.
Er betreute die türkische Mether-Band, das älteste Musikkorps der Welt, offenbar so perfekt, dass ihm einer der Musiker ernsthaft seine Tochter zur Braut anbot. Das musste Beeten mit Blick auf seine Lebensgefährtin höflich, aber bestimmt ablehnen.
Der IMM hat dagegen mindestens eine Ehe gestiftet: Christopher, der Sohn eines weiblichen US-Oberleutnants und eines britischen Hauptmanns, die sich bei dem Wettkampf kennenlernten, müsste inzwischen volljährig sein – leider hat die Kreisgruppe den Kontakt zur heute in Florida lebenden Familie Walsh-Sillcox verloren.
Der Militärwettkampf: Ab 7 Uhr morgens mussten die Teams im Großraum Mönchengladbach im Sechs-Minuten-Abstand entlang eines 17 Kilometer langen Marschparcours zwölf verschiedene Aufgaben vom Schlauchbootrennen über Erste Hilfe bis sicherheitspolitischen Quiz lösen.
Die schwindelerregende Hindernisbahn baute einmal mehr der Ortsverband Mönchengladbach des Technischen Hilfswerks, die Erste-Hilfe-Aufgabe stellte das DRK Nordrhein, geschossen wurde im umweltfreundlichen britischen SA-80-Simulator im JHQ.
Die Bundeswehr-Reserve zeigte sich nicht nur bei der Organisation, sondern auch als Militärwettkämpfer in Topform: Platz zwei nach der siegreichen Luftwaffensicherungsstaffel „S“ des Jagdbombergeschwaders 33 aus Büchel an der Mosel (Feldwebel Marco Fleischhacker, Feldwebel Anatolij Pfannenstiel, Stabsgefreiter Martin Stapelfeld und Hauptgefreiter Fabian Ullrich) belegte die RK Westmünsterland mit Oberstleutnant d.R. Karl Peters, Stabsunteroffizier d.R. Wolfgang Hiebing, Obergefreiter d.R. Gerrit Schlüters und Gefreiter d.R. Georg Hiebing.
Die RK Westmünsterland belegte auch Platz eins der Wertungsgruppe „Reservisten Bundeswehr“, gefolgt vom Team 1./Infanterie-RK München Nord (Hauptmann d.R. Axel Schmidt, Oberleutnant Carolin Werth, Oberfeldwebel d.R. Erwin Hantke und Stabsunteroffizier d.R. Karlheinz Hoppendietzel) und der RK Möhnesee (Stabsfeldwebel d.R. Olaf Bock, Oberfeldwebel d.R. Sascha Kreideweiss, Stabsunteroffizier d.R. Dirk Kellermann und Stabsgefreriter d.R. Marcel Freitag).
Das Musikfest-Vorprogramm: Die Sonderwertung der Hindernisbahn „IMM-Iron Fighter“ im Vorprogramm des NATO-Musikfestes entschied die Jägerkompanie Gebirgskampfzentrum aus Österreich für sich – mit nur einer Sekunde Vorsprung vor den Aufklärern aus Eutin.
Sie waren unter dem Beifall des Publikums in atemberaubenden 42 Sekunden über die Hindernisse auf dem Fußballfeld gejagt. Platz drei teilten sich griechische Special Forces aus Florina und das britische Logistikbataillon aus Gütersloh (beide 46 Sekunden).
Im Vorprogramm wechselten sich Vorführungen des Landeskommandos (die Bundeswehr-Uniformen von gestern und heute, ein Scharfschützentrupp, die Schutzbekleidung von Kampfmittel-Räumern und ABC-Abwehr sowie eine Diensthunde-Vorführung) mit den Wettkampf-Showblöcken ab.
Zuvor hatte die IMM-Siegerehrung mit Brigadegeneral Jürgen Knappe, stellvertretender Befehlshaber im Wehrbereich II, im Borussia-Park stattgefunden.
Im Anschluss an den „Iron-Fighter-Wettkampf“ überreichten der britische Generalleutnant Sir Richard Shirreff, Kommandeur des Schnellen NATO-Eingreifkorps ARRC, und Oberbürgermeister Norbert Bude den gläsernen Sieger-Cup an die erschöpften, aber sichtlich stolzen Österreicher.
Der Publikumstag: Der „Blaulichttag“ auf dem benachbarten Messegelände wurde vom Verein „Sicher miteinander“ (SiMi) veranstaltet, der 14 Organisationen, Behörden und Verbände mit Sicherheitsaufgaben vereint. Seine Gründung war von der Kreisgruppe maßgeblich mit initiiert worden.
Deshalb erhielt deren Vorsitzender, Oberst d.R. Helmut Michelis, bei auf der Bühne vom Stellvertretenden Vorsitzenden Peter Steier das goldene Ehrenzeichen von SiMi.
Mit Blaulicht und Sirenen aller Dienstfahrzeuge auf dem Platz war die Veranstaltung am Morgen eröffnet worden – ein weithin unüberhörbares Zeichen.
Die Freiwillige Feuerwehr Woof half dem IMM-Team bei der dort öffentlich präsentierten Wettkampfaufgabe: Feuerlöschen gegen die Stoppuhr. Der Reservistenverband stellte sich unter Leitung von Oberstleutnant d.R. Peter Müller mit seinem Stand dar.
Das Dankeschön: Seit nunmehr 25 Jahren veranstalten wir den IMM gemeinsam mit dem Ortsverband Mönchengladbach des Technischen Hilfswerks, dessen scheidender Ortsbeauftragter Edgar Peters ganz besonderer Dank gebührt.
Zum Gelingen des 27. IMM trugen das DRK um Frank Genenger, der Defense Fire Service im Rheindahlener Hauptquartier um Thomas Blankenburg und die Freiwillige Feuerwehr Woof ebenso tatkräftig bei.
Unauffällig, aber unermüdlich und effektiv half der britische Verbindungsoffizier Alistair Clark uns Organisatoren immer dann, wenn hinter den Kulissen etwas klemmte.
Ein dickes Dankeschön für die Zusammenarbeit geht auch an die Städtische Marketinggesellschaft MGMG und die zahlreichen Sponsoren, ohne die ein IMM in der gegenwärtigen Form nicht denkbar wäre.
Die Bilanz: Die Bundeswehr hatte unter anderem mit dem Streitkräfteunterstützungskommando, dem Musikdienst, dem Wachbataillon BMVg und der Kreisgruppe Niederrhein (unter dem Dach des Landeskommandos Nordrhein-Westfalen) den entscheidenden Anteil am Gelingen der dreigeteilten Großveranstaltung.
Zum abendlichen Musikfest kamen rund 12.000 Zuschauer; den „Blaulichttag“ mit Behörden, Organisationen und Verbänden unter dem Dachthema „Schutz und Sicherheit“ auf dem benachbarten Messegelände sahen sich mehr als 4000 Besucher an; etliche Hundert Bürger wurden an den Stationen des Militärwettkampfs gezählt.
Der beim IMM angestrebte Nationen-Mix klappte übrigens wieder perfekt. So verstärkte der schweizerische Hauptmann Markus Hegi eine Mannschaft französischer Reservisten aus Dünkirchen.
Und sogar aus dem fernen Neuseeland war eine Teilnehmerin am Start: Oberleutnant Emily Hume ist zurzeit Austauschoffizier beim britischen 7. Fernmelderegiment in Elmpt (Kreis Viersen) und fiel erst auf, als sie in der Spalte „Nation“ im Meldeformular die Abkürzung „NZ“ eintrug.
Weitere Infos, Bilder und Videos zum Nato-Musikfest: http://www.bz-mg.de/kunst-kultur-musik-literatur/militarmusik-vom-feinsten-beim-26-nato-musikfest-mit-bildergalerie.html































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