Rock im HQ: Kritische Stellungnahme des NABU • Befremden über plötzlich mögliche Schnelligkeit

Red. Natur, Umwelt & Energie [ - Uhr]

Der Vorstand des NABU Mönchenglad­bach geht in einer ausführlichen Stellung­nahme auf die Pläne von MLK (Marek Lieberberg Konzertagentur) und der Stadt Mönchenglad­bach ein, das Festival Rock am Ring im ehemaligen JHQ zu veranstalten.

Schon der BUND Mönchengladbach hatte sich, genauso wie nun auch der NABU, kritisch dazu geäußert.

In der nachstehenden Erklärung zeigt der NABU viele Punkte auf, die, auf Grund des Status des Naturschutzgebietes und Flora-Fauna-Habitates im JHQ, mit Sicherheit nicht unberücksichtigt bleiben dürfen.

Befremden zeigt der NABU ebenfalls über die plötzlich mögliche Schnelligkeit, mit der die Planungen in diesem sensiblen Bereich erfolgen.

Hier die Stellungnahme des NABU zu „Rock am Ring“ im JHQ im Wortlaut:

Interpretiert man die Hochstimmung in den lokalen Medien, könnte man zu der Schlussfolgerung gelangen, der Karten-Vorverkauf für das Festival Rock am Ring sei abgeschlossen.

Es ist aber nicht der Vorverkauf von Belang, sondern der drohende Ausverkauf von Natur und von möglichen Ausgleichsflächen, die die Stadt Mönchengladbach dringend benötigt und die bei einer alljährlichen Nutzung als Festivalort nicht mehr eingeplant werden können.

Hinzu kommt eine erhebliche Beeinträchtigung der Lebensqualität aller Mönchengladbacher, Heinsberger und Viersener Bürger, die in der Nähe des JHQ-Geländes wohnen.

Es erstaunt uns als NABU Mönchengladbach, mit welcher Schnelligkeit ein Projekt geplant wird, dessen Umweltverträglichkeit nicht geprüft ist, und wir empören uns über eine Informationspolitik, die den Bürger weitestgehend im Unklaren lässt, die Einwohner der Ortschaften Lüttelforst und Leloh sogar ohne jede Absprache zu Logistikzwecken verplant.

Das JHQ-Gelände grenzt im Norden, Westen und Süden an die Naturschutzgebiete Knippertzbach und Hellbachtal, die zu einem Flora­Fauna-Habitat-Gebiet gehören, das sich bis zum Radeveekes Bruch in Viersen erstreckt.

Der besondere Wert dieses Gebietes liegt zum einen in den großflächig vorhandenen nährstoffarmen Feuchtwäldern (Moorbirken- und Erlenbruchwäldern), zum anderen brüten in diesem Gebiet seltene Vogelarten, die zum Teil streng geschützt und bei jeglichen Planungen, die das Gebiet tangieren, besonders zu berücksichtigen sind.

Die nährstoffarmen Feuchtwälder beherbergen zahlreiche Rote-Liste- Arten wie etwa das Kleine Helmkraut (Scutellaria minor) oder den Sumpf-Farn (Thelypteris palustris), die allesamt sehr empfindlich auf Nährstoffeinträge reagieren.

Laut LANUV(Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz) kommen hier seltene Fledermausarten wie der Große Abendsegler (Nyctalus noctula) und die Rauhautfledermaus (Pipistrellus nathusii) vor, eine wissenschaftliche Kartierung allerdings steht noch aus.

Untersuchungen, die über Insekten, Amphibien und Reptilien Auskunft geben können, fehlen ebenfalls.

Bezüglich der Avifauna berufen wir uns auf die Erhebungen, die die Geschäftsführerin der NABU-Naturschutzstation, Frau Dr. Szyska, erstellte.

Im engeren Umfeld des Festivalgeländes kommen planungsrelevante Arten wie der Mittelspecht (Dendrocopos medius) oder der Waldlaubsänger (Phylloscopus sibilatrix) vor, die bei Störungen ihr Brutgeschäft abbrechen oder für die Zukunft das Gebiet gänzlich meiden.

Abgesehen davon, dass der geplante Termin Pfingsten 2015 mit dem Termin des neuen Nürburgring-Events, das auf den bezeichnenden Namen „Grüne Hölle“ getauft wurde, zusammenfällt, ist dieser ohnehin mit den Vorgaben des Naturschutzes uberhaupt nicht vereinbar.

In dieser Zeit ist das Brutgeschehen der Vögel auf dem Höhepunkt.

Allenfalls wäre ein Termin frühestens ab Ende Juli denkbar. Eine solche Verschiebung würde zwar die Bedrohung der Brutvögel lindern, keineswegs aber die Gefahren für alle Arten, die das Gebiet ganzjährig bewohnen oder während der Zugzeit aufsuchen.

Wie die Tierwelt auf eine extreme Lärm- und Lichtbelästigung (nächtliches Flutlicht, Einsatz von Pyrotechnik der Klassen F3 und F4, Rauchentwicklung durch wilde Feuerstellen, Grillgeräte etc.) reagiert, ist nicht geklärt, nicht einmal die Gefahren, die der Trittschall einer großen Menschenmenge verursacht.

Weiterhin steht zu befürchten, dass die Trittschäden, welche die Besucherschar verursachen wird, von einer kleinen Flache wie dem JHQ­Gelände nicht verkraftet werden kann.

Unsere Sorge gilt hier im Besonderen den im Gelände wachsenden Baumgruppen.

Außerdem sollte sichergestellt werden, dass im Bereich des Festivalgeländes keine Altlasten in der Oberflache der Bodenschicht zu finden sind, die durch Baumaßnahmen oder Festivalaktivitäten in die

Luft abgegeben werden könnten.

Das schwerwiegendste, ebenfalls nicht geklärte Problem ist die zu befürchtende Eutrophierung der Feuchtgebiete durch Ausscheidungen der Besucher oder durch eingebrachte Nähr- und Giftstoffe wie Müll oder auslaufende defekte Chemietoiletten, die von außen in die wertvollen Kernbereiche eingewaschen werden könnten und vermutlich erst nach Monaten oder Jahren zu einer irreversiblen Eutrophierung führen, die das Absterben schutzwürdiger Pflanzen und Waldgesellschaften verursacht.

Wir halten einen Abstand, der durch einen unüberwindlichen Zaun garantiert werden muss, zwischen dem Festivalgelände und dem FFH-Gebiet von mindestens 500 Metern für zwingend geboten.

Darüber hinaus ist eine solche Abgrenzung auch für die Campingplätze und Zufahrtswege erforderlich.

Der geplante Zeltplatz in Leloh grenzt unmittelbar an das Naturschutzgebiet Hellbachtal.

Wie die Erfahrungen aus der Eifel zeigen, sind selbst bei vorbildlichsten Sicherheitsmaßnahmen, in Anbetracht einer Besucherzahl von ca. 80.000 Menschen, die Gefahren, die durch wildes Campieren, offenes Feuer, wilde Müllentsorgung etc. entstehen können, nicht zu kontrollieren.

Hinweise auf Vandalismus und kriminelles Verhalten sollten sich von selbst verstehen.

Die FFH-Gebiete genießen nicht nur den Bundesnaturschutz, sie unterliegen seit dem 5.06.1992 und in konsolidierter Fassung seit dem 01.01.2007 auch dem europäischen Recht.

Ihr besonderer Schutzstatus und die mit großer Wahrscheinlichkeit zu erwartende Beeinträchtigung ihrer Zielsetzung einer europaweiten Vernetzung, Wiederherstellung und Entwicklung von Biotoptypen könnte schnell zu einem juristischen Streitfall heranwachsen.

Wir schlagen vor, die Verträglichkeit der für 2014 bereits genehmigten Veranstaltungen genau zu untersuchen und im Fall einer Verschlechterung auf weitere Veranstaltungen, welcher Art auch immer, zu verzichten.

Die in diesem Schreiben aufgelisteten Hinweise sollten nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir zu dem abschließenden Fazit kommen:

Aufgrund des sehr hohen Wertes des FFH-Gebietes Knippertzbach und Hellbachtal, der enorm hohen Besucherzahl und der damit verbundenen Risiken, insbesondere der Nährstoffeinträge (Eutrophierung) und Störung der gefährdeten und sensiblen Tierarten, kann das JHQ nicht in dieser Form als Festivalgelände befürwortet werden.

Foto: (c) “Rock am Ring”

6 Kommentare zu “Rock im HQ: Kritische Stellungnahme des NABU • Befremden über plötzlich mögliche Schnelligkeit”
  1. @ Noch enne Buur

    Wieder einmal herrlich und treffend Ihr Kommentar!

    Ich lese Ihre Kommentare immer mit großer Begeisterung und lerne nicht nur was über die Geschichte von Brunnen am Rheydter Marktplatz, sondern auch Platt.

    Grüßen Sie Ihre klugen Hönner und passen Sie gut auf die auf!

  2. Einmal ganz davon abgesehen, dass es sich mir ohnehin nicht erschließt, was so toll daran sein kann, sich tagelang mit dröhnender Rockmusik beschallen zu lassen und/oder sich – wie auf manchen, im Netz zu diesem Event aufrufbaren Fotos erkennbar – im Schlamm zu wälzen, ist mir noch viel unbegreiflicher, dass fast sämtliche Gladbacher Politiker, selbst die doch angeblich umweltverbundenen Gründen, geradezu hysterisch Hurra schreien und offensichtlich jegliche Vernunft über Bord werfen.

    Gemäß dem Kommentar eines Fans dieser Veranstaltung sollten sich doch die „paar Spießer aus den umliegenden Pissdörfern“ gefälligst zurückhalten.

    Aha! Ja, klar, man ist ja auch schnell die Spaßbremse, wenn man berechtigte Bedenken anmeldet. Überhaupt dieses Wort, „Spaß“, wird mir immer unerträglicher. Als ginge es im Leben immer nur darum, „Spaß zu haben“.

    Was ist das für ein Phänomen? Ist das Ausdruck eines Bewusstseins, dass wir uns mit großen Schritten auf den Abgrund zubewegen (um es mal etwas pathetisch auszudrücken) und man dann, in der Erkenntnis, nichts mehr ändern zu können, noch alles an „Spaß“ mitnehmen muss, was möglich ist?

    Dass es vor diesem Hintergrund auch völlig irrelevant ist, Arten zu schützen und zu bewahren, so etwas wie Rücksicht auf sie zu nehmen, weil ja eh bald alles vorbei ist?

    Anders kann ich mir diese Vergnügungssucht fast nicht erklären.

    Ich meine, ist uns denn nicht klar, dass wir für etwas so Nichtiges und Triviales wie ein Rockfestival nicht unsere Natur opfern können, zumal wir gerade hier in MG nicht mehr allzu viel davon haben? Es wirkt immer so lächerlich, wenn seltene Fledermäuse und Käfer angeführt werden, aber es geht doch um so viel mehr!

    Es geht darum, endlich so etwas wie Verantwortung zu übernehmen, zumindest einmal für unsere direkte Umwelt, IN der und VON der wir leben.

    Sie ist nicht austauschbar, es gibt keine Ersatzteile, man kann sie teils nicht einmal reparieren. Wir sind darauf angewiesen, sie zu bewahren, es ist unsere Pflicht!

    Um den Vergnügungssüchtigen nicht ganz den Spaß zu verderben, wäre die Veranstaltung auf einem großen, bereits versiegelten Gelände wie z. B. dem Flugplatz in Mendig, viel besser aufgehoben. Apropos Flugplatz: Wie wäre es denn mit dem neuen Flugplatz BERLIN?

    Bis der vielleicht im Jahre 2050 mal eingeweiht wird, könnte man das Gelände dort sicher bestens nutzen. Seltene Tierarten haben sich dort auch noch nicht angesiedelt und stören würde es wohl auch niemanden.

    Und hört sich das nicht viel besser an? Rock in Berlin?!

  3. Huch – e sojätt – en Jlabbacch wed sesch oppjeresch.

    Em Holt hot dä Jesseklötsch Bude dat Dengen zem enkoope noch
    du’erjedrökk – nu jet et wigder möt dä Palaver em HQ.

    Also dat möt dä Radau on de Vüjel (Vögel) – dat stemmp!

    Esch vroden minne Enkel enns, wat do an dä Ring en de Eifel eso loss jeet.

    Wat deet dä? Dä kütt möt enne Lautspre’äker on det mesch dat enns hü’ere lote.

    On schon wu’ere minn Hönner vott – jenau eso flökk wie wenn esch de Hönner jät von dä Bude möt sinn Spedillisch (Gespielin) on SPD vr’tälle will.

    Dovon affjesenn – wenn se jät von de CDU ze hüüre krije send se jenau eso flökk vott.

    Nu soll also em HQ dä Radau lossjon – es dat nu jät vü’er de „Hörjeräteindustrie“ – oder jöff et do noch Angere, die sesch selever jät Jotts (Gutes) donn wolle?

    Die Lüüt send doch beklopp – do wed völl Jeld dovür bezallt, domöt se em beso’pe Kopp völl Jebröll on völl Bum Bum öm de U’ere (Ohren) jeknallt kriije.

    On Jlabbach? Do send bestemmp e paar von de Stadtklötsche, die meene, dat dat en jo’e Reklam vörr de Stadt es. (Mein Jott – wenn de Lüüt enns
    eruut kriije, wat dat Jlabbach vörr en bedrii’ete Leitung? Führung?

    oder wi dat eso heesche soll – hat……..

    Dä Lieberbersch soll enns sinne Naam rischtisch ensätte: Radau LIEBER op enne BERSCH.

    Tja – on wenn de Stadtklötsche enns wi’er eso rischtisch lossläje wolle, kösse se jo dr Hengisch (Hintern) en dä nöje Brunne em Reet halde, on dono möt dä naate Hengisch över de nö’e Ramp en dr Ratskeller rutsche, domöt die Klozzköpp enns „Behindertengerecht“ dem Ratskeller aan komme.

  4. Alles was die Kommentatoren hier thematisieren und schreiben ist absolut richtig.

    Ich kann diesen Hype um dieses Festival nicht nachvollziehen.

    Wem es Freude macht sowas zu besuchen, kann das ja gerne tun.

    Einfach mal auf Google Maps das Gelände am Nürburgring ansehen und dann das im JHQ. Der Nürburgring ist etwas ganz anderes als Mönchengladbach. Allein ein Campingplatz für bis zu 80.000 oder mehr Menschen!

    Hat sich mal jemand der Verantwortlichen die Dimensionen vor Augen geführt? Das ist eine Stadt!!

    Davon abgesehen, dass es doch nicht sein kann, dass man sowas in die Stadt holt! Die Menschen, die dort rundherum leben und schon lange vor dieser Schnapsidee dort lebten, müssen dann alles hinnehmen, weil eine Spaßgesellschaft und einige, die daran verdienen (Provisionen?) solch ein „Event“ unbedingt haben müssen.

    Was bringt das Mönchengladbach? Soviel wie Borussia Mönchengladbach?

    Wie leicht sich Politiker, ja sogar der neue Oberbürgermeister (den ich für bodenständiger und realistischer gehalten habe), für so etwas einspannen lassen! Ich bin wirklich fassungslos.

    Diese Stadt braucht Arbeitsplätze. Richtige, qualifizierte Arbeitsplätze, aber keinen Wanderzirkus.
    Nur weil eine bestimmte Szene derartige „Events“ toll findet, muss doch nicht jegliche Vernunft und sachliche Überlegungen über Bord geworfen werden.

    Welche Kosten kommen auf die Stadt hinsichtlich Polizei und Feuerwehr zu? Was ist mit Sanitätern, Ärzten? Zahlt das auch der Veranstalter oder fühlt sich die Stadt „geehrt“ das bezahlen zu dürfen?

    Ich bin zwar nicht betroffen, finde aber, dass die Grenze der Zumutbarkeit gerade für die Anwohner absolut überschritten wird.

    Auch was die Natur und Tierwelt anbelangt, kann ich mir nicht vorstellen, dass sich die Tiere genauso begeistert zeigen wie die Politiker. Tagelang Krach, Dauerbeschallung und Scheinwerferlicht – das wird die Tiere aber hoch erfreuen! O.k. sind ja „nur“ Tiere. So scheinen viele zu denken und ziehen alles gerne ins Lächerliche.

    Das ist aber keinesfalls lächerlich. Hat einer dieser euphorisierten Politiker vielleicht ein Haustier, z.B. Katze oder Hunde? Wie reagieren diese z.B. an Sylvester? Oder bei richtigem Radau oder z.B. Martinshorn? Für diese Haustiere hat man Verständnis und Mitleid. Die da draußen im JHQ sollen sich mal nicht so anstellen, wenn dort eingefallen wird wie die Vandalen.

    Mir braucht keiner erzählen wollen, dass es dort gesittet und naturverträglich zugehen würde. Es gibt genügend im Internet zu besichtigen und zu lesen. Wem sowas Freude macht … ! Ich bin sicher altmodisch, aber mich schreckt das ab.

    Sowas mitten in eine Stadt zu holen ist einfach unmöglich. Wo soll der Gewinn für diese Stadt liegen?

    Wo gibt es dazu konkrete Zahlen? Hat überhaupt mal jemand aus Politik und Verwaltung daran einen Gedanken verschwendet? Wenn ja, wird man uns doch endlich mal was dazu liefern können, statt nur immer zu tönen wie toll das für die Stadt angeblich ist.

    Wenn wirklich jemand, wie immer erzählt wird, die Bedenken der Bürger ernst nimmt, wäre es an der Zeit diese mal durch Fakten zu überzeugen. Was sich von diesem Festival versprochen wird, möchte ich wirklich endlich mal erfahren.

    Was die RP schreibt ist für mich nicht nachvollziehbar. Träumen die schon von gut bezahlten Inseraten?

  5. …allenfalls wäre ein Termin ab Ende Juli denkbar …

    …kann das JHQ nicht in dieser Form als Festivalgelände befürwortet werden …

    Bei allem Respekt vor der zeitraubenden praktischen Arbeit des Naturschutzbundes wurden in der Stellungnahme nach Aufzählung vieler vollkommen richtiger entscheidender Ausschlussfaktoren überflüssige aber sachlich unhaltbare Hintertürchen eingebaut, die sich unter den vorher verantwortlich durchdachten ökologischen Gesichtspunkten verbieten.

    Gerade so, als ob man Angst vor den logischen Schlussfolgerungen des eigenen, sehr fundierten Wissens und der eigenen Courage hätte.

    Prompt greift natürlich die RP – MG vom 03.07.14 allein dieses Hintertürchen der Verschiebung auf Termine ab Ende Juli plakativ heraus und die Politik verspricht auch brav, diesen Hinweis in die Überlegungen einzubeziehen…

    Große Teile des JHQ-Areals waren über Jahrzehnte militärisches Sperrgebiet, in das kein einziger Naturschützer je erlaubterweise einen Fuß hat setzen dürfen.

    Demzufolge sind die Kartierungen der dort wild lebenden Tiere und der Pflanzenwelt allein schon aus diesem Grund nicht vorhanden oder unvollständig.

    Die listig von interessierter Seite vorsorglich verstreute Beruhigungspille heißt „Verträglichkeitsprüfung“ – Nach (!) dem Event …

    Es wird also versprochen, im Nachhinein zu messen, welche Veränderungen das ins Blaue/ Grüne hinein genehmigte Geschehen an Fauna, Flora, Fließgewässer, Grundwasser und menschlichem Befinden verursacht hat.

    Wie soll das überhaupt seriös wissenschaftlich und damit erforderlichenfalls gerichtsfest geschehen können, wenn der ökologische Zustand vor dem Festival wegen der geschilderten militärischen Vergangenheit für jedermann weitestgehend unbekannt war und heute noch ist?

    Ich habe nichts Grundsätzliches gegen derartige Festivals, wenn die ökologischen und ökonomischen Voraussetzungen in angemessener Zeit vorher objektiv wissenschaftlich ermittelt, geprüft und von unabhängigen Fachleuten positiv beschieden wurden.

    Es reicht schon, dass kurz vor Vertragsunterzeichnung noch kein einziger unserer MG-JHQ- Rock euphorisierten Politiker bisher nachvollziehbar hat darlegen können, wie die enormen Vorlaufverluste des Sicherungskonzeptes und dgl. überhaupt jemals in einen fiskalischen Gewinn für den Mönchengladbacher Stadthaushalt enden könnten.

    Für eine Pleite – Stadt nicht schlecht. Man kann es ja (wieder) mal mit Zocken versuchen.

    Zur Erinnerung:

    Das Gelände gehört dem Bund – also gibt es keine Pachteinnahmen. Auch zahlen fliegende Händler von ihren Gewinnen in Mönchengladbach keine Gewerbesteuer u. s. w.

    Verantwortungsbewusster Naturschutz besteht insbesondere in ausgewiesenen Fauna-Flora-Habitat (FFH) -Gebieten (Richtlinie 92/43/EWG) aus konsequenter Vorsorge unter Beweissicherung durch vollständige Kartierungen und beginnt nicht erst bei Schadensaufnahme von Umweltbelastungen nach einem ökologisch ausgewiesen riskanten Event, für die es ohne vorherige Statusfeststellung jede Menge Ausreden geben kann und wird.

    Über eine Zustimmung zur dieser Veranstaltung ab Ende irgendeines zukünftigen Juli könnte unter optimalen Arbeitsbedingungen in beiden Arbeitsfeldern frühesten in 2015, eher erst in 2016 bürger- und naturverantwortlich entschieden werden.

    Bis dahin ist Herr Lieberberg weitergezogen.

    Insbesondere auch der NABU – Mönchengladbach hat die fachliche Qualifikation, sich mit fundiertem Fachwissen in seinem Kernkompetenzbereich viel entschiedener in politische Diskussionen einzumischen.

    Wissen schafft Macht!
    (und schützt auch die Natur)

  6. Die Stellungnahme des NABU Mönchengladbach ist eindeutig. Ohne weitreichende, umfassende Gutachten zur Umweltverträglichkeit der Großveranstaltung im HQ läuft gar nichts. Dass eine solche Untersuchung eine Menge an Zeit braucht, ist auch klar.

    Den Termin 1. Halbjahr 2015 für die Krachorgie im HQ kann Organisator Lieberberg wohl aus dem Kalender streichen.

    Man braucht sich nur mal die aktuellen Fotos von Rock am Ring 2014 anzuschauen, um zu sehen wie dort die Gegend verschandelt und zugemüllt wurde.

    Betrunkene Dauercamper achten eben nicht auf Sauberkeit und Umwelt. Spaßhaben um jeden Preis ist die Devise.

    Dass die Umwelt vor die Hunde geht: Was solls?

    Man kann nur hoffen, dass es den Verantwortlichen bei der Stadt Mönchengladbach langsam dämmert, welche Probleme man sich mit der Krach- und Müllveranstaltung ans Bein gebunden hat.

    Ausserdem:

    Hat bei der Stadt Mönchengladbach überhaupt mal jemand Kosten und Einnahmen gegengerechnet?

    Die Vermutung liegt nahe, dass die Kosten der Veranstaltung die Einnahmen bei weitem übersteigen. Und wer zahlt dann im Endeffekt die Zeche? Na klar, der Bürger, wer sonst.

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