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Grüne zum Spielplatzbedarfsplan: „Interessen von Kindern und Jugendlichen kommen unter die Räder“

Dr. Gerd Brenner [ - Uhr]

Für Kinder und Jugendliche werden die Bedingungen für das Spielen im Freien seit Jahren immer schlechter. Und viele Kommunen verschlimmern diese Situation weiter.

Und Mönchengladbach ist mittenmang dabei.

Diesen Vorwurf erhebt aktuell das Deutsche Kinderhilfswerk.

Das Kinderhilfswerk schreibt: „Kommunale Spielplätze werden teilweise oder vollständig rückgebaut, informelle Spielorte wie Brachflächen werden der Nachverdichtung und dem Straßenausbau geopfert. […] Nicht zu reparierende Schäden in der Stadtplanung gehen oftmals zu Lasten von Kindern und Jugendlichen, für die Freiflächen und Spielmöglichkeiten wichtig sind und nicht verloren gehen dürfen. […] Auch die Stadtplanung hat sich laut UN-Kinderrechtskonvention am Vorrang des Kindeswohls zu orientieren.“

In Mönchengladbach spricht die Ratsmehrheit von einer „wachsenden Stadt“.

Aber die Flächen für Kinder und Jugendliche wachsen nicht mit.

Im Gegenteil: Jetzt sollen reihenweise Kinderspielplätze geschlossen und die Flächen anderen Wachstumsinteressen geopfert werden.

Viele Spielflächen wurden in letzter Zeit kaum gepflegt und sind in einem beklagenswerten Zustand; dazu fehlte das Geld.

Natürlich kann in einer sich entwickelnden Stadt auch mal der eine oder andere der 250 städtischen Spielplätze rückgebaut werden.

Entbehrlichkeitsprüfungen einzelner Plätze sind angesichts der angespannten Haushaltslage der Stadt sinnvoll.

Aber als großflächiges Konzept taugt ein Rückbauansatz nicht. Genau dieses massive Rückbaukonzept schlägt die Verwaltung aber jetzt vor: Von einer „flächendeckenden Versorgung mit Spielplätzen“ will sie sich prinzipiell verabschieden.

Statistisch hat die Verwaltung dazu eine Mangel- in eine Überschusssituation verwandelt: Die Quadratmeterzahlen, die jedem Kind und Jugendlichen zur Verfügung gestellt werden sollen, wurden gegenüber der letzten Planung von 1990 um etwa ein Viertel herabgesetzt.

Zusätzlich wurden drei ganze Altersgruppen (13- bis 16-Jährige) aus der Bedarfsplanung herausgenommen.

So konnte rein rechnerisch ein Versorgungsgrad von weit über 100% dargestellt werden.

Zwar findet man in dem Plan der Stadt die begrüßenswerte Festlegung, dass „mindestens 95% aller Kinder der Zielgruppe einen Spielplatz in höchstens 400 m von ihrem Zuhause“ finden sollen.

Mit dem vorliegenden Spielplatzbedarfsplan lässt sich jedoch gar nicht nachweisen, dass das überall der Fall ist.

Und in manchen Wohngebieten gibt es eine solche Vorsorgung auch gar nicht mehr.

Der Grund: Die Rasterung für die Bedarfsermittlung ist sehr großflächig.

Dabei werden ganze Neubauareale einfach statistisch nivelliert: Ihr Bedarf ist gar nicht mehr feststellbar, weil sie mit relativ gut versorgten Bereichen in einen Topf geworfen und gemeinsam statistisch ausgewiesen werden.

Schon die Tatsache, dass seit 2009 in der ganzen Stadt „lediglich zwei Spielplätze neu errichtet“ worden sind, lässt vermuten, dass die Spielplatzversorgung in der Stadt der Wohnbebauung der letzten Jahre nicht mehr hinterhergekommen ist.

Da die einzelnen Wohnquartiere in der vorgelegten Bedarfsplanung gar nicht einzeln ausgewiesen worden sind, werden die zunehmenden blinden Flecken in der Stadt, in denen junge Familien einen Spielplatz „in höchstens 400 m von ihrem Zuhause“ vergeblich suchen, gar nicht mehr sichtbar.

Das ist z.B. in den gesamten Neubaugebieten zwischen Tomper Straße, Vorster Straße, Hardter Landstraße, Tomphecke und B 52 der Fall.

Aber auch ganze Stadtteile sind deutlich unterversorgt. Selbst bei den gegenüber 2009 deutlich herabgesetzten Quadratmeter-Bedarfszahlen pro Kind ergibt sich für Gladbach nur eine Versorgungsquote von 48%.

Auch Waldhausen (33%), Hardterbroich/ Pesch (44%), Rheydt (35%), Hockstein (53%), Grenzlandstadion (14%), Schmölderpark (53%) und Holt (52%) sind kaum angemessen versorgt.

Ein Problem: „In den zentralen Stadtteilen Mönchengladbach und Rheydt finden sich kaum noch bebauungsrechtlich abgesicherte Flächen, die als Spielplätze ausgebaut werden können,“ lautet eine Feststellung im aktuellen Spielflächenbedarfsplan.

Dass die Stadt angesichts dieser deprimierenden Problemanzeige jetzt ein Konzept vorlegt, das nicht etwa zusätzliche Spielflächen für Kinder und Jugendliche sichert, sondern vorhandene Flächen zugunsten anderer Nutzungen aufgibt, ist ein starkes Stück.

Der Auftrag an die Fachleute im Jugendamt war allerdings klar: „Aufgabe der Fachverwaltung ist es, die aufzugebenden Flächen/Spielplätze konkret zu benennen und die erforderliche Begründung darzulegen“.

Dann geht es an die Verwertung: Es „sollte grundsätzlich eine Prüfung erfolgen, inwiefern die aufgegebenen Spielplätze ‚vermarktungsfähig’ sind“.

Fazit: Der neue Spielplatzplatzbedarfsplan der Verwaltung folgt an entscheidenden Stellen nicht mehr in erster Linie den Bedürfnissen von Kindern, Jugendlichen und jungen Familien, sondern sorgt dafür, dass Wohnungsbau-Investoren Bau- und Parkflächen verkauft werden können und dass Privatleute die Möglichkeit erhalten, ihre Gärten zu erweitern. Junge Familien, Kinder und Jugendliche kommen unter die Räder.

3 Kommentare zu “
Grüne zum Spielplatzbedarfsplan: „Interessen von Kindern und Jugendlichen kommen unter die Räder“”
  1. @ Rademacher

    Hier ist der Text des Liedes der Bläck Fööss über die störenden Pänz/Kinder:

    Pänz, Pänz, Pänz – Songtext

    Spille mer em Huus oder och em Keller,
    Et es janz ejal wie mer et mät.
    Ob mer sich no zänk oder leis deit schwaade,
    Kütt dann janz bestemmp einer dä sät:

    Pänz, Pänz, wo mer jeit un steit nur Pänz, Pänz, Pänz.
    Maat üch fott, he hat ehr nix verlore.
    Ihr verdammte Pänz,
    Ihr verdammte Pänz.

    Spille mer em Park en de Jrönanlage,
    Schmieße decke Stein en d’r Rhing eren.
    Jo do bruche mer ja nit lang ze waade
    Un et kütt von bovven widder die Stemm:

    Pänz, Pänz, wo mer jeit un steit nur Pänz, Pänz, Pänz.
    Maat üch fott, he hat ehr nix verlore.
    Ihr verdammte Pänz,
    Ihr verdammte Pänz.

    Einmol im Johr ävver is et anders,
    wenn d’r Papp d’r hillije Mann mäht.
    Dann sin mir de leevste Pänz op Ääde
    Un et jitt kin Minsch, der zo uns sät:

    Pänz, Pänz, wo mer jeit un steit nur Pänz, Pänz, Pänz.
    Maat üch fott, he hat ehr nix verlore.
    Ihr verdammte Pänz,
    Ihr verdammte Pänz,
    Dreckelije Pänz

  2. Das passt auch:

    Övverall nur Pänz (Wolfgang Niedecken & Bläck Fööss):

    https://www.youtube.com/watch?v=CGFxvDlMel0

    Text allein leider nicht gefunden.

  3. Ist Dezernent Dr. Bonin für diese „Planungen“ verantwortlich?

    Jemand muss doch das Ziel definiert und erklärt haben, wie es zu erreichen ist.

    War da wieder die MG-Devise: „ich wünsche eine Untersuchung mit folgendem Ergebnis“ ausgegeben worden?

    13- bis 16-jährige „fallen“ mal eben weg?

    Was soll für diese Altersgruppe überhaupt noch angeboten werden, denn die Jugendeinrichtungen wurden doch längst derart eingedampft, dass man noch vorhandene mit der Lupe suchen muss.

    Dann wundert man sich über problematische oder auffällig werdende Kinder und Jugendliche? WIRKLICH???

    WO sollen die sich noch aufhalten können/dürfen, gerade in diesem Alter. Da wird sich dann gewundert, dass die das Minto mit kostenlosem W-Lan und „Abhängmöglichkeiten“ für sich entdeckt haben oder dort auch schon mal Randale machen?

    Könnte man daraus nicht erkennen, dass da irgendwas in dieser ach so prosperierenden Stadt überhaupt nicht richtig läuft und offensichtlich fehlt?

    Wachsende Stadt und großes Getue und Gehabe, was aus dieser Stadt alles werden soll.

    Die üblichen Protagonisten von Dr. Bonin über Dr. Schückhaus, MG 3.0, IHK bis zum OB Reiners kriegen sich vor Begeisterung über ihr Denken und Tun im Elfenbeinturm schon gar nicht mehr ein und feiern sich gegenseitig. Brav unterstützt von der RP, die selbstverständlich über alles und jedes bereitwilligst berichtet und Jubelarien schreibt.

    Merkt von denen eigentlich noch jemand was?

    Besonders vermögende, gut ausgebildete Eltern sollen samt Sprösslingen in die Superstadt MG gelockt werden. MG soll für diese Zielgruppe interessant werden.

    Also nur solche, die sich ein entsprechendes Haus mit behütetem großen Garten leisten können und ihren Nachwuchs nicht mit Kindern von Hinz und Kunz oder gar ganz normalen Kindern nicht vermögender, nicht so optimal ausgebildeten Eltern ohne eigenen Garten spielen lassen wollen?

    Heißt es in MG + auch:

    „Spiel nicht mit den Schmuddelkindern, sing‘ nicht ihre Lieder …“

    https://www.youtube.com/watch?v=R_asUKHOAL8

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