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Mönchengladbacher „GroKo“ vernachlässigt die Interessen junger Familien • „mg+ – Wachsende Stadt“ bleibt ein Torso

Dr. Gerd Brenner • Gerd Schaeben [ - Uhr]

[29.06.2017] Junge Familien in Mönchengladbach haben es zurzeit schwer: Wenn eine Stadt den Eltern zumutet, beispielsweise einen Kindergartenplatz für ihr Kind einklagen zu müssen, dann läuft etwas falsch.

Vielen Familien gelingt es derzeit nicht, eine Wohnung zu finden, die zu einer wachsenden Familie passt und zugleich bezahlbar ist.

Wir meinen, die Ratsmehrheit von CDU und SPD muss mehr Bauprojekte auf den Weg bringen, die verträgliche Mieten gerade für junge Familien möglich machen.

 

Die Probleme für junge Familien sind vielfältig:

Zum Beispiel: Ungenügende öffentliche Spiel- und Aufenthaltsflächen

Seit Jahren gelingt es der Großen Koalition nicht, genügend wohnquartiersnahe Spielflächen für Kinder und Jugendliche angemessen herzurichten und auszustatten.

Ein dringend benötigter Spielflächenbedarfsplan wird von Jahr zu Jahr verschoben.

Die Verwaltung weiß inzwischen gar nicht mehr genau, wo der Bedarf der Eltern, Kinder und Jugendlichen an Aufenthaltsmöglichkeiten im öffentlichen Raum besonders groß ist.

Von einer bespielbaren Stadt ist Mönchengladbach vorerst weit entfernt; die städtische Tochter mags kann vorerst nur punktuell die auffälligsten Missstände beheben.

 

Zum Beispiel: Unerfüllte Rechtsansprüche auf Kita-Plätze

Über 2.000 Eltern und Alleinerziehende bekamen aktuell von der Stadtverwaltung die Mitteilung, dass sie den gewünschten Kindergartenplatz in Mönchengladbach in diesem Jahr leider nicht bekommen.

Damit löst die Stadt den Rechtsanspruch von Eltern auf einen Betreuungsplatz für ihre Kinder nicht ein.

Die Versorgungslücke wird immer bedrohlicher, weil CDU und SPD seit etlichen Jahren den Ausbau von Kitas sehr vernachlässigt haben.

Für viele junge Eltern wird ein Kind damit zum Handicap, in ihrem Beruf wieder Fuß zu fassen.

Zugleich wird die Misere in den Kitas zum Standortnachteil für die Stadt: In den meisten Kommunen im regionalen Umfeld ist die Versorgung mit Kitaplätzen viel besser; sie kostet die Eltern zudem auch noch weniger oder ist – wie in Düsseldorf – sogar ganz kostenfrei.

Dabei können Eltern, die auf Grund eines fehlenden Betreuungsplatzes einen Arbeitsplatz nicht antreten konnten, diesen Verdienstausfall auf dem Rechtsweg gegen die Stadt geltend machen.

Zuletzt noch hatte ein Verwaltungsgericht in einem Urteil Eltern deswegen eine Entschädigung von 20.000 Euro zugesprochen.

 

Zum Beispiel: Mangelhafte Ausstattung mit Plätzen des „Offenen Ganztags“

Viele berufstätige Eltern, die für ihr Kind einen Kita-Platz mit ausreichender zeitlicher Betreuung ergattern konnten, fallen dann mit dem Eintritt des Kindes in die Grundschule wieder in ein tiefes Loch: Sie bekommen in Mönchengladbach keinen OGS-Platz (Offener Ganztag) und müssen ihr Kind bereits mittags wieder aus der Schule abholen.

Familie und Beruf können sie dann nicht mehr vereinbaren. Für die OGS, die eine Betreuung des Kindes – wenn gewünscht – bis 16.00 Uhr oder länger garantiert, fehlen an den Schulen in Mönchengladbach mindestens 500 Plätze.

Deshalb gibt es lange Wartelisten.

Das ist deswegen besonders unverständlich, weil das Land die laufenden Kosten für die OGS finanziert. A

uch für die nötigen Baumaßnahmen gäbe es zur Zeit Finanzmittel.

Die Stadt nutzt die Chancen aber nicht ausreichend und lässt die Landesmittel an Mönchengladbach vorbeifließen – zum Schaden junger Eltern.

 

Zum Beispiel: Hunderte Ganztagsschulplätze der Sekundarstufe I fehlen

Leider endet das Dilemma der ganztägigen Versorgung und Betreuung von Kindern aus belasteten Familien nicht nach der Kita oder der OGS.

Es setzt sich fort in der Sekundarstufe I, in der in Mönchengladbach Hunderte Ganztagsschulplätze fehlen.

Jedes Jahr werden über 300 Schülerinnen und Schüler allein von den sechs Städt. Gesamtschulen abgewiesen, für das Schuljahr 217/18 sind es 348: Kinder, die in belasteten familiären Verhältnissen leben, haben nur dann eine Chance, wenn sie in qualitativ guten Kitas, Grundschulen und Schulen der SEK I im Ganztagsbetrieb bzw. mit Nachmittagsbetreuung viele Anregungen für ihre Lern- und Persönlichkeitsentwicklung bekommen.

Auch weil dies in Mönchengladbach bisher nicht in ausreichendem Maß gelingt, werden viele Kinder und Jugendliche in der Bildungskette abgehängt und erreichen nicht einmal einen Schulabschluss.

 

Zum Beispiel: Überdurchschnittliche hohe Quote bei Schülern ohne Hauptschulabschluss

Mönchengladbach hatte in NRW mit 8,3 % im Jahr 2015 eine der höchsten Quoten von Schülerinnen und Schülern ohne Hauptschulabschuss.

Diese Zahl hat sich im Jahr 2016 zwar auf 6.7 % reduziert, sie liegt aber immer noch um 1.4 % über dem NRW-Landesdurchschnitt von 5.3 %.

Das ist eine schwere Hypothek für die Sozialstruktur und gerade für die schwächeren Familien in unserer Stadt.

 

Fazit:

Das GroKo-Konzept „Wachsende Stadt mg+“ bleibt ein Torso, wenn in Mönchengladbach nicht auch die Sozial- und Bildungs-Infrastruktur kräftig mitwächst.

Die politischen Entscheidungen, die dazu notwendig sind, müssen die sozialen und bildungspolitischen Bedürfnisse junger Familien mit Kindern und geringeren Einkommen in besonderer Weise berücksichtigen.

Nur so werden Kinder aus sozial-schwachen Familien nicht abgehängt und die Schere für die gesellschaftlichen Chancen von Kindern aus besser gestellten jungen Familien und armen Familien immer stärker auseinandergehen.

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