Symptome der Macht – Teil III: CDU-Parteitag mit faustdicken Überraschungen, Post hat 3 Eklats zu verkraften

Red. Politik & Wirtschaft [ - Uhr]

„CDU. Für Mönchengladbach. Die Stadt der Chancen.“ Unter diesem Titel will die Mönchengladbacher CDU in den Kommunalwahlkampf bis zum 7. Juni ziehen. Innerparteiliche Harmonie beschwörend eröffnete Norbert Post, Vorsitzender, Spitzen- und zugleich Oberbürgermeisterkandidat der CDU die Kreisvertreterversammlung zur Aufstellung ihrer Kommunalwahlkreiskandidaten.

Doch alle Beschwörungen halfen wenig, die Zerrissenheit der Mönchgladbacher CDU bleibt unverkennbar.

Post wollte, dass von dieser Veranstaltung drei Signale ausgehen sollten: Erstens die Kandidatenliste für die 33 Wahlbezirke der Stadt, zweitens die Beendigung der unerfreulichen Auseinandersetzungen innerhalb der CDU und drittens das Kommunalwahlprogramm.

Er stellte einen anstrengenden Wahlkampf in Aussicht, in dem jeder Gewählte hart zu arbeiten habe („Jeder kritt en Schöpp in die Hand“) und forderte die Einlösung des Versprechens, dass im die Delegierten am 14. Oktober gegeben hatten: „Einer für alle, alle für Einen“.

Während das „3. Signal“ den Delegierten Schwarz-auf-Weiß vorlag, waren die beiden ersten sicherlich nicht das, was sich der CDU-Vorstand so vorgestellt hatte.

Vor Beginn der Wahlgänge überraschte JU-Vorsitzender Daniel Bauer die Anwesenden, besonders aber den Sitzungspräsidenten Dr. Detlef Irmen mit einer Wortmeldung, die zu einer Art Aufarbeitung der letzten turbulenten Wochen innerhalb der CDU wurde.

Da diese Wortmeldung möglicherweise für das Abstimmungsverhalten der Delegierten wichtig zu sein schien, ließ Irmen die Wortmeldung, die nicht auf der Tagesordnung stand, zu.

Damit wollte Irmen ganz offensichtlich einen Eklat verhindern, nicht ahnend, was sich im Laufe der Veranstaltung noch alles ereignen würde.

Zu Beginn zog Bauer das Fazit, dass diese Wochen sehr lehrreich für die JU gewesen seien und stellte klar, dass es keineswegs stimme, dass Torsten Terhorst seine CDU-interne Kandidatur gegen Rolf Besten „aus beruflichen Gründen“ zurückgezogen habe (BZMG veröffentlichte die CDU-Pressemitteilung).

Vielmehr sei es darum gegangen, dass Rolf Besten im neuen Rat nicht mehr die Fraktion führen solle und nachdem dieser dies zugesagt habe, habe Terhorst von seinem Vorhaben, gegen Besten anzutreten, abgelassen.

Über die weiteren Ausführungen von Bauer wird BZMG an anderer Stelle noch berichten. Das war der 1. Eklat, durch den Vorstand, Sitzungspräsidium und die 154 Delegierten kalt erwischt wurden.

Bei der Wahl der ersten 6 Direktkandidaten lief alles nach Plan. Dann gab es die erste faustdicke Überraschung. Im Wahlkreis 7 Windberg-Süd/Waldhausen kandidierten die Architektin Annette Bonin und Ex-Oberbürgermeister-Kandidat Stefan Wimmers gegeneinander an. Wie bei solchen Situationen wohl üblich bat Versammlungspräsident Irmen die beiden Kandidaten, sich vorzustellen.

Mit kurzen und prägnanten Worten stellte sich (weil alphabetisch vorne) die 47-jährige Architektin Annette Bonin vor, beschrieb ihren beruflichen und politischen Werdegang und betonte, dass sie sich im Falle einer Wahl nicht als „Quotenfrau“ in der CDU-Ratsfraktion sehe, sondern lediglich dazu beitragen würde, den Frauenanteil „deutlich zu erhöhen“.

Ihr folgte in der Vorstellung Stefan Wimmers, der 2004 als OB-Kandidat Norbert Bude (SPD) unterlegen war.

Und es war eine eindrucksvolle Vorstellung, die Wimmers „ablieferte“. Auch der ebenfalls 47-jährige Rechtsanwalt für Medienrecht und Referent für dieses Thema an der FHN beschrieb seine politische Karriere, seine Funktionen innerhalb und außerhalb der Partei und bezeichnete sich als „braver Parteisoldat“. Seine breit angelegte Rede dauerte (gefühlte) 15 Minuten, so dass sich ein Delegierter zu der Äußerung veranlasst sah: „Geht das nicht kürzer?“

Wimmers ließ sich davon nicht beirren und setzte seinen „Vorstellungsvortrag“ fort. Kurz vor dem erwarteten Ende, wurde deutlich, dass das nicht die „Vorstellung“ eines Kandidaten war, der gewählt werden wollte, sondern eine weitere, massive „innerparteiliche Abrechnung“, mit der Konsequenz, dass Wimmers seine Kandidatur zurückzog und die Delegierten bat, ihn von der Liste zu streichen. Eklat Nr. 2 war geboren.

Somit stand nur noch Annette Bonin zur Wahl für den Wahlkreis 7 Windberg-Süd/Waldhausen zur Verfügung. Die Delegierten gaben ihr nur 64% der Stimmen, was aber kaum weitere Beachtung fand.

Die Wahl des Direktkandidaten für die Wahlkreis 11 Eicken-Süd/KFH schien in Ruhe ablaufen zu können.

Auch hier hatten sie Delegierten zwischen zwei Kandidaten zu entscheiden, nämlich den altgedienten Reiner Brandts (68) und CDU-Fraktionsgeschäftsführer Hans Wilhelm Reiners (53). Auch ihnen blieb eine Vorstellung nicht erspart.

So beschrieb als erster Brandts (wieder alphabetische Reihenfolge) seine Verdienste für Mönchengladbach, seine Funktionen innerhalb der Partei, sparte dabei nicht an Eigenlob und betonte sein“ Wissen um die Verhältnisse“.

Reiners, nach auswärtigen Aufenthalten seit 16 Jahren wieder in Mönchengladbach, war stellvertretender Redaktionsleiter der Mönchengladbacher RP (Rheinische Post) und empfahl sich als „Teamplayer“ im Post’schen Achter (in Anlehnung an die stärkste Ruderdisziplin), worin dieser (Post) der Steuermann sei.

Das solche Steuermänner meist „Leichtgewichte“ seinen, brachte Reiners einige Lacher ein.

Weder diese Lacher, sondern sein Zitat „Fürchte Dich nicht vor dem Vorwärtsgehen, fürchte Dich vor dem Stehenbleiben“ dürften bei seinem eindeutigen Sieg von 88 gegen 59 Stimmen (Brandts) den Ausschlag geben haben. Da müssen ganz andere Gründe eine Rolle gespielt haben: Eklat Nr. 3.

So war auch Torsten Terhorst überrascht. Der hatte vor der Wahl gegenüber BZMG erkennen lassen, dass für Brandts wohl „alles klar“ sei.

Nach diesem überraschenden Sieg von Hans Wilhelm Reiners konnte man bei Terhorst erkennen, dass er jetzt möglicherweise weiter in Mönchengladbacher CDU tätig sein würde, wo er nicht mehr auf Brandts Rücktritt warten muss.

Denn mit Reiners hat Terhorst nach eigenem Bekunden gegenüber BZMG immer schon gut zusammen gearbeitet.

Die weiteren Kandidaten wurden unspektakulär „en bloc“ gewählt, auch Rolf Besten. Der wird nun als ganz „normaler“ Ratsherr (sofern ihn die Bürger auch wählen) in den Rat einziehen und froh gewesen sein, dass er nicht mehr gegen Torsten Terhorst hatte antreten müssen.

Denn nach Lage der Dinge wäre auf dieser CDU-Kreisvertreterversammlung eine weitere Niederlage eines „Etablierten“ nicht ausgeschlossen gewesen.

Nun bleibt abzuwarten, wie viele Direktmandate die CDU bei der Kommunalwahl im Juni wirklich erstreitet. Reiner Brandts hätte (rechnerisch) vom Platz 7 der Reserveliste nur dann noch eine Chance wieder in den Rat einzuziehen, wenn die CDU sechs Direktmandate verliert. Darüber zu spekulieren, ist natürlich noch zu früh.

Kaum zur Spekulation dürfte gehören, was auch Mitglieder der JU gegenüber BZMG befürchteten, nämlich, dass die CDU sich auf „erdrutschartige“ Verluste einstellen müsse.

Zu groß und zu nachhaltig seien die Fehler gewesen, die die CDU in der Vergangenheit gemacht hätte.

Man rechnet mit erheblichen Abwanderungen in Richtung FWG und B90/Die Grünen, weniger aber in Richtung SPD.

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