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Stichwahl zwischen Hans Wilhelm Reiners (CDU) und Norbert Bude (SPD) keine Überraschung • Kurz-Interview mit dem CDU-Kandidaten

[1]Wer vor der gestrigen Wahl geglaubt hatte, es würde nicht zu einer Stichwahl um das Amt des Mönchengladbacher Oberbürger­meisters kommen, muss schon sehr weit entfernt von der Mönchengladbacher Kommunalpolitik „verortet“ gewesen sein.

Dass die Junge Union, nach dem sicherlich berechtigten ersten Feiern im Rheydter Ratskeller ob des CDU-Erfolges, nach dem Erscheinen des vorläufigen Endergebnisses der OB-Wahl in frenetischen Jubel ausbrach, muss man ebenfalls dazu zählen.

Oder hatte man etwa geglaubt, dass Reiners oder Bude im 1. Wahlgang mehr als 50% der abgegebenen Stimmen auf sich vereinigen würden?

Diesen Optimismus hatte nicht einmal Hans Wilhelm Reiners, mit dem wir im Verlauf des Wahlabends ein kurzes Interview führten:

BZMG: Herr Reiners, wie ist Ihre Einschätzung der momentanen Tendenz der Wahlergebnisse?

Hans Wilhelm Reiners: Man muss sehen, woher wir gekommen sind. Wenn wir sehen, dass der Amtsinhaber 9 Prozentpunkte seit der letzten Wahl verliert und weit entfernt von 50% ist, dann ist das, wenn man knapp dahinter liegt, schon ein Riesenerfolg.

Und eine Situation, in der ich sehr zuversichtlich bin, was die Stichwahl-Phase anbelangt.

Da sind eine Menge Stimmen bei den anderen OB-Kandidaten geblieben und das unabhängig davon, ob es Wahlempfehlungen gibt oder nicht. Ich mag nicht daran glauben, dass dies für den Wähler so entscheidend sein wird.

Da muss man schon mit eigenen Argumenten und Stärken zu punkten versuchen.

BZMG: Welche möglichen Kooperationen sehen Sie?

Reiners: Wir haben ganz klar gesagt, dass wir heute Abend nicht darüber spekulieren, „wer mit wem kann“. Rechnerisch sind für uns zwei möglich.

BZMG: Welche würden Sie präferieren?

Reiners: Das kann ich heute nicht sagen. Es kommt darauf an, ob man erkennen kann, dass eine vernünftige Zusammenarbeit möglich ist. Zunächst gilt es, die thematischen Schnittmengen festzustellen und dann schaut man sich die handelnden Personen an, ob die miteinander auskommen können. Das ist aber für mich eines von zwei Themen.

Ich will zunächst einmal das OB-Thema zu Ende bringe. Von daher werde ich mich nicht zu Präferenzen äußern, wie sich die Partei später entscheiden könnte.

Ich möchte nicht in die Rolle kommen, wie beim letzten Mal Norbert Bude, von einer eigenen Mehrheit zu sprechen.

BZMG: Sie müssen natürlich auch ins Kalkül ziehen, dass bei der letzten Stichwahl 2004 nur 31% zur Wahl gegangen waren. Wie kann man so etwas kompensieren?

Reiners: Wahlkampf in der Stichwahlphase ist ein großes Stück Mobilisierungswahlkampf mit Blick auf eigenes Wählerpotenzial. Man kann ja nicht mit völlig neuen Themen aufwarten. Man würde sich unglaubwürdig machen, weil die Wähler dann sagen würden, wieso hast du das nicht vorher schon mal thematisiert?’

Das wird ein starker Persönlichkeitswahlkampf. Es geht am Ende immer um die Frage, wem trauen die Wähler zu, die Stadt zu führen.

BZMG: Vielen Dank Herr Reiners.

2 Kommentare (Öffnen | Schließen)

2 Kommentare Empfänger "Stichwahl zwischen Hans Wilhelm Reiners (CDU) und Norbert Bude (SPD) keine Überraschung • Kurz-Interview mit dem CDU-Kandidaten"

#1 Kommentar von gladbacher am 27. Mai 2014 @ 10:42

Wem trauen wir also am ehesten zu die Stadtverwaltung zu führen?

Keinem.

Wem trauen die eigenen Leute am ehesten die Führung zu?

Zumindest in der SPD seh ich einen Generationenwechsel mit einem tatsächlich jungen Mann, der vermutlich noch was politisch werden will. Und der deshalb eigene Akzente setzen muss ohne Verstrickungen. Vielleicht gibt es ja zumindest in der SPD so was wie in Monheim.

So ein Kopfwechsel funktioniert allerdings nur, wenn auch der alte Kopf weg ist.

Also kann es nur für aufrührerischen Genossen heißen: hauptsache Bude ist weg – damit die Partei wieder an Profil gewinnen kann.

#2 Kommentar von Stadtfilzer am 27. Mai 2014 @ 14:13

@ gladbacher

Richtig. Keiner der beiden Kandidaten ist wirklich geeignet. Wie auch!

Von Bude hatte „man“ sich erhofft, dass er was von Verwaltung versteht … von Reiners erhofft man nun, dass er, im Gegensatz zu seinem Mitbewerber, vielleicht (hoffentlich) mehr drauf hat.

In Teilen wird er sicher ein würdigerer Vertreter des Amtes und der Stadt sein. Was die Verwaltungsarbeit und Rat anbelangen werden wir in einem Jahr schon mal etwas mehr wissen. Oder auch nicht.

So ist das nun mal bei einer Wahl zwischen dem kleineren und größeren Übel.

… und für dieses Experiment mit ungewissem Ausgang zahlen wir als Bürger gar nicht schlecht. Nix Probezeit. Wir löhnen bis 2020. Für gute oder schlechte Leistung.

Genauso wie wir es bereits die letzten fast zwei Jahrzehnte taten (Bartsch/CDU 8 Jahre, Bude/SPD 10 Jahre). Außer Spesen nichts gewesen. Obendrauf noch Stillstand in der Verwaltung.

In der freien Wirtschaft ein absolut unvorstellbarer Vorgang!

So ist das leider, wenn nur Parteibücher entscheiden und keine wirkliche, qualifizierte Konkurrenz existiert.