Lern- und Lebensraum Grundschule: FDP-Offensive auf Kreisparteitag 2015 • Bemerkenswert detaillierte Analyse als Grundlage [mit Video]

Bernhard Wilms [ - Uhr]

„Nach 12 Jahren Schulausschuss ist man noch lange keine Expertin in der Sache“, bekannte die FDP-Fraktionsvorsitzende im Rat am 07.03.2015 vor 40 Mitgliedern auf dem FDP-Kreisparteitag am gestrigen Samstag (07.03.2015) im Haus Loers in Venn.

Anlaß war ihr Antrag mit den Titel „Lern- und Lebensraum Grundschule“, den sie gemeinsam mit FDP-Ratsfrau Natascha Stephan zur Abstimmung vorlegte.

Es waren das erst sieben Monate andauernde Erleben der Grundschule mit ihrem „Ältesten“ und die Erlebnisse davor, die sie zu einer bemerkenswerten Analyse veranlasste, in die auch die 3-jährigen Erfahrungen von Natascha Stephan mit einflossen.

Mit den vier eng beschriebenen Antragsseiten und diversen Ergänzungsanträgen aus dem Plenum, hat sich nun die Fraktion der FDP damit zu befassen und daraus entsprechende politische Anträge zu entwickeln. Diesen Auftrag erteilten die Mitglieder einstimmig.

Jedes der Einzelthemen zeigt Unzulänglichkeiten in den Mönchengladbacher Grundschulen, teilweise aber auch „im System“ auf und wird ein um das andere Mal dem Schuldezernenten Dr. Gert Fischer (CDU) Erklärungen abverlangen, die weit über das Liefern statistischer Daten und konzeptionelle Überlegungen zur Auflassung und Zusammenlegung von Grundschulen hinaus gehen.

Aus der Beschreibung der Ist-Situation der Betreuung in Mönchengladbacher Grundschulen mit den Stichworten „Offene Ganztagsschule“ und „Schulische Betreuungsmaßnahmen“ identifizierten Finger und Stephan ganz konkrete Handlungsfelder, die sich u.a. mit diesen Themen befassen:

  • Betreuungszeiten, Planungssicherheit der Betreuung
  • Mittagessen
  • Ausstattung der Außengelände
  • Vernetzung von Grundschule und Jugendhilfe
  • Schulbibliothek, Internetanschluss und Computernutzung
  • Bauliche Gegebenheiten

Bei den Betreuungszeiten verglichen Finger und Stephan die in Kindergärten mit den aktuellen Betreuungszeiten in den Grundschulen und forderten eine Ausweitung des Angebotes in den Randzeiten“, also vor 8:00 Uhr und bei OGS (auch: OGATA) über 16:00 Uhr hinaus.

Die FDP wird fordern, die nötige Infrastruktur für das Angebot von warmen Mittagessen an allen noch nicht ausgestatteten Grundschulen herzurichten und dies auch bei der Einrichtung neuer Betreuungsgruppen zu gewährleisten.

Kinder in OGS und sonstigen schulischen Betreuungsmaßnahmen verbringen dort auch einen wesentlichen Teil ihrer Freizeit. Schulhöfe werden so zu einem wichtigen Teil des Lebensraums der Kinder.

Die FDP fordert eine Überprüfung aller Schulhöfe bzgl. Begrünung, Ausstattung mit Spielgeräten und Stauraum für größere, bewegliche Außenspielgeräte, weil die Kinder wesentliche Teile ihrer Freizeit und oft auch ihrer Ferienfreizeit im „Lebensraum Schulhof“ verbringen.

Außerdem wird die FDP ein Konzept einfordern, womit durch Vernetzung von Jugendhilfe, Grundschule und OGS in den Grundschulen Probleme in Familien früh erkannt und ihre Lösung durch niedrigschwellige Angebote von Erziehungshilfen und der sonstigen Hilfestruktur frühzeitig angegangen werden können.

Im Kindergarten erhalten die Eltern durch die so genannten Tür-und-Angel-Gespräche noch kontinuierlich Feedback zur Entwicklung ihres Kindes und wertvolle Hilfestellungen, wie die Kinder gefördert werden können.

In der Grundschule dagegen ist der Kontakt zu den Lehrern auf wenige Gespräche im Jahr beschränkt.

Plastisch beschrieben Nicole Finger und Natascha Stephan die Situation in den Grundschulen hinsichtlich der Schulbibliotheken und dem Zugang zum Internet. Beides betrachten sie als elementare Bausteine schulischer Bildung schon in den Grundschulen.

Das „Durchforsten“ von Schulbibliotheken habe ergeben, dass beispielsweise von 300 Büchern nur noch 60 übrig blieben, die nach der Rechtschreibreform angeschafft wurden.

Die FDP fordert eine Überprüfung der Schulbibliotheken aller Grundschulen und eine Ausstattung relevanter Bücher in „Klassenstärke“.

Bei der Ausstattung der Grundschulen mit Computern zeige sich ein analoges Bild, erklärten die beiden Antragstellerinnen.

An vielen Grundschulen sei es überhaupt nicht möglich, Grundschüler an den richtigen Umgang mit Computern generell und der richtigen Nutzung des Internets heranzuführen, da außerhalb des Schulleitungs- und Sekretariatsbereiches kaum funktionierende Computer und Internetanschlüsse vorhanden seien.

Daher wird die FDP fordern, die Grundschulen baulich und technisch so auszustatten, dass in jedem Klassenraum ein Computer und ein funktionsfähiger Internetanschluss zur Verfügung stehen. Nur so können die Grundschulen den Anforderungen des Lehrplanes tatsächlich gerecht werden.

Die Argumentation, die Schulgebäude stünden unter Denkmalschutz und könnten deshalb nicht mit entsprechender Infrastruktur ausgestattet werden, lassen Finger und Stephan dabei nicht gelten.

Eine Schulaula stünde den Grundschulen in aller Regel für Veranstaltungen wie die Einschulungsfeiern, Weihnachtsfeiern oder auch die Schulentlassungsfeiern, die Meilensteine im Leben der Kinder seien, nicht zur Verfügung.

Auch die früher für derartige Anlässe ebenfalls genutzten Turnhallen dürfen, aufgrund Verschärfungen im Bereich der Versammlungsstättenverordnung sowie des Brandschutzes an vielen Schulen, für solche Veranstaltungen nicht mehr genutzt werden.

Die FDP fordert daher, beispielsweise die Fluchtwege entsprechend der Verordnungen herzurichten, damit die gemeinschaftsbildenden Schulveranstaltungen wieder unbeschränkt stattfinden können.

Nach den Vorstellungen der FDP sollen die noch konkret zu beantragenden Maßnahmen im nächsten und im übernächsten Jahr bevorzugt gefördert (Anm.: und umgesetzt?) werden.

 

 

Ein Kommentar zu “Lern- und Lebensraum Grundschule: FDP-Offensive auf Kreisparteitag 2015 • Bemerkenswert detaillierte Analyse als Grundlage [mit Video]”
  1. Da wird sich Felix Heinrichs aber die Augen reiben müssen, dass ausgerechnet die FDP-Ratsmitglieder Frau Finger und Frau Stephan, die doch nach dessen Meinung, Zitat: „auch noch nicht wissen was sie tun sollen“,

    http://www.bz-mg.de/politik-verwaltung-parteien/spd/politischer-aschermittwoch-der-spd-2015-%E2%80%A2-teil-iii-heinrichs-die-fdp-mit-zwei-videos.html

    nun mit diesen ausgezeichneten Aussagen/Analysen aufwarten.

    Dagegen kann die SPD (mit Heinrichs) mit ihren MG_Urban-Digitalisierungs-Ideen, die überwiegend gar nicht zum Thema passten, einpacken.

    HP SPD zu MG_Urban: „Die SPD stellt Fragen – und sucht Antworten“ – das klingt nicht unbedingt danach, dass die wissen was sie tun sollen. Außer vielen Worten gibt die HP auch nichts dazu her.

    http://www.spd-mg.de/meldungen/28844/187269/Dialogprozess-Digitaler-Wandel–MGURBAN.html

    Im Gegensatz zu Frau Finger, die „nur“ seit 12 Jahren im Schulausschuss ist (vermutlich weiß sie deswegen nicht, was sie tun soll …), ist Herr Heinrichs (Alter: 26 Jahre) ja auch wirklich schon fast ein alter Hase oder so ähnlich. Zumindest verbal und seiner Aschermittwochsrede nach.

    Mal sehen, wie der FDP-Antrag von der GroKo aufgenommen wird.

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