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Gefühlte Zahlen: Anmeldeergebnisse an Haupt-, Real-, Gesamtschulen und Gymnasien

bzmg-hand-am-ohr.jpgDas Humanistische Gymnasium, Gymnasium an der Gartenstraße und die Realschule Volksgarten werden ab kommenden Schuljahr jeweils eine Überlast fahren. An diesen drei Schulen war die Nachfrage so groß, dass jeweils eine zusätzliche Eingangsklasse über die Regelzügigkeit hinaus gebildet werden kann. Verwaltung und Politiker waren sich im Schulausschuss am 14. April einig, dem Elternwillen an dieser Stelle nachzukommen: Friede – Freude – Eierkuchen? 

Weiterhin ist fraglich, was überhaupt der originäre Elternwille zum Anmeldeschluss war [1]: Wie viele Kinder entschieden sich als 2. Wahl für diese drei und die anderen Schulen des 3-gliedrigen Schulsystems?

Die Begründung der Verwaltung für die Genehmigung muss in den Kinder- und Elternohren, die an Gesamtschulen keinen Platz erhielten, wie Hohn klingen:

„Durch die Zulassung von jeweils einer zusätzlichen Eingangsklasse an der Realschule Volksgarten, am Stift. Hum. Gymnasium und am Gymnasium an der Gartenstraße wird dem Elternwillen stattgegeben. Insofern haben diese Maßnahmen positive Auswirkungen auf die Kinder- und Familienfreundlichkeit für Schülerinnen und Schüler, deren Eltern sich für diese Schulen entschieden haben.“

Welch eine kinder- und familienfreundliche Schulpolitik…

Negative Zahlen durch all-jährliche Zwangseinweisungen vorwiegend in Haupt- und Realschulen sind in der Vorlage der Verwaltung ausgeblendet [2].

Das diesjährige Anmeldeergebnis an den Gesamtschulen zeigt insgesamt eine – aus Gesamtschulsicht gewollte und gesunde – Mischung nach Schulformempfehlungen:

Von 663 stadtweit angenommenen Gesamtschülern haben

  • 22,3 % Hauptschulempfehlung
  • 17,6 % Hauptschul-/Realschulempfehlung mit Einschränkung
  • 37 % Realschulempfehlung
  • 9,2 % Realschulempfehlung/Gymnasium mit Einschränkung
  • 13,9 % Gymnasium-Empfehlung

Die Gesamtschule Neuwerk darf ausnahmsweise eine Eingangsklasse über ihrer Regelzügigkeit bilden. [3]

Die Gesamtschule Espenstrasse durfte die Regelzügigkeit von 5 auf 6 erhöhen. [4]

Die Zahl der Zugänge an den Hauptschulen bleibt stabil: 371 Anmeldungen in diesem Jahr, nur 13 weniger als im Vorjahr.

Drei dieser Kinder haben eine Realschulempfehlung, 12 eine Realschulempfehlung mit Einschränkung, der Rest, also 96 %, eine Hauptschulempfehlung.

40 Anmeldungen stehen noch aus. Die Verwaltung geht davon aus, dass diese 40 Kinder eine Hauptschulempfehlung haben.

Schulorganisatorische Maßnahmen sind nach Ansicht der Verwaltung in diesem Jahr bei den Hauptschulen nicht notwendig – aber absehbar: 22 Klassen können alle städtischen Hauptschulen eigentlich bilden, auch in diesem Jahr hat es aber – wie im Vorjahr – nur für 16 bis 17 Eingangsklassen gereicht.

438 SchülerInnen werden an den 4 Realschulen aufgenommen. Die Zahlenlage ist ähnlich stabil wie bei den Hauptschulen: Nur 16 Anmeldungen weniger als im Vorjahr. Hier zeigen sich jedoch andere „Mischverhältnisse“:

  • 4,3 % Hauptschulempfehlung
  • 18,7 % Hauptschul-/Realschulempfehlung mit Einschränkung
  • 65,1 % Realschulempfehlung
  • 8,7 % Realschulempfehlung/Gymnasium mit Einschränkung
  • 1,6 % Gymnasium-Empfehlung
  • 1,6 % keine Prognoseempfehlung

Die Aufnahme der Kinder mit Hauptschulempfehlung war zum Zeitpunkt der Schulausschusssitzung noch nicht geklärt, da deren Realschuleignung noch mit dem Prognoseunterricht überprüft wird.

Seit einigen Jahren gilt unter  NRW-Schulministerin Sommer (CDU) die bindende Wirkung der Grundschulempfehlung.

Sind Eltern und Kind mit der Prognose der Schulformlaufbahn nicht einverstanden, wünschen sie also eine andere Schulform des 3-gliedrigen Schulsystems (die Gesamtschulen steht ja allen Schulformempfehlungen offen), werden Leistungen des Kindes im Prognoseunterricht geprüft.

Die Grundschulempfehlungen waren früher eine Elternhilfe, nun stellen sie für viele Eltern eine Beschneidung ihres Elternwillens dar.

fragezeichenIst der Prognoseunterricht ein Steuerungsinstrument oder eine echte Hilfe für Kind und Eltern? Viele Eltern gehen diesen Weg aus Furcht vor Stress und Enttäuschung für ihr Kind nicht.

„Insofern haben diese Maßnahmen positive Auswirkungen auf die Kinder- und Familienfreundlichkeit für Schülerinnen und Schüler, deren Eltern sich für diese Schulen entschieden haben.“

Diese bereits zitierte Verwaltungsaussage hat zwar direkt mit dem Prognoseunterricht nichts zu tun, spiegelt jedoch die Scheinheiligkeit der derzeitigen NRW-Schulpolitik unter CDU und FDP wider: in vielen Familien herrscht eher Frust bei der Wahl der weiterführenden Schule, denn Lust auf den neuen Schulabschnitt.

Kinder- und Familienfreundlichkeit präsentiert sich unter Zwang nun mal schlecht. Bei dieser Gefühlslage vieler Eltern gibt es nichts anderes zu Drehen und zu Deuteln.

Es ist so, als ob die Mutter CDU zu ihrem Wähler-Kind spricht: „Wir wissen schon was gut für Dich und Dein Kind ist.“  Nur mit dem Unterschied, dass der Wähler ein erwachsener Mensch und an dieser Stelle der Politik kein zu leitendes Kind ist.

Die Bindung an der Prognose der Grundschullehrer kann vor dieser Gefühlslage der Eltern nur Jahr für Jahr für Unmut sorgen – und dieser Unmut trifft dann auch die weiterführende Schule, die doch eigentlich engagierte Eltern für ihren Schulalltag brauchen.

Eine an dieser Stelle kontraproduktive Schulpolitik (Lesen Sie hierzu auch den BZMG-Bericht: Alle Jahre wieder falsche Grundschulempfehlungen [5]).

An den Gymnasien kamen 60 Kinder weniger als im Vorjahr an. „Dies kann nach einer ersten überschlägigen Einschätzung vermutlich auf ein verändertes Empfehlungsverhalten der Grundschulen zurückgeführt werden“, heißt dazu in der Verwaltungsvorlage.

Grundschulprognosen aus Sicht der weiterführenden Schulen: des einen Leid, des anderen Freud.

Oder wir haben es mit einem „schlechteren“ Jahrgang zu tun? Vorsicht, wir reden von Kindern, nicht vom Wein.

Grundschulprognosen sind so schwer zu ergründen, wie die Seelen- und Gefühlslage von Menschen schwer zu ergründen sind: Lehrer, Schüler, Eltern – alle gehen mit unterschiedlichen Erwartungen, Einstellungen, Erfahrungen und Sensibilität miteinander um.

Da prallen Charaktere aufeinander, jeder sieht seine Sichtweise: Lehrer pochen auf ihre Erfahrung, Eltern vertrauen auf die weitere Entwicklung des Kindes.

Die Gefahr, dass aus dem Lehrer-Erfahrungsschatz heraus, ein Kind „in die passende, aber leider falsche, Schublade“ gesteckt wird ist genauso groß, wie die Gefahr, dass Eltern ihr Kind maßlos überschätzen und es ebenfalls „auf die falsche Schule landet“.

Nur mit dem Unterschied, dass die Verantwortung für falsche Schulwahl früher allein bei den Eltern lag und heute liegt sie allein bei den Grundschullehrern. Ob auch viele Grundschullehrer wirklich glücklich mit dieser Verantwortung sind? Gedrängt hat sich sicherlich kein Lehrer danach.

Von 749 an den städtischen Gymnasien angemeldeten Kindern gehen 9 Kinder wegen der Realschulempfehlung in den Prognoseunterricht.

80 % der Kinder, die ab kommenden Schuljahr ein Gymnasium aufsuchen werden, haben auch die Empfehlung für diese Schulform. Für den Rest gilt „Realschule/Gymnasium mit Einschränkung“.

Die Bischöfliche Marienschule hat 138 Kinder aufgenommen und 8 Kinder an die städtischen Gymnasien verwiesen.

kleeblatt-pxelio-saibotobiasHinter jeder Zahl verbirgt sich ein Kind: „Alles Gute für das neue Schuljahr! Für Träume und Hoffnungen, die noch nicht begraben sind und für positive Entwicklungen an Deiner neuen Schule.“

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Daten – Fakten – Hintergründe zu allen Schulformen in Mönchengladbach in der BZMG-Reihe: Schulentwicklungsplanung [6].