Neujahrempfang bei der LiLO

Red. Odenkirchen [ - Uhr]

logo-lilo.jpgNeujahrempfänge sind nicht selten Feiern mit viel Aufwand und „Tam-Tam“. Nicht so bei der Odenkirchener LiLO am 23.01.2009. Etwa 30 Personen waren der Einladung gefolgt und fanden eine nette und manchmal nachdenkliche Atmosphäre vor.

Zum richtigen Feiern war den wenigsten zumute, denn Kernthema waren die Probleme der Hartz-IV-Empfänger und die Frage wie sie mit dem wenigen Geld über die Runden kommen sollen.

bzmg-img_2340.JPGEindrucksvoll beschrieb Harald Rommerskirchen seine persönliche Situation: „Nach über 20 Jahren Akkordarbeit bei Trütschler wurde ich (jetzt 50 Jahre alt) betriebsbedingt entlassen und lebe seit zwei Jahren von Hartz IV. Wie ich in der Zwischenzeit erfahren habe, wird meine Arbeit jetzt von Leiharbeitern gemacht.“ Mit nur 351 € im Monat zum Leben und ohne hinreichende Krankenversorgung hat er versucht, seinen Gemütszustand in einigen Bildern auszudrücken, die großes Interesse der Teilnehmer des Neujahrsempfangs fanden:

bzmg-img_2341.JPGbzmg-img_2336.JPGbzmg-img_2337.JPGbzmg-img_2338.JPG

bzmg-img_2345.JPGMit der Ãœberschrift „Hatz IV und die Würde des Menschen“ stellte Helmut Schaper (LiLO) u.a. fest: „Die Würde des Menschen ist antastbar“. Als Beispiele nannte er den zweiten Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung, der sage, dass das Armutsrisiko bei 938 EUR beginne.
Die gleiche Regierung belasse aber die Regelsätze für Erwachsene bei 351 EUR, bei Kindern bis zum 13. Lebensjahr bei 211 EUR, 14 bis17 Jahre bei 281 EUR.

Schaper weiter: „Die Herren Thießen und Fischer von der TU Chemnitz halten den Regelsatz für nicht zu gering. In ihrer Studie gehen sie von einem Minimumsfall von 132 EUR aus. Der Maximumsfall der Existenzsicherung beträgt bei Ihnen 288 EUR.“

Und: „Während die Stellen der Prüfer bei den ARGEN in der Regel besetzt sind, sind viele Stellen für Steuerprüfungen, vor allen Dingen in Großbetrieben, nicht besetzt.

Ein Steuerprüfer bringt dem Finanzamt 1,5 Millionen pro Jahr. Die Schätzungen gehen von Steuerverlusten zwischen 35 Mrd. EUR bis 110 Mrd. EUR pro Jahr aus.“

Mit weiteren Beispielen untermauerte Schaper seine These, die Würde des Menschen sei  sehr wohl antastbar:

‚Der Berliner Finanzsenator Sarrazin (SPD) ist der Meinung, dass auch an der Heizung gespart werden kann. Mit einem dicken Pullover kann mensch seiner Meinung nach es auch bei einer Raumtemperatur von 16 Grad gut aushalten.‘

Der Berliner FDP-Politiker Henner Schmidt beglückt die Menschen mit dem folgenden Vorschlag zur Beseitigung der Rattenplage in Berlin: ‚Vor allem Leute, die sonst auch Flaschen sammeln, könnten dann für jede tote Ratte einen Euro bekommen.‘ “

Schaper stellte fest:

  • „Hartz IV ist unsozial. Es fördert die Ausgrenzung der Betroffenen aus dem realen Leben.
  • Hartz IV ist demütigend, wenn wir an Zumutbarkeitskriterien und den Arbeitszwang denken.
  • Hartz IV hat die politische Funktion, Druck auf Erwerbslose und Erwerbstätige auszuüben.“

und vertrat die Meinung „dass dieses Gesetz politisch weg“ müsse und ein Gesetz benötigt würde, dass zu einer deutlich höheren und gerechteren Grundsicherung der Betroffenen führe.

bzmg-img_2332.JPGZu Beginn des Abends hatte Edmund Erlemann, ehemaliger Mönchengladbacher Regionaldekan des Bistums Aachen, das Projekt „Klagemauer“ vom „Bündnis für Menschenwürde und Arbeit“ vorgestellt. Dieses Projekt will in Anlehnung an die Klagemauer in Jerusalem symbolische Mauern aufstellen auf die Klagen zur politischen, sozialen und kirchlichen Situation geschrieben oder in Mauerritzen (ähnlich wie in Jerusalem) eingesteckt werden können.

Die Mauern, sollen in einer Länge von 10 Metern vom Volksverein Mönchengladbach hergestellt und im Bezirk des Bistums Aachen u.a. in Mönchengladbach, Krefeld, Düren, Heinsberg augestellt werden. Start dieser Aktion ist Anfang Mai.

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