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Widerstand gegen Braunkohletagebaue im rheinischen Revier verstärkt sich

Red. Politik & Wirtschaft [ - Uhr]

KOHLEZUGBLOCKADE_7.8.-300x2251Es sind nicht mehr „nur“ die Braunkohlegegner, die sich bereits seit Jahrzehnten für den Stopp des Braunkohletagebaus stark machen.

Es sind zunehmend junge Leute, die dem Protest ein neues Gesicht geben und eine neue Art des Widerstandes praktizieren. Das Bild (Quelle: ausgeCO2hlt) zeigt die Blockade der Hambachbahn.

Das Klimacamp, das in den letzten Jahren regelmäßig im Sommer stattfand, erfreut sich immer größerem Zuspruch, und es gibt weitere Camps in den neuen Bundesländern z.B. in der Lausitz.

Bereits im vergangenen Jahr hatten die Klimacamper die Hambachbahn 12 Stunden blockiert. Seit April diesen Jahres wird der Hambacher Forst, besser die letzten 1000 ha, die von ihm noch existieren, besetzt. BZMG berichtete darüber:

http://www.bz-mg.de/natur-umwelt-tierreich/braunkohletagebau-hambach-wald-statt-kohle-mit-slideshow.html

logo-ausgeco2hltDie Kampagne ausgeCO2hlt, Veranstalterin des Klimacamps 2012 in Kerpen-Manheim, erklärt sich solidarisch mit der Ankettaktion auf der Hambachbahn, die heute Morgen gegen 8 Uhr begonnen hatte und gegen 15 Uhr geräumt wurde.

Drei Klima-Aktivisten hatten sich mit Stahlbetonröhren im Gleisbett der RWE-eigenen Kohlebahn verankert um den Transport der Kohle aus dem Tagebau Hambach zu unterbinden. Zunächst wurden die beiden Kontaktpersonen, welche die Aktivisten betreuen und als Übersetzer für die beiden englischsprachigen Personen wirken wollten, festgenommen.

Ein später hinzukommendes Technikteam der Polizei schaffte es nicht, die Blockade zu lösen, stattdessen wurden die betreffenden Schienenabschnitte heraus getrennt. Die Aktivisten wurden inzwischen in Gewahrsam gebracht.

Ein massives Polizeiaufgebot im Wald sollte das Hinzustoßen von Beobachter_innen und

Unterstützer_innen zur laufenden Aktion verhindern, von zahlreichen Menschen wurden während des heutigen Tages im Hambacher Forst Personalien aufgenommen.

„Der Widerstand im rheinischen Braunkohlerevier ist legitim, da parlamentarische Bemühungen um globale Klimagerechtigkeit fast vollständig versagen. Wir brauchen eine starke Klimabewegung aus der ganzen Gesellschaft und unterstützen darum vielfältige gewaltfreie Aktionsformen.

Der Widerstand gegen RWE und das rheinische Braunkohlerevier wächst – bei der Bevölkerung wie auch unter Klima-Aktivist_innen. Wir lernen dabei auch von anderen, wie beispielsweise der Anti-Atom-Bewegung im Wendland.“ sagt Manuela Braun von ausgeCO2hlt.

Gestern hatten zeitweise bis zu 70 Aktivist_innen, darunter auch zahlreiche Teilnehmende des Klimacamps, einen Abschnitt der Hambachbahn blockiert. Gegen 18 Uhr wurde die Sitzblockade von der Polizei geräumt.

Die Räumung begann unter den Augen von Presse und Unterstützer_innen ruhig und umsichtig, bis die Polizei Beobachter_innen mit einem Platzverweis von der Brücke drängte, von der aus die Blockade einzusehen war.

Anschließend wird von einer deutlich ruppigeren Vorgehensweise der Polizei berichtet, bei der mehrere Aktivist_innen leicht verletzt wurden oder nach der Räumung unter Schockzuständen litten.

Ein Aktivist wurde ins Krankenhaus gebracht. Ein Unterstützer der Aktion wurde vorübergehend festgenommen, weil er die Räumung seiner Freund_innen weiter beobachten wollte und sich passiv gegen den Platzverweis wehrte.

„Die Aktionen der letzten Tage haben noch einmal deutlich gemacht, dass es zahlreiche sehr entschlossene Gegner_innen der zerstörerischen Energiepolitik von RWE gibt. Wir betrachten das als einen großen politischen Erfolg und sind gespannt darauf, was sich in den nächsten Monaten im rheinischen Revier und bei der Besetzung im Hambacher Forst entwickeln wird.

Zunächst wünschen wir den bevorstehenden Klimacamps in den beiden anderen deutschen Braunkohleabbaugebieten viel Erfolg und hoffen, dass hier der Widerstand gegen den Klimawandel weiter vernetzt und ausgebaut werden wird.“ so Manuela Braun weiter.

UnbenanntIn einer weiteren Mitteilung erklären AktivistInnen am 9. August 2012:

Anti-Kohle-AktivistInnen ketten sich an Gleisen fest

Drei AktivistInnen haben sich soeben (08.08.2012) an der Hambach-Kohlebahn mit Lock-ons festgekettet.

Dies ist eine unabhängige Aktion, die aber im Kontext mit der gestrigen Sitzblockade einige hundert Meter entfernt stattfindet. Die AktivistInnen wollen sich mit dieser direkten Aktion dem Weiterbetrieb des Rheinischen Braunkohlereviers möglichst effektiv in den Weg stellen, bzw. legen, und treten für eine globale Überwindung fossiler Energieträger ein.

Sie können sich nicht selber aus den Stahlrohren befreien, sondern können nur durch eine technische Einheit der Polizei von den Schienen entfernt werden. Bei vergleichbaren Aktionen dauerten die Räumungen mehrere Stunden.

Clumsy, einer der Festgeketteten begründet seine Teilnahme an dieser Aktion so: „Unserem Planeten und den darauf lebenden Spezies läuft die Zeit davon.

Doch obwohl die Anzeichen des Kollaps unserer Ökosysteme unübersehbar sind, werden nicht die nötigen Konsequenzen daraus gezogen. Anstatt sofort aufzuhören fossile Energieträger zu verbrennen werden mit immer extremeren Methoden die letzten Reste aus der Erde gepresst.

Das wird sich auch nicht ändern, solange Gesellschaften existieren, die auf Herrschaft und Ausbeutung basieren.“

Marc X, der ebenfalls festgekettet ist ergänzt: „Das Bergrecht, das die rechtliche Grundlage ist für die Zerstörung der Dörfer, der Umwelt und der Natur – hier und anderswo in Deutschland – ist ein Gesetz, das aus dem Mittelalter stammt, und die letzte relevante Überarbeitung (eine Verschärfung) in der Nazi-Zeit erfuhr. Ich frage mich wieso dieses Gesetz noch existiert? Warum wurde es nicht abgeschafft?“

Nähere Informationen können sie vor Ort bekommen und zwar Abfahrt A4 Buir; rechts halten.

Die nächste Brücke über die Hambacher Kohlebahn östlich der Brücke auf der sie sich befinden wenn sie die Autobahnausfahrt Buir herausfahren, und dann noch einmal 100 Meter weiter östlich.

Die Stelle ist über Waldwege nördlich der Schiene erreichbar. Sie liegt in einer Kurve. Vom Waldweg aus führt ein Weg zum Zielort.

Kontakt:

braunkohlestoppen@riseup.net

oder rufen Sie an unter:
0176/71828696 (vor Ort)
0176/71825380

[PM]

Ein Kommentar zu “Widerstand gegen Braunkohletagebaue im rheinischen Revier verstärkt sich”
  1. Für diese Klima-Demo-Touristen habe ich wenig Verständnis übrig.

    So man sich ankettet wegen eines mindergesicherten Strahlentransportes mit AKW-Müll so steht dies im Verhältnis – nicht hingegen bei einer Lore mit Kohle.

    Kommen aus der ganzen Welt ( mit CO2-Verursachung ) um eine Radeltour gegen CO2 zu machen, Realsatire pur.

    Natürlich ist Kritik an der RWE berechtigt was ausser Frage steht, aber weder mit diesen Brachialmethoden noch einem Teil der “ seltsamen “ Argumente. Selbst da hapert es doch nicht nur im Detail ganz gewaltig.

    Wer etwas für die Umwelt ( gar global ) machen möchte, der sollte lokal mit Argumenten auftreten können. Das unser Bergrecht vom Datum her nicht passt ist so ein Argument – hätte der Fachrevoluzzer als Argument auch in London anbringen können zum Fackellauf der Olympischen Spiele ( Datum steht im direkten Kontext ).

    Ganz ohne CO2 geht es nicht im Ökosystem des Planeten Erde. CO2 ist Bestandteil des Ökosystems und fast alles CO2 ist natürlichen Ursprungs!
    ( Warum machen die also keine Demo gegen Sauerstoff oder Wasser? )

    CO2, absolut überbewertet was das durchaus strittige Thema Klimawandel betrifft, ist kein Aufhänger. Vor allem dann nicht wenn man betrachtet das ja auch der Mensch Teil des Ökosystems selber ist! Alles menschenverursachte CO2 der Welt macht jährlich rund grob 5% des Total aus.

    Auch in der Gegenrechnung übrigens, CO2-Bindung, hapert es gewaltig. Ausgerechnet hier sind deren “ Ärmste Länder “ nicht Leidtragende sondern Übeltäter. Nicht etwa für amerikanische Möbel oder europäische Luxusinteressen, sondern aus purer Eigenverschwendung, werden dortig “ Vollbiologische CO2-Speicher “ ( = Bäume ) abgeholzt. Demnach müsste also die Demo-Touristengruppe eine Radtour durch den Niger machen. Primärwaldabholzungsrate über 50%!!!

    Es ist durchaus berechtigt eine Demo gegen so einiges bezüglich RWE hier durchzuführen, die haben auch Dreck am Stecken wie man hier so landläufig sagt umgangssprachlich. Diese Demotruppe jedoch verfehlt das Ziel in Gänze und ist eher Kontraproduktiv für die Sache an sich lokal gesehen.

    Nur so am Rande, nebenbei

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