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Will RWE Tagebau Garzweiler II wirklich nicht weiter betreiben – oder ist alles nur Kalkül?

Red. Natur, Umwelt & Energie [ - Uhr]

Die Erneuerbaren machen RWE das Leben schwer, denn immer mehr Windräder und Solaranlagen speisen Strom in die Netze, die Nachfrage nach Nicht-Ökostrom geht ständig weiter zurück. Das bleibt auch für RWE nicht ohne Folgen.

Tatsache ist, dass es dem Unternehmen wirtschaftlich gar nicht gut geht.

33 Milliarden Euro Schulden, 5.000 Stellen werden in den nächsten 3 Jahren abgebaut, Tafelsilber (z.B. DEA) verkauft, die Dividende schrumpft.

Für 2013 je Stamm- und Vorzugsaktie 1,00 Euro Dividende. Das ist nicht wirklich viel und wird die Aktionäre, insbesondere die Kommunen mit RWE-Aktienbesitz keinesfalls erfreuen.

Auch nicht den Mönchengladbacher Kämmerer Bernd Kuckels (FDP), denn ihm schlagen solche „Verluste“ in den momentanen Haushaltsplanungen und bei der Fortschreibung des Haushaltssicherungsplanes „mächtig ins Kontor“.

Details zu weiteren Sparanstrengungen von RWE sollen im November bekannt gegeben werden.

RWE-Chef Terium erklärte bereits im März dieses Jahres in einem Interview mit der WAZ:

„Wir müssen beim Ausbau der erneuerbaren Energien aus finanziellen Gründen das Tempo etwas drosseln“. In den Jahren 2014 und 2015 werde RWE jeweils rund 500 Millionen Euro in diesem Bereich investieren. Das ist deutlich weniger als ursprünglich geplant.

Er ließ keinen Raum für Optimismus, sondern erläuterte: „Nach 2013 rechnet der Konzern mit einem „deutlichen Rückgang des Ergebnisniveaus“. Als Grund dafür nannte Terium vor allem die „erheblichen Ertragseinbußen“ in der herkömmlichen Stromerzeugung.“ (Zitat Ende)

 

Nach Meldungen, dass RWE angeblich den Ausstieg aus dem Tagebau Garzweiler II beabsichtige, beeilte sich das Unternehmen in einer Presseerklärung folgendes mitzuteilen:

„RWE hält an seinen bisherigen Planungen zur Fortführung des Tagebaus Garzweiler II unverändert fest“, erklärt Peter Terium, Vorstandsvorsitzender der RWE AG, nach entsprechenden Medienspekulationen.

Braunkohle als heimischer Energieträger ist ein wichtiger Teil des Erzeugungsportfolios im RWE Konzern. Moderne Braunkohlenkraftwerke sind ebenso flexibel wie Gasanlagen und können damit gerade in Zeiten der Energiewende eine wichtige Rolle als Partner der erneuerbaren Energien spielen.

„Der Tagebau Garzweiler II mit einem genehmigten Kohlevorrat von rund 1 Mrd. Tonnen Braunkohle insgesamt und einem jährlichen Fördervolumen von 35 – 40 Mio. Tonnen ist daher fester Bestandteil der Zukunftsplanung des Unternehmens“, erläutert Matthias Hartung, CEO der Erzeugungssparte RWE Generation.

Ungeachtet dessen hat sich die wirtschaftliche Situation der Braunkohleverstromung durch ein verändertes Marktumfeld und deutlich gesunkene Strompreise an den Großhandelsmärkten erheblich verschlechtert.

RWE Generation begegnet dieser Herausforderung mit einem harten Kostensenkungsprogramm in allen Unternehmensbereichen.

Zudem setzt das Unternehmen darauf, dass sich der regulatorische Rahmen auf den Energiemärkten schon aus Gründen der Versorgungssicherheit so verändern wird, dass auch die konventionelle Stromerzeugung eine Perspektive hat.

Ausstiegsplanungen oder Entscheidungen über ein vorzeitiges Ende eines Tagebaus stehen vor diesem Hintergrund nicht an.“ (Ende des Zitates aus der RWE Pressemitteilung)

 

Interessant ist die Mitteilung bezüglich Änderungen des „regulatorischen Rahmens“ auf den Energiemärkten, von denen RWE offensichtlich ausgeht, weil sich dieser „schon aus Gründen der Versorgungssicherheit verändern wird“ und vor allem der Hinweis, dass dann auch „konventionelle Stromerzeugung eine Perspektive hat“.

Ist damit gemeint, was „Campact“ mitteilte?

Campakt erklärte nämlich: „… ein aktuelles Papier der Lobby-Organisation der Energiekonzerne, BDEW (Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V.). Es ist eine Blaupause, wie die Konzerne das Erneuerbare-Energien-Gesetz in den nächsten Wochen aushebeln wollen.

Die garantierte Einspeisevergütung für Erneuerbare Energien soll durch eine Prämie ersetzt werden, mit der ökologisch orientierte Investoren jede Planungssicherheit verlieren.

Atomreaktoren und Kohlekraftwerke erhielten wiederum sogar dann Geld, wenn sie stillstehen, weil Sonne und Wind den Strom erzeugen.“

Campact weiter: „Die Chefin des BDEW, Hildegard Müller, ist politisch eng mit Angela Merkel verbunden. Müller war mehrere Jahre lang ihre Staatsministerin im Bundeskanzleramt.“ (Zitat Ende)

 

Das wäre ein „Geschäftsmodell“, das RWE sicher sehr zupass käme, dem Konzern finanzielle Erleichterung verschaffen würde und vor allem Geld („Entschädigung“) ohne Gegenleistung, sozusagen „für gar nichts“.

In Bezug auf den Ausbau der Erneuerbaren Energien und den dazu gehörenden Speichermöglichkeiten, könnte sich das Unternehmen dann erst einmal wieder entspannt zurück lehnen und weiter „in Braunkohle machen“. Die Energiewende und der Klimaschutz können noch ein bisschen länger warten.

Mitarbeiter und Politik zittern bereits dank der Mitteilung, dass bei einer Aufgabe von Garzweiler II 35.000 Arbeitsplätze gefährdet seien.

Ein Horror-Szenario, das immer wirkt und vor allem angesichts der aktuellen politischen Situation und der Koalitionsverhandlungen in Berlin wunderbar passt.

Das übliche Muskelspiel von Konzernen wie RWE, die den Politikern so ganz gelassen erklären können, wo es für sie „lang zu gehen hat“.

Da sowohl SPD als auch CDU seit Jahrzehnten bestens mit RWE und den anderen Energieversorgungsunternehmen kooperieren, besteht für diese keine Gefahr zu viel zu verlieren.

Das bestätigen die NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) und ihr Wirtschaftsminister Garrelt Duin (ebenfalls SPD) bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit.

Die Rechnung zahlt, egal wie, immer der Bürger, wie die Informationen von Campact, bereits sehr deutlich machen.

Es geht nun einmal nichts über gute „Landschaftspflege“ und Lobbyarbeit.

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