Nettetaler Sportverein mit seit Jahren richtungsweisendem Angebot für Rollstuhlfahrer • Fünf Übungsleiter beraten und betreuen [mit Video und Audio]

Bernhard Wilms [ - Uhr]

[26.03.2017] Wenn Menschen von heute auf morgen dauerhaft oder vorübergehend auf einen Rollstuhl angewiesen sind, wird der „Umstieg“ nicht ganz leicht.

Auch wenn Sanitätshäuser in der Anfangsphase hilfreich beiseite stehen, reichen diese vielleicht zweistündigen Einweisungen in die Handhabung von Rollstühlen selten aus.

Hilfestellungen können darüber hinaus u.a. Sportvereine, die mit geschulten Fachübungsleitern wissen, worauf es bei der täglichen Handhabung dieses Hilfsmittels ankommt und wie man sich darüber hinaus auch noch fit hält.

Einer der wenigen Vereine – wenn nicht sogar der einzige – in der Region ist der BS Nettetal. Schon vor Jahren haben den Verantwortlichen des Vereins den Bedarf erkannt und ihr Sportangebot erweitert.

Wie das in der Praxis aussieht, konnte unsere Redaktion an einem Samstagvormittag miterleben und feststellen, mit welcher Ernsthaftigkeit und welchem Enthusiasmus, aber auch mit wie viel Spaß die Akteure bei der Sache sind.


Im Anschluss an das Training stand uns Fachübungsleiter Jürgen Vogts für ein aufschlussreiches Interview zur Verfügung.

Dabei beschrieb Vogts die Ansätze des „Rolli-Trainings“ am Beispiel des so genannten „Wheel-Scoccer“-Spiels, bei dem auch unter Berücksichtigung der Krankheitsbilder die Leistungsfähigkeit der jeweiligen Rollstuhlfahrer zu berücksichtigen sind.

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Insgesamt verfügt der BS Nettetal über die bemerkenswerte Zahl von fünf Übungsleitern, die in speziellen Schulungen des Behindertensportverbandes BSRNW auf die Besonderheiten dieser sportlichen Betätigungen vorbereitet werden.

Hierbei gibt es mehrere Lizenzstufen, u.a. eine für orthopädische und neurologische Erkrankungen.

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Die Rollstuhlgruppe hat aktuell 15 Mitglieder, die sich je nach gesundheitlicher „Tagesform“ jeden Samstag in der Lobbericher Turnhalle treffen. Das ist auch die Gruppenstärke, die für ein solches Training geeignet ist.

Als beste Maßnahme, mehr interessierte Betroffene für den „Rolli-Sport“ zu interessieren, hat sich die direkte Ansprache herausgestellt, bei der u.a. über einen Flyer auf das Angebot des Vereins hingewiesen wird.

Download des Flyers

Die regelmäßige Teilnahme ist entweder über eine Vereinsmitgliedschaft oder eine ärztliche „Verschreibung für Reha-Sport“ möglich.

Das Altersspektrum der Teilnehmer liegt derzeit zwischen 17 und 80 Jahren. Dies fördere sehr den Austausch auch innerhalb der Generationen, betont Vogts.

Nicht nur aktuell auf einen Rollstuhl angewiesene Menschen nehmen teil, sondern auch solche, die perspektivisch eines Rollstuhl bedürfen können.

Diese Menschen berät der Verein auch bei der Auswahl eines Rollstuhls, ohne dass dadurch Beratungspflichten – und -leistungen der Sanitätshäuser ersetzt werden sollen.

„Das Thema Beratung ist für uns sehr wichtig“, erklärt Jürgen Vogts.

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Auch gibt es positive Kontakte mit Kommunen, bei denen „Barrierefreiheit“ ein wichtiges Thema darstellen, wie beispielsweise mit Nettetal und Brüggen. Kontakte zur größeren Städten, wie Viersen und Mönchengladbach bestehen nicht.

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Als Besonderheit erwähnt Vogts die „Stadtmeisterschaft der Behinderten“ in Nettetal, die jährlich vom BS Nettetal und einem weiteren Verein ausgerichtet wird.

Diese diesjährige Veranstaltung findet am 29.04.2017 in der Turnhalle der Werner-Jäger-Halle in Lobberich statt.

Bedauerlich findet Vogts die Tatsache, dass die Möglichkeit, Schwimmsport zu betreiben, ständig reduziert wird, weil Schwimmhallen nach und nach geschlossen würden.

[audio: 17-03-18-lobberich-712_1078-07-sonstiges.mp3]

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