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Rathaus-Neubauten in Sicht? • GroKo will Verwaltung in Rheydt und Politik in Mönchengladbach-Alt konzentrieren • Förderprogramm für “bekannte” Bauunternehmen?

Bernhard Wilms [ - Uhr]

[16.05.2016] Wenn in einigen Tagen die GroKo-Fraktionen den übrigen Ratsmitgliedern eine Beratungsvorlage zum Neubau eines Rathauses bzw. den Umbau des Rathauses Abtei übersenden, werden sie Altbekanntes wiederfinden.

Nicht nur, dass die beiden Fraktionsvorsitzenden Dr. Hans Peter Schlegelmilch (CDU) und Felix Heinrichs (SPD) ihr Vorhaben, die Verwaltung in Rheydt und die Politik in Mönchengladbach-Alt konzentrieren wollen, wie sie es mittlerweile als gängige GroKo-Praxis schon vorzeitig über Medien verkündeten, vielmehr werden sich viele Mönchengladbacher Kommunalpolitiker daran erinnern, dass es schon vor der Kommunalwahl 2009 eine ähnliche Initiative gegeben hatte, damals noch von CDU und FDP.

Seinerzeit allerdings unter Einbeziehung des Karstadt-Gebäudes und des Rheydter Rathauses und in der Variante Verwaltung und Politik in Rheydt zu konzentrieren.

Auch werden sie sich an den 1. April diesen Jahres erinnern, als hier auf BZMG schon zwei Alternativen präsentiert wurden, auf dem Areal der Abtei einen neuen Ratssaal zu bauen.

Was vor Monatsfrist von Kommentatoren noch als Visionen oder Quatsch bezeichnet und in der „Aprilscherz-Auflösung“ als wenig wahrscheinlich beschrieben wurde, könnte die beiden GroKo-Sprecher inspiriert haben.

Rathaushof oder Klostergarten bald als Ratssaal unterm Glasdach?

Dass Schlegelmilch und Heinrichs tatsächlich erhebliche Neu- und Umbauten für Politik und Verwaltung beauftragen wollen, bestätigten auch Bauausschuss- und EWMG-Aufsichtsratsvorsitzender Horst-Peter Vennen (SPD), sowie Baudezernent und EWMG-Geschäftsführer Dr. Gregor Bonin (CDU) bei der Jahrespressekonferenz der EWMG am 12.05.2016.

Damals wie heute dürfte das Ganze erneut unter dem Titel „Standortuntersuchung“ laufen und mit dem Mönchengladbacher Dauerbrennerthema „Raumprogramm“ in Verbindung gebracht werden, das schon damals nicht erkennbar strukturiert angegangen wurde und für das ein externes Gutachten mit dem hoffnungsvollen Titel „Gutachten für zeitgemäße Büroorganisation und deren Flächenbedarf und Konkretisierung des Raum- und Funktionsprogramms unter Berücksichtigung des Gebäudebestandes” in Auftrag gegeben werden sollte.

Der damalige FWG-Ratsherr Erich Oberem sparte im März 2009 auch nicht an Kritik. Man habe zwar Mitarbeiter, die für Organisation und Personalfragen als Fachleute gelten wollen, doch diese sähen sich offenbar außer Stande das erforderliche Raumprogramm zu erstellen.

Oberem weiter: „Toll, wie hier Unfähigkeit beschrieben wird. Die, die sich vor der Aufgabe drücken, müssten wissen, dass die wesentlichen Informationen für die Arbeit des Gutachters trotzdem von ihnen geliefert werden müssen. Das sind die Angaben über die Organisationseinheiten, die unterzubringen sind, sowie Zahl und Art der Mitarbeiter und deren Aufgaben.”

Erich Oberem (FWG): Neubau Rathaus Rheydt -  Bankrotterklärung der Verwaltung

Was Oberem damals nicht im Blick hatte, war die Tatsache, dass in der Mönchengladbacher Verwaltung immer nur in „Aufgaben“ und nicht in „Prozessen“ gedacht wird.

Mit der Konsequenz, dass die meisten Organisationseinheiten nur bis zu den Grenzen ihrer „Zuständigkeit“ denken und selbst innerhalb von Dezernaten übergreifende Prozesse kaum berücksichtigt werden.

Der einzige, dem man es bis zum 31.12.2015 in der Verwaltungsspitze hätte zutrauen können, „prozessorientierte Ordnung“ in der Verwaltung zu etablieren und auf dieser Grundlage ein nachhaltiges Raumprogramm zu entwickeln, war Personal- und Organisationsdezernent Hans-Jürgen Schnaß (SPD) mit seiner weitreichenden Erfahrung in großen Verwaltungseinheiten.

Für Matthias Engel (SPD), der dem jetzigen AöR-Vorstandsvorsitzenden Schnaß folgte und der bislang einziger Beigeordneter in Horn-Bad Meinberg (ca.18.000 Einwohner) war, stellt sich damit eine große Herausforderung.

Diese wird darin bestehen, Vorgaben zu entwickeln, sowie verwaltungsintern und politisch durchzusetzen, auf denen basierend der Fachbereich Gebäudemanagement Planungen für den Neubau von Verwaltungsgebäuden vornehmen kann.

Dass dann im Innenhof des Rheydter Rathauses – wie noch in den Entwürfen aus dem Jahr 2008 vorgesehen – ein Ratssaal entstehen wird, ist nach diesen GroKo-Vorstellungen kaum zu erwarten.

Rheydt: Rathausneubau würde vsl. brutto 35,5 Millionen EURO kosten – mindestens [mit Slideshow]

Will man doch „die Politik“ auf dem Abteiberg konzentrieren, was auf Grund der vorhandenen denkmalgeschützten Gebäude für die Planer eine noch größere Herausforderung sein wird, als ein Abriss und Neubau von Gebäuden in Rheydt.

Vor allem auch deshalb, wenn Planungsausschuss-Vorsitzender Vennen sich mit seinen Vorstellungen durchsetzt, dass die Fraktionen möglichst in einem Gebäude untergebracht werden sollen und dies zudem noch in der Nähe des Büros des Oberbürgermeisters.

Derzeit befinden sich die Fraktionen von CDU und SPD gemeinschaftlich mit ihren Partei-Gliederungen in nicht barrierefreien städtischen Gebäuden.

FDP und Grüne sind in ebenfalls nicht barrierefreien, jedoch privat angemieteten Gebäuden untergebracht. Die „Unterkunft“ der Linken ist ebenfalls privat angemietet und nur bedingt barrierefrei, während die PiPA-Ratsgruppe in barrierefreien Räumen mit rollstuhlgerechter Toilette arbeitet.

Ob es sinnvoll ist, den Oberbürgermeister, der zu mehr als 95% Hauptverwaltungsbeamter, also Chef der Verwaltung ist, und dementsprechend auch nur für diese Tätigkeit bezahlt wird, fernab von „seiner“ Verwaltung (in Rheydt) „allein“ auf dem Abteiberg zu belassen, müsste kritisch hinterfragt werden, auch wenn das in anderen Kommunen (Dr. Bonin nannte das Beispiel Düsseldorf) durchaus vorkommt.

In diesem Kontext sind Vennens Überlegungen zur „Konzentration“ der Fraktionen in der Nähe des Oberbürgermeisterbüros ebenso hinterfragenswert, wie die Positionen, die von den aktuell im Rat vertretenen politischen Gruppierungen eingenommen werden.

Man darf gespannt sein, welche Aufgaben die GroKo der Verwaltung zur dezentralen Konzentration von Verwaltung und Politik erteilt oder ob nicht doch nur die reinen Bauplanungen (seinerzeit ohne Raumbedarfsermittlung) hervorgeholt werden, deren Umsetzung 2008 auf 35,5 Mio. EURO (aktuell wahrscheinlich etwa 40 Mio. EURO) geschätzt wurden.

Offensichtlich angesichts dieser enormen Kosten, vorgeblich jedoch, um die Verwaltung in Anbetracht des damals in Abarbeitung befindlichen Konjunkturprogramms II nicht zu überlasten, kam die Beratungsvorlage nicht über die Sitzung der Bezirksvertretung Rheydt-Mitte am 17.03.2009 hinaus.

Besten & Co. aufgewacht?

Der CDU-Sprecher in der BV Rheydt-Mitte, Joachim Roeske, hatte so argumentiert, dass mit 7 Ja-Stimmen und 5 Gegenstimmen, dieser Punkt von der Tagesordnung genommen wurde.

Möglicherweise hatte es die CDU damals, im Hinblick auf die bevorstehenden Kommunalwahl am 30.08.2009, als wahltaktisch klüger angesehen, das Thema Rathausneubau nicht von den politischen Mitbewerbern in den Wahlkampf hineintragen zu lassen.


7 Kommentare zu “
Rathaus-Neubauten in Sicht? • GroKo will Verwaltung in Rheydt und Politik in Mönchengladbach-Alt konzentrieren • Förderprogramm für “bekannte” Bauunternehmen?”
  1. (Verzeihung, Korrektur – gelb – historisch – darf nicht abgerissen werden)
    Aha, “grün” macht sinngemäß klar: “k. w. – konnte wegfallen”

    korrigiert:

    Und hier schleicht sich das Unheil heran, drittes Bild v. o., Bildbeschreibung:

    “Unten der Entwurf: Grün steht für Rathaus. Gelb ist der historische Teil.”

    Aha, “hellgrün” macht sinngemäß klar: “k. w. – konnte wegfallen” – das mittlere Haus, Nummer 12 ist nicht wie eigentlich geboten gelb markiert, obwohl ja genau so streng denkmalgeschützt wie Markt 11 und Markt 13.

    Den Bürger beschleicht ein Verdacht:

    Sollen hier durch Kulissenmalerei und dann durch den raschen Abriss Tatsachen geschaffen werden?

    http://www.rp-online.de/nrw/staedte/moenchengladbach/so-kann-das-neue-rathaus-aussehen-aid-1.6563417

  2. # Hauptredaktion | Dankesehr. Noch dazu.

    Behaltet die Vergangenheit im Blick! | von Olaf Nöller | Denkanstoss | RP vom 3. März 2017

    “Die Rheydter Chronik von 1897 berichtet, dass die Gründung des “Königlichen Amtsgerichts” im Jahr 1879 für die aufstrebende Stadt ein Zugewinn war. Es handelt sich um besagtes Gebäude, das am 1. September 1880 mit seiner reizvollen spätklassizistischen Putzfassade eröffnet wurde. Neben dem etwa gleichzeitig erbauten evangelischen Pfarrhaus am Markt war dieses Gerichtsgebäude eines der ersten repräsentativen Bauwerke im Stadtzentrum. Um 1900 wurde es vom neu erbauten Rathaus und dem östlich angrenzenden “Königlichen Bezirkskommando” eingerahmt. Irgendwann zwischen 1906 und 1910 stockte man das Gebäude noch auf und setzte nun eine gediegene Fassade im Stil des Neoklassizismus davor, die beim Wiederaufbau leider “rasiert” wurde.”

    http://www.rp-online.de/nrw/staedte/moenchengladbach/behaltet-die-vergangenheit-im-blick-aid-1.6650398

    Und hier schleicht sich das Unheil heran, drittes Bild v. o., Bildbeschreibung:

    “Unten der Entwurf: Grün steht für Rathaus. Gelb ist der historische Teil.”

    Aha, “gelb” macht sinngemäß klar: “k. w. – kann wegfallen” – das mittlere Haus, Nummer 12 ist nicht wie eigentlich geboten gelb markiert, obwohl ja genau so streng denkmalgeschützt wie Markt 11 und Markt 13.

    Den Bürger beschleicht ein Verdacht:

    Sollen hier durch Kulissenmalerei und dann durch den raschen Abriss Tatsachen geschaffen werden?

    http://www.rp-online.de/nrw/staedte/moenchengladbach/so-kann-das-neue-rathaus-aussehen-aid-1.6563417

  3. @ Juainta

    ergänzende Links dazu:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Rathaus_Rheydt#Ehemaliges_K.C3.B6nigliches_Bezirkskommando

    http://www.limburg-bernd.de/Moenchenglb/DenkMoe/M%20013%20(2).htm

  4. Die Rheinische Post (nunja; bz-mg-Leser wissen mehr) zeigt eine Skizze zum Thema Neubau – man beachte jetzt einmal die in der Farbe hellgrün gehaltenen drei geplanten Neubauten, von denen einer bis zum Markt reichen soll – etwas zu weit wie ich meine. Warum.

    http://www.rp-online.de/nrw/staedte/moenchengladbach/erste-plaene-fuer-das-neue-rathaus-in-rheydt-aid-1.6557675

    Dem Betrachter legt die Skizze nahe: rot oder blau oder hellgrün = Neubau nach Abriss.

    Das Rathaus Rheydt steht im Stadtteil Rheydt in Mönchengladbach (Nordrhein-Westfalen), Markt 11/12/13.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Rathaus_Rheydt

    Zwischen denkmalgeschützter Kgl. Kommandantur (Königliches Bezirksmonmmando), Markt 13, und historischem Rathaus, Markt 11, befindet sich Hausnummer Markt 12

    Theaterkasse | Markt 12

    http://www.dasoertliche.de/Themen/Theaterkasse/M%C3%B6nchengladbach.html

    RP: “die Gebäude in Rheydt hinter dem nicht unter Denkmalschutz stehenden Komplex – Kommandantur, Rathaus – abzureißen”.

    In jeweils gleichem Umfang unter Denkmalschutz steht die Gesamtheit der zum Marktplatz weisenden Gebäude, also nicht lediglich “Kommandantur” hier und “Rathaus” da, sondern auch das Haus dazwischen, das aber auf der Skizze hellgrün markiert ist – wie gesagt, obwohl es unter Denkmalschutz steht.

    Als Fazit; Zitat Stadt Mönchengladbach Untere Denkmalbehörde am 10.04.2017, Schreiben liegt mir vor

    “handelt es sich bei dem Rheydter Rathaus mit Kgl. Bezirkskommando (Markt 11, 12, 13) um ein eingetragenes Baudenkmal. Die Gebäudeteile wurden am 14.05.1985 unter der lfd. Nr. M 013 in die Denkmalliste der Stadt Mönchengladbach aufgenommen.”

  5. Liebe Kommentatoren!

    Man kann im Leben nicht immer ALLES haben!

    Neues Rathaus, eine dolle, äh, tolle AöR für die neue Sauberkeit, samt lächerlichen Staubsaugern, von der (der neuen Sauberkeit) bisher leider noch nix zu sehen ist – außer dort wo “gesaugt” wird … :-;

    Sorry, musste sein. Die Dinger sind der absolute Gipfel der Geldverschwendung.

    134.000 Euronen für so ‘nen Quatsch, der auch noch viel mehr Zeit kostet als aus den Ecken kehren und mit der kleinen fahrbaren Kehrmaschine drüber und aufsaugen.

    Irgendwo und an irgendwas MUSS gespart werden!

    Die Kids samt Eltern sollen sich mal nicht so anstellen Die Toiletten wurden teils schon von deren Eltern (Großeltern?) benutzt, da wird’s für die aktuelle Generation auch noch reichen.

    Fast schon Tradition, dass die so sind wie die sind.

    Kinder und Jugendliche sollen auch gar nicht so sehr verwöhnt werden. So bekommen die schon mal einen Vorgeschmack fürs richtige Leben.

    Hat Dr. Bonin überhaupt Kinder, die betroffen sein könnten? Glaube nicht. Also ist doch alles super!

  6. Ich gehe ja davon aus, dass unser neues Rathaus dann im Nordpark steht. Als politisches Zeichen, das Politik und Kommerz untrennbar zusammengehört und man sich nicht auseinanderdividieren lässt.

    Vielleicht, aber auch nur vielleicht, kommt dann ja dem amtierenden Baudezernenten während einer WC-Sitzung, bei der er sich in eine neue, blütenweiße Porzellanschüssel erleichtert, der Gedanke, dass man in den Schulen eigentlich auch was machen müsste wenn man denn das Geld dafür hätte.

    Und das wäre, politisch gesehen, schon ein großer Fortschritt.

    Denn solch ein kühner Gedankengang ist bis jetzt nicht vernehmbar.

  7. „Möglicherweise hatte es die CDU damals, im Hinblick auf die bevorstehenden Kommunalwahl am 30.08.2009, als wahltaktisch klüger angesehen, das Thema Rathausneubau nicht von den politischen Mitbewerbern in den Wahlkampf hineintragen zu lassen.“

    Richtig. Deshalb wollen die jetzt Nägel mit Köpfen machen, bevor es wieder ein Wahlkampfthema werden könnte.

    Der Rathaustraum wird schon so lange geträumt!

    Mal sehen was dabei rauskommt. Erich Oberem hat es damals richtig analysiert und kritisiert.

    Aber nun haben wir ja Herrn Dr. Bonin. Der wird’s schon richten (dürfen). Der hat schließlich das volle Vertrauen des OB und der GroKo. Auch wenn das Pferd von hinten aufgezäumt werden sollte.

    Aufgaben – Prozesse – Organisation …

    Was soll’s! Hauptsache Rauthaus bauen und schnellstmöglich viel Geld ausgeben, das diese Pleitestadt nicht hat.

    Da fällt mir noch ein: sind inzwischen überall in Gladbachs Schulen akzeptable Toiletten vorhanden? Oder teils (oder gar überwiegend?) immer noch die uralten, versifften, stinkenden vorhanden?

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