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Kommunalpolitik in Mönchengladbach: Verantwortung – eine Frage der Ethik

Bernhard Wilms [ - Uhr]

ulfneu1.jpgSeit Jahren befasst sich der Mönchengladbacher Journalist, Unternehmensberater und Managementtrainer Ulf D. Posé, mit Fragen zur Ethik in Unternehmen und in der Gesellschaft.
Gemeinsam mit Prof. Dr. R. Lay und Freunden aus Wirtschaft, Wissenschaft und Beratung gründete er Ende 2003 den Ethikverband der Deutschen Wirtschaft e.V.

Neben eine Vielzahl von Veröffentlichungen ist Posé gefragter Interviewpartner für Printmedien, Radio und Fernsehen zur Verfügung.

Vor dem Hintergrund der Fragen nach „politischer Verantwortung“ stellte Ulf Posé der BZMG freundlicherweise seine interessanten Betrachtungen zum Thema „Verantwortung aus ethischer Sicht“ zur Verfügung, die Sie am Ende dieses Artikels als Download finden.

Dass Verantwortung ein Aspekt der Ethik ist, trifft insbesondere dann zu, wenn Verantwortung Menschen und das Gemeinwesen, also die öffentliche Gesellschaft einschließen.

Verantwortung für ein Unternehmen oder eine Organisation ist also nicht anders zu bewerten, als Verantwortung für eine Kommune, sei es als Führungskraft in der Verwaltung oder als Kommunalpolitiker, die gerne von der Übernahme „(Politischer) Verantwortung“ sprechen.

Und dennoch: ein wesentlicher Unterschied besteht. Während ein selbständiger Unternehmer meist unmittelbar für seine Mitarbeiter, sein Vermögen und seine Familie verantwortlich ist, sind Politiker „nur“ Treuhänder des ihnen von den Bürgern anvertrauten Gemeinwesens sind.

Und genau da scheint auch der „Knackpunkt“ zu liegen. Denn: Würden die nicht selten selbständigen Mönchengladbacher Kommunalpolitiker „wirtschaftsnaher“ Parteien so in ihren Unternehmen agieren, planen, kalkulieren und entscheiden, wie sie das in den Ausschüssen und dem Rat tun, wären manche von ihnen nicht mehr „am Markt“.

Vor diesem Hintergrund sollten die Betrachtungen von Ulf Posé ein Denkanstoß für unsere Kommunalpolitiker sein, ihr Handeln und Entscheiden (oder Nicht-Handeln und Nicht-Entscheiden) auch unter ethischen Gesichtspunkten einmal kritisch zu reflektieren.

Denn: „Als Verantwortung bezeichnet man die ethische Verpflichtung eines Menschen zum Tun oder Unterlassen, zum Einstehen für die Folgen des Tuns und Unterlassens.“

In seinem Vortrag, dessen Inhalte auch Bestandteil seines Trainingsprogramms für Führungskräfte sind, gibt Posé auch eine Antwort zum Thema „Güterabwägung“ am Beispiel von Unternehmen und Mitarbeiter (und ihren Familien).

Hier ein Extrakt daraus:

Was ist Verantwortung aus ethischer Sicht?

Verantwortung kommt von antworten.

Die Frage ist, wem muss man antworten? Was ist also die Verantwortungsinstanz?

  1. Verantwortung vor mir selbst
  2. Die Verantwortung gegenüber einem oder mehreren definierten Menschen (auch einer Institution oder einem Unternehmen)
  3. Die Verantwortung vor der Zukunft – was verändere ich jetzt in Zukunft?
  4. Die religiöse Verantwortung

Merke: Verantwortung klärt die Zulässigkeit des Handelns

Aus den Werten eines Menschen kommen Fragen und aus den Handlungen eines Menschen kommen Antworten. So ist Verantwortung eine Antwort.

Handeln

Für einen Erwachsenen sind vier Bedingungen notwendig, sonst ist ein Leben aus 1. Hand nicht möglich:

  1. Alternativprinzip = Ich muss eine Alternative besitzen
  2. Finalitätsprinzip = ein Ziel besitzen
  3. Effizienzprinzip = Handeln muss ein Ergebnis haben
  4. Responsibilitätsprinzip = Handeln begründen können

Schuld & Gewissen

Schuld muss unterschieden werden in objektive und subjektive Schuld.

  • Objektive Schuld liegt nur dann vor, wenn ich gegen mein Gewissensurteil handle.
  • Subjektive Schuld sind Schuldgefühle. Schuldgefühle wurden uns andressiert. Sie haben mit Sittlichkeit nichts zu tun! Sie haben sicher einen moralischen Wert. Damit haben Schuldgefühle nichts mit objektiver Schuld zu tun.

Das falsch gebildete Gewissen

… kennt drei Gründe:

  1. Das desorientierte GewissenDas Gewissen wird weitestgehend durch das Über-Ich bestimmt (z.B. durch absolute Wahrhaftigkeit oder absolute Gerechtigkeit). Man spricht dann von einem desorientierten Selbst.
  2. Das desintegrierte GewissenIch besitze in meinem Gewissen mehrere miteinander nicht verträgliche Werte.
  3. Das inkonsistente GewissenEs kommen Elemente vor, die abhängig sind von konkreten Situationen. Sie werden nach Beliebigkeit (Stimmungen) ausgewechselt.

Es geht um die Frage, wem gegenüber muss ich mein Handeln verantworten? Zunächst meinem sittlich gebildeten Gewissen gegenüber.

Es kommt darauf an, wie zukünftig Menschen Verantwortung verstehen.

Jonas hat hier mit seinem Buch „Das Prinzip Verantwortung“ Pionierarbeit geleistet.

Jonas hat einen Verantwortungsbegriff, der eher spieltheoretisch ist. Er differenzierte auch nicht so weitgehend, wie hier vorgestellt.

Die neue Unredlichkeit entsteht meistens dadurch, dass kein Gewissensurteil ausgebildet wird.

Das Gewissen wird ersetzt durch die normative Kraft des Faktischen.

Getan wird, was getan werden muss.

Da das Gewissen immer weniger abgefragt werden kann aufgrund der Umstände, verliert es immer mehr an Bedeutung.

Es wird so ersetzt durch die normative Kraft des Faktischen.

Und gerade die neue Unredlichkeit ist ja das Befolgen der normativen Kraft des Faktischen.

Güterabwägung

Die Güterabwägung bezeichnet eine Methode und die Praxis, verschiedene Güter so gegeneinander abzuwägen und in Beziehung zu setzen, dass das Handeln und Entscheiden das den Umständen nach bestmögliche Gesamtergebnis zur Folge hat.

Beziehung zwischen Unternehmensnutzen und Nutzen für Mitarbeiter und deren Familien:

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Fall A
ist ethisch gut, da er beiden nutzt (z.B. Mitarbeiter hat Urlaub)

Fall B
ist ethisch schlecht, da beiden geschadet wird (z.B. Mitarbeiter ist Alkoholiker)

Fall C und Fall D
sind indifferent

Ergänzende Erläuterungen

Fall C
wäre nur dann ethisch gut, wenn der Nutzen des Unternehmens den Schaden der Familie aufwiegt (z.B. Mitarbeiter macht Ãœberstunden)

Fall D
ist ethisch deswegen schlecht, weil der Schaden des Unternehmens größer ist, als der Nutzen der Familie (z.B. ein Mindestlohn, der nicht erwirtschaftet wird)

Schlussendlich stellt Posé diese Fragen zur „Übernahme von Verantwortung“:

  • Wie lautet das gemeinsame Verständnis von Verantwortung?
  • Welche Verantwortlichkeiten gibt es für die einzelne Führungskraft?
  • Wie wird Verantwortung gelebt?
  • Woran machen mir Verantwortung konkret fest?
  • Welche Konsequenzen ergeben sich aus der Übernahme von Verantwortung?
  • Wie verhindern wir Schuldzuweisungen und kommen zu Lösungen?
  • Wie wird die Verantwortung im Team gelebt?
  • Wie wird die eigene Verantwortung mit der Verantwortung anderer sinnvoll verzahnt?

Mönchengladbacher Kommunalpolitikern sei dringend empfohlen, sich sowohl im „täglichen Politikgeschäft“ als auch im Zusammenhang mit der bevorstehenden Kommunalwahl mit diesen Fragen auseinanderzusetzen und ihre bisherigen Handlungen und Entscheidungen kritisch zu reflektieren. Geschieht das, wird manch einer von ihnen zu überraschenden Erkenntnissen kommen.

Eine davon wird möglicherweise sein, dass sie in der Vergangenheit viele Entscheidungen keineswegs verantwortlich im Sinne ethischer Verpflichtung getroffen haben. Auch – und vielleicht gerade deshalb – weil das konkrete Einstehen für die Folgen des Tuns und Unterlassens noch nie konkret eingefordert wurde.

Noch, denn die Kommunalwahl 2009 kommt!

Den vollständigen Vortrag von Ulf D. Posé können Sie durch Klick auf diesen Satz ansehen und downloaden.

Kontakt:

Ulf D. Posé

Klosterstr. 19-21
41189 Mönchengladbach
Tel. (0 21 66) 5 78 41
Fax (0 21 66) 5 68 48
Mobil (01 71) 8 54 93 21

e-mail: info@posetraining.de

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