Inklusion behinderter Schüler: FDP Mönchengladbach stellt klar

Vorstand VdK MG [26.06.2010 - 18:55 Uhr]

10-06-10-rp-fpdIn der Hauptausgabe der RP war zu lesen, die FDP sei gegen die Einbeziehung behinderter Kinder und Jugendlicher in den regulären Unterricht. Der VdK Mönchengladbach fragte bei der Mönchengladbacher FDP nach:

„Die Formulierung in der RP stellt eine sinnentstellende Verkürzung dar“, erklärt FDP Geschäftsführer Hans Joachim Stockschläger.

Im Kapitel 8 des FDP-Wahlprogramms zur Landtagswahl befinde sich folgende Passage:

Die FDP will für NRW

(…)

  • die Integration von Kindern mit Behinderung in Regelschulen, wo dies möglich ist. Bei erhöhtem Förderbedarf ist über die Integration mehrerer „Schulen unter einem Dach“ nachzudenken.“

Stockschläger weiter: „In der Diskussion über das Programm wurde auch über die Einschränkung ‚wo dies möglich ist’ gesprochen. Dabei stand die bestmögliche Förderung von Kindern mit Behinderung im Mittelpunkt.

Es gibt unterschiedliche Arten und Grade der Behinderung, die einen ebenso unterschiedlichen intensiven Förder- und Betreuungsbedarf auslöst. Diese können so intensiv ausfallen, dass dies in einer Regelschule gar nicht zu bewältigen wäre.

Daher halten wir eine generelle Forderung nach dem Motto ‚alle Kinder mit Behinderung sind in den Unterricht der Regelschulen zu integrieren’ für falsch.“

Mit Bezug auf Mönchengladbach ergänzt Stockschläger: „In Mönchengladbach hat die FDP bisher im übrigen allen vorgeschlagenen integrativen Maßnahmen zugestimmt. Diese richteten sich nach den Bedürfnissen der Kinder und den Möglichkeiten der Einrichtung.“

Nach Beobachtung des VdK Mönchengladbach fehlt es in Mönchengladbacher Schulen an Voraussetzungen und damit an „Möglichkeiten der Einrichtung“.

„Es muss dringend ermittelt und analysiert werden, welche Schulen tatsächlich die Möglichkeit bieten, integrativen Schulunterricht zu realisieren“, mein VdK-Kreisvorsitzender Bernhard Wilms.

Wichtig seien dabei sowohl die infrastrukturellen und technischen Gegebenheiten, aber auch die Fortbildung der Lehrerinnen und Lehrer“.

GEW-Vorsitzender Reinhold Schiffers dazu:

„Die auch von der Bundesrepublik unterzeichnete UN Konvention über die Rechte behinderter Menschen stellt klar, dass eine Ausgrenzung behinderter Menschen auch im Bildungswesen unzulässig ist.

Insofern stellt sich die Frage nicht mehr, was eine Partei will oder nicht will. Eine inklusive Schule ist allerdings nicht allein mit einer Unterschrift unter ein Dokument oder durch einen Ratsbeschluss zu erreichen.

Es ist ein Veränderungsprozess von Schulen und des Verständnisses der Menschen von Schule und Unterricht, an dessen Ende die Inklusion steht. Dabei geht es weniger um bauliche Maßnahmen als um die Köpfe.

Was jetzt auch in Mönchengladbach dringend notwendig ist ein Konzept, das klare Schritte auf dem Weg zur Inklusion beschreibt.

Auf diesem Weg werden sich Schule, Unterricht und LehrerInnen verändern. Das ist leichter, wenn sie dabei von allen Eltern und der Schulverwaltung unterstützt werden.“

2 Kommentare zu “Inklusion behinderter Schüler: FDP Mönchengladbach stellt klar”
  1. Eine Kultur, in der jeder Mensch einen Platz hat – das ist die Idee, die hinter dem Inklusionsanspruch steht. Und das bedeutet: nicht die Defizite sind das Ausschlaggebende, sondern die Ressourcen, die in jedem Menschen sind. Darum geht es letztlich: Kindern und Jugendlichen Rahmenbedingungen schaffen, ihre Fähigkeiten und Gaben zu entwickeln.

    Jeder und jede ganz unterschiedlich. Alle Menschen brauchen einander, ergänzen einander. Niemand ist überflüssig, jede und jeder ist wichtig. Jeder Mensch hat Würde, er ist wichtig, so wie er ist. Deshalb sollten Kinder und Jugendliche mit ganz unterschiedlichen Kompetenzen, Bedürfnissen und Beeinträchtigungen miteinander und voneinander lernen, und zwar nicht mit gleichen Zielen, sondern mit unterschiedlichen.

    Wer allerdings glaubt, man könne mit der Abschaffung von Sondereinrichtungen Haushaltsmittel sparen, hat nicht verstanden, welch hoher personeller, pädagogischer und architektonischer Aufwand getrieben werden muss, um Gemeinsamen Unterricht zu ermöglichen. Die Verfassung und die UN Behindertenkonvention dürfen nicht von dem jeweiligen SchulministerIn tagesaktuell gedeutet werden, und nach jeweils eigenem, auch parteipolitischen Verständnis umgesetzt werden.

    Lehrerinnen und Lehrer brauchen für diese Aufgabe die Unterstützung, die nötig ist, um Inklusion gut zu machen. Das bedeutet für die Schule aber auch, dass sie sich neu einlassen muss auf zieldifferenten Unterricht. Sie muss nicht nur zu berücksichtigen, dass Kinder unterschiedliche Lerngeschwindigkeiten haben, sondern dass auch je und je andere Ziele erreicht werden.

    Die Lösungen sind vorhanden, werden aber leider beharrlich ignoriert, da sie bestehende Strukturen in Frage stellen. Die Interessen der Sonderpädagogen am bestehenden Schulsystem werden auf dem Rücken der Kinder ausgetragen.

    Die Pädagogen und Gewerkschaften handeln nach dem Motto: „Weil es etwas in der Vergangenheit nicht gab, darf es dies auch heute nicht geben.

    Die große Herausforderung der Inklusion ist es, Schule so zu gestalten, dass jeder einen Platz hat und dass jeder mit seinen Ressourcen zum Zuge kommt. Niemand ist dabei überflüssig. Es ist normal, verschieden zu sein. Beeinträchtigungen sind nicht das Besondere, sondern das Normale. Dass wir auf Hilfe angewiesen sind, ist eine menschliche Konstante.

    Wir brauchen Ergänzung, Hilfe, Unterstützung. Alle! So ist es auch dann, wenn wir uns einreden, wir seien stark, unabhängig, klug, souverän.
    Gespannt darf man sein, wie gerichtliche Auseinandersetzungen ausgehen, wenn mehr Eltern als bisher sich für eine inklusive Bildung entscheiden und das Schulsystem dadurch unter Reformdruck gerät.

    Am Ende der Inklusion stehe eine neue Schule, die wir noch nicht kennen.

  2. Die GEW fordert somit Hausaufgaben für den Schuldezernenten Dr. Fischer an.

    Dessen “Konzept zur Neustrukturierung der Schullandschaft” verpaßt das Ziel der Inklusion, denn außer “mehr Raum für Förderschulen” gibt das Konzept an dieser Stelle nichts her: http://www.bz-mg.de/themenreihen/reihe-schuleintwicklungsplanung/schulentwicklungsplanung-teil-ix-die-forderschulen.html

    Auch die Erweiterung von “normalen” Schulen um das Angebot einiger integrativer Plätze ändert im Großen und Ganzen nichts, wenn nicht auch Lehrer im Umgang mit behinderten und benachteiligten Schülern (emotionale, motorische Auffälligkeiten, ADHS sind keine Behinderung) geschult werden und ihnen auch in “normalen” Schulen ausgebildete Fachlehrer (Sonderschullehrer, Sozialpädagogen) als Hilfe zur Seite gestellt werden.

    Ansonsten droht, dass einige Kinder mit anerkannten Schwerbehinderungen eine Regelschule besuchen dürfen, die Eltern und Kinder sich aber immer wieder aufreibend mit LehrerInnen auseinandersetzen dürfen, weil diese letztlich überfordert sind oder aber auch keine Anstrengungen im Umgang mit behinderten Kindern zu erbringen bereit sind.

    Hier gibt es ganz klar Barrieren in Köpfen abzubauen als Aufgabe der Lehramtsausbildung bzw. Lehrerfortbildung. Hier werden auch Angebote der GEW gebraucht.

    Soweit so gut, und was ist mit den vielen Kindern ohne anerkannte Behinderung?

    Auch die könnten vom Abbau von Barrieren in Köpfen profitieren, wenn sich in “normalen” Schulen Lehrer, Eltern, Therapeuten und Sozialpädagogen in ihren Bemühungen um schwierige Schüler “verzahnen”.

    Endstation Förderschule muss, nein darf nicht sein!

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