Aspekte des Wählens • Teil XIV: Linke veröffentlicht Ausschnitte aus NRW-Wahl­programm in Gebärdensprache • Ein prinzipiell guter, jedoch verbesserungswürdiger Ansatz [mit zwei Videos]

Bernhard Wilms [ - Uhr]

Das gesprochene Wort kann eine wichtige Ergänzung zu verschriftlichten Informationen bieten. Vielfach werden auch Botschaften über Videos verbreitet, in denen Bilder verbal ergänzt werden. Gehörlose und stark höreingeschränkte Menschen können diese Kombination jedoch meist nicht nutzen.

Dies war Anlass für die NRW-Linken ihr Wahlprogramm zum Landtag 2017 auf Youtube in Gebärdensprache für Gehörlose anzubieten.

Durch die Gebärdensprache ist es den Gehörlosen möglich in ihrer Sprache zu kommunizieren.

Erst im Jahr 2002 wurde die „Deutsche Gebärdensprache“ (DGS) als eigenständige Sprache anerkannt.

Dies war eine Voraussetzung dafür, dass zumindest bei der der Kommunikation in und mit öffentlichen Stellen ein gewisser Rechtsanspruch dafür entstand, dass Gehörlosen beispielsweise bei Behördengängen ein Gebärdendolmetscher beizustellen ist.

In Kommunen ist dies trotz „Inklusion“ immer noch eine Seltenheit. Das liegt zum einen daran, dass Gehörlose nicht sofort als solche erkannt werden und sie sich – teilweise aus unberechtigter Scham – auch nicht als solche zu erkennen geben und auf ihrem Unterstützungsrecht bestehen.

Auch im aktuellen Wahlkampf wird diese Gruppe der Menschen mit Behinderungen förmlich ausgegrenzt, wenn sie ohne Gebärdendolmetscher den Reden von Politikern nicht folgen können.

In einem ersten Ansatz hat die Partei DIE LINKE auf Youtube ein Video eingestellt, in dem Auszüge aus ihrem NRW-Wahlprogramm sowohl phonetisch als auch in Gebärdensprache vorgestellt werden.

Als erste Partei in NRW hat sie eine Gebärdendolmetscherin gebeten, diese Auszüge in Gebärdensprache zu übersetzen.

Das Video zeigt Kernpunkte der Linken NRW zu den Themen Inklusion, Mindestlohn, Bildung, Umwelt und Verkehr. Sprecherin im Hintergrund ist Anja Vorspel aus Düsseldorf , die auf der Landesliste Nr. 13 rangiert.


Unterstellt man, dass Gehörlose des Lesens mächtig sind, darf der wirkliche Nutzens dieses speziellen Videos durchaus hinterfragt werden.

Gleichwohl scheint der Start prinzipiell der richtige zu sein, nämlich zu versuchen, den Bedürfnisse gehörloser Menschen (= Wähler) auch auf diesem Weg zu entsprechen.

Möglicherweise gibt es bald mehr „bewegte Bilder“ von Partei-, Wahl- oder anderen politischen Veranstaltungen, die diesen Ansprüchen gerecht werden.

Sie müssten dann jedoch von mehreren Gebärdendolmetschern begleitet und übersetzt werden, denn diese Aufgaben sind für die Dolmetscher so körperlich belastend, dass nach etwa 15 Minuten ein Wechsel stattfinden sollte.

Wichtig ist deren Einsatz auf jeden Fall, wie ein peinlicher Vorfall im NRW-Landtag im November 2015 gezeigt hat, als ausgerechnet für eine Debatte zum Thema „Inklusion“ versäumt wurde, Gebärdendolmetscher zu bestellen und daher diese Debatte abgesetzt werden musste.


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