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Wat nix kost, ist dat nix?

Sportlerehrung2010-huelskath [1]Verdutzt reibt man sich bei den Sportlerehrungen der Stadt [2] die Augen: Roland Hülskath, heimischer Trabrennfahrer, gehört auch in diesem Jahr, wie auch in den vorigen, zur Riege der geehrten Sportler unserer Stadt; krankheitsbedingt nahm sein Trainer die Ehrung für ihn entgegen.

Trabrennfahrer Modell [3]Überrascht stolperte man auch auf der diesjährigen Frühjahrsausstellung 2011 über ein, wenn auch künstliches, Pferd am Stand der MGMG, die in ihren Stadtführungen [4] und bei der Werbung um Besucher bzw. Touristen auch gerne die Trabrennbahn einschließt (Archivbild der Frühjahrsausstellung 2010 – BZMG-Bericht vom letzten Jahr [5]).

Warum verdutzt und überrascht? Wäre doch dumm, das nicht zu nutzen, schließlich: Dieses Marketing kostet die Stadt nichts.

Im Gegensatz zum Fußballgeschäft.  „Einmal im Blickpunkt der Welt zur Frauen-WM stehen“ – Stadtmarketing kostet eben. Eigenwerbung gibt es eben nicht zum Nulltarif.

Pferderennen [6]Zwar steht Mönchengladbach auch über den Trabrennsport im medialen Blickpunkt, dieser befindet sich allerdings, weil er nicht zum fußballbegeisterten Millionenpublikum zählt, außerhalb des Gesichtskreises der Lokalpolitiker.

Deswegen ist auch Borussia als Werbeträger wichtig, ist doch so allwöchentlich gewährleistet, dass der Name „Mönchengladbach“ in den bundesweiten Sportnachrichten erscheint (jedenfalls so lange der Club Erstligist ist).

Deswegen heißt es auch hier „Stadtmarketing kostet eben“ und sei es über Kosten für Infrastruktur und Vergabe günstiger Darlehen.

Der Trabrennsport ist für die Stadt ein Nullsummenspiel: das Gelände bringt nichts ein, allerdings wird bei solchen Aussagen auch vergessen: es kostet aber auch nichts, weil der Rennverein die Kosten trägt.

Und dieser vermarktet seine Renntage zunehmend besser [7], bietet Möglichkeiten für Events [8], zieht potentielle Geldgeber durch diesen Sport an und vermietet für Veranstaltungen (nur ein Beispiel hier [9]).

vennen-horst-peter-05_i_m„So eine Situation ist für Gladbach nicht tragbar“, meinte Horst-Peter Vennen (SPD) in einem Interview mit der Rheinischen Post am 28.03.2011.

Dieses Zitat ist zugegeben aus dem Zusammenhang gerissen, denn Vennen meint damit nicht die Bemühungen des Rennvereins auf den eigenen Hufen zu bleiben, sondern verweißt auf die fehlende Einnahmequelle für die Stadt.

Während in Neuss die Galopprennbahn massiv mit Geldmitteln von der Politik unterstützt wird, erfahren die Gladbacher Pferdesportler die Unterstützung der Politik am liebsten bei öffentlichen Inszenierungen, wie Sportlerehrung oder Amateur-WM im Trabrennsport [10], bei der auch SPD-Politiker gerne Pokale überreichen.

Mönchengladbach ruht sich derweil auf den Imageträger „Borussia“ und „Fußball“ aus.

Doch wer in der Öffentlichkeit auch als Sport- und Kulturstadt und nicht nur Fußballbundesligastadt wahrgenommen werden möchte, muss sich zwangsläufig breiter präsentieren und abheben.

Vennen, Aufsichtsratsvorsitzender der EWMG, unterstützt offensichtlich die Bemühungen der Wirtschaftsförderer aus FDP und WFMG/EWMG um die Umwandlung des Trabrennbahngeländes in ein Gewerbegebiet [11].

Die Aussicht auf ein Gewerbegebiet mit vielleicht und hoffentlich bald vielen Arbeitsplätzen wird gegen bereits bestehende Arbeitsplätze bei den bisher vorgetragenen Argumenten der Stadtförderer nicht abgewägt. [12] Dass der Trabrennverein über bestehende Arbeitsplätze für Steueraufkommen sorgt, wird geflissentlich übersehen.

Die Rennvereine stemmen überall ohne Frage eine Reihe von Problemen. Dazu gehört auch das Problem sinkender Wettgeschäfte [13]

Das größte Problem sind jedoch Kommunalpolitiker, die denken „watt nix kost, is och nix.“

An dieser Wirtschaftsförderung und Stadtplanung nach Planierraupenart wird auch Baudezernent Andreas Wurff (parteilos) nichts ändern. Seine Positionen zum Image einer Stadt passen nicht nach Mönchengladbach [14].

Sie passen erst, wenn auch in Köpfen Veränderungen stattfinden. Diese Veränderungen sind weder bei FDP noch bei SPD erkennbar.

Da Mönchengladbach bekanntlich von dreien gestaltet wird, von denen sich nun zwei einig sind, ist für die Trabrennbahn das Totengeläut nicht mehr zu überhören.

Auch die Verwaltung wird daran nichts ändern, denn die fortschreitende Versiegelung von Flächen und die negativen Folgen für Neuwerks Bevölkerung hat auch trotz wiederholter  Warnungen der Verwaltung [15] noch wirklich keinen Politiker, Wirtschaftsförderer und Unternehmer interessiert.

Daran werden auch Aufforderungen des Umweltbundesamtes an die Adresse der Kommunalpolitiker nichts ändern. [16]

Vielleicht, weil alte Köpfe in der Ampel weitermachen, vielleicht aber auch, weil bei SPD und FDP junge Köpfe mit neuem und eigenem Gedankengut fehlen (oder nicht erkennbar sind).

Interessant wird an dieser Stelle die weitere Entwicklung der Mönchengladbacher CDU zu beobachten sein. Junge Köpfe bedeuten schließlich nichts zwangsläufig Überdenken althergebrachter Positionen und neue Ausrichtungen. Das wird sich noch zeigen, auch am Beispiel Trabrennbahn.

Was mit der Ehrung von Roland Hülskath deutlich wird: die Stadt hat ein arg gespaltenes Verhältnis zu sich selbst.

2 Kommentare (Öffnen | Schließen)

2 Kommentare Empfänger "Wat nix kost, ist dat nix?"

#1 Kommentar von Rettisch am 30. März 2011 @ 15:22

Wie wahr!

Hier gilt nur das goldene und teure Kalb Borussia. Vor dem liegen sie alle auf den Knien.

Demnächst wieder 2. Liga. Glückwunsch! Dann is Gladbacch wieder in der Presse. Hauptsache Presse?

Besser Negativwerbung als keine?

#2 Kommentar von Peter Neuss am 2. April 2011 @ 19:33

Die Wirtschaft floriert wieder in unserer Heimatstadt Mönchengladbach.

Darüber muss man froh und glücklich sein.

Ein großes BRAVO an die Verantwortlichen.

Aber hängt denn eine weitere postive Entwicklung an einem Eckchen in Neuwerk?

Unsere Trabrennbahn ist eine Wiege des Trabersports in Europa, seit 1892 drehen dort Traber ihre Runden. Die Liste der dortigen Meisterfahrer und deren Pferde ist lang, sehr lang sogar.

Nach schwerer Zeit hat sich die Rennbahn in den letzten 2 Jahren wieder gefangen und findet sich in soliden Verhältnissen wieder.

Eine Heimat für Mensch und Pferd ist dort erhalten geblieben und die Besucher an der Niers, in Wettbüros oder zuhause im Internet erfreuen sich länderübergreifend an den spannenden Rennen in Mönchengladbach.

Richtig, der Erfolg trägt unsere Stadt duch Land und Länder.

Liebe Politiker,

mag sein, daß Ihr der Rennbahn nicht helfen könnt, aber laßt sie doch bitte in Ruhe arbeiten und gebt Stabilität und Sicherheit durch langfristige Pachtverträge.
Der historische Boden muss erhalten bleiben, Neuwerk wird sich über jeden Zentimeter ohne Beton freuen.

Mit freundlichen Grüßen

Peter Neuss