„Live-Duell“ zwischen Bude und Reiners bei BVMW – Teil IV: Über Mittelstand, Zalando, Arbeitslose in Mönchengladbach sowie den Internethandel und seine Folgen • Zalando Mittelstand? [mit Video]

Bernhard Wilms [ - Uhr]

Wenn ein „Duell“ zwischen Spitzenkandidaten, wie am 13.03.2014 von einer Vereinigung des Mittelstandes veranstaltet wird, ist es naheliegend – ja zwingend – die Interessen dieser Unternehmergruppe in den Fokus zu stellen.

Dazu, was unter Mittelstand zu verstehen ist, gibt es unterschiedliche Definitionen, die sich jedoch nur in Nuancen unterscheiden.

Eine allgemein akzeptierte oder gar gesetzlich vorgeschriebene Definition des Mittelstandes gibt es nicht.

Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) beschreibt als größte nationale Förderbank der Welt, die sich schwerpunktmäßig mit der Förderung des deutschen Mittelstandes befasst, mittelständische Unternehmungen mit einem maximalen Jahresumsatz von 50 Millionen Euro bzw. einer maximalen Jahresbilanzsumme von 43 Mio Euro.

Das Institut für Mittelstandsforschung (IfM) in Bonn definiert mittlere Unternehmen mit einer Mitarbeiterzahl zwischen 10 und 500 und ebenso wie die KfW mit einem Jahresumsatz von unter 50 Mio. EURO.

Dass Mönchengladbach eine mittelstandsgeprägte Kommune ist, steht außer Frage. Welchen Einfluss ein Oberbürgermeister/Hauptverwaltungsbeamter auf die wirtschaftliche Entwicklung des Mittelstandes hat, scheint jedoch sehr diskutabel.

Dabei spielt die Schaffung von Arbeitsplätzen zwar eine nicht untergeordnete Rolle, liegt jedoch weit außerhalb der Möglichkeiten sowohl eines Verwaltungschefs als auch der Politik in einer Stadt. Arbeitsplätze können nur von Unternehmen geschaffen werden.

Poltitik und Verwaltung können als gemeinsame Akteure der kommunalen Selbstverwaltung allenfalls gewisse Rahmenbedingungen schaffen, die dem Mittelstand zugute kommen. Nicht mehr aber auch nicht weniger.

Der gerade in Wahlkampfzeiten gerne von Kandidaten für politische Ämter erweckte Eindruck „wir haben Arbeitsplätze geschaffen“, oder „wir haben Arbeitsplätze in unsere Stadt geholt“ ist unangemessen und falsch.

Ebenso unangemessen wenn auch rethorisch geschickt war der Schwenk des amtierenden Verwaltungschefs Norbert Bude auf die Frage des Moderators Michael Obst, was ein Oberbürgermeister tatsächlich für den heimischen Mittelstand bewegen könne. In seiner Frage schloss Obst „Konzerne“ explizit aus.

Als einen entscheidenden Einfluss des Oberbürgermeisters nannte dieser die Ansiedlung neuer Unternehmen und nannte „spontan“ Zalando & Co. im Regiopark.

Im Kontext zur Frage erklärte Bude Zalando kurzerhand zum mittelständischen Unternehmen (und überging damit die Einschränkung in der Frage von Obst, die Konzerne in Mönchengladbach auszuschließen), obwohl dieses Versandhandelsunternehmen bundesweit ca. 5.000 Mitarbeiter beschäftigt und mit einem Umsatz von etwa 1,8 Milliarden EURO weit oberhalb der als „Mittelstand“ zu definierenden Umsatzgrenze liegt.

Selbst unter Zugrundelegung der geplanten 1.000 Arbeitsplätze in Güdderath (mit unbekanntem Jahresumsatz) kann Zalando nicht dem Mittelstand zugerechnet werden.

Als weitere Beispiele nannte Bude den „Eventhangar“ für die Ju 52 am Mönchengladbacher Flughafen, durch den die „Eventgastronomie“ belebt werden würde, sowie die gescheiterte Rettung der Eisengießerei Monforts.

Reiners betonte, dass den vorhandenen mittelstädtischen Unternehmen bessere Rahmenbedingungen geboten werden müssten und nannte einen Fall, bei dem ein Unternehmen wegen eines Umweltproblems acht Monate habe warten müssen, bis eine Entscheidung getroffen worden sei. Er glaubt, dass solchen Vorgängen in der Verwaltung eine hohe Priorität zuzuweisen sei.

Vor Neuansiedlung habe der Bestand zu rangieren und erklärte mit Bezug zu Zalando, dass die Arbeitslosenstatistik für Mönchengladbach immer noch 11,5% ausweise.

Reiners: „Wenn der Regiopark „vollgelaufen“ ist, dann muss auch mal gut sein mit Logistik“. Logistik könne nicht der Heilsbringer für alles sein.

Bude hielt dagegen: „Wir brauchen diese Arbeitsplätze, weil wir wir unter den 15.000 Arbeitslosen einen hohen Prozentsatz von Arbeitslosengeld II-Empfängern haben, bei dem wieder ein hoher Prozentsatz Langzeitarbeitslose sind …“.

Weitgehende Übereinstimmung gabe es hinsichtlich der vermeintlichen Vorteile, die sich durch die Arcaden (Anm.: mittlerweile „MINTO) für die heimische Wirtschaft ergeben würden.

Reiners ist der Überzeugung, dass das neue Einkaufszentrum an der Hindenburgstraße dort zu einer Belebung des Einzelhandels führen werde.

In einem weiteren Teil dieses „Duell“-Abschnittes wurde der Einfluss des Online-Handels auf den heimischen Einzelhandel behandelt.

Zu Beginn der sich anschließenden Diskussion mit den Zuhörern kam es noch einmal zur Ansiedlung von „Zalando“ und dem Nutzen für die Stadt.

Zusammengefasst erklärte Bude, dass trotz der Tatsache, dass viele der Zalando-Mitarbeiter so genannte „Aufstocker“ sind, sich für den städtischen Haushalt Einsparungen ergeben würden, und er froh sei um jeden Arbeitsplatz, durch den diese Arbeitslosen in eine „einigermaßen vernünftige Struktur“ (Anm.: Lebensrhythmus) zurückgeführt würden.

 

4 Kommentare zu “„Live-Duell“ zwischen Bude und Reiners bei BVMW – Teil IV: Über Mittelstand, Zalando, Arbeitslose in Mönchengladbach sowie den Internethandel und seine Folgen • Zalando Mittelstand? [mit Video]”
  1. Meinen Kindern hätte der Lehrer, bei solchen Antworten wie vom OB, erklärt, dass sie nicht aufgepasst und auch nicht zugehört haben.

    Mittelstand. Die Definition muss Herrn Bude bekannt sein. Oder etwa nicht? Oder hat er nicht zugehört wie die Frage war oder sie nicht verstanden?

    Zalando ist weder Mittelstand noch ein Unternehmen, das man sich in die Stadt holt! Es sei denn mit Auflagen, dass die Arbeitsbedingungen mindestens einigermaßen menschlich sind. Das sind Ausbeutermethoden.

    Wenn das in unserer Stadt auch so läuft, sollten sich Herr Bude und die, die für die Ansiedlung sorgten, in Grund und Boden schämen!

    Es besteht leider kein Grund zu glauben, dass es besser sein wird als in anderen Zalando-Niederlassungen. Das scheint herrn Bude nicht zu bekümmern.

    Ist nicht selbst betroffen. Hauptsache Arbeit und Struktur! Das nenne ich Verantwortungsbewusstsein! Meine Güte!

    Der Eventhangar als Mittelstand? Jaaa ….

    Der wird bestimmt ganz toll und Highlight der Erlebnisgastronomie unserer Stadt.

    Arcaden? Was soll dieser Konsumtempel in Light-Version voller Ketten? Zu Aldi kann ich in Gladbach an jeder Ecke gehen. Wird das eine Version für Arme, ganz der Situation dieser Stadt angepasst?

    Hässlich ist das Ding auch noch.

    Muss Herrn Reiners ja gefallen. Seine CDU wollte das unbedingt und wie ich mal gelesen habe noch viel größer. Ist hier noch nicht angekommen, dass das nur ein GEldvermehrungsmodell ist und schon längst kein Thema mehr?

    Da erinnere ich mich ganz spontan an einen Artikel in der Presse, wo diskutiert wird, ob Politiker für Fehler zur Verantwortung gezogen werden können.

  2. @ Rademacher

    Unterbeschäftigung ist eine Definition der Arbeitsagentur zur Beschönigung der Statistik:

    Zitat: „In der Unterbeschäftigung werden zusätzlich zu den registrierten Arbeitslosen auch die Personen erfasst, die nicht als arbeitslos im Sinne des Sozialgesetzbuches (SGB) gelten, weil sie Teilnehmer an einer Maßnahme der Arbeitsförderung oder kurzfristig erkrankt sind.“ Zitat Ende.

    Es trifft die Aussage zu: Lüge, Meineid, Statistik!

    Mönchengladbach, Stand März 2014:

    Arbeitslose: 31.062/8,6% allerdings für den Agenturbezirk.

    MG allein hat 11,8% (Quelle IHK) Arbeitslose, also wesentlich mehr. Im Dezember 2013 entsprach die Arbeitslosenquote für Mönchengladbach von 11,3% 14.933 Personen.

    Unterbeschäftigte: 38.439/10,4% für den Agenturbezirk. Wahrscheinlich sind es für MG prozentual auch mehr Unterbeschäftigte.

    http://statistik.arbeitsagentur.de/Navigation/Statistik/Statistik-nach-Regionen/BA-Gebietsstruktur/Nordrhein-Westfalen/Moenchengladbach-Nav.html

    Könnte also durchaus möglich sein, dass es in Mönchengladbach um die 30.000 Arbeitslose gibt.

    Mehr hahnebüchene Ausführungen zu „Unterbeschäftigten“ sind auf der Seite der Arbeitsagentur zu lesen, die einem die Haare zu Berge stehen lassen und verdeutlichen, wie hier um jeden Preis getrickst wird, um die Arbeitslosenzahlen zu schönen:

    http://statistik.arbeitsagentur.de/Navigation/Statistik/Grundlagen/Arbeitslosigkeit-Unterbeschaeftigung/Unterbeschaeftigung-Nav.html

    und zu § 16 SGB III:

    http://www.gesetze-im-internet.de/sgb_3/__16.html

  3. Unterbeschäftigung (ohne Kurzarbeit) 3.986.000 (Quote: 9,1 %).

    Was ist das denn? Noch nie gehört. Weiß jemand was das ist?

  4. Finanzielle Belastung der Stadt durch Arbeitslose. Originalton Bude: „… bisher bezahle ICH sie ganz“.

    Jawohl Herr OB Bude ausgerechnet SIE bezahlen diese Menschen ganz?

    Meine Güte, was für eine Arroganz allein von der Ausdrucksweise her!

    ER hilft dabei, dass diese Menschen wieder ein strukturiertes Leben haben. Aha. Grundsätzlich darf man also davon ausgehen, dass alle Langzeitarbeitslosen nicht mehr in der Lage sind ein geordnetes Leben zu führen?

    Solche Fälle gibt es durchaus. Aber diese Verallgemeinerung ist widerlich, ja zynisch!

    Langzeitarbeitslose. Nicht jedem fehlt die entsprechende Qualifikation, sondern „nur“ der passende, weil nicht vorhandene Arbeitsplatz.

    Wie entsetzlich, dann z.B. bei Zalando arbeiten zu MÜSSEN! Denn eine Ablehnung dieses supertollen Arbeitsplatzes, den derjenige dann dem „Können“ eines Herrn Bude zu verdanken hat, hat entsprechende Sanktionen zur Folge.

    Ob Fiege und DHL wesentlich besser sind, ist noch die große Frage. Zumindest hat man in bezug auf diese bisher nicht von den „Methoden“ erfahren, die Zalando anwendet. Dagegen ist die Stasi ja noch Kinderkram!

    Bei Zalando haben die Angestellten tatsächlich einen „strukturierten“ Arbeitstag, der gespickt ist mit Schikanen. Jeden Tag bis zu 20 km und mehr laufen, totale Kontrolle, sitzen ist nicht erlaubt, selbst wenn es gerade keinen Auftrag zum Picken gibt.

    Ja, da kann man mit stolzgeschwellter Brust davon sprechen, Menschen wieder, wie sagen Politiker immer gerne: „in Lohn und Brot gebracht“ zu haben. Allein diesen Ausdruck kann man schon nicht mehr ertragen, denn er ist angesichts der Hintergründe für die Arbeitslosigkeit und fehlender Stellenangebote eine absolute Verhöhnung der Menschen.

    Herr Bude sollte sich das mal ansehen, ob er dann immer noch so voller Begeisterung für Zalando ist? Ihm kann es schließlich egal sein. Er muss dort ja nicht schuften und leiden. Hauptsache die Sozialausgaben sinken.:

    Undercover bei Zalando: „Wer unbequem ist, wird entsorgt!“ (Beitrag vom 15.04.14)

    http://www.rtl.de/cms/news/undercover-bei-zalando-wer-unbequem-ist-wird-entsorgt-3a32f-ada1-28-1873810.html

    Ob es bei DHL (denen Bude beim Kaufpreis des Areals in Güdderath mal eben 3 Millionen Rabatt gewährte) besser ist? Das (aus Februar 2013) sieht auch nicht gerade menschenfreundlich aus. Es geht dabei um Logistik, nicht den Paketdienst, wo es ebenfalls äußerst heftig zugeht:

    http://bremerfeierabend.blogsport.eu/2013/02/24/dhl-bis-zum-bitteren-ende/

    Und wer glaubt, dass es bei Fiege besser ist, der kann ja mal googeln. Report hatte dazu einen Bericht, der leider nicht mehr online verfügbar ist.

    Dann solche Sprüche eines OB???

    Zur Info. Aktuelle Lage Arbeitsmarkt lt. Arbeitsagentur:

    Arbeitslose, Unterbeschäftigung und Arbeitskräftenachfrage im März 2014 in Kürze:
    Arbeitslosigkeit 3.055.000 (Quote: 7,1 %)
    Unterbeschäftigung (ohne Kurzarbeit) 3.986.000 (Quote: 9,1 %)
    Gemeldetes Arbeitsstellenangebot 447.000

    http://statistik.arbeitsagentur.de/Navigation/Statistik/Statistik-nach-Themen/Arbeitslose-und-gemeldetes-Stellenangebot/Arbeislose-und-gemeldetes-Stellenangebot-Nav.html

    Deutschlandweit also noch ca. 7 Millionen Arbeitslose (offiziell), sicher auch viele Langzeitarbeitslose, die, wie die in Mönchengladbach, auf einen strukturierten Tag warten, denen 447.000 offene Stellen zur Verfügung stehen …

    Ich möchte endlich einmal den Politiker erleben, der es auf den Punkt bringt und erklärt, dass vor allem die aktuelle globalisierte Arbeitswelt das Hauptproblem ist, statt den Menschen ständig pauschal zu suggerieren wie unzulänglich und unfähig sie sind und man sie sozusagen „aushält“.

    Drückeberger wird es sicher geben, gab es schon immer und wird es auch immer geben, gibt es sogar in fast jedem Unternehmen und bei Behörden – aber diese Verallgemeinerung ist unerträglich!

    Menschen werden „freigesetzt“, weil die Unternehmen im Ausland (in vielerlei Hinsicht subventioniert – auch aus deutschen Steuermitteln) billig produzieren lassen und dort ebenfalls Menschen ausbeuten. Die im Ausland produzierten Waren sollen die hier freigesetzten (= arbeitslosen) Menschen oder die zu Hungerlöhnen (s.o.) beschäftigten, dann von dem Geld, das sie nicht haben und auch nirgends verdienen können, kaufen.

    WANN wird DAS endlich einmal thematisiert??? Wurde es überhaupt jemals zur Kenntnis genommen?

    Gut, dass wir demnächst die Arcaden haben. Da können diese Menschen dann wenigstens bei Aldi das Notwendigste einkaufen. Belebt sicher ungemein und hebt die Stimmung.

    Meine Güte – welche Arroganz und Abgehobenheit eines dank sehr viel Glück saturierten OB, der nur Macht kraft seines Amtes hat! Durch Können oder gar besondere Leistungen ist er in den letzten 10 Jahren leider noch nicht aufgefallen. Dieser Mann hätte sich erst mal in der freien Wirtschaft beweisen sollen.

    Über diesen Eventhangar mit Erlebnisgastronomie möchte ich mich gar nicht erst äußern. Diese getürkte Nummer, die nur einem Verein dient, der selbst NICHTS auf die Reihe brachte und nun endlich einen Hangar zum Basteln und Schrauben bekommt, kostet die EU-Bürger und die Bürger Mönchengladbachs nur Geld, das sinnvoller und wesentlich effizienter eingesetzt werden könnte.

    Mal sehen, was aus diesen beiden „Vorzeigeprojekten“ wird.

    Wer ist eigentlich zuständig, wenn sie floppen?

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