- BürgerZeitung für Mönchengladbach und Umland 1.0 - http://www.bz-mg.de -

Neubau Zentralbibliothek oder „Kollektiv der Zahlenjongleure?“ – Teil I: Wir wünschen eine Untersuchung mit unserem Wunsch-Ergebnis

[1]Methodisch durchaus fragwürdig, handwerklich aufwändig, politisch unklug und im Ergebnis „durchsichtig“, jedoch nicht transparent. Nur so kann man die Suche nach einem Alternativstandort für die Zentralbibliothek bewerten, wenn man sich näher mit den Unterlagen auseinandersetzt, die seit Freitag, den 08.03.2013 allen Ratsfraktionen vorliegen.

Dass dies nicht das erste Mal in Mönchengladbach geschieht, zeigt das Beispiel der „Standortsuche“ für die Methangasanlage in Wanlo [2].

Der Anlass für die jetzige Standortsuche ist klar. Es gibt Personen und Gruppierungen, die auf Biegen und Brechen einen Neubau wollen, ohne dass sie auch nur im Ansatz bereit zu sein scheinen, sich mit der bestehenden Zentralbibliothek an der Blücherstraße konstruktiv und offensiv befassen zu wollen.

Dass zu ihnen der Sprecher des Arbeitskreises Kultur von B90/Die Grünen, Claus Flören, zählt, der gleichzeitig der „Kopf“ der „Lobby für Utopia“ ist, und dem eine große Nähe zum Städtischen Fachbereichsleiter Bibliothek und Museum, Guido Weyer, nachgesagt wird, ist ebenso hinlänglich bekannt, wie Weyers jahrelange Versuche, politische Mehrheiten für einen Neubau zusammen zu trommeln.

Methode

Standortvergleiche werden in der Industrie unter Wirtschaftlichkeitsgesichtspunkten durchgeführt. Liegen keine oder nur schwer bewertbare Daten vor, bedient man sich (ggf. auch ergänzend) einer so genannten Nutzwertanalyse: http://www.welt-der-bwl.de/Nutzwertanalyse [3].

Dabei werden (unterschieden nach Alternativen und daraus resultierenden Konsequenzen) Bewertungskriterien zusammengestellt,  gewichtet und festgelegt.

Die vor-ausgewählten Standorte werden dem Bewertungsraster unterworfen und je nach Erfüllungsgrad der Kriterien ergeben sich Gewichtungspunkte, die sich zu Kennzahlen aufsummieren lassen. Auf diese Weise kann die entstehende Hierarchie zur Objektivierung der Ergebnisse beitragen.

Eine umfassend objektive Bewertung über das aufwändig durchgeführte Standortsuchraster hinaus hat nicht stattgefunden, schon weil für die 13 Orte in Mönchengladbach-Stadtmitte nur eine unzulängliche Plus- und Minus-Bewertung vorgenommen wurde.

Aus welchen Gründen auch immer wurden die schon bei oberflächlicher Betrachtung „unsinnigen“ Standorte ebenfalls in die Bewertung mit einbezogen.

Darunter fällt beispielsweise der „Gladbach-Turm“, der sogar von den Masterplanern unter „langfristig“ (später als 15 Jahre) eingeordnet wird. Auch Grundstücke, die sich nicht in städtischem Besitz befinden, verwässern die Bewertungsfähigkeit.

Auch wurde versäumt, so genannte „K.O.-Kriterien“ festzulegen, wie beispielsweise zu kleine Grundstücksflächen oder nicht zeitnahe Verfügbarkeiten.

Kriterien der durchgeführten Untersuchung

  • Grundbesitz-/eigentum
  • Grundstücksgröße
  • Grundstückqualität [Nutzungsverlagerung (nötig), Abrissarbeiten, Altlasten/Entsorgungsaufkommen, Nachbarschaften, Technische Infrastruktur, (hinreichend), Immissionssituation, Erschließung/Anbindung, Belichtung/Besonnung]
  • Erreichbarkeit [ÖPNV, MIV, Fuß/Rad]
  • Lage [Positive Frequenzeffekte für die Umgebung, positive Frequenteffekte für die Fußgängerzone, Planungsrecht/Bauordnungsrecht, FNP (Flächennutzungsplan), BP (Bebauungsplan), Städtebaulicher Mehrwert]
  • Anmerkungen

 Bewertungsmatrix

[4]Nicht erkennbar ist in dieser „Untersuchung“, welche genauen Kriterien ein Grundstück zu erfüllen hat, um „geeignet zu sein“ und falls ja, wann es zwei, nur einen oder keinen Punkt, oder sogar einen „Punktabzug“ (-1) erhalten hat.

Ganz offensichtlich wird die Fragwürdigkeit des Vorgehens z.B. beim Standort „Haus Westland“. Zwei Punkte wurden lediglich diesem Standort mit zugerechnet, weil es eine außerordentliche ÖPNV-Anbindung gibt..

Scheinbar war das Ziel, den Standort an der Blücherstraße nicht zu positiv zu bewerten.

Die Grundlage für die Standortsuche wurde bei der Beauftragung durch den Rat zwar beschrieben, jedoch fehlte es an einem transparenten und objektiven Kriterienkatalog für die Grundstückssuche.

Wobei auch vorsichtshalber angemerkt wurde, Zitat (Berichtsvorlage Nr. 333/VIII): „Die Frage nach dem Flächenbedarf für einen neuen Standort der Zentralbibliothek ist nicht leicht zu beantworten.“

Wenn dem so ist, warum will man dann auf Biegen und Brechen einen Neubau, der nur gerade einmal 866 qm größer ist als die „alte“ ungeliebte Bibliothek an der Blücherstraße?

Noch dazu mit dem Manko behaftet, dass sich die Flächen dann auf drei Etagen verteilen werden, was noch unübersichtlicher ist, als im alten Haus? Genau diese Unübersichtlichkeit wird u.a. bemängelt.

Zu dem wichtigen Punkt „Raumkonzept“ gibt es lediglich Ausführungen in der Berichtsvorlage Nr. 333/VIII vom 25.10.2010 unter dem Punkt „Funktionalität – Ist-Zustand“. Diese können nicht ohne konkrete Prüfung auf Belastbarkeit der Ausführungen und Behauptungen akzeptiert werden, denn sie klingen stark nach einem Wunschkonzert der Bibliotheksleitung.

Weiteres Zitat aus der Berichtsvorlage 333/VIII: „Ausgehend von der Bibliothekskonzeption und aktuellen Erkenntnissen über Bau und Ausstattung von Bibliotheken hat die Stadtbibliothek ein „Idealraumprogramm“ aufgestellt.“

Diese darin und immer wieder (nicht nur in dieser Berichtsvorlage) ohne Verifikation vorgetragenen so genannte „Fakten“ werden nicht besser, wenn sie nur ständig wiederholt und in die Breite getragen werden.

Planungstiefe

Ohne auch nur im Ansatz die mit 3 Mio. Euro bezifferte Erweiterungsoption an der Blücherstraße mit technischen Fakten, Zeichnungen oder gar Kalkulationen zum Vergleich aufzubereiten, wurden für drei Standorte ergänzende Informationen zusammengestellt.

Dass die in der Rangfolge nicht an den ersten drei Stellen stehenden Standorte keiner kalkulatorischen Betrachtung unterzogen wurden, zeugt von einer weiteren methodisch fragwürdigen Vorgehensweise, was auf einen Präjudizierungsversuch hinweisen könnte.

Standort Lüpertzenderstraße (Platz vor der VHS, neben der Musikschule)
Kosten: 16.600.000 EURO

Flächenberechnung & Kostenprognose zum Download [5]

[6]Standort Stepgesstraße (STEP Jugendzentrum)
Kosten: 23.860.000 EURO

Flächenberechnung & Kostenprognose zum Download [7]

Wenn es noch eines weiteren Beweises bedurft hätte, wie zutreffend die Headline dieses Artikels ist, so findet man diesen bei den Anmerkungen innerhalb der „Bewertungsmatrix“.

Dort heißt es zu diesem an Rang 02 gesetzten Standort „Standortpräferenz: Masterplan MG 3.0 und UTOPIA“ 

[8]Standort Steinmetzstraße (Ehemaliges Finanzamt Kleiststraße / Steinmetzstraße)
Kosten: 19.650.000 EURO

Flächenberechnung & Kostenprognose zum Download [9]

Fazit

Diese Art der Untersuchung ist allenfalls als Vorstufe (oder „Ideensammlung“) zu einer weitergehenden, dann aber seriösen Standortsuche einzustufen.

Vor diesem Hintergrund ist zu verstehen, dass die Ergebnisse bislang noch nicht veröffentlicht werden sollten.

Ungeachtet dessen vermisst man die Bewertung des jetzt von der Ampel vorangetriebenen Standortes an der Hindenburgstraße.

Entweder war die „Ideensammlung“ zu einem Zeitpunkt beendet/abgebrochen/unterbrochen worden, als die nunmehr präferierten Grundstücke noch nicht bekannt/„auf dem Markt“ waren, oder es wurde angesichts der bisherigen Suchergebnisse nach einem weiteren Standort gesucht.

In jedem Fall immer mit dem Ziel, die Zentralbibliothek von der Blücherstraße an einen anderen Standort zu verlagern und das unbedingt mit einem Neubau.

Dass die Ampel an „ihrem“ (neuen) Standort für einen Neubau an der Hindenburgstraße bislang festhielt, ist nur damit zu erklären, dass die Ergebnisse der bisherigen Standortsuche nicht ihrer Vorstellung entsprachen. Aus Kostengründen oder vielleicht auch anderer, besonderer Interessen.

Möglicherweise gibt die Diskussion im Rat, am nächsten Mittwoch (13.03.2013) ab 15:00 Uhr, näheren Aufschluss darüber.

Dies vor allem deshalb, weil die Ampel den Auftrag zur „Standortsuche“, der am 21.03.2012 (2135/VIII) mehrheitlich vom Rat erteilt wurde, aufheben möchte.

Liegt der Grund dafür einfach nur darin, dass die Ampel keine Alternativen zum Standort „Hindenburgstraße“ zuzulassen bereit ist?