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Weitere Details zur Attacke auf Polizisten in Odenkirchen

zeichen-polizei-thb62[pol-mg] Vom 27. auf den 28.08.2010 wurde Polizist Michael F. (40) bei einem Einsatz in Odenkirchen durch einen wuchtigen Tritt ins Gesicht schwer verletzt.  (BZMG berichtete [1])

Diese Brutalität ist eine neue, für jeden Polizeibeamten bedrohliche Erfahrung“, sagt Reinhard Lenzen-Fehrenbach, Leiter der Polizeiinspektion. Er und Polizeipräsident Hans-Hermann Tirre informierten nach anfänglichem Schweigen über die „brutalen Vorgänge“ in Odenkirchen.

Michael F., Vater dreier Kinder zog sich Brüche u.a. des Augenhöhlenknochens, des Jochbeins und Teilen des Kiefers zu, er erlitt außerdem einen Schädelbruch. Ob Schäden zurückbleiben, sei noch nicht abzusehen: „Das Gesicht ist so geschwollen, dass mit der Behandlung noch nicht begonnen werden konnte“, sagt Chef-Ermittler Ingo Thiel.

Die Polizei schildert die Vorkommnisse so: Gegen 01.00 Uhr nachts, sei ein Einbruchsversuch bei einem Supermarkt nahe der Niers in Odenkirchen gemeldet worden. Eine Streife untersuchte mit Hunden den Markt, spürte aber keine Täter auf. In der Nähe habe sich eine Gruppe von acht bis zehn Jugendlichen aufgehalten, darunter der spätere mutmaßliche Täter Roberto S. (20).

Es sei zu verbalen Auseinandersetzungen gekommen. Unterstützungskräfte wurden angefordert, zu denen Michael F. gehörte. Als eine Person sich weigerte, die Personalien anzugeben, wurde sie von dem Polizeibeamten mit einem Kollegen am Boden „fixiert“.

Der Angriff eines am Geschehen Unbeteiligten und der Tritt ins Gesicht mit einem Anlauf von sechs Metern sei eine „Sekundengeschichte“ gewesen, sagt Thiel.

Roberto S. wurde überwältigt und verletzt. Er liegt im Krankenhaus. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen versuchten Totschlags: „Wer einen solchen Tritt ausführt, muss davon ausgehen, dass tödliche Verletzungen entstehen“, sagt Staatsanwalt Stefan Lingens. S. müsse mit einer Haftstrafe von zehn bis 15 Jahren rechnen. Er ist u.a. wegen vorsätzlicher Körperverletzung vorbestraft.

Was muss noch alles passieren? Einige der Jugendlichen vor dem Supermarkt in Odenkirchen verdächtigt die Polizei, ebenfalls Straftaten begangen zu haben. Manche von ihnen wohnen im Bereich Zur Burgmühle, andere nicht.

Die Polizei will nun „mehr Präsenz“ im Hochhausviertel Zur Burgmühle zeigen und „bekannte Straftäter schneller überführen“.

Tirre betonte, die Brutalität, mit der der Polizeibeamte verletzt wurde, spiegele eine Erfahrung zunehmender Gewalt und Respektlosigkeit gegen Polizisten wieder. Tirre weiter: „Es gibt seit langem Auffälligkeiten an der Burgmühle in Odenkirchen. Wir werden dafür Sorge tragen, dass es aufhört.“ Gearbeitet daran werde schon länger. In Odenkirchen.

Laut Lothar Zitzen, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei, fürchten immer mehr Kollegen, „einen auf die Mütze zu kriegen“. Deshalb würden bei Einsätzen oft mehrere Streifen vor Ort erscheinen.

Was muss noch passieren?, fragt auch die Linke. Seit Jahren fordere man für Odenkirchen im Bereich der Hochhäuser vorbeugende Programme insbesondere für Kinder und Jugendliche – doch die Stadtverwaltung tue nichts. Den jetzigen Jugendlichen, die sich in einer mittlerweile 3. Gang formiert hätten, sei hiermit allerdings kaum zu helfen.

Die Polizei war mit insgesamt zehn Beamten und zwei Hunden in Odenkirchen im Einsatz.