„Cello Symphony op. 68“ von Benjamin Britten im 2. Sinfoniekonzert der Niederrheinischen Sinfoniker, Stadthalle Rheydt

Red. Theater [ - Uhr]

Es ist  ein Werk, das sich, wie fast alle Werke Brittens, nicht leicht erschließt. Es stellt an die Ausführenden wie auch an den Zuhörer, der hören will, gewaltige Anforderungen.

Britten schrieb dieses Werk für den großen Cellisten „Slava“ Mstislaw Rostropowitsch, den er in London gehört hatte und Britten durch sein Spiel höchstlich begeisterte.

Er komponierte in der Folge eine Reihe von Kompositionen für Cello. Zu diesen gehört auch die Cello Symphony, die in Moskau mit Rostropowitsch unter der Leitung von Benjamin Britten uraufgeführt wurde.

Ein Werk, das durch herbe Tonsprache, Sprödigkeit, hinter der virtuosen Hülle sehr tiefgründig und vielleicht traurig machend ist.

Das hörte ich in der Pause von einer befreundeten Dame, die meinte: „Es macht mich in großem Maße depressiv“. Dagegen stand die Meinung eines Freundes, der von Ruhe sprach.

Die Nähe zur Oper „Tod in Venedig“ und zum „War Requiem“ ist nicht zu überhören.

Zwei Werke, die den Menschen zutiefst berühren können.

Besonders meine ich hier das „War Requiem“, das zu singen unter verschiedenen großen Dirigenten ich die Ehre hatte. Da blieb auch unter den Mitwirkenden kein Auge trocken.

Immer wieder kam hier bei mir die Erinnerung an die so schöne Aufführung von Mahlers „Neunten“, die sehr bewegend war. Eine Fortsetzung dieser Stimmung war es. 

Die Ausführung der Cello Symphony ließ keine Wünsche offen.

Der Solist Pieter Wispelwey, der das Werk schon oft spielte, hatte mit den technischen Schwierigkeiten überhaupt kein Problem. Alles war selbstverständlich.

Das von ihm gespielte Guadagnini-Cello klingt vor allem in den hohen Lagen ganz zauberhaft. Auf der C-Saite, auf der in der dunklen Stimmung des Stückes oft zu spielen ist, war die Tonqualität nicht so gut.

Das kann daran liegen, dass der Solist oft das Orchester, das nicht ganz leise ist, umspielen muss. Vielleicht muss dies sein, ich habe dieses Stück das erste Mal im Konzertsaal gehört.

In atemloser Stille lauschte das Publikum. 

Das Orchester, unter der sehr beflügelnden Leitung von GMD Mikhel Kütson  in bester Verfassung spielend, herrliches Blech, vorzügliche Holzbläser, einmal fast immer samten klingende Streicher, trug zum Erfolg eine Menge bei.

Dirigent und Orchester erfuhren lebhafte Zustimmung. Dem starken Applaus dankend spielte der Solist eine Lamentation, ganz in der Stimmung des Britten-Werkes bleibend.

In der Pause gab es, wie bereits vorerwähnt, Diskussionen. 

Nach der Pause folgte Beethovens  „Eroica, die 3. Sinfonie in Es-Dur. Bei dieser Interpretation konnte ich den Intentionen des Dirigenten nicht so recht folgen.

Lag es daran, dass im Orchester etliches nicht so ganz in Ordnung war? Wurde bei der Probenarbeit zugunsten des neuen „Britten“ hier nicht soviel gearbeitet, wie nötig gewesen wäre?

War es hier die Generalprobe für die weiteren Aufführungen?

Diese Musik liegt so offen, das jeder kleine Patzer im Ansatz, jede kleine  rhythmische Unebenheit, jeder Intonationsfehler, zu hören ist.

Vielleicht störte hier auch die sehr große Zeichengebung  des Dirigenten, der jede noch so kleine dynamische Änderung der ausführenden Instrumentengruppe anzeigte.

Mich störte das sehr.

Auf die einzelnen Sätze möchte ich deshalb nicht eingehen.

Die Holzbläser, wie immer sehr gut, die fabelhafte Horn-Gruppe, erhielten herzlichen Sonderapplaus.

Fazit:

Ein Konzert, das durch die Aufführung der Cello Symphony von Benjamin Britten eine besondere Bedeutung hat. 

Herbert Rommerskirchen

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