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FDP wirbt vor Schulbeginn für Schulvielfalt

logo-fdp2.jpgUnter dem Motto „Schulvielfalt statt Einheitsschule“ wird die FDP am morgigen Freitag ab 7.30 Uhr vor dem Humanistischen Gymnasium darauf aufmerksam machen, dass die Grünen eine Einheitsschule planen und dass sie auch zu einer Koalition mit den Linken bereit sind.

An der Aktion nimmt neben dem Landtagskandidat Oliver Faller auch der Generalsekretär der NRW-FDP, Joachim Stamp teil.

„Wir brauchen leistungsfähige Schulen – Gymnasien, Realschulen und andere Schulformen“, so Stamp.

„Die Schulvielfalt sorgt nicht nur dafür, dass unsere Kinder ihre Begabungspotentiale – die unterschiedlich sind – vernünftig entfalten können, sondern auch dafür, das wir ein Innovations- und Wissenschaftsland sein können“.

Oliver Faller steht für die Aktion gerne früh auf.

 „Wir wollen darüber aufklären, was uns mit den Grünen nach dem 9. Mai in Nordrhein-Westfalen droht. Wir wollen mit denjenigen sprechen, die tatsächlich betroffen sind – den Schülerinnen und Schülern, Eltern und Großeltern“, kündigte Generalsekretär Joachim Stamp an.

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6 Kommentare Empfänger "FDP wirbt vor Schulbeginn für Schulvielfalt"

#1 Kommentar von Mine am 16. April 2010 @ 15:05

Vermutlich ist mit Einheitsschule unsere alte Volksschule gemeint. So schlecht war die auch nicht.

Die Volksschullehrer kannten auch jedes Kind beim Namen, wußten von Fähigkeiten und von Schwächen.

Gute Lehrer, die einem Kind weiterhelfen und auch mal zuhören, und schlechte, die nur vom Pult aus unterrichten, gibt es immer, auch wenn es die Politiker noch so viele Schulformen erfinden.

Vielfalt der Schulformen kann doch nicht heißen, dass nur durch die vielen verschiedenen Schulformen dem einzelnen Kind etwas vernünftiges beigebracht wird.

Wenn schon für Vielfalt geworben wird, dann laßt doch die Eltern und Kinder wenigstens zu den Schulen, die sie auch möchten.

Eine Abweisung zu bekommen, ist einfach nur traurig für die Kinder.

Da war das Leben früher, wo fast alle zur Volksschule gingen, doch einfacher für Eltern und Kinder.

#2 Kommentar von Erik Jansen am 18. April 2010 @ 23:38

In Wahlkampfzeiten fällt auch der FDP wieder ein, dass man mit den von politischen Entscheidungen betroffenen Menschen sprechen kann.

Was hier jedoch als Nähe zu Schülerinnen und Schülern, Eltern und Großeltern bezeichnet wird, ist ein reiner populistischer Akt, um auf Wahlstimmenfang bei der bessergestellten Gesellschaft zu gehen.

Denn falls die FDP mit „Einheitsschule“ ein diffamierendes Synonym für „Eine Schule für Alle“ zum Ausdruck bringen möchte, so müsse sie doch konsequenter Weise bei den Schülerinnen und Schülern, Eltern und Großeltern informieren, denen aufgrund einer Selektierung durch das dreigliedrige Schulsystem bessere Bildungs- und Entfaltungsmöglichkeiten verwehrt bleiben oder geblieben sind.

Und was ist eigentlich mit unseren GrundschülerInnen? Ist die Grundschule keine Form der von der FDP verhassten „Einheitsschule“?

Sollen wir überspitzt gefragt nicht schon in diesem Bildungsbereich anfangen „Schulvielfalt“ zu erzeugen, um Freundschaften zu zerstören, Menschen auszusortieren, und Ungleichheit zu schaffen? Sollen in Grundschulen schon wirtschaftliche Interessen der späteren Berufswelt und/oder der Geldbeutel der Eltern eine Rolle spielen?

Ein leistungsfähiges Schulsystem beruht nicht auf Konkurrenzdruck sowohl zwischen den Schülerinnen und Schülern als auch zwischen den einzelnen Schulen selber.

Ein leistungsfähiges Schulsystem beinhaltet ein gleichberechtigtes Lernen; beinhaltet dass Schwächen von SchülerInnen ausgebessert statt bestraft werden und im Folgeschluss, dass Stärken von SchülerInnen individuell gefördert und gestärkt werden, anstatt sie verkümmern zu lassen.

In ihrer vorgeheuchelten Bürgernähe verkennt die FDP weiterhin den eigentlichen Bürgerwillen, der in Richtung „Schule für Alle“ geht. Steigende Anmeldezahlen bei Gesamtschulen und eine Abnahme im dreigliedrigen Konkurrenzdruck-System sprechen eindeutig dafür, dass unser jetziges Schulsystem weder zeitgemäß noch zukunftsweisend ist.

Wohl eher realitätsfern erweist sich die Behauptung, ein dreigliedriges Schulmodel sei zukunftsfähig, wenn doch schon jetzt zu befürchten ist, dass bei einer schwarz-gelben Schulpolitik weitere Schulen geschlossen werden. Ob dann noch in jedem Stadtteil jeder Abschluss innerhalb des dreigliedrigen Systems absolviert werden kann ist mehr als fraglich.

Auch hier schafft „Eine Schule für alle“ bessere und gerechtere Möglichkeiten für einen qualifizierten Bildungsabschluss – und zwar zukunftsorientiert!

Schön, dass die FDP weiterhin völlig zusammenhanglos darauf Aufmerksam macht, dass die Grünen bereit seien mit der Partei DIE LINKE. zu koalieren.

Da DIE LINKE und der parteinahe Jugendverband auch außerhalb von Wahlkampfzeiten sich mit Studentinnen und Studenten, Schülerinnen und Schülern wie auch Auszubildende in außerparlamentarischen Bewegungen wie z.B. den Bildungsstreik solidarisieren, könnten die Grünen auf entsprechender Fachkompetenz zurückgreifen, welche der FDP offensichtlich zu fehlen scheint.

Eine persönliche Frage habe ich aber noch: Bedeutet es, wenn Herr Faller im Rahmen seiner Wahlkampfaktion gerne früh aufsteht, dass der Herr Diplom-Wirt sonst nicht so gerne in der Frühe das Haus verlässt?

Unter dieser Prämisse können sich Angestellte und ArbeiterInnen wieder ‚freuen‘, wenn sie morgens in aller Frühe auf die öffentlichen Verkehrsmittel warten dürfen und während dessen von den Wahlplakaten „Arbeit muss sich wieder lohnen“ lesen sollen.

#3 Kommentar von H. Joachim Stockschlaeger am 19. April 2010 @ 09:44

Nur zur Klarstellung:

1. Oliver Faller ist nicht „Diplom-Wirt“, wie Erik Jansen zu wissen meint, sondern Industriemeister Chemie. Übrigens im Schichtdienst. Das hätte Herr Jansen mit einem Klick herausfinden können. Er wollte aber wohl nur Vorurteile bedienen…

2. Die Bürgernähe der FDP kann jede/r durch Kontaktaufnahme per Mail, Brief oder Telefon herausfinden. Wir sind da und kümmern uns. Über unsere Kandidaten finden Sie alle wichtigen Infos im Netz. Versuchen Sie das mal mit der Spitzenkandidatin der Linken!!!

3. Unser Schulsystem hat deswegen Probleme, weil seit Jahrzehnten auf dem Rücken der Kinder, Eltern und Lehrer herumexperimentiert worden ist. Wie kam es denn sonst 2004 zu dem vernichtenden Experten-Ergebnis, dass in NRW der Zusammenhang von Bildungschancen und sozialer Herkunft so groß ist wie sonst in keinem Bundesland? Das hat die CDU/FDP-Regierung seit 2005 erfolgreich geändert. Wir haben Lehrer/innen eingestellt und nicht Planstellen reduziert. Und wir werden sicherlich nicht Gymnasien-Plätze verlosen, wie es unter Beteiligung der LINKEN in Berlin geschieht.

#4 Kommentar von Hein am 20. April 2010 @ 09:42

Das ist richtig, sie verlosen keine Plätze an Gymnasien.

In NRW sind Schüler der Willkür eines Lehrers ausgeliefert, der eine Gymnasialempfehlung gibt oder nicht. Dies ist nicht nur eine Belastung für die Lehrer sondern dient laut IGLU-Studie auch zur sozialen Selektion im Bildungswesen.

Wenn es einen Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildung gibt und die Lehrerempfehlung dies verschärft, ziehe ich daraus den Schluß dass die Einheitsschule die Chancen für alle erhöht.

Darüber hinaus frage ich mich, warum wir auf einmal über Einheitsschule reden und nicht über Gesamtschule.

Geht es hier schon bei der Wortwahl darum, die Angst vor den bösen Linken zu schüren?

#5 Kommentar von Mario Bocks am 20. April 2010 @ 15:03

Sehr geehrter Herr Stockschläger,

in Ihren Ausführungen in Punkt 3 widersprechen Sie sich.

Sie weisen zu recht auf den selektiven Charakter des jetzigen dreigliedrigen Schulsystems mit Verweis auf eine Expertise von 2004 hin, welche bestätigt das es einen Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und den damit verbundenen Bildungschancen gibt. Dann weisen Sie auf neu eingestellte LehrerInnen hin.

Die Einstellungen von zusätzlichem Lehrpersonal ist auch sicherlich ein richtiges Zeichen um den hohen Ausfall von Unterrichtsstunden entgegen zu wirken. Wo hier allerdings eine Verbesserung der jährlich zwischen 400 und 500 abgewiesenen Schülern, die eine Gesamtschule besuchen wollen, stattgefunden hat, bleibt ungeklärt.

Es kommt sogar noch ärger! In dem Artikel oben wird weiterhin ausgeführt: „Wir brauchen leistungsfähige Schulen – Gymnasien, Realschulen und andere Schulformen.“

Bei „und andere Schulformen“ drängt sich mir der Verdacht auf, das Sie entgegen dem Elternwillen und dem mittlerweile nachgewiesenem Fakt, das Schüler an Hauptschulen in ihren Zukunftschancen und ihrer Beteiligung an einem zukünftigen Arbeitsmarkt in unzulässiger weise benachteiligt sind und werden, handeln und argumentieren.

Die Aussichten auf einen angemessenen Beruf und ein daher mit eingehenden zukunftssicheren Leben liegen bei Schülern mit einem Hauptschulabschluss im niedrigen Prozentbereich und zuweilen bekommen Hauptschüler nach Abgang von ihrer Schule immer öfters überhaupt keine Lehrstelle.

Das Sie dies als auch weiterhin zukunftsweisend hin stellen macht mich doch sehr nachdenklich.

Die stattfindende Selektierung scheint tatsächlich gewollt zu sein, trotz des entschiedenen Votums des Elternwillens und der Beeinträchtigung der Zukunftschancen der Kinder, die Jahr für Jahr zwangsweise an den Hauptschulen „abgeschoben werden“.

„Bildung- und Chancengleichheit für alle“ wird mit dem jetzigen Schulsystem ad absurdum geführt.

Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie sich mal morgens um 07:30 Uhr vor einer Hauptschule stellen würden um den Kindern dort zu erklären, warum sie nicht in die Gesamtschule gehen dürfen.

Ein letzter Satz zu dem „Verlosen“ von Gymnasien-Plätzen. Ich stimme Ihnen zu, das dieses Verfahren sicherlich nicht zu bejahen ist. Eine Anmerkung möchte ich Ihnen allerdings noch mitteilen:

Wahrscheinlich genau wie Sie bin auch ich mehrmals im Jahr in Berlin. Bei Gesprächen mit dortigen Eltern ist mir folgendes immer wieder aufgefallen.

Viele sagen mir, das Sie dieses Losverfahren ebenfalls nicht „so dolle“ finden, allerdings hätten ihre Kinder jetzt wenigstens eine 50 % Chance, einen der begehrten Gym-Plätze zu bekommen wo die Chance vorher bei null lag.

Dies bedeutet natürlich im Umkehrschluss, das die Chancen von Kindern aus höheren Einkommensschichten um 50 % sinken (wie gesagt, nicht ).

Ich verbleibe daher mit der wahrscheinlichen Erkenntnis, das ich mich zumindest vorübergehend über die gestiegenen Chancen von Kindern aus Finanzschwächeren Familien freue, während Sie sich wahrscheinlich über die Chancengleichheit, das auch nicht so leistungsstarke Kinder von Besser verdienenden auch mal einen gerechten und ihrem Niveau entsprechenden Schulplatz zugewiesen bekommen, nicht anfreunden können (allerdings haben auch vermögende Eltern teils bildungsresistente Kinder die nicht auf ein Gymnasium gehören).

Sehen Sie, das Losverfahren gehört ebenso wie das dreigliedrige Schulsystem zu den Ungerechtigkeiten und gehört abgeschafft.

Da „Eine Schule für Alle“ als Alternative (TINA) noch nicht realisiert ist, sollten Sie wenigstens mit dafür sorgen, das eine sechste und siebte Gesamtschule hier in Mönchengladbach entsteht, damit nicht jährlich weiteren ca. 500 Kindern die Zukunftschancen verbaut werden.

Mit freundlichen Grüßen
Mario Bocks

#6 Kommentar von Erik Jansen am 20. April 2010 @ 19:22

Guten Tag Herr Stockschlaeger,

zur Sache:

Wenn Sie von einen ‚vernichtenden‘ Experten-Ergebnis sprechen – dann kann nicht von den Ergebnissen der OECD, der PISA-Studie, der UNICEF, der UNESCO, der Europäische Kommission und zuletzt der Vereinten Nationen (mit ihrer Bildungsstudie über Deutschland) die Rede sein. Denn diese Organisationen und Gremien sprechen sich ganz entschieden gegen ein mehrgliedriges Schulsystem aus.

Selbst einige Wirtschaftsverbände kritisieren die Ungerechtigkeit im mehrgliedrigen System. Zu Zeiten in denen im Wirtschaftsleben auch immer mehr „Soft-Skills“ eine Rolle spielen, können viele Betriebe und Unternehmen auf unsensible Einzelkämpfer verzichten.

Ihrer weiteren vagen und unkonkreten Ausführung, wie erfolgreich die CDU/FDP-Regierung in Sachen Bildung & Soziales in NRW seit 2005 sei, kann ich nicht folgen und ist mir persönlich auch zu dunkel. Die Einführung von Studiengebühren können im Zusammenhang „Bildungschancen und sozialer Herkunft“ jedenfalls keine positive Rolle gespielt haben.

Jetzt komme ich noch auf die Angelegenheiten mit Klarstellungsbedarf zu sprechen:

zu 1. „Mit einem Klick“ ist es nämlich nicht getan! Auf Ihrer Mönchengladbacher FDP-Seite und selbst auf [1] finde ich keine Angabe zum Beruf.

Jedoch gibt Herr Faller unter [2], wo er sich wahrscheinlich selbst angemeldet haben wird (schließlich hat er dort zumindest zur Landtagswahl hin seine Twitter-Nachrichten hinterlassen) seinen Beruf „Diplom-Betriebswirt“ an.