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Volksbegehren für G9 in NRW • Teil II: Wo hakt es bei der Wahl des „richtigen“ Bildungsweges? • Prof. Dr. Harald Lesch: „Wir bereiten die Kinder nicht auf das Leben vor“ [mit Video]

[1][29.01.2017] Man darf unterstellen, dass pflichtbewusste Eltern mit der Auswahl des schulischen Weges ihrer Kinder optimale Zukunftsaussichten gestalten möchten.

Dabei müssen sie sich zwischen Schulformen entscheiden, welche für ihr Kind die „richtige“ ist.

An dieser Stelle einen Vergleich beispielsweise zwischen Gesamtschule, Gymnasium usw. herzustellen, würde zum einen den Rahmen dieses Artikels sprengen, zum anderen aber auch eine vermeintliche „ideologisch“ geprägte Diskussion entstehen lassen, die schon tausendmal geführt wurde.

Dennoch stehen Eltern, die sich ernsthaft damit auseinandersetzen, vor solchen Fragen:

  • Welche Neigungen und Fähigkeiten besitzt mein Kind bzw. können „demnächst“ erwartet/vermutet werden?
  • Welchen Schulabschluss mit welcher Belastung kann ich meinem Kind zumuten, auch vor dem Hintergrund, dass mein Kind es einmal besser oder mindestens genauso gut haben wird, wie ich?
  • Welche Vorteile kann mein Kind haben, wenn es „Abitur hat“?
  • Muss mein Kind später einmal unbedingt studieren, oder sollte es „von der Pike auf“ einen Beruf erlernen?
  • Ist es nicht doch besser, dass mein Kind (ob mit oder ohne Abitur) einen Berufsabschluss erwirbt und danach selbst entscheidet, ob es aus einer solchen „sicheren Existenz“ heraus ein Studium beginnt?

Im Zuge der G8-/G9-Diskussion hat Prof. Dr. Harald Lesch von der Ludwig-Maximilians-Universität München und Lehrbeauftragter für Naturphilosophie an der Hochschule für Philosophie München, sich diesen und weiteren Fragen gewidmet, auch den physischen und psychischen Belastungen der Schülerschaft.

In der ihm eigenen klaren Art stellt der Wissenschaftsjournalist, Fernsehmoderator und Professor für Physik angesichts der vorgenannten Diskussion die Frage, ob es nicht sogar besser ein „G10“ oder gar „G11“ geben müsse.

Lesch findet es aberwitzig, dass „Kinder in den G8-Zuchthäusern“ sitzen und dadurch getrieben würden.

Lesch wörtlich:

„Alle sind mies drauf.
Die am Ministerium sind mies drauf, weil sie wissen, sie haben Mist gemacht.
Die Lehrer sind mies drauf, weil sie sagen: „Verdammt noch mal, um was soll ich mich denn noch alles kümmern?“
Die Schüler haben keinen Bock, die Eltern meistens auch nicht.
Es ist so vermasselt, dadurch dass man etwas tut, von dem ich gedacht habe: „Das kann doch nicht wahr sein.“
Man komprimiert Zeit. Man versucht es – tatsächlich! […] Wir haben ein Problem, weshalb wir als Erwachsene nicht unseren Kindern sagen: „Bleibt Kinder!“ (Zitat Ende)

Prof. Lesch warnt auch vor einer „Über-Akademisierung“ und präzisiert in einem kurzen und sehenswerten Interview seine Vorstellungen davon, was Kinder wirklich für das Leben benötigen:


Mehr Informationen in weiteren Teilen der BZMG-THEMENREIHE „Volksbegeehren für G9“ [2]