Was hat ein Museum mit einer Bibliothek zu tun?

Hauptredaktion [ - Uhr]

museum-abteiberg-03P1090120Mit Bezug auf die Diskussion um den Bibliotheks­neubau schrieb uns Axel P. eine eMail, deren Inhalt wir gerne zur Diskussion stellen:

„Bisher in Mönchengladbach noch nichts. Die Unterschiede sind ja auch in jeder Beziehung riesig:

Auf der einen Seite spricht man von Rekordbesuchen, wenn gerade mal 60 Personen pro Tag die heiligen Hallen des Museums betreten; auf der anderen Seite sind die täglichen Nutzerströme in der Bibliothek kaum zu bändigen.

Auf der einen Seite hat man vor kurzem noch mit Millionensummen den Baukomplex wieder auf Hochglanz gebracht; auf der anderen Seite fehlt jeder Cent für sicherheitsrelevante Mindestsanierungen.

Auf der einen Seite gönnt man der Kultur extrem weitläufige und großzügige Freiräume; auf der anderen Seite quetscht sich Bildung bis zur Nichtnutzbarkeit zusammen.

Auf der einen Seite leistet man sich den Luxus eines „angemessenen“ hoch subventionierten Ambientes für eine kleine Gruppe der Kulturelite; auf der anderen Seite ruft man nach Bildung für alle und kriegt es nicht hin, der intensiven Nachfrage durch eine Erleichterung des Zugangs zu eben dieser Bildung gerecht zu werden.

Auf der einen Seite steht anerkannt tolle Architektur; auf der anderen Seite, na ja…

Das soll aber jetzt alles anders werden.

Jetzt bauen wir eine tolle, neue Bibliothek

  • auf hochwertigen innerstädtischen Flächen, die wir (als hoch verschuldete Stadt) zur Schuldenreduzierung vermarkten könnten,
  • mit Geldmitteln, die wir nicht haben, sondern uns zusammentricksen müssen und für die wir noch lange zu zahlen hätten,
  • in der üblichen Mönchengladbach-Architektur –quadratisch, praktisch, langweilig – mit den üblichen Architekten und Baugesellschaften.

Und dann ist da noch ne ganz andere Idee:

Wir bringen die Bibliothek (ganz oder auch teilweise) im Museum unter!

  • Die Lage ist stadtzentral
  • die Kunsthochburg im Schattendasein würde zu einem belebten Mittelpunkt bürgerschaftlichen Interesses
  • die architektonische Hülle wäre dem Bildungswillen der Bürger angemessen
  • das Platzangebot inmitten der Ausstellungsräume ist sehr großzügig
  • die Kunst an den Wänden könnte hängen bleiben
  • da die Räume sehr hoch sind, kann man die Bilder auch höher hängen, damit sie über den Bücherregalen uneingeschränkt sichtbar bleiben
  • das Museumspersonal würde neue Kolleginnen und Kollegen aus der alten Bibliothek bekommen und man könnte sich viele Aufgaben aufteilen
  • Kunstbeflissene könnten sich auch in Literatur vertiefen, Bibliotheksbesuchern würde die (erste?) Kontaktaufnahme zur modernen Kunst erleichtert
  • die ehemalige Cafeteria könnte aus dem Dornröschenschlaf erwachen und zu einem Ort des Austauschs der Generationen über Kunst und Bildung werden
  • Kunst und Bildung würden also intensiv zueinander finden
  • die Organisations- und Verwaltungsstrukturen „im Hintergrund“ könnten gemeinsam genutzt werden
  • Werbung für das Eine wäre gleich immer auch Werbung für das Andere
  • und die Identifikation der Bürgerschaft mit dem Museumsstandort wäre deutlich größer als bisher.

Bei genauerer Betrachtung lässt sich sicherlich auch der eine oder andere Mangel an der Idee finden.

Aber sicherlich gibt es auch noch mehr synergetische Vorteile, die bisher noch nicht aufgezählt sind.

Sind wir mal gespannt, ob es genügend phantasievolle, vernünftige Verantwortliche und wirklich Kreative in der Stadt gibt, die dazu in der Lage sind, dieser Fährte zu folgen, die zugegebenermaßen quer zu den ausgelatschten Pfaden verläuft.“

4 Kommentare zu “Was hat ein Museum mit einer Bibliothek zu tun?”
  1. Egal, wie ernsthaft der Vorschlag von Axel P. gemeint ist, eines macht er jedoch deutlich, nämlich, dass man bei der Frage (oder gar Forderung) nach einem Neubau mal ernsthaft darüber nachdenken sollte, ob es nicht schon städtische Gebäude gibt, die sich für Unterbringung der Bücherei eignen.

    Und: müssen alle Spezial-Literatur-Sammlungen wirklich an einem Ort vereint und ständig im Zugriff sein?

    Können Ausleiher nicht mal einen oder zwei Tage warten, bis sie ein Buch aus diesen Spezial-Sammlungen in Händen halten? Das ist bei Fernausleihen ja auch so!

    Wurde das jemals ernsthaft geprüft?

    Es gibt sicherlich noch weitere Fragen, die noch nicht gestellt und daher auch nicht beantwortet wurden.

    „Think big“ kann sich Gladbach nicht leisten. Zumal, wenn die Stadt das Ganze finanziell allein nicht bewältigen kann.

  2. @ Axel P.

    In den unterirdischen Gängen in den Tiefen des Abteibergs wäre auch noch Platz für die Schulen MGs. Die könnten wir dann alle abreissen, und weitere Arkaden planen. Denn gebaut wird ja doch nicht!

    Oder man schafft endlich den Brückenschlag und richtet im ehemaligen Jugendheim ein Eros-Center ein.

    Auch das würde die Besucherzahlen nach oben schnellen lassen. Und zumindest für die männliche Bevölkerung MGs gäbe es einen Grund mehr sich mit dem „Neuen Kulturzentrum Museum Abteiberg“ zu identifizieren.

    Eine Frage an Herrn P. würde ich gerne noch Stellen. Aus welchem Topf finanzieren sie denn das Projekt? MG untersteht der Haushaltssicherung.

  3. Einverstanden!

  4. Sehr seltsamer Beitrag.

    Da wäre zu erst mal die Tatsache, dass man Kultur (also hier in dem Beitrag das Museum) nicht nach der Einschaltquote (hier die Besucherzahl) als Gradmesser für eine Bewertung deuten kann.

    Das Museum ist ein Teil der Kultur und Kultur ist ein Teil der Bildung. Mit dem hingemopperten Argument, das Museum habe ja nur 60 Besucher am Tag, macht man wahre Kultur zur Ware Kultur.

    Übrigens sind an den Wochenenden, auch unter Bezug des ersten Sonntags im Monat, Besucherzahlen von 600 an aufwärts zu beobachten.

    Weiter heißt es, das „Kultur extrem weitläufige und großzügige Freiräume (hat); auf der anderen Seite quetscht sich Bildung bis zur Nichtnutzbarkeit zusammen“.

    Nach dieser zusammenhanglosen Ausführung steht also Kultur auf der einen und Bildung auf der anderen Seite. Wie schon kurz aufgeführt, ist das Nonsens, da es Bildung nicht ohne Kultur und Kultur nicht ohne Bildung gibt.

    Wo die „extrem weitläufigen und großzügigen Freiräume“ zu verorten sind, lässt der uninformierte Nachrichtenschreiber leider unerwähnt. Den Kulturetat der Stadt Mönchengladbach kann er jedenfalls nicht gemeint haben, da er gerade Mal etwas unter 2% von Hundert beträgt. Wirklich großzügig!

    Im nächsten Abschnitt dann schon wieder die Trennung Kultur/ Bildung. Da sagte ich bereits was zu.

    Weiter geht es mit „Jetzt bauen wir eine tolle, neue Bibliothek auf hochwertigen innerstädtischen Flächen, die wir (als hoch verschuldete Stadt) zur Schuldenreduzierung vermarkten könnten.“

    Ich schreibe ihren Unfug, dass man also Bibliotheken nur auf minderwertigen innerstädtischen Flächen bauen sollte, mal ihrer leichten nachgewiesenen Kultur und Bildungsphobie zu. Denn anders kann ich mir das nicht erklären. Die Top-Idee „Schuldenreduzierung durch Abbau von Bildung und Kultur“ bei einem 2% Mega-Etat dürfte noch nicht mal zur Aufnahme auf ihre Hitliste der Argumente führen.

    Auf die „epochale“ Idee der Unterbringung der städt. Bibliothek gehe ich auf Grund der nicht ernst zunehmenden Aussagen und aus Höflichkeit nicht ein, möchte nur kurz anmerken, dass die Präsenz-Bibliothek des Museums in der Tat vergrößert werden könnte und die Stadt dafür ruhig zusätzliche Ausgaben zu den läppischen 2 Prozent für den Kulturetat bereitstellen könnte.

    Da ich aber ohne Alternative nicht diesen Kommentar verlassen möchte, mache ich einen anderen Vorschlag.

    Wir sparen die bis jetzt angegebenen 5 Millionen € (wird aber bestimmt noch mehr werden, keine Sorge) für die Infrastrukturmaßnahmen zu der unnötigen Konsumfabrik „Mönchengladbach Arkaden“ nebst dieser und sanieren das alte Stadttheater oder reißen es ab, und bauen dort eine neue Stadtbibliothek.

    Dann hätte man das überflüssige Konsumangebot zu Gunsten eines erweiterten Bildungs- und Kulturangebot ersetzt und niemand würde mehr auf „seltsame“ Ideen, wie der lustige Mann hier drüber geschrieben hat, kommen.

    Einverstanden?

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