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Neubau Zentralbibliothek: „Lernen ist ein Prozess der relativ stabilen Veränderung des Verhaltens“ – Fehlanzeige bei der Ampel

[1]Das lernen Lehrer schon im ersten Semester ihres Pädagogikstudiums und während ihrer Tätigkeit (hoffentlich) immer wieder.

Da in fast allen im Rat vertretenen Parteien Lehrer eine  oder mehrere Funktionen innehaben oder Ämter bekleiden, sollte man annehmen, dass der lernpsychologische Kernsatz zumindest für diese Berufsgruppe gilt.

Im Zusammenhang mit dem an Sturheit grenzenden Durchsetzungswillen der Ampel-Partner zum Neubau einer Zentralbibliothek scheint die Fähigkeit oder aber auch der Wille zum Lernen, im Sinne der Headline dieses Artikels, abgeschaltet worden zu sein.

Diese Erkenntnis reift nicht erst seit der gestrigen Sitzung des Kulturausschusses.

Da erhalten die Ampelpartner vor dieser Sitzung von einem CDU-Antrag Kenntnis, der in der Sache vernünftig ist und sogar das Vorhaben eines Neubaues nicht kategorisch ausschließt [2]und weder bei Lehrer und Ratsherrn Ulrich Elsen (SPD) noch bei Ratsfrau Monika Haverscheidt (Grüne) noch bei FDP-Ratsfrau Natascha Stephan war Lernwille zu verzeichnen.

Auch von politischem „Gespür“ war nichts zu erkennen. Spätestens als Erich Oberem die Grundstücksproblematik Blücherstraße thematisierte [3], wäre es an der Zeit gewesen, sich in einer Sitzungsunterbrechung intern noch einmal abzustimmen und eine Verschiebung der Behandlung des Tagesordnungspunktes und der Beschlussfassungen zu beantragen.

Nichts von dem geschah.

Stattdessen verteidigten die Sprecher der Ampel-Fraktionen ihren Antrag unter anderem mit dem kaum nachvollziehbaren Argument, es handele sich um die „logische Fortsetzung“ bzw. „Spezifizierung“ (O-Ton Elsen) des Beschlusses vom 21.03.2012, diesmal eben „nur“ bezogen auf einen konkreten Standort an der Hindenburgstraße.

Auch Halverscheidt zeigte sich als vehemente Verteidigerin des Ampel-Antrages und zog mehrfach das Beispiel der Krefelder „Mediothek“ heran.

Dass dieses 4.000 qm umfassende Bauwerk für 11,4 Mio. EURO erbaut wurde, also pro qm 2.850 EURO kostete, schien sie entweder nicht zu wissen, oder verdrängt zu haben.

Natascha Stephan argumentierte erneut mit den kulturellen „Verbindungen“ zwischen dem Skulpturengarten, Musikschule, Museum Abtei und dem neuen Bibliotheksstandort.

Alles in allem auf der Basis einer offensichtlich intransparenten, daher kaum nachvollziehbaren und zudem auch noch „mit heißer Nadel gestrickten“ Beratungsvorlage, für die Außenstehende kaum Verständnis zeigen konnten.

So wurde beantragt (und im Kulturausschuss mit den Stimmen der Ampel und des Vertreters der Linken beschlossen), dem Rat u.a. zu empfehlen

  • den am 21.03.2012 nach ausgiebiger Diskussion mehrheitlich im Rat beschlossenen Ampelantrag zum Neubau einer Zentralbibliothek aufzuheben und stattdessen
  • die Verwaltung mit der konkreten Planung an der Hindenburgstraße zu beauftragen,
  • die Bebaubarkeit des „vom Rat favorisierten“ Grundstückes zu untersuchen, wobei die Obergrenzen von 4.700 qm Bibliotheksnutzfläche und die Baukosten von 2.500 EURO pro Quadratmeter nicht überschritten werden dürften

Dass das Grundstück an der Hindenburgstraße in keiner Ratssitzung „vom Rat favorisiert“ wurde, schien niemandem in der Ampel aufgefallen zu sein. Da scheint eher „der Wunsch der Vater des Gedankens gewesen“ und damit ein „Webfehler“ entstanden zu sein.

Dass schon der Quadratmeterpreis von 2.500 EURO vollkommen unrealistisch ist, ist ein weiterer „Webfehler“ dieses Antrages, was sowohl durch den Krefelder Quadratmeterpreis aus dem Jahr 2008 (!) als auch durch einfache bundesweite Recherchen belegbar wird, in denen von mindestens 3.000 EURO pro qm die Rede ist.

 

Wenn es der Ampel nicht gelingt, einen „geordneten Rückzug“ anzutreten, und auf die Umsetzung des „Dreizeilers“ im Kooperationsvertrag:

„Für die Stadtbibliothek Mönchengladbach wird in zentraler Lage und mit einer aus dem Stadtraum erlebbaren Gestaltung ein neuer Standort geschaffen. Wir wollen eine für eine Großstadt angemessene Ausstattung und ein ausreichendes Raumangebot“

zu verzichten, könnte der Neubau für die Ampel insgesamt, aber auch für jede einzelne sie tragende Partei zu einem „Waterloo“ werden.

Jedoch wäre allein die „Entschuldigung“, man habe von der Grundstücksschenkung nichts gewusst, eine vollkommen ungeeignete Begründung für einen „Rückzug“.

Man ist schlicht und ergreifend einer (möglicherweise aus einem Teil der Kulturverwaltung gesteuerten) „Lobby-Utopia-Gruppe“ [4]auf den Leim gegangen, die fachlich und kaufmännisch kompetenzlos und ohne jegliches Gespür für politische Realitäten an völlig falscher Stelle zum unsinnigsten Zeitpunkt unnütz viele Kräfte gebündelt und verschlissen hat.

Den politischen und auch anderen Gruppen, denen die „Lautsprecher [5]“ angehören, ist damit ein erheblicher Imageschaden zugefügt worden.

Einzelne der „Akteuere“ in vorderster Linie dieser Lobby-Gruppe dürften sich damit parteiintern und –extern kaum für politische oder andere Karrieren empfohlen, sondern sich nachhaltig  disqualifiziert haben.

Ungeachtet dessen sollte man „Lobbyisten“, die versuchen, durch besondere Pflege persönlicher Verbindungen Entscheidungen im eigenen Sinne zu beeinflussen, mit äußerster Vorsicht begegnen.

Dies gilt – wie die Erfahrung an diesem Beispiel zeigt – ganz besonders für „Lobbyisten“, die in Parteien oder anderen politischen Gruppen verwurzelt sind.

 

Es bleibt abzuwarten, ob sich der heute tagende Ampel-Kooperationsausschuss mit dem Thema befasst, wie er damit umgeht, ob dort schon „die Reißleine“ gezogen wird und der Neubau einer Zentralbibliothek eine „Beerdigung 1. Klasse“ erhält.

Denn nach BZMG aktuell vorliegenden Informationen war die Tatsache der Grundstrücksproblematik Blücherstraße/aktueller Bibliotheksstandort selbst in den Führungsgremien der Ampel bis gestern (oder auch erst bis heute) nicht bekannt.

Denn „Lernen“ ist nicht unbedingt ein bewusster oder absichtsvoller Vorgang, sondern häufig beiläufig und ungeplant. So möglicherweise auch bei diesem Thema.

3 Kommentare (Öffnen | Schließen)

3 Kommentare Empfänger "Neubau Zentralbibliothek: „Lernen ist ein Prozess der relativ stabilen Veränderung des Verhaltens“ – Fehlanzeige bei der Ampel"

#1 Kommentar von Ypsilon am 23. Februar 2013 @ 19:34

Neubau Zentralbibliothek. Krefeld wird immer wieder als Vorbild genannt. Vor allem auch wegen der Kosten.

Statt bisher 3.834 qm sollen es dann 4.700 qm sein.

In Beton-Zweckbauweise könnte für 12 Mio. ein ähnlicher Kasten, wie der in Krefeld, an der Hindenburgstr. entstehen.

Mehr ist für diese Summe nicht möglich. Wäre so etwas eine Bereicherung des Stadtbildes?

[6]

#2 Kommentar von medienanalystin am 26. Februar 2013 @ 08:40

@ Ypsilon

Sowas hat in Gladbach noch gefehlt. 12 Mio. sind viel Geld – allerdings eine schlechte Investition in ein Gebäude an prominenter Stelle (neben Citykirche), das nach etwas aussehen soll und eine gewisse Qualität haben sollte. Das wird ein weiterer Billigbau, der die Stadt/Stadtbild nicht bereichern wird.

Dagegen ist die angeblich zu kleine „alte“ Stadtbibliothek eine Schönheit. Die Lage Blücherstraße ist absolut optimal und mit viel Grün und altem Baumbestand drum herum.

Oder gibt es schon Interessenten für dieses Top-Grundstück? Würde mich nicht wundern.

Muss die Bibliothek schlecht geredet werden, damit das Grundstück Blücherstraße schnellstens mit einer neuen Hässlichkeit in Billigbauweise, wie inzwischen für unsere Stadt typisch, bebaut werden kann, damit einer der üblichen Verdächtigen wieder verdienen und sich bereichern kann?

Wäre nicht das erstemal, dass hier sowas passiert. Man kann sich nur noch wundern und fassungslos fragen, was hier los ist.

Unmöglich: Der Wille eines Stifters (Reinhold Brandts) würde „mal eben“ ignoriert. So geht man nicht mit Schenkungen um! Ist das der Dank?

Oder ist das egal, weil der Stifter sowieso schon verstorben ist?

Eine Exlibris-Sammlung will man im Gegenzug als Schenkung annehmen.

Auflage: ein Mitarbeiter, der sich 20 Stunden/Woche darum kümmert.

Obwohl bei der Verwaltung Stellen abgebaut werden. Von anderen Auflagen (Ausstellungen z.B.), die auch ordentliche Kosten verursachen ganz abgesehen. Einnahmen daraus: keine. Interessenten: wenige Liebhaber.

Wäre in Ordnung, würde man mit der anderen Schenkung (Grundstück Blücherstraße, die ehemalige Bibliothek dort wurde im 2. Weltkrieg zerstört), wenigstens genauso sorgfältig umgehen und diese wertschätzen.

Mal sehen, wie sich die Politik(er) das zu recht biegen werden, dass es ihnen (und anderen?) in den Kram passt.

#3 Kommentar von medienanalystin am 26. Februar 2013 @ 09:12

Nachtrag, da Link vergessen.

Wen es interessiert, kann hier den Schenkungsvertrag lesen:

[7]

„Die Stadt Mönchengladbach verpflichtet sich, die Arbeit in der Stadtbibliothek so zu organisieren, dass 20 Stunden wöchentlich für die fachliche Betreuung der Sammlung durch eine fest angestellte(n) Bibliothekarin / Bibliothekar zur Verfügung stehen.“