Was ist los mit unserer Stadt? Eine Betrachtung aus der Sicht der FWG – Teil III: Masterplan

Erich Oberem [ - Uhr]

logo-mg-3-0Unsicherheit in der Beurteilung des Weges der Stadt in die Zukunft ist spürbar. Das gilt nicht nur für schlecht informierte und von Gefühlen in ihrem Urteil beeinflusste Menschen.

Stärkster Ausfluss dieses Empfindens ist eine Initiative von einflussrei­chen, gewöhnlich gut informierten Leuten, deren Urteil Gewicht hat in der Stadt und zu denen auch die Führung der Industrie­- und Handelskammer Linker Nieder­rhein gehört.

Die Gruppe gründete einen Verein, der die Aufgabe hat, Geld zur Finanzierung eines Masterplanes für die Stadtentwicklung zu sammeln, den Mas­terplan mit der Auflage zur Umsetzung der Stadt zur Verfügung zu stellen und die Umsetzung zu begleiten.

Als Begründung für diese Absichten wird das „schlechte Image“ der Stadt genannt. Dahinter steht die Meinung, die Stadt habe keine Entwicklungspotenziale erschlossen. Der Erfolg dieser Initiative ist überraschend.

Binnen kürzester Zeit war die für die Beauftragung eines Planers erforderliche Summe von mindestens 500.000 € gespendet worden. Das ist das Zeichen dafür, dass viele einflussreiche, kapitalkräftige und sicher auch urteilsfähige Leute sich engagierten.

Das bedeutet, dass offensichtlich die Leistungen der Stadt als unzu­reichend bewertet werden.

Hier wird besonders deutlich, welche Folgen die seit Jahren von Mehrheitsfraktio­nen im Rat der Stadt betriebene Politik in Verbindung mit der auffälligen Füh­rungsschwäche des Verwaltungsvorstandes hat.

Das Meinungsbild veranlasste Bürger in Bezug auf den Masterplan zur Selbsthilfe, weil sie das Vertrauen in die Richtigkeit und Zweckmäßigkeit von Maßnahmen der Stadtführung verloren ha­ben.

Allem Anschein nach begreifen dies weder der Verwaltungsvorstand noch die anderen Fraktionen im Rat der Stadt.

11-05-09-antwort-auf-fwg-anfrageDas wird klar einerseits aus Antworten des Verwaltungsvorstandes zu Fragen der FWG-Fraktion, andererseits durch den Verwaltungsvorschlag für einen Ratsbeschluss über die Haltung der Stadt zum Masterplanprojekt sowie Diskussion und Abstimmung darüber im Rat.

Anders als in anderen Städten, in denen Masterpläne durch externe Planer erstellt werden, hat Mönchengladbach keinen Einfluss auf die Auswahl der Bereiche, auf die sich der Masterplan beziehen soll.

Die Stadt hat die entsprechende Vorgabe zu akzeptieren, ist die Forderung des Vereins für den Masterplan. Der Verein for­dert darüber hinaus, dass sich der Rat zu dem Projekt des Vereins „bekennt“.

Der Oberbürgermeister leitet diese Forderung weiter und empfiehlt eine entsprechen­de Beschlussfassung. Mit dem Beschluss wird die Stadt in die Funktion der wohlwol­lenden Begleitung dieses wichtigen Projektes gedrängt.

Das Heft des Handelns für einen wesentlichen Teil der Stadtentwicklungsplanung ist ihr aus der Hand ge­nommen. Das ist nur verständlich, wenn man Beschlussempfehlung und Beschluss als Einges­tändnis eigener Unfähigkeit versteht.

Die Tatsache, dass eigene Planungsunterla­gen der Stadt mit Masterplancharakter (z.B. Masterplan Stadtmitte, Innenstadtkon­zept Rheydt, Stadt 2030) vorhanden sind, findet Erwähnung in der Beschlussemp­fehlung.

Doch wird diesen Unterlagen lediglich eine untergeordnete planerische Hilfsfunktion zugewiesen, obwohl sie zum Zeitpunkt Ihrer Vorstellung im Rat allseits als wichtige Grundlage für die weitere Stadtentwicklung gewürdigt worden wa­ren.

Diese Pläne verdienen jedoch nicht die Bewertung, die sie nun erfahren.

Das Engagement der Bürger ist honorig und lobenswert, wäre aber noch sinnvoller zu gestalten gewesen, wenn die Führungskräfte der Stadt ihrer Führungsaufgabe gewachsen wären.

Jahrelang praktizierte Unzulänglichkeiten ­verwaltungstech­nisch wie politisch – führten zu dem Entschluss engagierter Bürger, das Heft des Handelns in der Stadtentwicklung selbst in die Hand zu nehmen.

Möglicherweise führt das im Ergebnis zu einer Ressourcenvergeudung entweder weil der Master­plan nicht vollständig umgesetzt werden kann oder weil vorhandene Planungen , die ebenfalls hohen Aufwand verursachten, ungenutzt bleiben.

Was z.B. passiert, wenn der Masterplaner Empfehlungen gibt, die jeder andere Planer auch geben würde, aber nicht gibt, weil die Umsetzung zu hohe Kosten verursacht, die die Stadt nicht tragen kann?

Ein Beispiel wäre, wenn es zu der aus städtebaulicher Sicht sinnvollen Empfehlung käme, das gerade erst zum Umbau als Buchladen freigegebene Haus „ehemals Hemden Möller“ abzureißen, damit die freiwerden­de Fläche als Platz vor der Marienkirche in Rheydt gestaltet werden kann?

Diese auf der Hand liegende Möglichkeit wäre nicht zu finanzieren, Fehlanzeige für die Umsetzung der Planung. Weitere Beispiele dieser Art sind gut denkbar. Vorherige Abstimmung zur Vermeidung solcher Pannen, wären notwendig gewesen, sind aber versäumt worden.

Im Bereich der Grenze zwischen den Stadtbezirken Nord und Süd, einem möglichen Schwerpunkt der Masterplanung, würden für Pla­nungsempfehlungen Strukturen hinderlich sein, die erst seit der letzten Neueintei­lung des Stadtgebietes in Bezirke verfestigt wurden und nur schwer ­wenn nicht sogar überhaupt nicht – veränderbar sind.

Es wäre Klartext zu reden gewesen, bevor man ein bedingungsloses Bekenntnis zu Absichten empfiehlt bzw. be­schließt, die engagierte, aber nicht in Führungsverantwortung für die Stadtent­wicklung befindliche Bürger für richtig halten.

Die aus der Entwicklung dieser Angelegenheit fließende Erkenntnis ist, dass hier die falschen Führer am Werke waren. Wie viel Geld damit verschwendet wird, ist erst zu einem späteren Zeitpunkt zu beurteilen.

Der Stadt wäre zu wünschen, dass trotzdem am Ende eine Entwicklung möglich würde, die in der Zukunft endlich unumkehrbar gute Ergebnisse zeitigt, was bislang vermisst wird.

Ein Kommentar zu “Was ist los mit unserer Stadt? Eine Betrachtung aus der Sicht der FWG – Teil III: Masterplan”
  1. Hochinteressant die Ausführungen von Herrn Oberem! Man kann nur nicken.

    Warum kommen die anderen Politiker nicht zu solchen Erkenntnissen?

    Sehr schön diese Aussage:

    „Der Oberbürgermeister leitet diese Forderung weiter und empfiehlt eine entsprechende Beschlussfassung. Mit dem Beschluss wird die Stadt in die Funktion der wohlwollenden Begleitung dieses wichtigen Projektes gedrängt.

    Das Heft des Handelns für einen wesentlichen Teil der Stadtentwicklungsplanung ist ihr aus der Hand genommen.

    Das ist nur verständlich, wenn man Beschlussempfehlung und Beschluss als Eingeständnis eigener Unfähigkeit versteht.“

    Was soll man da noch sagen? Danke!!

    Auch dies endlich mal eine vernünftige Aussage zur Stadtplanung in der Rheydter Innenstadt:

    „Ein Beispiel wäre, wenn es zu der aus städtebaulicher Sicht sinnvollen Empfehlung käme, das gerade erst zum Umbau als Buchladen freigegebene Haus „ehemals Hemden Möller“ abzureißen, damit die freiwerdende Fläche als Platz vor der Marienkirche in Rheydt gestaltet werden kann?“

    Darauf hätten Verantwortliche in Politik und Verwaltung schon bei dem Neubau des Hauses kommen müssen. Warum hatte damals niemand die Idee? Der Marienplatz hätte enorm an Attraktivität gewonnen.

    Leider wird das nun nicht mehr geschehen. Jessen wird sich darauf niemals einlassen! Die reiben sich angesichts der Entwicklung dort (unterstützt von SPD und FDP, CDU sowieso) doch nur die Hände!

    Was den Masterplan anbelangt kann man nur hoffen, dass es nicht läuft wie in Köln. Bauwens-Adenauer schenkte seiner Vaterstadt (nicht uneigennützig) einen Masterplan und erklärte auch einem illustren Kreis auf Einladung der IHK Mönchengladbach wie das funktioniert.

    Seine Erläuterungen scheinen auf fruchtbaren Boden gefallen zu sein. Bleibt nur zu hoffen, dass sich Politik und Verwaltung nicht alles (wie von Herrn Oberem beschrieben) aus der Hand nehmen lassen.

    Ist der Wille dazu in Politik und Verwaltung überhaupt vorhanden?

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